Herzrasen Ursachen und Auswirkungen auf das Gehirn

Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Episoden von Herzrasen, medizinisch als Tachykardie bezeichnet. Dieses Phänomen, bei dem das Herz schneller schlägt als normal, kann beängstigend sein, insbesondere wenn es nachts auftritt. Obwohl Herzrasen nicht immer ein Zeichen für ein ernstes Problem ist, ist es wichtig, die Ursachen zu verstehen und zu wissen, wann ärztliche Hilfe erforderlich ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Herzrasen, seine Ursachen, die Verbindung zum Gehirn und gibt Ratschläge, wie man damit umgehen kann.

Was ist Herzrasen?

Herzrasen, auch Tachykardie genannt, liegt vor, wenn die Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute beträgt. Dies kann unabhängig davon auftreten, ob man wach ist oder schläft. Nachts wird Herzklopfen oft intensiver wahrgenommen, da es im ruhigen Zustand deutlicher spürbar ist. Manche Menschen spüren dabei auch ein Herzstolpern oder beschreiben das Gefühl, als würde das Herz "hüpfen".

Ursachen von nächtlichem Herzrasen

Herzrasen kann unterschiedliche Ursachen haben, die von harmlosen Faktoren bis hin zu ernsthaften medizinischen Zuständen reichen.

Psychische Ursachen

Auch im Schlaf reagiert der Körper auf innere Anspannung. Sorgen, Stress oder unausgesprochene Konflikte können über das vegetative Nervensystem den Puls erhöhen. Wer mit rasendem Herzen, Kurzatmigkeit und Schweiß aufwacht, erlebt möglicherweise eine Panikattacke. Die Symptome ähneln nicht selten denen einer Tachykardie - deshalb fällt die Unterscheidung schwer.

Hormonelle Veränderungen

Während der Wechseljahre verändern sich die Hormonspiegel stark. Viele Frauen berichten in dieser Zeit über Unruhe, Hitzewallungen und auch nächtliches Herzrasen. Der Einfluss auf den Kreislauf ist dabei medizinisch gut nachvollziehbar.

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Lebensstilfaktoren

Bestimmte Substanzen wie Koffein, Nikotin oder Alkohol können über Stunden wirken und das Herz auch verspätet, oft mitten in der Nacht, beeinflussen. Auch einige Medikamente, wie Asthmasprays oder Schilddrüsenpräparate, können Herzrasen auslösen.

Medizinische Ursachen

Eine überaktive Schilddrüse beeinflusst den Stoffwechsel und damit auch die Herzfrequenz. Blutzuckerschwankungen können ebenfalls zu Herzrasen führen. Bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen, wie Extrasystolen, Vorhofflimmern oder eine Vorhoftachykardie, treten bevorzugt im Liegen auf.

Herzinfarkt oder Panikattacke?

Ein Herzinfarkt macht sich meist durch Druck oder starke Schmerzen in der Brust bemerkbar, die in den linken Arm, den Rücken oder Kiefer ausstrahlen können. Auch Schmerzen im Oberbauch sind möglich. Hinzu kommen oft kalter Schweiß, Übelkeit, Atemnot und massive Schwäche. Panikattacken hingegen beginnen plötzlich, oft aus dem Schlaf heraus, mit starker Angst, Herzklopfen, Zittern und dem Gefühl, keine Luft zu bekommen. Auch wenn sie nicht lebensgefährlich sind, fühlen sie sich für die Betroffenen sehr bedrohlich an.

Herzrasen und das Gehirn: Eine enge Verbindung

Die Verbindung zwischen unserer mentalen Gesundheit und der Herzgesundheit ist eng und komplex. Anhaltende Stressfaktoren können zu gefährlichen Erkrankungen am Herzen führen, da sie das Verhalten und die körperliche Gesundheit negativ beeinflussen. Hirnerkrankungen wie ein Schlaganfall können ein Broken-Heart-Syndrom auslösen. Sieben Prozent aller Broken-Heart-Syndrome geht eine akute neurologische Erkrankung voraus.

Auswirkungen von Stress, Depressionen und Angst

Dauerstress, Depressionen und Ängste können direkte Auswirkungen auf das Herz haben. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol erhöhen den Blutdruck, beschleunigen den Herzschlag und sorgen für Fettablagerungen an Gefäßen oder um das Herz herum, was langfristig zu chronischen und schwerwiegenden Erkrankungen führen kann. Verstärkt wird die Problematik, wenn psychisch Erkrankte durch die mentale Belastung ungesunden Verhaltensweisen, wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder dem Konsum von Alkohol und Nikotin verfallen.

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Broken-Heart-Syndrom

Hirnerkrankungen wie ein Schlaganfall können ein Broken-Heart-Syndrom auslösen. Dabei handelt es sich um eine Herzmuskelerkrankung, bei der die linke Herzkammer sich typisch verformt. Die Form erinnert an eine japanische Tintenfisch-Falle namens „Tako-Tsubo“. Die Erkrankung verläuft meistens gutartig und kann sich vollständig zurückbilden. Trotzdem sind schwerwiegende Komplikationen, wie lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder ein plötzlicher Herztod möglich.

