Die Verbindung zwischen dem Nervensystem, dem Gehirn und den Zähnen ist komplexer, als viele Menschen ahnen. Zahnfehlstellungen oder Störungen der Kiefergelenksfunktion können weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Nervensystem haben und zu Symptomen führen, die scheinbar unabhängig voneinander auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge und zeigt, wie ein ganzheitlicher Ansatz in der Zahnmedizin zu einer besseren Lebensqualität beitragen kann.
Die Rolle des Nervus trigeminus
Ein zentraler Akteur in dieser Verbindung ist der Nervus trigeminus, der bedeutendste Nerv im Bereich des Gesichts und des Kaumuskelsystems. Er ist nicht nur für die Empfindung im Gesicht verantwortlich, sondern steuert auch die Muskulatur, die für das Kauen und Sprechen notwendig ist. Was viele nicht wissen: Der Nervus trigeminus hat eine außergewöhnlich hohe Repräsentanz im Gehirnstamm und zeigt hier eine ausgeprägte Dominanz.
Auswirkungen von Zahnfehlstellungen und Kiefergelenksstörungen
Eine Fehlstellung der Zähne oder eine Störung der Kiefergelenksfunktion kann weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Nervensystem haben. Das erklärt, warum Zahnfehlstellungen oft nicht nur zu Kieferschmerzen führen, sondern auch auf scheinbar unabhängige Bereiche des Körpers ausstrahlen können - mit Symptomen wie Tinnitus, Schwindel, Kopfschmerzen oder Nackenverspannungen.
Viele Patienten haben bereits eine jahrelange Arztodyssee hinter sich, ohne dass die wahre Ursache ihrer Schmerzen erkannt wurde. Hier setzt die ganzheitliche Herangehensweise an, die nicht nur die Zähne, sondern den gesamten Menschen betrachtet - von der Zahnstellung über die Kiefergelenksfunktion bis hin zu den komplexen Nervenverbindungen im Stammhirn.
Fallbeispiel: Tinnitus und Schwindel durch Zahnfehlstellung
Ein eindrucksvolles Beispiel für die komplexen Zusammenhänge ist der Zusammenhang zwischen Tinnitus, Schwindel und einer fehlerhaften Bisslage. Viele Betroffene leiden unter einem ständigen Ohrgeräusch oder Schwindelgefühl, ohne zu wissen, dass die Ursache im Mund liegt.
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Die Wahrnehmung von Geräuschen und Gleichgewicht wird im Innenohr gesteuert, während die elektrochemische Verarbeitung dieser Reize im Stammhirn stattfindet - in direkter Nachbarschaft zu den Nervenverbindungen des Nervus trigeminus. Kommt es durch eine fehlerhafte Bisslage zu einer Überaktivität des Nervus trigeminus, kann dies zu einer Reizung der benachbarten Nervenzellen führen, die für die Geräusch- und Gleichgewichtswahrnehmung zuständig sind. Die Folge: Tinnitus und Schwindel, ausgelöst durch eine Zahnfehlstellung.
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Immer mehr Menschen leiden heutzutage unter Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen. Deren Ursachen sind sehr oft in funktionellen Störungen des Zusammenspiels der Zähne, der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur sowie von Halswirbelsäule und Kopfgelenk zu suchen. Schon wenn einzelne Zähne beim Zubeißen zu früh Kontakt miteinander haben, kann dies zur Verschiebung von Halswirbeln führen, d.h. die Zähne sind über das Kiefergelenk verantwortlich für Schmerzen und Verschiebungen in der Wirbelsäule.
Kauapparat und Halswirbelsäule bilden eine funktionelle Einheit, jede Veränderung im Kauapparat beeinflusst reflektorisch sofort die Halswirbelsäule. Dass dies auch unmittelbar Konsequenzen für andere Körperregionen hat, wird verständlich, wenn man bedenkt, dass von der Halswirbelsäule Nerven in verschiedene Bereiche des Organismus ziehen.
