Fluorid in Zahnpasta: Nutzen, Risiken und Auswirkungen auf die Nerven

Fluorid ist ein natürlich vorkommendes Element, das in der modernen Gesundheitsdiskussion eine zentrale, aber umstrittene Position einnimmt. Es ist bekannt für seine Rolle in der Stärkung des Zahnschmelzes und der Kariesprävention, wird jedoch zunehmend hinsichtlich potenzieller gesundheitlicher Risiken hinterfragt. Fluorid ist wichtig für die Zahngesundheit. Es hilft, den Zahnschmelz zu stärken und ist effektiv in der Prävention von Karies. Fluorid unterstützt die Remineralisierung von leicht demineralisiertem Zahnschmelz und hemmt die Fähigkeit von Bakterien im Mund, Säuren zu produzieren, die zum Zahnverfall führen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten von Fluorid, seine Anwendung in der Zahnmedizin und die Bedenken hinsichtlich seiner potenziellen gesundheitlichen Risiken, insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen auf die Nerven.

Was ist Fluorid?

Fluorid, eine Verbindung von Fluor mit anderen Elementen, ist ein Spurenelement und als solches in unseren Knochen und Zähnen vorhanden. Es wird verwendet, um den Zahnschmelz zu stärken und Karies vorzubeugen. Es wird auch in einigen Gegenden dem Trinkwasser zugesetzt, um die Zahngesundheit der Bevölkerung zu unterstützen. Fluor wiederum ist ein chemisches Element mit dem Symbol „F“ und der Ordnungszahl 9. Es gehört zur Gruppe der Halogene im Periodensystem der Elemente. Fluor ist das reaktivste und elektronegativste aller Elemente. In seiner reinen Form ist es ein hochgiftiges, blassgelbes Gas, das äußerst reaktiv ist und starke chemische Verbindungen bildet.

Fluorid in der Zahnmedizin

Fluorid findet in der Zahnmedizin breite Anwendung zur Kariesprävention. Zahnärzte empfehlen Fluorid, da es nachweislich den Zahnschmelz stärkt und die Widerstandsfähigkeit gegen Karies erhöht. Es gibt überzeugende Beweise dafür, dass Fluorid einen erheblichen Einfluss auf den Prozess der Demineralisierung und Remineralisierung von Zahnhartsubstanz hat. Zudem beeinträchtigt es die Säureproduktion von „kariogenen“ Bakterien, die Karies verursachen. Fluorid ist sehr wichtig, um Karies vorzubeugen und wird auch verwendet, um schon beginnende Karies zu behandeln. Am besten wirkt Fluorid, wenn es direkt auf die Zähne aufgetragen wird, zum Beispiel beim Zähneputzen. Fluorid schützt auf verschiedene Weisen vor Zahnkaries. Diese Wirkungen werden durch fluoridhaltige Produkte wie Zahnpasta, Mundwasser und Lacke erzielt. Die systemische Verabreichung von Fluorid durch Nahrungsergänzungsmittel zeigt jedoch nur minimale Effekte auf den Kariesschutz. Zur Verhinderung der Demineralisierung umgibt das regelmäßig topisch zugeführte Fluorid die Schmelzkristalle und schützt sie so vor der Auflösung durch Säuren. Fluorid hemmt die Stoffwechselproduktion der Plaque-Bakterien durch seine antibakterielle Aktivität.

Bedenken hinsichtlich der Neurotoxizität von Fluorid

Trotz seiner verbreiteten Nutzung in der Zahnpflege wird Fluorid kontrovers diskutiert. Fluorid wurde als potenzielles Neurotoxin (Nervengift) identifiziert, das die Gehirnentwicklung beeinträchtigen könnte. Es gibt Hinweise darauf, dass Fluorid die Zirbeldrüse beeinflussen kann, ein kleines Organ im Gehirn, das für die Produktion des Hormons Melatonin verantwortlich ist. Übermäßiges Fluorid kann zur Verkalkung der Zirbeldrüse führen, was ihre Fähigkeit zur Melatoninproduktion beeinträchtigen und somit Auswirkungen auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und andere körperliche Funktionen haben könnte.

