Furadantin ist ein Antibiotikum, dessen Wirkstoff Nitrofurantoin zur Behandlung von Harnwegsinfektionen, insbesondere Blasenentzündungen (Zystitis), eingesetzt wird. Nitrofurantoin gehört zur Gruppe der Nitrofurane. Es wirkt, indem es das Erbgut von Bakterien schädigt, ihr Wachstum stoppt und sie letztendlich abtötet. Es ist besonders wirksam gegen Escherichia coli (E. coli), einen häufigen Auslöser von Harnwegsinfekten. Seit über 50 Jahren ist Nitrofurantoin weltweit ein weit verbreitetes und vertrauenswürdiges Antibiotikum zur Behandlung von Blasenentzündungen.
Wirkungsweise von Nitrofurantoin
Nitrofurantoin induziert DNA-Strangbrüche und hemmt zahlreiche Stoffwechselaktivitäten der Bakterien. Die verzögerte Wirkstofffreisetzung sorgt dafür, dass der Wirkstoff nach und nach abgegeben wird. Sobald Nitrofurantoin im Urin ist, wird es beim Wasserlassen durch die Harnwege gespült und bekämpft die Bakterien direkt dort, wo sie sich befinden.
Anwendungsgebiete von Furadantin
Furadantin wird zur Behandlung von:
- Bakterieninfektionen der Harnwege
- Unkomplizierten Harnblasenentzündungen
- Chronischen Harnwegsinfektionen bei Abflussstörungen, zur Vorbeugung
- Vorbeugung gegen das Wiederauftreten von Bakterieninfektionen der Harnwege
Für bestimmte Anwendungen darf das Arzneimittel nur verabreicht werden, wenn risikoärmere Antibiotika oder Chemotherapeutika nicht einsetzbar sind.
Dosierung und Anwendung
Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt.
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- Akute Harnwegsinfekte (unkomplizierte Harnblasenentzündung): Erwachsene nehmen in der Regel 3-4 mal täglich 1 Kapsel ein.
- Chronische Harnwegsinfektionen bei Abflussbehinderungen der Harnwege: Erwachsene nehmen in der Regel 1-2 mal täglich 1 Kapsel ein.
- Vorbeugung gegen Wiederauftreten von Bakterieninfektionen der Harnwege: Erwachsene nehmen in der Regel 1-mal täglich 1 Kapsel abends nach dem letzten Wasserlassen ein.
Für Kinder wird das Arzneimittel von Ihrem Arzt entsprechend dem Körpergewicht dosiert.
Nehmen Sie das Arzneimittel mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) ein. Die Einnahme sollte während oder nach der Mahlzeit erfolgen.
- Allgemeine Behandlungsdauer: Akuttherapie 5-7 Tage.
- Zur Vorbeugung gegen Bakterieninfektionen bei chronischen Infektionen der Harnwege durch Abflussbehinderung: 2-3 mal 14 Tage mit jeweils 14 Tagen Pause.
- Zur Vorbeugung gegen Wiederauftreten von Bakterieninfektionen der Harnwege: maximal 6 Monate.
Es ist wichtig, dass Sie sich umgehend behandeln lassen, wenn Sie eine Blasenentzündung haben. Nitrofurantoin sollte innerhalb von 1-2 Tagen beginnen, die Symptome einer Harnwegsinfektion zu verringern. Führen Sie immer die gesamte verordnete Behandlung durch, auch wenn Ihre Symptome verschwunden sind, da sonst das Risiko besteht, dass Ihre Infektion mit erhöhter Antibiotikaresistenz erneut auftritt.