Ursachen und Zusammenhänge
Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet in der Medizin ganz allgemein alle die Störungen, die auf eine Falschfunktion der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur zurückgeführt werden können. Beim Beissen und Kauen verrichten wir Muskelarbeit. Dabei belastet ein enormer Druck unsere Zähne, und deshalb kann ein falscher Biss die gesamte Körperstatik erheblich stören und aus dem Gleichgewicht bringen:
Fehlstellungen und Verformungen wie Schulterschiefstände, Beckentiefstände oder -schiefstände, Verformungen der Wirbelsäule und Differenzen der Beinlängen können verursacht werden. Migräne sowie unterschiedliche Arten von Kopf- oder Gesichtsschmerzen, Augenschmerzen, Flimmern, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, Schwindelattacken, Ohrgeräusche, Nackenverspannungen, Schmerzen in Hüft-, Knie- und Sprunggelenk, nichts ist unmöglich!
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Muskelverspannungen im Kopf- und Halsbereich breiten sich als Kettenreaktionen im gesamten Körper aus. Der menschliche Organismus ist sehr anpassungsfähig und kann Störungen oft über eine lange Zeit bis zu einem gewissen Punkt kompensieren. Geht man jedoch über diesen Punkt hinaus, z.B. durch zusätzliche Änderungen im Kauapparat, bricht das System zusammen und der Betroffene wird krank.
Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie
Daher erscheint es als große Herausforderung, interdisziplinäre Diagnostik- und Therapieansätze weiter zu entwickeln, um schon frühzeitig vor allem den Patienten mit chronischen Schmerzen Behandlungsmöglichkeiten zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit sowie einer guten Lebensqualität anbieten zu können. Bei Patienten mit Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) wird zunächst die Bissposition untersucht. Dabei wird die Zuordnung des (beweglichen) Unterkiefers zum (im Schädel verankerten) Oberkiefer (sog. Kieferrelation) in allen räumlichen Ebenen festgestellt. Für diese Kieferrelationsbestimmung gibt es mehr als eine allgemein akzeptierte Methode.
Zur Therapie der Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) werden unterschiedliche Verfahren und Systeme angewendet, um Patienten eine ideale zentrische Bissposition zu geben. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Unterkiefer ohne Manipulation durch den Zahnarzt in eine individuell bestimmte und muskulär entspannte Position gebracht werden kann.
Dabei wird die sog. Myozentrikschiene eingesetzt. Durch sie führen wir den Unterkiefer langsam in eine myozentrische, d.h. für die Muskulatur ideale, Position zurück und erreichen damit in Kombination mit begleitender manueller und orthomolekularer Therapie oftmals eine Auflösung von bestehenden Blockaden und damit spürbare und dauerhafte Erleichterung des bestehenden Beschwerdebildes. Wir fördern auf diesem Wege nachhaltig die Gesundheit des gesamten Organismus. Da das Muskelspiel bei CMD-Patienten meist gestört ist, ist oft eine Vorbehandlung notwendig, um den Patienten erfolgreich mit der Myozentrikschiene behandeln zu können. Falls notwendig werden daher in die vorbereitende Therapie auch manuelle Therapeuten, Physiotherapeuten, Osteopathen etc. mit eingebunden.
Bruxismus: Zähneknirschen und Zähnepressen
Viele Menschen knirschen mit den Zähnen. Was steckt dahinter? Was hilft? Und lässt sich die Kraft des Kiefers womöglich auch anders nutzen? Laut einer systematischen Literaturanalyse arbeiten rund 13 Prozent der Erwachsenen nächtens kräftig mit ihren Kiefern. Bis zu 31 Prozent tun dies sogar tagsüber ohne dabei etwas zu essen.
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Fachleute sprechen übrigens nicht von Zähneknirschen, sondern von Bruxismus. Das umfasst nicht nur das Über- und Aneinandergleiten der Zähne, also das klassische Knirschen; damit ist ebenfalls ein krampfhaftes Zusammenpressen der Kiefer gemeint. Und dann gibt es noch die Schmatzer oder Hacker. »Sie arbeiten in rhythmischen Bewegungen mit ihren Zähnen«, berichtet die Zahnärztin Ingrid Peroz von der Berliner Charité. Unter Bruxismus fällt ebenso das Anspannen der Kiefermuskulatur, ohne dass die Zähne überhaupt in Kontakt kommen.
