ICD-Demenz-Definition: Ein umfassender Überblick

Die Demenz ist ein komplexes und vielschichtiges Krankheitsbild, das durch den Abbau geistiger Fähigkeiten gekennzeichnet ist und verschiedene Ursachen haben kann. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) dient als ein wichtiges Instrument zur Klassifizierung und Kodierung von Krankheiten, einschließlich Demenz. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die ICD-Demenz-Definition, wobei sowohl die ICD-10 als auch die ICD-11 berücksichtigt werden.

Demenz: Eine allgemeine Einführung

Eine Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der die geistigen Fähigkeiten über das normale Maß hinaus nachlassen. Dies erschwert zunehmend die selbstständige Bewältigung des Alltags. Das Gedächtnis kann nach und nach schlechter werden, und es können Probleme auftreten, sich an das richtige Wort für etwas zu erinnern oder sich zu orientieren. Auch Misstrauen oder Angst gegenüber anderen Menschen können auftreten. Es gibt viele Ursachen für eine Demenz, wie z. B. Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Ablagerungen von Proteinen, die das Gehirn schädigen.

Im Kontext der ICD-Definition ist es wichtig zu beachten, dass Demenz nicht als eigenständige Krankheit betrachtet wird, sondern als Syndrom, das verschiedene Ursachen haben kann.

ICD-10 Demenz-Klassifikation

Die ICD-10 unterscheidet verschiedene Demenzformen, die im Kapitel F0 unter "Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen" klassifiziert sind (F00-F09). Die Demenz bei Alzheimer-Krankheit (F00) wird dabei gesondert betrachtet und in zwei Typen unterteilt:

  • F00.0: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit frühem Beginn (Typ 2): Diese Form beginnt vor dem 65. Lebensjahr und weist eine vergleichsweise rasche Verschlechterung sowie deutliche und vielfältige Störungen der höheren kortikalen Funktionen auf. Sie wird auch als präsenile Demenz vom Alzheimer-Typ oder primär degenerative Demenz vom Alzheimer-Typ mit präsenilem Beginn bezeichnet.
  • F00.1: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1): Diese Form beginnt nach dem 65. Lebensjahr, meist in den späten 70er Jahren oder danach, und zeichnet sich durch eine langsame Progredienz und Gedächtnisstörungen als Hauptmerkmal aus.

Unter F02 werden Demenzen bei anderorts klassifizierten Erkrankungen gelistet, darunter die Pick-Krankheit (F02.0), die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (F02.1), die Chorea Huntington (F02.2), das primäre Parkinson-Syndrom (F02.3) und die HIV-Krankheit (F02.4).

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F03 wird für nicht näher bezeichnete Demenzen verwendet, während F04 das nichtalkoholisch und nicht durch andere psychotrope Substanzen ausgelöste organisch-amnestische Syndrom codiert.

Es ist wichtig zu beachten, dass die ICD-10 eine syndromale Einteilung der Demenzformen vornimmt, d. h. die Diagnose basiert auf den klinischen Symptomen und nicht auf der zugrunde liegenden Ursache.

ICD-11 Demenz-Klassifikation

Die ICD-11 stellt eine Weiterentwicklung der ICD-10 dar und berücksichtigt aktuelle diagnostische Klassifikationen neurodegenerativer Demenzerkrankungen. Im Kapitel 6 (Psychische Störungen, Verhaltensstörungen, neuromentale Entwicklungsstörungen) werden in dem Unterkapitel Neurokognitive Störungen die Demenzen aufgeführt.

Die Demenz durch Alzheimer-Krankheit (6D80) wird weiterhin unterteilt in die mit frühem Beginn vor dem 65. Lebensjahr (6D80.0) und die mit spätem Beginn ab dem 65. Lebensjahr (6D80.1). Zusätzlich werden Mischformen mit vaskulärer Pathologie (6D80.2) und mit anderen neurodegenerativen Pathologien (6D80.3) unterschieden.

Eigene Codes erhalten die Demenz durch primär zerebrovaskuläre Krankheit (6D81), die Demenz durch Lewy-Körper-Krankheit (6D82), die frontotemporale Demenz (6D83) und Demenzen durch psychoaktive Substanzen (6D84) sowie Demenzen durch andernorts klassifizierte Krankheiten (6D85).