Studien zu Fluorid und Intelligenz

Neuere Studien aus Gebieten mit hohen natürlichen Fluoridkonzentrationen im Grundwasser bestätigen kognitive Defizite bei Kindern durch erhöhte Fluoridexposition. Untersuchungen aus Mexiko und Kanada zeigen, dass frühe Fluoridexposition die kognitive Leistung von Kindern negativ beeinflusst. Die Neurotoxizität ist dosisabhängig. Kinder, die Trinkwasser mit höherem Fluoridgehalt (mehr als 1,0 mg/L) konsumierten, zeigten einen signifikant niedrigeren IQ als Kinder, die Wasser mit niedrigerem Fluoridgehalt tranken.

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Die Blut-Hirn-Schranke, die das erwachsene Gehirn schützt, ist bei Neugeborenen noch nicht vollständig entwickelt, wodurch Fluorid das Nervensystem des Fötus und des jungen Säuglings beeinträchtigen könnte. Dies ist besonders kritisch, da sich das menschliche Gehirn auch nach der Geburt über viele Monate weiterentwickelt.

Fluorid und Alzheimer-Krankheit

Fluorid spielt eine mögliche Rolle bei der Auslösung und Entwicklung von Entzündungen sowie Neurodegeneration in Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit. Forschungen zeigen, dass Fluorid die Produktion von Stoffen, die Entzündungen fördern und den Zelltod (Apoptose) unterstützen (z. B. proinflammatorische Faktoren, Transkriptionsfaktoren und proapoptotische Proteine), erhöhen kann. Gleichzeitig scheint es die Produktion von Stoffen, die dem Zelltod entgegenwirken, zu verringern. Fluorid wirkt sich auf bestimmte Enzyme aus, die in Entzündungsreaktionen involviert sind, und kann das Gleichgewicht von oxidativen Prozessen im Gehirn verändern. Die genaue Beziehung zwischen Fluorid und Alzheimer ist jedoch komplex und noch nicht vollständig verstanden.

Fluoridaufnahme und sichere Aufnahmemengen

Die Europäische Kommission ersuchte die EFSA, ihre frühere Bewertung der Risiken beim Umgang mit Fluorid für die Verbraucher zu aktualisieren, nachdem jüngste Studien einen möglichen Zusammenhang mit schädlichen Auswirkungen auf das sich entwickelnde Nervensystem von Kindern nahegelegt hatten. Die Sachverständigen der EFSA untersuchten auch die potenziellen Auswirkungen von Fluorid auf die Schilddrüse, die Knochen und die Zähne.

Die Sachverständigen der EFSA legten eine sichere Aufnahmemenge von 3,3 mg/Tag für Schwangere und alle Altersgruppen über 8 Jahren fest. Dieser Wert ergibt sich aus den möglichen Auswirkungen auf das sich entwickelnde zentrale Nervensystem des Fötus. Diese treten bei Konzentrationen von mehr als 1,5 Milligramm pro Liter (mg/l) im Trinkwasser auf, dem gesetzlichen Grenzwert in der Europäischen Union. Die in europäischen Ländern im Trinkwasser festgestellten Konzentrationen liegen jedoch in der Regel bei weniger als 0,3 mg/l.

Bei Fluoridgehalten von unter 1,5 mg/l sind die Hinweise auf mögliche Zusammenhänge uneinheitlich und reichen nicht aus, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Die sichere Aufnahmemenge schützt auch vor anderen möglichen schädlichen Auswirkungen auf die Knochen und die Schilddrüse.

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Für Kleinkinder im Alter zwischen 0 und 8 Jahren ist die Dentalfluorose der sensibelste Indikator. Die Stellungnahme legt auch zulässige Höchstaufnahmemengen für Säuglinge und Kleinkinder fest: 1 mg/Tag für Säuglinge im Alter von 0-12 Monaten, 1,6 mg/Tag für Kinder im Alter von 1-3 Jahren und 2 mg/Tag für Kinder im Alter von 4-8 Jahren. Obwohl diese Höchstwerte im Zusammenhang mit dem Risiko einer Dentalfluorose stehen, bieten sie auch Schutz vor allen anderen potenziellen schädlichen Auswirkungen für diese Altersgruppen.

Dentalfluorose und Skelettfluorose

Zahnfluorose ist eine Störung des Zahnschmelzes, die entsteht, wenn Zähne während ihrer Entwicklung wiederholt hohen Fluoridkonzentrationen ausgesetzt sind. Dies führt zu einem Zahnschmelz, der weniger mineralisiert und poröser ist. Die Vermeidung einer Überexposition mit Fluorid kann erreicht werden, indem man die verschiedenen Fluoridquellen kennt (u. a. Zahnfluorose betrifft neben dem Zahnschmelz auch das primäre Dentin und tritt nur während der Entwicklungsphase der Zähne auf, was bedeutet, dass die kritische Fluoridexposition in der Kindheit stattfindet.