Ursachen und Auswirkungen
Die Ursachen für Bruxismus sind nicht ganz leicht auszumachen. Und nicht alle Ursachen sind bekannt. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gilt Bruxismus als „multifaktoriell bedingt“. Das bedeutet, er beruht auf einer Kombination verschiedener Ursachen.
Mögliche Ursachenquelle, besonders für das Zähneknirschen nachts: die Psyche. Zu viele geschäftliche und private Termine, zu anspruchsvolles Leistungsdenken und der strenge innere Kritiker - nur ein Teil dessen, was uns belastet. Insbesondere dann, wenn Ängste oder Depressionen dazukommen, ist das Stresslevel dauerhaft erhöht.
Natürlich schadet dieser Stress auf Dauer Ihrer Seele. Aber er hat auch Auswirkungen auf Ihren Körper: die ständige Anspannung manifestiert sich in Ihrem Organismus und bleibt erst mal dort. Um sie loszuwerden, muss der Körper sie aktiv abbauen - unter anderem durch Knirschen oder Pressen der Zähne.
Symptome und Diagnose
Akute Schmerzen in den Kiefergelenken und Zahnschmerzen können auf Bruxismus hindeuten, vor allem dann, wenn Sie zusätzlich ein Druckgefühl im Kiefer verspüren. Sie haben Schwierigkeiten damit, den Mund zu öffnen? Knirschen und Pressen sorgen dafür, dass Kaumuskeln und Kiefergelenke ständig unter Druck stehen. Wer mit den Zähnen knirscht oder presst, kann mit der Zeit feststellen, dass sich die Kauflächen und Zähne abreiben. Auch erste keilförmige Defekte im Bereich der Zahnhälse können auftreten und zu einer erhöhten Temperatur- und Säureempfindlichkeit führen. Eventuell geht auch das Zahnfleisch fühl- und sichtbar zurück.
Durch den starken Druck werden die Zähne stark traumatisiert, so dass es durch das Pressen und Knirschen zu Rissen im Zahn oder Brüchen kommen kann. Nimmt der Zahnnerv dabei Schaden, kann der Zahn im schlimmsten Fall verloren gehen.
Der Dauerdruck kann sich mit der Zeit im Körper in Form von Verspannungen und Muskelverhärtungen manifestieren, die zu akuten oder chronischen Schmerzen wie Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen durch Zähneknirschen führen. Eine vorhandene CMD kann entstehen oder sich ausweiten. Je länger und intensiver Sie mit den Zähnen knirschen oder pressen, desto mehr Schmerzen, Störungen und Schäden haben Sie. Das schadet auf Dauer auch Ihrer Psyche. Die Folge: eine erhöhte nervliche Belastung und Schlafstörungen.
Therapieansätze
Da die Ursachen und Folgen von Bruxismus in jedem Fall ganz individuell sind, gibt es kein allgemeingültiges Therapiekonzept. Daher können wir jeden Patienten nur ganz individuell beraten und behandeln. Wichtig ist, so schnell wie möglich einzugreifen, um die Folgen möglichst gering zu halten.
Nach Vermessung von Biss und Kiefergelenk wird die Schiene gegen Zähneknirschen im Dentallabor von Zahntechnikern passgenau aus speziellen Kunststoff hergestellt. Auch Botulinumtoxin Typ A (auch Botox genannt) kann gegen Zähneknirschen und Zähnepressen helfen. Der unter dem Bruxismus stark angewachsene Muskel entspannt sich mit Botox, und mit ihm Ihr gesamter Kiefer.
