Kyntheum, dessen Wirkstoff Brodalumab ist, ist ein Biologikum zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkweise, Anwendung, Nebenwirkungen und wichtige Aspekte im Zusammenhang mit diesem Medikament.
Einführung
Plaque-Psoriasis ist eine chronische Hauterkrankung, die durch Entzündungen und schuppige Plaques gekennzeichnet ist. Kyntheum bietet eine systemische Therapieoption für erwachsene Patienten, bei denen lokale Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind.
Was ist Kyntheum (Brodalumab)?
Kyntheum enthält den Wirkstoff Brodalumab, einen monoklonalen Antikörper. Monoklonale Antikörper sind Proteine, die im Labor hergestellt werden und spezifisch an bestimmte Zielstrukturen im Körper binden. Brodalumab gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, die als Interleukin-Inhibitoren (IL-Inhibitoren) bezeichnet werden. Es wird zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen eingesetzt, für die eine systemische Therapie in Frage kommt.
Wirkmechanismus von Brodalumab
Brodalumab ist ein rekombinanter, vollständig humaner, monoklonaler IgG2-Antikörper. Es bindet mit hoher Affinität an den Interleukin-17-Rezeptor A (IL-17RA). Dieser Rezeptor spielt eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen, die bei Psoriasis eine wichtige Rolle spielen. Durch die Blockade von IL-17RA werden die biologischen Aktivitäten der proinflammatorischen Zytokine IL-17A, IL-17F, IL-17A/F und IL-25 gehemmt. Diese Zytokine sind an der Entstehung der Entzündung und der damit verbundenen klinischen Symptome der Psoriasis beteiligt.
IL-17RA ist ein Protein auf der Zelloberfläche, das für die Funktion der Rezeptorkomplexe benötigt wird, die von verschiedenen Zytokinen der IL-17-Familie genutzt werden. Bei Psoriasis-Patienten sind die Konzentrationen dieser Zytokine erhöht. IL-17A, IL-17F und das IL-17A/F-Heterodimer haben vielfältige Wirkungen und können die Produktion von Entzündungsmediatoren wie IL-6, GROα und G-CSF in Epithelzellen, Endothelzellen und Fibroblasten anregen.
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Anwendung und Dosierung
Kyntheum wird subkutan (unter die Haut) injiziert. Die empfohlene Dosis beträgt 210 mg.
- Induktionsphase: In den ersten drei Wochen wird die Dosis einmal pro Woche verabreicht (Woche 0, 1 und 2).
- Erhaltungsphase: Anschließend erfolgt die Injektion alle zwei Wochen.
Die Behandlung ist als Langzeittherapie konzipiert. Der Arzt wird den Zustand des Patienten regelmäßig überwachen, um die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen. Wenn nach 12 bis 16 Wochen keine ausreichende Verbesserung eintritt, sollte ein Abbruch der Therapie in Betracht gezogen werden.
Die Injektion kann vom Patienten selbst oder von einer Betreuungsperson in den Oberschenkel, den Bauch oder die Außenseite des Oberarms verabreicht werden. Vor der Anwendung sollte die Fertigspritze 30 Minuten lang bei Raumtemperatur liegen.
Studienlage und Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Kyntheum bei der Behandlung von Plaque-Psoriasis wurde in drei Hauptstudien (AMAGINE-1, AMAGINE-2 und AMAGINE-3) mit über 4.300 Patienten nachgewiesen. In diesen Studien zeigte Kyntheum eine signifikant höhere Wirksamkeit als Placebo und Ustekinumab (ein anderer Biologikum).
- In den Studien erreichten etwa 85 % der mit Kyntheum behandelten Patienten nach 12 Wochen eine Reduktion des PASI-Scores (Psoriasis Area Severity Index) um 75 %. Der PASI-Score ist ein Maß für den Schweregrad der Psoriasis und die betroffene Hautfläche.
- Etwa 79 % der mit Kyntheum behandelten Patienten hatten nach 12 Wochen eine erscheinungsfreie oder nahezu erscheinungsfreie Haut.
Eine Studie (LIBERO) mit 638 Patienten in Deutschland zeigte, dass nach 12 Wochen Behandlung mit Brodalumab etwa 74 % der Patienten einen PASI-Wert von höchstens 3 hatten. Nach einem Jahr hatten fast 86 % der Patienten eine erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut.