Die charakteristische weiße und trübe Verfärbung von Zähnen mit Fluorose entsteht, weil die Oberfläche des Zahnschmelzes weniger Mineralien (=Hypomineralisierung) enthält. Viele der durch Fluorid verursachten Veränderungen sind mit den Wechselwirkungen zwischen Zellen, der Matrix und den Mineralien während der Zahnbildung verbunden.

Neben der Zahnfluorose kann ein weiteres Anzeichen einer chronischen Fluorose das Auftreten einer Skelettfluorose sein. Diese kommt in einigen Weltregionen häufig vor und wird durch langfristige Aufnahme oder manchmal durch Einatmen großer Mengen Fluorid verursacht. Auf Röntgenbildern zeigt sich die Krankheit vor allem durch Verdichtung der Knochen und das Verknöchern von Bändern und Membranen zwischen den Knochen. Klinisch ist Skelettfluorose nicht immer sofort erkennbar und kann mit anderen rheumatologischen Krankheiten verwechselt werden. Schwere Fälle führen zu Deformierungen des Skeletts und neurologischen Komplikationen.

Fluorid im Trinkwasser und in Lebensmitteln

Fluoridzusatz im Trinkwasser ist eine umstrittene Praxis. Einige Länder haben es eingeführt, um die Kariesprävalenz zu senken. Befürworter argumentieren, dass dies eine kostengünstige Möglichkeit ist, die Mundgesundheit der Bevölkerung zu verbessern. In Deutschland ist die tägliche Aufnahme von Fluorid durch die Bevölkerung gering, und es besteht keine Gefahr, über normales Trinkwasser zu viel Fluorid aufzunehmen. Die Fluoridgehalte im deutschen Trinkwasser sind im Allgemeinen niedrig, mit mehr als 90 % des Wassers, das weniger als 0,3 mg Fluorid pro Liter enthält, obwohl diese Werte regional variieren können.

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Fluorid kann in vielen Lebensmitteln natürlich vorkommen. Die Hauptquellen für Fluorid sind fluoridiertes Speisesalz sowie Trink- und Mineralwasser. Auch Fische und Meeresfrüchte sowie Schwarztee enthalten Fluorid.

Risikobewertung und Empfehlungen

Die EFSA führte eine öffentliche Konsultation zum Entwurf der Risikobewertung (im Jahr 2024) und zum Entwurf des Protokolls über Fluorid (im Jahr 2022) durch. Auf der Grundlage der Bewertung der EFSA kann die Europäische Kommission den derzeitigen gesetzlichen Grenzwert für Fluorid im Trinkwasser überprüfen, um sicherzustellen, dass dieser einen angemessenen Schutz vor potenziellen Gesundheitsrisiken bietet.

Eltern sollten auf jeden Fall schon mit der Zahnpflege beginnen, wenn die ersten Zähnchen sichtbar sind. Die ersten Zähne sind nicht nur zum Zubeißen da, sondern Platzhalter für die nachfolgenden Zähne, die ein Leben lang halten sollen. Karies auslösende Bakterien gehen auch auf die nachkommenden Zähne über. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Eltern, Fluorid zur Kariesprophylaxe von Säuglingen und Kleinkindern einzusetzen. Jedoch sollte es entweder in Tablettenform oder in der Zahnpasta verabreicht werden. Beides zu verwenden ist zu viel. Eltern sollten auf jeden Fall schon mit der Zahnpflege beginnen, wenn die ersten Zähnchen sichtbar sind. Die ersten Zähne sind nicht nur zum Zubeißen da, sondern Platzhalter für die nachfolgenden Zähne, die ein Leben lang halten sollen. Karies auslösende Bakterien gehen auch auf die nachkommenden Zähne über.

