Fettleber und Polyneuropathie: Ursachen und Zusammenhänge

Die Fettleber, insbesondere die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), hat sich zu einer weit verbreiteten chronischen Lebererkrankung entwickelt. Parallel dazu rücken Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung zunehmend in den Fokus der Forschung als potenzielle Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen und deren Folgeerscheinungen. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Fettleber, Polyneuropathie und potenziellen Ursachen, einschließlich des Einflusses von Luftschadstoffen.

Was ist eine Fettleber?

Bei einer Fettleber kommt es zu einer übermäßigen Einlagerung von Fett in die Leberzellen (Hepatozyten). Unterschieden wird zwischen der alkoholbedingten Fettlebererkrankung und der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD). Von einer NAFLD spricht man, wenn mehr als 5 Prozent der Leberzellen übermäßig viel Fett angesammelt haben. Die NAFLD hat sich zu einer der häufigsten Ursachen für Lebertransplantationen entwickelt und steht in engem Zusammenhang mit Diabetes, insbesondere Typ-2-Diabetes. Aufgrund der potenziell stigmatisierenden Wirkung des Begriffs "nicht-alkoholische Fettlebererkrankung" wird diskutiert, die Erkrankung in „Stoffwechselstörung-assoziierte steatotische Lebererkrankung“ (MASLD) umzubenennen.

Der Zusammenhang zwischen Fettleber und Typ-2-Diabetes

Die Beziehung zwischen Fettleber und Typ-2-Diabetes ist komplex, da sich beide Erkrankungen gegenseitig beeinflussen können. Oft liegt sowohl bei Typ-2-Diabetes als auch bei NAFLD ein metabolisches Syndrom vor, das durch das gemeinsame Auftreten von bauchbetontem Übergewicht, erhöhten Nüchternblutzuckerwerten, erhöhten Triglyzeridwerten, niedrigen HDL-Cholesterinwerten und Bluthochdruck gekennzeichnet ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Insulinresistenz, bei der die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt.

Die Rolle der Insulinresistenz

Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes und Insulinresistenz besonders gefährdet sind, eine Fettleber zu entwickeln. Die Insulinresistenz führt dazu, dass weniger Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird und vermehrt freie Fettsäuren aus dem Bauchfett freigesetzt werden. Diese Fettsäuren werden in der Leber in Triglyzeride umgewandelt und in den Leberzellen gespeichert, was zur "Verfettung" der Leber führt. Die Fetteinlagerung kann leichte Entzündungen verursachen und die Insulinresistenz weiter verstärken, wodurch ein Teufelskreis entsteht.

Symptome und Diagnose einer Fettleber

Eine Fettleber verursacht oft keine Schmerzen oder Beschwerden. Mögliche Symptome können jedoch anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Druckgefühl im rechten Oberbauch, Völlegefühl, dunkler Urin und heller Stuhl sein. Es ist wichtig zu beachten, dass auch bei normalen Leberwerten eine Fettleber vorliegen kann.

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Zur Diagnose einer Fettleber werden verschiedene Methoden eingesetzt. Zunächst wird der allgemeine Gesundheitszustand durch Messung von BMI, Bauchumfang und Blutdruck beurteilt. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über Leberwerte, Blutzuckerwerte und Blutfette geben. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanzspektroskopie (MRS) und Elastographie können eingesetzt werden, um die Fettleber zu visualisieren und den Fettgehalt sowie die Elastizität der Leber zu bestimmen. In einigen Fällen ist eine Leberbiopsie erforderlich, um andere Lebererkrankungen auszuschließen und das Ausmaß der Leberschädigung zu beurteilen.

Gesundheitsrisiken einer Fettleber

Eine unbehandelte Fettleber kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, insbesondere wenn es bereits zu Entzündungen und Fibrose (Bindegewebseinlagerungen) gekommen ist. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich eine Zirrhose (Vernarbung der Leber) entwickeln, die die Leberfunktion beeinträchtigt und zu Komplikationen wie Wasserbauch, Funktionsstörungen des Gehirns, Leberkrebs und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen und diabetische Polyneuropathie führen kann.

