Schmerzen in den Mittelfingergelenken und Taubheitsgefühl: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein Taubheitsgefühl in den Fingern, oft begleitet von Schmerzen in den Mittelfingergelenken, kann verschiedene Ursachen haben. Eine häufige Ursache ist das Karpaltunnelsyndrom (KTS), eine weit verbreitete Erkrankung, bei der ein Nerv im Handgelenk eingeklemmt wird. Es ist wichtig, die Ursachen dieser Beschwerden zu verstehen, um eine angemessene Behandlung zu erhalten und langfristige Komplikationen zu vermeiden.

Das Karpaltunnelsyndrom: Eine Volkskrankheit

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, die viele Menschen betrifft. Schätzungen zufolge leidet jeder sechste Mensch im Laufe seines Lebens an Karpalband Schmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, insbesondere im Alter zwischen 40 und 70 Jahren.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Mittelhandnerv (Nervus medianus) im Karpaltunnel eingeklemmt. Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Innenseite des Handgelenks, durch den der Nervus medianus und mehrere Sehnen verlaufen. Schwillt das Gewebe im Karpaltunnel an, entsteht Druck auf den Nerv und die ihn versorgenden Blutgefäße. Diese Kompression des Nervs führt zu sensorischen Störungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Schmerzen oder einem Taubheitsgefühl in der Hand. Es ist wichtig zu betonen, dass das Karpaltunnelsyndrom keine Entzündung ist, sondern ein Kompressionssyndrom.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für ein Karpaltunnelsyndrom lässt sich in vielen Fällen nicht eindeutig bestimmen. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung eines Karpaltunnelsyndroms erhöhen können:

  • Anatomische Veranlagung: Bei manchen Menschen ist der Karpaltunnel von Natur aus enger angelegt.
  • Überlastung: Wiederholte oder monotone Handbewegungen können zu einer Schwellung des Gewebes im Karpaltunnel führen.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, wie sie in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren auftreten, können ebenfalls zu einer Schwellung des Gewebes im Karpaltunnel führen.
  • Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus und Schilddrüsenerkrankungen können das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom erhöhen.
  • Lebensstil: Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität können ebenfalls das Risiko für ein KTS erhöhen.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind in der Regel auf die Hand beschränkt und können folgende Beschwerden umfassen:

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  • Einschlafen der Finger: Regelmäßiges Einschlafen von Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, oft zuerst nachts.
  • Taubheitsgefühl: Anhaltendes Taubheitsgefühl in der Hand, das sowohl eine Hand als auch beide Hände betreffen kann.
  • Schmerzen: Schmerzen im Handgelenk, in der Hand oder in einzelnen Fingern. Die Schmerzen können bis in den Arm ausstrahlen.
  • Funktionseinschränkungen: Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten wie dem Zuknöpfen von Kleidungsstücken oder dem Greifen kleiner Gegenstände.
  • Kraftverlust: Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Kraftverlust in der Hand kommen, insbesondere im Daumen.

Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und elektrophysiologischen Untersuchungen.

  • Anamnese: Der Arzt oder die Ärztin wird nach den Beschwerden fragen und Informationen über die Art der Tätigkeit, die Krankengeschichte und mögliche Risikofaktoren sammeln.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt oder die Ärztin wird die Hand und das Handgelenk untersuchen, um die Beweglichkeit, Empfindlichkeit und Kraft zu prüfen. Es gibt auch spezielle Tests, wie den Hoffmann-Tinel-Test, bei dem durch Beklopfen der Innenseite des Handgelenks ein Kribbeln oder Schmerzen ausgelöst werden können.
  • Elektroneurographie (ENG): Die Elektroneurographie ist eine wichtige Untersuchung zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms. Dabei wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen, um festzustellen, ob der Nervus medianus geschädigt ist.

Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.

Konservative Behandlung

Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden können konservative Maßnahmen helfen, die Symptome zu lindern:

  • Handgelenksschienen: Das Tragen einer Handgelenksschiene, insbesondere nachts, kann das Handgelenk in einer neutralen Position halten und den Druck auf den Nerv reduzieren.
  • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern. In manchen Fällen kann auch Kortison in den Karpaltunnel injiziert werden, um eine Abschwellung des Gewebes zu erreichen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskeln zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und die Handgelenke zu stabilisieren. Mithilfe einer Faszienrolle können Arm und Handgelenk gezielt massiert werden.
  • Ergonomische Anpassungen: Anpassungen am Arbeitsplatz, wie z. B. die Verwendung einer ergonomischen Tastatur und Maus, können helfen, die Belastung des Handgelenks zu reduzieren.