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Ein wesentlicher Fortschritt der ICD-11 ist die Einführung der leichten neurokognitiven Störung (6D71), die dem Konzept des MCI (Mild Cognitive Impairment) als frühe symptomatische Ausprägung einer neurodegenerativen Erkrankung vor dem Vollbild der Demenz entspricht.

Die ICD-11 ermöglicht eine differenziertere Codierung von Demenzerkrankungen und berücksichtigt den Schweregrad der Demenz (leicht, mittelgradig, schwer) sowie einzelne psychische und Verhaltenssymptome.

Vergleich von ICD-10 und ICD-11

Die ICD-11 stellt in Bezug auf die Demenzklassifikation einen klaren Fortschritt gegenüber der ICD-10 dar. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören:

  • Berücksichtigung aktueller diagnostischer Klassifikationen neurodegenerativer Demenzerkrankungen.
  • Differenziertere Codiermöglichkeiten gemischter Demenzformen.
  • Einführung der leichten neurokognitiven Störung (MCI).
  • Codierung des Schweregrads der Demenz.
  • Codierung einzelner psychischer und Verhaltenssymptome.
  • Kapitelübergreifende Postkoordination zur Erfassung eines Krankheitsbildes.

Allerdings bleibt auch die ICD-11 in weiten Teilen auf der Ebene der Syndrome, was insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit kritisiert wird, da ätiologische Biomarker bereits im klinischen Einsatz sind.

Die Rolle von Biomarkern in der Demenzdiagnostik

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Biomarkern in der Demenzdiagnostik, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit, zugenommen. Ein vom National Institute on Aging (NIA) und der Alzheimer's Association (AA) zusammengestelltes Komitee hat vorgeschlagen, in der Forschung zukünftig Biomarker für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit als entscheidende Kriterien zu verwenden.

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Biomarker ermöglichen eine gesicherte ätiologische Diagnose, d. h. die Bestimmung der zugrunde liegenden Ursache der Demenz. Dies ist insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit von Bedeutung, da erste Therapien verfügbar sind, die eine Bestimmung der Amyloidpathologie mittels Biomarkern voraussetzen.

Die Entwicklung blutbasierter Biomarker wird die Zugänglichkeit dieser Diagnostik weiter verbessern und die Möglichkeit eröffnen, die Alzheimer-Krankheit bereits in einem frühen Stadium zu diagnostizieren, in dem eine betroffene Person von einer krankheitsmodifizierenden Therapie profitieren kann.

Die Alzheimer-Krankheit im Detail

Die Alzheimer-Krankheit ist eine primär degenerative zerebrale Krankheit mit unbekannter Ätiologie und charakteristischen neuropathologischen und neurochemischen Merkmalen. Sie beginnt meist schleichend und entwickelt sich langsam aber stetig über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Bei der Alzheimer-Krankheit bilden sich Nervenzellen im Gehirn zurück, und es lagern sich bestimmte Proteine im Gehirn ab. Die genaue Ursache der Erkrankung ist bisher nicht geklärt.

Die Erkrankung führt zu einer Demenz, bei der das Gedächtnis nach und nach schlechter wird. Betroffene haben Probleme, sich an das richtige Wort für etwas zu erinnern, sind verwirrt und wissen möglicherweise nicht mehr genau, an welchem Ort sie sich aufhalten. Auch Misstrauen oder Angst gegenüber anderen Menschen sowie Veränderungen der Persönlichkeit können auftreten.

Die Alzheimer-Krankheit ist eine progressive und unheilbare Erkrankung. Im späten Stadium besteht aufgrund der zunehmenden Immobilität und Schluckstörungen ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Der Pflegeaufwand nimmt mit dem Fortschreiten der Krankheit zu.

Die medikamentöse Behandlung umfasst den Einsatz von Acetylcholinesterase-Hemmern (z. B. Donepezil, Rivastigmin) und NMDA-Antagonisten (z. B. Memantin).

Zusatzkennzeichen auf ärztlichen Dokumenten

Auf ärztlichen Dokumenten wird der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben:

  • G: Gesicherte Diagnose
  • V: Verdacht
  • Z: Zustand nach
  • A: Ausschluss
  • L: Links
  • R: Rechts
  • B: Beidseitig

Es ist wichtig, bei einem entsprechenden ICD-Code auf einem persönlichen medizinischen Dokument auf diese Zusatzkennzeichen zu achten und sich bei Bedarf von einem Arzt oder einer Ärztin beraten zu lassen.

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