Achten Sie zusätzlich auf gezielten Stressabbau und ein gutes Stressmanagement. Bauen Sie Pausen zur Entspannung in Ihren Tag ein und nutzen Sie bewährte Methoden wie Autogenes Training als Entspannungsübungen gegen Bruxismus. Auch Beruhigungstees & Co. können als Hausmittel gegen Zähneknirschen eingesetzt werden. Setzen Sie gezielt auf ausreichenden körperlichen Ausgleich durch einen Sport Ihrer Wahl, der Ihnen Spaß macht und gut tut.
Zahngesundheit und Allgemeingesundheit
Zähne gesund - Mensch gesund: Schon der gute alte Paracelsus wusste um die Wichtigkeit der Zähne für unseren Körper und unsere Seele. Auch umgekehrt gilt: Erkrankungen im Mund können große Auswirkungen auf Ihren Organismus und Ihre Psyche haben.
Der menschliche Körper ist ein komplexes System, dessen Teile über Muskeln, Nervenbahnen und Blutgefäße miteinander in Verbindung stehen. Kommt es an einer Stelle zu einer Störung, kann es sein, dass sich diese nicht nur dort, sondern ganz woanders - und mittelbar auch in der Psyche - bemerkbar macht. So können beispielsweise bakterielle Entzündungen im Mundraum wie Karies, Zahnwurzelentzündungen oder Parodontitis nicht nur Ihrer Zahngesundheit schaden, sondern auch Ihre Allgemeingesundheit massiv beeinträchtigen: Ihr Immunsystem wird belastet und geschwächt. Dadurch haben es Erreger auch an anderen Stellen des Körpers leichter. Über die Blutbahn gelangen die Bakterien in den restlichen Körper. Dort erhöhen sie nachweislich das Risiko für Folgeerkrankungen. Im Gehirn kann die Entzündung über Botenstoffe zu Verhaltensänderungen führen. Mögliche Folge: Sie erkranken an Depressionen.
Auswirkungen von Karies, Zahnwurzelentzündungen und Zysten
Karies, eine Infektionskrankheit, wird durch Kariesbakterien hervorgerufen. Sie produzieren Säuren, die dem Zahn Mineralien entziehen und ihn so schädigen. Unbehandelt kann die Entzündung überhandnehmen und über Zahnfleisch und Knochen auf den gesamten Zahnhalteapparat übergreifen (Parodontitis). Mögliche Folgen: Zahnlockerung und Zahnverlust. Außerdem steigt das Risiko für Folgeerkrankungen: Über die Blutbahn können die Kariesbakterien in den restlichen Organismus gelangen. Dort bewirken sie, dass vermehrt Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet werden. Dies führt mittelbar zu einer Verhärtung der Gefäßwände (Arteriosklerose). So ist insbesondere das Risiko erhöht für Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie andere Herz-/Kreislauf-Beschwerden.
Über die Zahnwurzel sind Blutkreislauf und Zahn miteinander verbunden. Durch Löcher oder Risse im Zahnschmelz, etwa nach einem Unfall oder nach Karies, können Bakterien ins Zahninnere vordringen und eine Zahnwurzelentzündung (Pulpitis) auslösen. Eine Pulpitis zeigt sich vor allem durch sehr starke pulsierende Schmerzen. Greift die Entzündung auf den Knochen über, ist der Zahn in Gefahr. Ähnlich wie bei Karies und Parodontitis können die Bakterien über die Blutbahn in Ihren restlichen Körper gelangen und führen zu Erkrankungen des Herz-/Kreislauf-Systems, Diabetes, Rheuma sowie Frühgeburten.
Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Kiefer, die langsam wachsen und deshalb oft erst spät (meist durch Zufall im Röntgenbild) bemerkt werden. Zysten verdrängen gesunde Strukturen und zerstören sie. Deshalb sind sie immer behandlungsbedürftig. Das kann passieren, wenn Sie eine Zyste am Zahn haben: Die Zähne können sich verschieben oder kippen. Möglicherweise wird die Zahnwurzel abgebaut, wodurch sich der Zahn lockern oder sogar ganz ausfallen kann. Der Kieferknochen kann aufquellen und sich verformen oder gar brechen.