Behandlung und Prävention der Fettleber

Für die NAFLD gibt es derzeit keine zugelassene medikamentöse Therapie, obwohl verschiedene Medikamente erforscht werden. Im Vordergrund der Behandlung steht die Umstellung des Lebensstils. Gewichtsreduktion bei Übergewicht, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin können sich positiv auf die Fettleber auswirken. Eine mediterrane Ernährung mit reduziertem Konsum von schnell wirkenden Kohlenhydraten und gesättigten Fettsäuren wird empfohlen.

Fettleber und Polyneuropathie: Der Einfluss von Luftschadstoffen

Die distale sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) ist eine häufige Begleiterkrankung bei Menschen mit Diabetes und Adipositas. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Luftschadstoffe eine Rolle bei der Entstehung von DSPN spielen könnten, insbesondere bei adipösen Personen.

Eine Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und des Helmholtz Zentrums München untersuchte den Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und dem Risiko für DSPN bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Die Ergebnisse zeigten, dass eine höhere Luftschadstoffbelastung nicht mit einem erhöhten Neuropathie-Risiko in der gesamten Studienpopulation oder bei Personen mit Diabetes verbunden war, jedoch bei Personen mit Adipositas. Dies deutet darauf hin, dass Adipositas und Luftverschmutzung synergistische Effekte auf die Entwicklung von DSPN haben könnten.

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Luftschadstoffe als Risikofaktor

Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide werden seit einigen Jahren als Risikofaktoren für Diabetes und seine Begleiterkrankungen diskutiert. Die Exposition gegenüber höheren Konzentrationen dieser Schadstoffe ist auch mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, die eine häufige Folgeerkrankung des Diabetes darstellen. Die Studienergebnisse des DDZ legen nahe, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen, insbesondere Menschen mit Adipositas, anfälliger für die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen sind.

Deutsche Diabetes-Studie

Die Deutsche Diabetes-Studie (DDS) hat das Ziel, frühzeitig Marker für unterschiedliche Verlaufsformen des Diabetes zu identifizieren, um neue Therapie- und Vorsorgekonzepte für Folgeerkrankungen zu entwickeln. Im Rahmen der DDS wurden verschiedene Subtypen von Typ-2-Diabetes identifiziert, die unterschiedliche Risikomuster für die Entwicklung diabetesbedingter Komplikationen aufweisen. So wurde beispielsweise festgestellt, dass der Subtyp "schwerer insulinresistenter Diabetes" (SIRD) ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung einer nicht-alkoholischen Fettleber aufweist, während der Subtyp "schwerer insulindefizitärer Diabetes" (SIDD) ein erhöhtes Risiko für diabetische Neuropathie aufweist.

Präzisionsmedizin

Die neuen Erkenntnisse über die Diabetesklassifikation ermöglichen eine gezieltere Prävention und Behandlung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Durch die Zuordnung zu spezifischen Subtypen können Therapieformen spezifisch abgestimmt werden, um Folgeerkrankungen zu verzögern oder sogar zu vermeiden. Dieser Ansatz stellt einen Schritt in Richtung Präzisionsmedizin dar.

Weitere Ursachen von Polyneuropathie

Neben Diabetes, Adipositas und Luftschadstoffen gibt es eine Reihe weiterer Ursachen für Polyneuropathie. Dazu gehören:

  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einer alkoholischen Polyneuropathie führen.
  • Familiäre Amyloid-Polyneuropathie (FAP): Hierbei handelt es sich um eine seltene, vererbte genetische Erkrankung, bei der sich fehlerhafte Proteine im Nervensystem ablagern und zu Nervenschädigungen führen.
  • Leberzirrhose: Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Leberzirrhose zu einer Polyneuropathie führen.
  • Metabolisches Syndrom: Das Metabolische Syndrom mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel kann ebenfalls zur Entstehung einer Polyneuropathie beitragen.

Die Domino-Lebertransplantation bei FAP

Bei der familiären Amyloid-Polyneuropathie (FAP) kann eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden, um die Produktion des fehlerhaften Proteins zu stoppen. Eine spezielle Form der Lebertransplantation ist die Domino-Lebertransplantation, bei der die Leber des FAP-Patienten an einen anderen Empfänger weitergespendet wird. Dieses Verfahren erweitert den Spenderpool und ermöglicht es, auch schwerstkranken Patienten mit niedrigen MELD-Werten eine Transplantation zu ermöglichen. Allerdings besteht bei Domino-Lebertransplantationen das Risiko, dass der Empfänger im Laufe der Zeit eine De-novo-Amyloidose entwickelt.

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