Kann eine Erkältung den Sehnerv beeinträchtigen? Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Erkältung ist eine häufige Virusinfektion, die hauptsächlich die Atemwege betrifft. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen und allgemeines Unwohlsein. Viele Menschen bemerken jedoch während oder nach einer Erkältung auch Augenbeschwerden oder leichte Veränderungen ihrer Sehleistung. Dieser Artikel untersucht, wie eine Erkältung den Sehnerv indirekt beeinflussen kann, welche Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Ursachen für Sehstörungen im Zusammenhang mit Erkältungen

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Eine Nasennebenhöhlenentzündung, auch Sinusitis genannt, entwickelt sich oft als Folge einer Erkältung. Dabei entzünden sich die Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen, was zu einer Verstopfung der Nase führt. Die feinen Verbindungskanäle zwischen der Nasenhöhle und den Nebenhöhlen schwellen an, wodurch der Abtransport von Sekret behindert wird.

Symptome einer Sinusitis:

  • Schmerzen in der Stirn, im Kiefer oder um die Augen herum
  • Verschlimmerung der Schmerzen beim Vorbeugen
  • Eingeschränkter oder fehlender Geruchssinn
  • Angeschwollene Gesichtspartien über den Nebenhöhlen

Der Druck, der durch die Ansammlung von Schleim in den Nasennebenhöhlen entsteht, kann sich auf die Augen auswirken und Kopfschmerzen sowie ein Schweregefühl um die Augen herum verursachen.

Trockene Augen

Während einer Erkältung kommt es häufig zu trockenen Augen, obwohl dies meist nicht direkt durch die Erkältung verursacht wird. Faktoren wie vermehrte Mundatmung bei verstopfter Nase, trockene Innenraumluft in der Winterzeit oder unzureichende Flüssigkeitsaufnahme tragen dazu bei, dass die Augen weniger gut befeuchtet werden.

Symptome trockener Augen:

  • Trockenheit
  • Brennen
  • Fremdkörpergefühl

Ein Mangel an Tränenflüssigkeit kann zu unscharfem Sehen führen, insbesondere am Morgen.

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Lichtempfindlichkeit

Eine Erkältung aktiviert das Immunsystem, das verstärkt Entzündungsstoffe ausschüttet. Diese allgemeine Entzündungsreaktion kann die Augen lichtempfindlicher machen.

Symptome der Lichtempfindlichkeit (Photophobie):

  • Unbehagen bei hellem Licht
  • Schmerzen in den Augen bei Lichteinfall
  • Zusammenkneifen der Augen

Die gereizten Augen reagieren stärker auf Helligkeit und grelles Licht, was die Sehleistung beeinträchtigen kann.

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Bestimmte virale Infektionen, die eine Erkältung verursachen, wie beispielsweise Adenoviren, können auch zu einer Bindehautentzündung führen.

Symptome einer Bindehautentzündung:

  • Rötung
  • Juckreiz
  • Verstärkte Tränenbildung
  • Fremdkörpergefühl

Die virale Konjunktivitis kann die Sehleistung beeinträchtigen, da die Oberfläche des Auges gereizt ist und das Sehen oft verschwommen wirkt. Die Augen können zudem verklebt sein.

Seltene Ursachen für Sehnervenentzündung im Zusammenhang mit Infektionen

In seltenen Fällen kann eine Sehnervenentzündung nach Virusinfektionen auftreten. Beispiele sind Masern, Mumps, Windpocken, Röteln, Keuchhusten oder eine Epstein-Barr-Virus-Infektion. Bei Kindern kommt dies häufiger vor. Ein bis drei Wochen nach der Infektion tritt plötzlich ein Sehverlust auf, manchmal an beiden Augen. Meist erholt sich das Sehvermögen ohne Behandlung. Manchmal sind dabei Medikamente wie Kortison oder Mittel gegen Viren nötig.

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Bei bakteriellen Infektionen sind in der Regel Antibiotika erforderlich. Das gilt zum Beispiel bei Nebenhöhlenentzündungen, Katzenkratzkrankheit, Syphilis oder Borreliose.

Sehnervenentzündung (Optikusneuritis)

Eine Sehnervenentzündung, in der Fachsprache Optikusneuritis genannt, ist eine Entzündung des Sehnervs, der Informationen vom Auge zum Gehirn leitet. Diese Erkrankung tritt meist bei Menschen zwischen 18 und 45 Jahren auf.