Psychische Auswirkungen von Zahnerkrankungen
Zahnbeschwerden können sehr belastend sein. Wussten Sie aber, dass einige Wissenschaftler glauben, dass es möglich ist, dass eine Entzündung in Ihrem Mundraum eine waschechte Depression auslösen kann? Bestimmte Forschungsergebnisse lassen jedenfalls auf einen direkten Zusammenhang zwischen Immunsystem und Depression schließen.
So zeigen Studien beispielsweise auf, dass bei Menschen mit Depressionen der Entzündungsmarker CRP deutlich erhöht ist.
Prophylaxe als Schutz für Körper und Psyche
Der wichtigste Schritt, um Ihren Körper und Ihre Psyche vor Krankheiten zu schützen, die ihren Ursprung im Mundraum haben, ist der halbjährliche Gang zur Prophylaxe. Bei Ihrer Vorsorgeuntersuchung erkennen wir drohende Entzündungen und kiefergelenksbedingte Dysbalancen rechtzeitig und können diesen entgegen wirken. Eine Professionelle Zahnreinigung ergänzt die Prophylaxe und ist wichtiger Bestandteil Ihrer aktiven Gesundheitsvorsorge. Mit dieser Kombination erhöhen Sie Ihre Chancen, nicht nur mit Ihren eigenen Zähnen alt zu werden, sondern sich auch körperlich und geistig fit zu fühlen und gesund zu bleiben.
Die Kiefer-Hirn-Connection
Viele Menschen knirschen mit den Zähnen. Was steckt dahinter? Was hilft? Und lässt sich die Kraft des Kiefers womöglich auch anders nutzen?
Emotionen Einfluss auf die Kaumuskulatur haben, sei sicherlich in der Evolution angelegt. »Dieses evolutionäre Muster ist in jedem von uns, auch in Tieren. Das haben wir seit Millionen Jahren«, stimmt ihr Tübinger Kollege Hahn zu. Gefühle wie Wut oder Aggression lösen häufig eine starke Kieferanspannung aus, der Unterkiefer wird in Eckzahnposition nach vorne geschoben. Verantwortlich dafür ist ein Nervengeflecht namens Formatio reticularis, das den Hirnstamm bis zum Rückenmark durchzieht. Es reguliert Emotionen, die Motorik und andere lebenswichtige Funktionen. Diese Nerven sind eng mit der Kiefermuskulatur verschaltet. Forschende haben herausgefunden, dass aggressives Beißen unter anderem den Pegel des Stresshormons Noradrenalin sinken lässt.
Das Gehirn: Die Steuerzentrale des Körpers
Das Gehirn ist nicht alles, aber ohne das Gehirn läuft nichts. Es ist die Steuerzentrale für lebenswichtige Abläufe im Körper. Das Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen und Milliarden von vernetzten Nervenzellen. Das Gehirn steuert alle wichtigen Fähigkeiten des Menschen: was wir wahrnehmen und empfinden, was wir wissen und denken oder wie wir uns verhalten. Es stellt aber auch sicher, dass unsere Organe richtig arbeiten und steuert all unsere Bewegungen. Es nimmt Sinneseindrücke auf und verarbeitet sie. Außerdem speichert es Informationen im Gedächtnis und ruft sie bei Bedarf wieder ab.
Die verschiedenen Bereiche des Gehirns
Man unterscheidet verschiedene Bereiche im Gehirn, wobei jeder Bereich auf bestimmte Aufgaben spezialisiert ist. Der Hirnstamm ist der älteste Gehirn-Teil in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Er verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. Zum Hirnstamm werden drei Hirn-Abschnitte gerechnet: verlängertes Mark, Mittelhirn und Brücke. Der Hirnstamm ist u. a. Durch den Hirnstamm verlaufen wichtige Nerven-Bahnen. Sie sorgen dafür, dass eingehende Sinneseindrücke aus dem Körper an das Großhirn weitergeleitet werden. Umgekehrt leiten sie auch Informationen vom Großhirn zu den Nervenzellen des Rückenmarks. Diese sind z. B. Außerdem regelt der Hirnstamm lebenswichtige Systeme wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck. Auch wichtige Körperreflexe haben hier ihren Sitz.