Arten von Tachykardien

Tachykardien können nach verschiedenen Gesichtspunkten kategorisiert werden. Relativ häufig ist die Einteilung nach der Lokalisation. Dabei unterscheiden Ärzte und Ärztinnen - je nachdem, wo das Herzrasen entsteht - zwei Formen:

Supraventrikuläre Tachykardie

Hierbei liegt der Ursprung des Herzrasens über den Herzkammern, also beispielsweise beim Sinusknoten, AV-Knoten oder im Muskelgewebe der Herzvorhöfe. Das Herzrasen ist also auf eine Fehlfunktion außerhalb der Herzkammer zurückzuführen. Die supraventrikuläre Form gilt zwar in der Regel nicht als lebensbedrohlich, sollte aber trotzdem regelmäßig von einem Arzt oder einer Ärztin untersucht werden.

Ventrikuläre Tachykardie

Hierbei geht die erhöhte Herzfrequenz von den Herzkammern aus. Entstehen mehr als drei Herzschläge schnell hintereinander in den Kammern, bezeichnen Mediziner und Medizinerinnen das als Kammertachykardie. Diese können gefährlich sein: Wenn die Symptome länger anhalten oder häufig auftreten, besteht das Risiko eines lebensbedrohlichen Kammerflimmerns.

Diagnostische Verfahren

Bemerken Sie Herzrasen - egal, ob tagsüber oder nachts - und damit verbundene Beschwerden, die Sie nicht auf eine kurzzeitige körperliche oder psychische Anstrengung zurückführen können, sollten Sie zeitnah einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Notieren Sie sich außerdem, wann und in welcher Form die Anzeichen auftreten. Dadurch fällt es leichter, den Auslöser herauszufinden.

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EKG (Elektrokardiogramm)

Zur Diagnose von Herzrasen verwendet ein Arzt oder eine Ärztin in erster Linie das EKG (Elektrokardiogramm): Dabei bringt der Mediziner oder die Medizinerin Elektroden auf der Haut des Patienten oder der Patientin an, die die elektrische Aktivität des Herzens messen und an ein Speichermedium (oder direkt an den Computer) weitergeben. Das EKG kann bei Ruhe, Aktivität oder zum Beispiel bei nächtlichem Herzrasen auch über 24 Stunden hinweg im Alltag gemessen werden - für den Betroffenen oder die Betroffene ist das mit keinerlei Schmerzen oder Unannehmlichkeiten verbunden.

Echokardiographie (Herzultraschall)

Oftmals kommt auch ein Herzultraschall, auch Echokardiographie genannt, zum Einsatz: Er zeigt Veränderungen des Herzens in seiner Form und Größe. Durch die Untersuchungen erkennt der Kardiologe oder die Kardiologin, ob ernst zu nehmende Auslöser oder anderweitige (kardiale) Symptome bestehen.

Was tun bei nächtlichem Herzrasen?

Wer nachts häufiger Herzklopfen spürt, kann einiges tun, um solche Situationen zu vermeiden. Vieles beginnt bei einfachen Dingen: regelmäßig schlafen, abends zur Ruhe kommen. Kein Kaffee spät, kein Alkohol, keine großen Mahlzeiten kurz vorm Zubettgehen. Bei vielen ist das schon hilfreich.

Sofortmaßnahmen

Wenn das Herz rast und an Schlaf nicht mehr zu denken ist, brauchen Sie vor allem eines: schnelle und verlässliche Hilfe. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Tiefes Atmen oder das Trinken von kaltem, möglichst kohlensäurehaltigem Wasser kann das Herzrasen beenden.

Präventive Maßnahmen

  • Stressbewältigung: Effektive Stressminimierung ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Herzgesundheit und des psychischen Wohlbefindens. Entspannungsübungen wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, psychische Belastungen abzubauen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist, unterstützt die Herzfunktion und kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren.
  • Regelmäßige Bewegung: Durch körperliche Aktivität wird das Herz-Kreislauf-System gestärkt, der Blutdruck reguliert und die Durchblutung verbessert.
  • Schlafhygiene: Routinierte Schlafgewohnheiten sind essenziell für das allgemeine Wohlbefinden und insbesondere für die Herzgesundheit. Regelmäßiger und ausreichend langer Schlaf unterstützen die Regeneration des Körpers und hilft, den Blutdruck zu regulieren.

Wann ist es ein Notfall?

Bei Schmerzen in der Brust, Schwindel oder starker Kurzatmigkeit, einer Ohnmacht oder einem Kollaps sollte das Herzrasen oder Herzklopfen dringend ärztlich behandelt werden. In diesen Fällen sollten Sie die nächste Notaufnahme aufsuchen oder den Notdienst rufen. Wenn Sie immer wiederkehrende Herzrhythmusstörungen haben, die schon eine Weile andauern und sich auch durch Änderungen des Lebensstils nicht bessern, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Ursache entscheidet maßgeblich über die Therapie der Tachykardie. Als Therapie bei ventrikulären Tachykardien kommen häufig Medikamente gegen die Symptome zum Einsatz. Die Tachykardie selbst lässt sich in der Regel durch spezielle Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen in den Griff bekommen; auch Betablocker senken die Herzfrequenz.

Medikamentöse Behandlung

In der Regel kann der Kardiologe oder die Kardiologin bei Herzrasen auf Mittel gegen Herzrhythmusstörungen zurückgreifen. Auch Beta-Blocker kommen infrage.

Katheterablation

Ist eine Herzerkrankung der Grund für das Herzrasen, kann diese mit Medikamenten oder einer sogenannten Katheterablation behandelt werden.

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