Symptome einer Sehnervenentzündung:

  • Verschwommene Sicht auf einem Auge
  • Schmerzen bei Augenbewegungen
  • Teile des Blickfelds können ausfallen
  • Leichter Druck auf das Auge kann wehtun
  • Schwierigkeiten beim Erkennen von Kontrasten, beim Farbsehen und beim räumlichen Sehen

Die Sehprobleme entwickeln sich normalerweise innerhalb weniger Stunden oder Tage. Nach zwei bis vier Wochen verbessern sich die Beschwerden meistens von selbst. Bei wiederholten Entzündungen kann der Sehnerv mit der Zeit schrumpfen.

Wann spricht man von einer untypischen Sehnervenentzündung?

Eine Sehnervenentzündung gilt als untypisch, wenn:

  • die Person jünger als 18 oder älter als 45 Jahre ist
  • keine Schmerzen auftreten
  • beide Augen betroffen sind
  • sich die Beschwerden nicht von selbst bessern

Auch wenn der Arzt sofort Veränderungen an der Papille sieht, ist das ungewöhnlich. Die Papille ist die Stelle, an der der Sehnerv ins Auge eintritt.

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Zusammenhang mit Multipler Sklerose

Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Sehnervenentzündung und Multipler Sklerose (MS): Bei 15 bis 20 Prozent aller MS-Patienten ist eine Sehnervenentzündung das erste Anzeichen der Krankheit. Bei der Hälfte aller MS-Patienten tritt irgendwann eine Sehnervenentzündung auf. Nach einer Sehnervenentzündung besteht eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent, innerhalb von zehn Jahren MS zu entwickeln.

Diagnose einer Sehnervenentzündung

Um die Diagnose "Sehnerventzündung" stellen zu können, befragt der Arzt den Patienten zunächst ausführlich zur Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei werden unter anderem folgende Fragen gestellt:

  • Wann hat sich Ihr Sehen verschlechtert?
  • Bereiten Ihnen Augenbewegungen Schmerzen?
  • Ist das Sehen auf einer Seite schlechter als auf der anderen?
  • Waren Sie in der letzten Zeit erkältet oder hatten Sie Fieber?
  • Hatte ein Familienmitglied von Ihnen bereits ähnliche Symptome?
  • Leiden Sie an einer Grunderkrankung (z.B. Multipler Sklerose, Lupus erythematodes)?
  • Ist in Ihrer Familie ein Fall von Multipler Sklerose bekannt?
  • Ist Ihnen schwindelig oder haben Sie Schwächen Ihrer Muskulatur bemerkt?
  • Rauchen Sie, trinken Sie Alkohol oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Sind die Beschwerden bei Wärme stärker (zum Beispiel,wenn Sie ein Bad nehmen, in der Sauna sitzen oder Sport machen)?
  • Nehmen Sie Lichtblitze wahr?

Untersuchungen bei Sehnerventzündung

Anschließend folgen verschiedene Augenuntersuchungen:

  • Bestimmung der Sehschärfe: Mithilfe einer Buchstaben- oder Zahlentafel wird die Sehschärfe bestimmt. Sie ist bei einer Sehnerventzündung gemindert.
  • Test der Pupillenreaktion: Der Arzt leuchtet abwechselnd mit einer kleinen Lampe in die Augen und beobachtet die Reaktion der Pupillen. Bei einer Sehnervenentzündung ist dieser Reflex gestört.
  • Prüfung der Augenbeweglichkeit: Der Arzt überprüft die Beweglichkeit der Augen. Dazu soll der Patient seinem Finger oder einem Stift ausschließlich mit dem Blick folgen und angeben, ob die Augenbewegungen Schmerzen verursachen oder Doppelbilder gesehen werden.
  • Bestimmung des Gesichtsfeldes: Das Gesichtsfeld wird getestet, um Einschränkungen im peripheren Sehen festzustellen.
  • Untersuchung des Augenhintergrundes: Der Arzt spiegelt den Augenhintergrund (Funduskopie), um die Netzhaut und die Papille zu beurteilen.
  • Prüfung der Farbwahrnehmung: Die Farbwahrnehmung wird getestet. Bei einer typischen Neuritis nervi optici ist vor allem die Farbsättigung für Rot abgeschwächt.
  • Test der Sehnervleitung: Mithilfe von visuell evozierten Potenzialen (VEP) kann die Leitungsgeschwindigkeit des Sehnervs überprüft werden.