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Mögliche Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch Kyntheum Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Personen betreffen):
- Arthralgie (Gelenkschmerzen)
- Kopfschmerzen
- Ermüdung
- Diarrhoe (Durchfall)
- Schmerzen im Oropharynx (Mund- oder Halsschmerzen)
- Infektionen der oberen Atemwege (Nasopharyngitis, Pharyngitis)
- Grippe (Influenza)
- Tinea-Infektionen (Pilzinfektionen der Haut)
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schmerzen, Juckreiz, blaue Flecken oder Blutungen)
- Muskelschmerzen
Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Personen betreffen):
- Candida-Infektionen (Pilzinfektionen) von Mund, Rachen oder Genitalien
- Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):
- Schwere allergische Reaktionen (Anzeichen: Atem- oder Schluckbeschwerden, niedriger Blutdruck, Schwellungen im Gesicht, der Lippen, der Zunge oder des Rachens, starker Juckreiz der Haut mit rotem Ausschlag oder Schwellung)
- Mögliche schwere Infektionen (Anzeichen: Fieber, grippeartige Symptome, nächtliches Schwitzen, Müdigkeitsgefühl oder Kurzatmigkeit, anhaltender Husten, warme, gerötete und schmerzhafte Haut oder schmerzhafter Hautausschlag mit Bläschen)
Weitere wichtige Hinweise:
- Es wurde im Zusammenhang mit IL-17-Inhibitoren wie Kyntheum auch über Bauchkrämpfe und schmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl (Zeichen von Darmproblemen) berichtet.
- Patienten, die mit Kyntheum behandelt werden, sollten auf Anzeichen von Depressionen, Angstzuständen oder Selbstmordgedanken achten und sich bei Bedarf umgehend an einen Arzt wenden.
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Kyntheum darf nicht angewendet werden:
- Bei Überempfindlichkeit gegen Brodalumab oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.
- Bei aktivem Morbus Crohn.
- Bei klinisch bedeutenden aktiven Infektionen (z. B. aktive Tuberkulose).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Vor der Anwendung von Kyntheum sollten folgende Punkte mit dem Arzt besprochen werden:
- Vorliegen einer entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Vorliegen oder frühere Selbstmordgedanken oder -handlungen, Depressionen, Angst oder Stimmungsprobleme
- Aktuelle oder häufige Infektionen
- Chronische Infektionen
- Tuberkulose (TB) oder enger Kontakt zu einer mit TB infizierten Person
- Kürzlich erfolgte oder geplante Impfungen (bestimmte Lebendimpfstoffe sollten während der Behandlung mit Kyntheum vermieden werden)
- Vorherige oder gleichzeitige Behandlung der Psoriasis mit anderen Immunsuppressiva oder Phototherapie mit UV-Licht
Schwangerschaft und Stillzeit
Die Anwendung von Kyntheum während der Schwangerschaft sollte vermieden werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für mindestens 12 Wochen nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Es ist nicht bekannt, ob Brodalumab in die Muttermilch übergeht. Während der Stillzeit sollte der Arzt sorgfältig den Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Behandlung für die Mutter abwägen.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Es sind keine spezifischen Wechselwirkungen von Brodalumab mit anderen Arzneimitteln bekannt. Dennoch sollte der Arzt über alle eingenommenen Medikamente informiert werden.
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Wichtige Hinweise für Patienten
- Kyntheum ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und sollte nur auf Anweisung eines Arztes angewendet werden.
- Patienten sollten sich vor der Anwendung des Medikaments gründlich über die möglichen Nebenwirkungen und Risiken informieren.
- Bei Auftreten von Nebenwirkungen oder anderen gesundheitlichen Problemen sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.
- Die Lagerung von Kyntheum sollte gemäß den Anweisungen in der Packungsbeilage erfolgen (im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius, vor Licht geschützt).
Fallbericht: Neurologische Komplikationen unter Brodalumab-Therapie
Ein Fallbericht beschreibt eine Patientin, die nach der letzten Brodalumab-Injektion (Kyntheum) neurologische Symptome wie Schwäche und Sensibilitätsstörungen entwickelte. Nach dem Ausschluss anderer Ursachen wurde eine mögliche autoimmun-entzündliche Genese diskutiert, möglicherweise im Zusammenhang mit einer akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM) oder einer Querschnittsmyelitis. Obwohl ein direkter kausaler Zusammenhang mit Brodalumab nicht abschließend bewiesen werden konnte, wird die Möglichkeit einer auslösenden oder verstärkenden Rolle von Biologika bei solchen neurologischen Komplikationen hervorgehoben.
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