Gegenanzeigen
Furadantin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Eingeschränkter Nierenfunktion
- Nicht oder kaum vorhandener Harnausscheidung
- Erhöhten Leberwerten
- Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (spezielle vererbte Stoffwechselstörung)
- Nervenentzündung
- Säuglingen in den ersten 3 Lebensmonaten
Unter Umständen sollte Furadantin nur mit Vorsicht eingenommen werden. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt oder Apotheker:
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- Lungenfibrose (Entzündung des Lungengewebes, bei der sich das Gewebe verhärtet und die Atmung erschwert wird)
- Leberentzündung
- Stauung der Gallenflüssigkeit, wenn z.B. die Gallenwege verstopft sind.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Furadantin nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. Es spielen verschiedene Überlegungen eine Rolle, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann. Nitrofurantoin geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über, so dass nicht mit nennenswerten Symptomen beim gestillten Kind zu rechnen ist.
Nebenwirkungen von Furadantin
Wie alle Medikamente kann auch Furadantin Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Die Mehrheit der Nebenwirkungen, die mit diesem Medikament einhergehen, sind leicht und gehen mit der Zeit weg. Es sollte angemerkt werden, dass nicht jeder dieselben Nebenwirkungen aufweist und während sie bei dem einen leicht sind, können sie bei jemand anderen schwerwiegend sein. Sie können nicht vorhersagen, welche Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten werden, bevor Sie mit der Einnahme des Medikaments anfangen.
Sehr häufige Nebenwirkungen:
- Schwindel
- Störungen im Zusammenspiel der Bewegungen (Ataxie)
- Augenzittern (Nystagmus)
- Allergische Reaktionen
- Fieber
Häufige Nebenwirkungen:
- Besonders bei Therapiebeginn: Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
- Lungenreaktionen (allergisches Lungenödem, interstitielle Pneumonie, Pleuritis), die sich durch Kurzatmigkeit bzw. Atemnot, Husten und Schmerzen im Brustkorb äußern
Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen:
- Erhöhte Werte für bestimmte Leberenzyme
- Reversible Cholestase (rückbildbare Gallestauung)
- Leberentzündung: zeigt sich durch Gelbsucht, Hautjucken, dunklen Urin oder grau gefärbten Stuhl
Seltene Nebenwirkungen:
- Besonders bei Therapiebeginn: Durchfall
- Juckreiz
- Ohrspeicheldrüsenentzündungen
- Kristallurie (vermehrtes Auftreten von Kristallen im Urinsediment)
- Verschiedene Formen von Blutarmut (Anämie)
- Blutbildveränderungen
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
- Verwirrtheit, Depression, Euphorie und psychotische Reaktionen
Nebenwirkungen, deren Häufigkeit nicht bekannt ist:
- Entzündung der Blutgefässwände, die Hautläsionen verursachen können
- Leberentzündung
- Nierenfunktionsstörung
Einige der beschriebenen Nebenwirkungen verursachen nicht sofort Beschwerden, aber können ernsthafte Gesundheitsschäden verursachen. Daher wird ihr behandelnder Arzt während der Einnahme von Nitrofurantoin ihr Blutbild, Leber- und Nierenwerte kontrollieren.
Wann sollte die Therapie abgebrochen werden?
Wenn es bei der Anwendung von Nitrofurantoin zu folgenden Nebenwirkungen kommt, sollten sie die Einnahme sofort beenden und umgehend Ihren Arzt aufsuchen:
- Schmerzen, Brennen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen
- Benommenheit und/oder Schwäche
- Blutarmut (Anämie), die sich durch blasse Haut, Schwächegefühl und Atemlosigkeit zeigen kann
- Lungenreaktionen, die sich durch Kurzatmigkeit, Atembeschwerden bis hin zur Atemnot, trockenen Husten, Schmerzen im Brustkorb, und Fieber bemerkbar machen können.
- Überempfindlichkeitsreaktion bis hin zu einem anaphylaktischen Schock. Anzeichen für allergische Reaktionen sind: Brustenge, Schwindel, Unwohlsein
- Hautausschläge oder Blasenbildung und/oder „Pellen“ der Haut und/oder Schleimhautreaktionen
- Appetitverlust, Gelbsucht (gelbe Haut), dunkler Urin, Juckreiz oder schmerzempfindlicher Bauch
Es können noch weitere Nebenwirkungen auftreten, die hier nicht genannt werden. Wenn Sie Nebenwirkungen feststellen, die auf die Einnahme von Nitrofurantoin zurückzuführen sein könnten und die auf keiner der umfassenden Listen an Nebenwirkungen aufgeführt sind, dann sollten Sie die Beschwerden ihren Arzt melden. Sie können Nebenwirkungen auch dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (www.bfarm.de) melden.