Weiterführende Diagnostik

Bei einer erstmals aufgetretenen typischen Sehnerventzündung entwickelt der Patient im Verlauf der nächsten fünf Jahre in etwa 30 Prozent der Fälle eine Multiple Sklerose (MS). Um sie zu diagnostizieren, werden eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule gemacht. Außerdem ist eine Liquorpunktion notwendig.

Bei einer atypischen Sehnerventzündung können andere Krankheiten ursächlich sein. Deshalb wird häufig Blut abgenommen, um es auf verschiedene Krankheitserreger oder Antikörper hin zu untersuchen.

Behandlungsmöglichkeiten

Allgemeine Maßnahmen bei Erkältungsbedingten Sehstörungen

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Körper hydriert zu halten und die Schleimhäute feucht zu halten.
  • Dampfinhalationen: Inhalieren Sie Dampf mit heißem Wasser oder ätherischen Ölen, um die Nasennebenhöhlen zu befreien und das Druckgefühl um die Augenpartie zu lindern.
  • Warme oder kalte Kompressen: Legen Sie warme Kompressen auf die Augenpartie, um die Durchblutung zu fördern und Drucksymptome zu mildern. Kalte Kompressen wirken beruhigend und sind hilfreich bei gereizten und lichtempfindlichen Augen.
  • Feuchtigkeitsspendende Augentropfen: Verwenden Sie künstliche Tränen, um die Augenoberfläche zu befeuchten und Symptome wie Trockenheit und Brennen zu lindern.
  • Bildschirmzeiten reduzieren: Reduzieren Sie die Zeit, die Sie vor Bildschirmen verbringen, und legen Sie regelmäßig Pausen ein, um die Augen zu entlasten.

Behandlung der Sehnervenentzündung

Eine Sehnervenentzündung heilt meist innerhalb von zwei bis vier Wochen von selbst. Eine Behandlung mit hochdosiertem Kortison (Methylprednisolon) kann die Heilung beschleunigen. Eine Behandlung kann sinnvoll sein, wenn besondere berufliche Anforderungen an das Sehvermögen bestehen oder das andere Auge bereits schlecht sieht.

Eine neurologische Betreuung ist in jedem Fall wichtig. Der Verlauf einer möglichen MS lässt sich mit verschiedenen Medikamenten positiv beeinflussen. Bei hohem MS-Risiko kann eine solche Therapie bereits nach einer einzigen Sehnervenentzündung sinnvoll sein.

Selbsthilfe bei Sehnervenentzündung

Das Sehvermögen verschlechtert sich oft bei Anstrengung und Hitze. Schonen Sie sich daher während der akuten Entzündung. Vermeiden Sie Hitze, etwa Saunabesuche. Warten Sie mit dem Autofahren oder gefährlichen Arbeiten, bis die Entzündung ausgeheilt ist. Das räumliche Sehen kann trotz guter Sehschärfe gestört sein.

Vorbeugung

Um Erkältungen und damit verbundenen Augenbeschwerden vorzubeugen, helfen folgende Maßnahmen:

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene, zuckerarme und vitaminreiche Ernährung. Eine eher mediterrane Kost mit viel Gemüse stärkt das Immunsystem.
  • Regelmäßige Bewegung: Täglich ein halbstündiger Spaziergang oder andere Bewegung im Freien sind wichtig.
  • Ausreichend Schlaf und Erholung: Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung, um das Immunsystem zu stärken.
  • Gute Handhygiene: Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände, um die Übertragung von Viren zu verhindern.
  • Feuchte Schleimhäute: Halten Sie die Schleimhäute feucht, indem Sie ausreichend trinken und bei Bedarf Luftbefeuchter verwenden.
  • Zahnärztliche Prävention: Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt und eine gründliche Mundhygiene sind wichtig, um Entzündungen im Mundraum zu vermeiden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen klingen Augensymptome im Zusammenhang mit einer Erkältung von selbst ab, sobald die Infektion abgeklungen ist. Wenn das verschwommene Sehen anhält und sich nicht innerhalb weniger Minuten von alleine wieder normalisiert, sollte man einen Arzt aufsuchen. Insbesondere, wenn ein plötzlicher schmerzloser Sehverlust auf einem Auge auftritt, ein sogenannter Sehsturz, kann dies ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein.

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Starke Schmerzen im Auge
  • Plötzlicher Sehverlust
  • Doppelbilder
  • Einschränkung des Gesichtsfeldes
  • Anhaltende Rötung und Schwellung des Auges
  • Eitriger Ausfluss aus dem Auge

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