Fluorid in Zahnpasta: Wichtig oder giftig?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden sich mittlerweile offenbar ganz bewusst gegen Fluorid - zumindest wird im Internet inzwischen häufiger nach "Zahnpasta ohne Fluorid" gesucht als noch vor ein paar Jahren, wie Online-Analysetools zeigen. Auch die Naturkosmetikbranche bietet Zahncremes häufig ausdrücklich ohne den schützenden Zusatz an. Zahnpasta für Erwachsene, die auf Fluorid verzichtet, werten wir in unseren Tests deshalb grundsätzlich ab. Was steckt denn nun wirklich hinter der Fluorid-Angst? Fakt ist: Ja, Fluorid kann schaden. Insbesondere, wenn man auf einen Schlag sehr hohe Mengen zu sich nimmt. Zum Vergleich: Eine handelsübliche Zahnpasta enthält bis zu 1.500 ppm (= 0,15 Prozent) Fluorid, das entspricht bis zu 150 mg Fluorid pro Zahnpasta-Tube. Meint: Wer eine akute Vergiftung provozieren wollte, müsste als Erwachsener schon zwei bis drei Zahnpastatuben schlucken.

Mit Zahnpasta ist eine Überdosierung unrealistisch. Selbst wer beim täglichen Zähneputzen seine Fluorid-Zahnpasta vollständig herunterschluckt, nimmt keinen Schaden. Berechnungen zeigen, dass man so pro Tag nur etwa 4 mg Fluorid aufnehmen würde (eine Vergiftung ist aber erst ab 350 mg vorstellbar). Wer sich normal die Zähne putzt und anschließend ausspuckt, muss also keine Bedenken haben. Nur Kinder sollte man diesbezüglich im Auge behalten. Denn: Bei einem Kind mit 15 kg Körpergewicht liegt die wahrscheinlich toxische Dosis rechnerisch nur bei 75 mg Fluorid. Würde ein solches Kind eine komplette Zahnpasta-Tube verspeisen, kann es aber bis zu 150 mg Fluorid - und damit die doppelte Dosis - zu sich nehmen. Und: Ja, Fluorid kann sogar tödlich sein. Allerdings erst durch die Einnahme von sehr hohen Mengen. Ganze fünf bis zehn Gramm (also 5.000 bis 10.000 mg) auf einen Schlag bräuchte es dazu. Für diese Menge müsste man rechnerisch den Inhalt von 33 bis 67 Tuben Zahnpasta mit zulässiger Fluoridhöchstkonzentration verspeisen.

Fluorid steckt übrigens nicht nur in Zahncreme, sondern natürlich auch in zahlreichen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch und Getreide, Mineral- und Trinkwasser. Im Schnitt nimmt jeder von uns etwa über Fisch und Mineralwasser täglich zwischen 0,4 und 1,5 mg zu sich. Warum aber finden sich in Zahnpasta überhaupt Fluoride? Weil sie den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Karies-Erkrankungen machen, eine Wirkung, die ab dem Schulalter zweifelsfrei nachgewiesen ist. Die medizinischen Fachgesellschaften für Zahnmedizin empfehlen Erwachsenen in ihrer Leitlinie deshalb ausdrücklich fluoridhaltige Zahnpasta. Nur wer seine Zähne regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt, beugt Kariesbefall nachweisbar vor. Optimal ist ein Fluoridgehalt in Zahncreme von mindestens 0,1 Prozent (1.000 ppm oder mg/kg). Dass sich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta lohnt, zeigt übrigens auch der Blick in die Geschichte: Eine umfassende deutsche Mundgesundheitsstudie kam 2016 zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der kariesfreien Gebisse von 1997 bis 2014 verdoppelt hat. Gründe für den erfreulichen Anstieg sind laut der Studie die verbesserte Vorsorge - und eben fluoridhaltige Zahnpasten.

Auch wenn akute Fluorid-Vergiftungen, wie oben gesehen, sehr unwahrscheinlich sind, birgt ein dauerhaft erhöhter Fluoridkonsum doch ein gewisses Gesundheitsrisiko. Erwachsene müssten dafür allerdings über mindestens zehn Jahre täglich mehr als 10 mg über Nahrung, Trinkwasser oder Mundpflege zu sich nehmen. Bei Kindern zeigt sich eine dauerhaft erhöhte Fluoridzufuhr durch weiße Flecken auf den Zähnen. Vor allem in jungen Jahren, wenn die Zähne noch wachsen, können entsprechende Symptome auftreten. Diese Zahnfluorosen entstehen, weil der Körper überschüssiges Fluorid in die sich entwickelnden Zähne einbaut. Das macht betroffene Zähne weniger widerstandsfähig. Um einer Fluorose vorzubeugen, sollten Kinder zwischen vier und acht Jahren laut BfR nicht dauerhaft mehr als 2,5 mg Fluorid pro Tag aufnehmen.

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