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Wichtige Hinweise
- Vorsicht: Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen (auch im Haushalt) bedienen, mit denen Sie sich verletzen können.
- Vorsicht: Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol.
- Die Wirkung der Anti-Baby-Pille kann durch das Arzneimittel beeinträchtigt werden. Für die Dauer der Einnahme sollten Sie deshalb zusätzliche Maßnahmen zur Empfängnisverhütung treffen.
- Der Urin kann verfärbt werden.
- Vorsicht bei Allergie gegen die Antiinfektiva Nitrofurantoin und Nifursol (E-Nummer E 769)!
- Vorsicht bei Allergie gegen Farbstoffe (z.B. Chinolingelb mit der E-Nummer E 104)!
- Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Einige Medikamente können die Wirkungsweise von Nitrofurantoin beeinflussen oder umgekehrt. Dazu gehören unter anderem:
- Antazida gegen Verdauungsstörungen
- Medikamente, welche die Magenentleerung verlangsamen
- Chinolon-Antibiotika
- Medikamente gegen Gicht
- Medikamente, die den Harn weniger sauer machen
- Arzneimittel gegen Glaukom
Es kann auch zu falsch positiven Ergebnissen bei Urintests auf Glukose kommen. Diese Liste deckt nicht alle möglichen Wechselwirkungen ab. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Furadantin und Migräne
Es gibt keine direkten Belege dafür, dass Furadantin Migräne verursacht. Kopfschmerzen werden jedoch als häufige Nebenwirkung von Furadantin genannt, insbesondere bei Therapiebeginn. Ob diese Kopfschmerzen als Migräne einzuordnen sind, ist fraglich und sollte im Einzelfall mit einem Arzt abgeklärt werden.
Intrakranielle Hypertension (IIH)
Obwohl selten, ist es wichtig zu erwähnen, dass einige Antibiotika, einschließlich Tetrazykline wie Doxycyclin, mit einem erhöhten Risiko für intrakranielle Hypertension (IIH) in Verbindung gebracht wurden. Symptome von IIH können tägliche, intensive Kopfschmerzen ähnlich einer Migräne, Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Flimmern), Tinnitus, Übelkeit und/oder Erbrechen sein. Eine Funduskopie kann ein Papillenödem zeigen. Es ist wichtig, bei solchen Symptomen eine genaue Medikamentenanamnese zu erheben und andere Ursachen auszuschließen.
Da Furadantin kein Tetrazyklin ist, ist das Risiko für IIH vermutlich geringer. Dennoch sollte bei Auftreten von migräneartigen Kopfschmerzen und Sehstörungen unter Furadantin-Therapie ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und gegebenenfalls andere Ursachen auszuschließen.
Was Sie selbst tun können
Auch wenn Nitrofurantoin für den Darm schonender ist als die meisten anderen Antibiotika, kann es dennoch Auswirkungen auf Ihr Mikrobiom haben. Einige Nahrungsmittel können die Symptome einer Blasenentzündung verschlimmern.
- Trinken Sie viel Wasser: Dies hilft, die Bakterien aus den Harnwegen zu spülen.
- Ruhen Sie sich aus: Ein ausgeruhter Körper ist weitaus besser in der Lage, Infektionen zu bekämpfen und gesund zu bleiben.
- Vermeiden Sie nach Möglichkeit Geschlechtsverkehr: Dieser kann Harnwegsinfektionen weiter erschweren.
- Vermeiden Sie enge Unterwäsche: Diese kann die Reizung im Intimbereich verstärken.
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