Operative Behandlung

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Beschwerden sehr stark sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei der Operation wird das Karpalband durchtrennt, um den Druck auf den Nervus medianus zu verringern. Es gibt zwei verschiedene Operationsmethoden:

  • Offene Operation: Bei der offenen Operation wird ein Schnitt am Handgelenk gemacht, um das Karpalband zu durchtrennen.
  • Endoskopische Operation: Bei der endoskopischen Operation wird ein Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Handgelenk eingeführt, um das Karpalband zu durchtrennen.

Die endoskopische Operation ist in der Regel weniger invasiv und mit einer schnelleren Erholungszeit verbunden. Nach der Operation sinkt der Druck im Karpaltunnel sofort, was zu einer raschen Linderung der Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen führt.

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Vorbeugung des Karpaltunnelsyndroms

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko für die Entwicklung eines Karpaltunnelsyndroms zu verringern:

  • Vermeiden Sie Überlastung: Vermeiden Sie wiederholte oder monotone Handbewegungen. Legen Sie bei Tätigkeiten, die das Handgelenk stark belasten, ausreichend Pausen ein.
  • Achten Sie auf eine neutrale Handposition: Achten Sie beim Schlafen, Arbeiten und beim Sport auf eine neutrale Handposition. Verwenden Sie bei Bedarf eine Handgelenksschiene.
  • Ergonomische Anpassungen: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch ein. Verwenden Sie eine ergonomische Tastatur und Maus.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf ein gesundes Gewicht und ausreichend Bewegung.

Das Ulnarisrinnensyndrom: Eine weitere mögliche Ursache

Neben dem Karpaltunnelsyndrom kann auch das Ulnarisrinnensyndrom eine Ursache für Schmerzen in den Mittelfingergelenken und Taubheitsgefühl sein. Das Ulnarisrinnensyndrom ist eine Erkrankung, bei der der Ulnarisnerv am Ellbogen unter Druck gerät. Der Ulnarisnerv versorgt den kleinen Finger und einen Teil des Ringfingers.

Ursachen und Symptome

Das Ulnarisrinnensyndrom kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z. B.:

  • Druck auf den Ellbogen: Wiederholtes Anlehnen des Ellbogens an harten Oberflächen.
  • Verletzungen: Verletzungen des Ellbogens, wie z. B. ein Bruch.
  • Arthrose: Arthrose des Ellbogengelenks.

Die Symptome des Ulnarisrinnensyndroms können folgende Beschwerden umfassen:

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Taubheitsgefühl und Kribbeln im kleinen Finger und einem Teil des Ringfingers.
  • Schmerzen: Schmerzen im Ellbogen, die bis in die Hand ausstrahlen können.
  • Kraftverlust: Kraftverlust in der Hand, insbesondere beim Greifen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose des Ulnarisrinnensyndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und elektrophysiologischen Untersuchungen. Die Behandlung des Ulnarisrinnensyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.

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Konservative Behandlung

Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden können konservative Maßnahmen helfen, die Symptome zu lindern:

  • Vermeiden Sie Druck auf den Ellbogen: Vermeiden Sie es, den Ellbogen an harten Oberflächen anzulehnen.
  • Ellbogenschützer: Tragen Sie bei Bedarf einen Ellbogenschützer.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskeln zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und die Nerven zu mobilisieren.

Operative Behandlung

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder die Beschwerden sehr stark sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei der Operation wird der Ulnarisnerv freigelegt und von einengenden Strukturen befreit.

Weitere mögliche Ursachen für Schmerzen und Taubheitsgefühl in den Fingern

Neben dem Karpaltunnelsyndrom und dem Ulnarisrinnensyndrom gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Schmerzen in den Mittelfingergelenken und Taubheitsgefühl in den Fingern:

  • Arthrose: Arthrose der Fingergelenke kann zu Schmerzen und Steifheit führen.
  • Polyneuropathie: Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die viele periphere Nerven betrifft. Sie kann neben Muskelschmerzen auch Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder stechende Schmerzen verursachen.
  • Nervenkompression: Nerven können auch an anderen Stellen als dem Handgelenk oder dem Ellbogen eingeklemmt werden, z. B. im Bereich der Halswirbelsäule.
  • Durchblutungsstörungen: Durchblutungsstörungen können zu kalten Händen, einer bläulichen Verfärbung der Haut und Schmerzen führen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, wie z. B. Vitamin B12, kann zu Nervenschäden und Missempfindungen führen.

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