Das Zwischenhirn ist für viele überlebenswichtige Empfindungen und Instinkte des Menschen verantwortlich. Hier werden zum Beispiel Durst und Hunger oder der Schlaf gesteuert. Auch an der Verarbeitung von Sinneseindrücken wie Sehen, Hören oder Tasten ist das Zwischenhirn beteiligt.
Der Thalamus ist die wichtigste Schaltstation für Informationen aus den Sinnesorganen. Äußere Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Tasten gehen hier ein. Hier werden sie verarbeitet und bewertet - jedoch, ohne dass sie uns bereits bewusst sind. Wichtige Informationen werden an das Großhirn weitergeleitet und dort bewusst gemacht. Der Thalamus ist also ein wichtiger Informationsfilter. Er sorgt dafür, dass das Großhirn und das Bewusstsein nicht von Signalen überflutet werden.
Der Hypothalamus regelt zahlreiche automatische Vorgänge im Körper. Dazu gehören die Körpertemperatur, Wasser- und Salz-Haushalt oder auch die Magen-Darm-Funktion. Er ist auch am Entstehen des Durst-, Hunger- und Sättigungs-Gefühls beteiligt. Gemeinsam mit der Hirn-Anhang-Drüse (Hypophyse) reguliert der Hypothalamus wichtige Hormone im Körper. Im Zusammenspiel mit anderen Gehirn-Bereichen ist der Hypothalamus auch für Gefühle zuständig, wie z. B.
Zum limbischen System gehören verschiedene Teile im Zentrum des Gehirns. Es spielt eine wichtige Rolle bei Gefühlen und triebgesteuertem Verhalten (z. B. essen oder trinken).
Das Kleinhirn ist wichtig für das Gleichgewicht und die Koordination. Gemeinsam mit dem Großhirn steuert es die Muskeln und somit die Bewegungen. Außerdem sorgt es ganz wesentlich mit dafür, dass die Muskel-Spannung des Körpers erhalten bleibt. Während das Großhirn vorrangig für bewusste Bewegungen zuständig ist, steuert das Kleinhirn bereits gelernte Bewegungsabläufe. Hier werden bestimmte Bewegungsabfolgen wie Tanzschritte oder das Schalten beim Autofahren gespeichert.
Das Großhirn ist der jüngste Gehirn-Teil in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Es ist zugleich der größte Teil des menschlichen Gehirns. Das Großhirn ermöglicht die sogenannten „höheren“ Hirnfunktionen, wie Motivation, Lernen, Denken oder Verstehen. Die Großhirn-Rinde bedeckt die gesamte Oberfläche des Großhirns. Sie ist etwa 1,5 bis 4,5 Millimeter dick und enthält fast drei Viertel aller Nervenzellen des Gehirns. Hier gehen wichtige Sinneseindrücke ein. Sie werden sortiert, bewusst gemacht, gespeichert und sinnvoll miteinander verknüpft. Dadurch ist es dem Menschen möglich, zielgerichtet zu handeln. In der Großhirn-Rinde sitzen auch die Wahrnehmung und der Wille. Auch wesentliche Teile unseres Gedächtnisses liegen in der Großhirn-Rinde. Denken und Erinnern sind hier verankert, willentliche Bewegungen werden gesteuert.
Vernetzung im Gehirn
Je größer das Gehirn, umso intelligenter der Mensch? Das stimmt so nicht. Intelligenz hängt nicht so sehr von der Größe des Gehirns ab. Vielmehr ist entscheidend, wie gut die einzelnen Nerven-Zellen und Gehirn-Bereiche miteinander vernetzt sind. Die Haupt-Verbindungen im Gehirn entwickeln sich schon vor der Geburt. Aus der Gehirn-Forschung weiß man aber, dass sich neue Kontakte zwischen Nerven-Zellen über das gesamte Leben ausbilden. Auch alte Verknüpfungen können sich verändern.
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