Schwanger werden nach Schlaganfall: Risiken und Überlegungen

Die moderne Medizin bietet vielfältige Möglichkeiten, Paaren mit Kinderwunsch zu helfen. Allerdings sollte man sich der potenziellen Gefahren bewusst sein, die mit assistierten Reproduktionstherapien (ART) einhergehen. Auch eine spontan entstandene Schwangerschaft stellt eine erhebliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eine Hauptursache für mütterliche Mortalität, wobei Schlaganfälle einen relevanten Anteil ausmachen.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Unfruchtbarkeitsbehandlungen?

Eine Studie untersuchte, ob Unfruchtbarkeitsbehandlungen das Schlaganfallrisiko erhöhen. Dazu wurden Daten von über 31 Millionen Entbindungen in den USA analysiert. Verglichen wurden Frauen, die spontan schwanger wurden, mit solchen, die ART in Anspruch nahmen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen nach einer Kinderwunschbehandlung ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Das Risiko, im ersten Jahr nach der Entbindung einen Schlaganfall zu erleiden, war in der ART-Kohorte um 66 % höher. Betrachtete man ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle getrennt, so war das Risiko für beide erhöht, wobei der Anstieg bei hämorrhagischen Schlaganfällen deutlicher ausfiel.

Die Studie konnte jedoch nicht eindeutig klären, ob die Unfruchtbarkeitsbehandlung selbst das Risiko erhöht oder ob Frauen, die solche Behandlungen benötigen, ohnehin ein höheres Schlaganfallrisiko aufweisen.

Schlaganfallrisiko während der Schwangerschaft

Generell ist das Risiko, während einer Schwangerschaft einen Schlaganfall zu erleiden, gering. Allerdings können bestimmte Faktoren das Risiko erhöhen, darunter:

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  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Hypertensive Komplikationen
  • Frühgeburt
  • Fetale Wachstumsrestriktion

Eine Analyse ergab, dass in einem Jahr von 10.000 Schwangeren 14 einen Schlaganfall erleiden, während es bei nicht schwangeren Frauen nur 6,4 sind. Jüngere Frauen haben ein höheres relatives Risiko, während bei älteren Frauen die Gesamtzahl der Schlaganfälle höher ist, das relative Risiko aber geringer ausfällt.

Ursachen für das erhöhte Schlaganfallrisiko in der Schwangerschaft

Das Schlaganfallrisiko ist während der Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen erhöht. Dazu gehören physiologische Veränderungen wie:

  • Anstieg des Blutdrucks
  • Erhöhte Gerinnungsfähigkeit des Blutes
  • Erhöhtes Blutvolumen

Hinzu kommen schwangerschaftsspezifische Komplikationen wie Hypertonie, Präeklampsie oder Diabetes. Unter den Wehen können Thromben durch ein offenes Foramen ovale ins Gehirn gelangen oder Aneurysmen platzen.

Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall in der Schwangerschaft?

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall in der Schwangerschaft gilt: "Time is two brains" und "Neurologie first!". Die Bildgebung sollte schnellstmöglich erfolgen, idealerweise mit der am schnellsten verfügbaren Methode inklusive Angiografie.

Die Schwangerschaft ist keine absolute Kontraindikation für eine i.v. Thrombolyse, und es scheint kein erhöhtes Risiko für den Fetus oder eine Plazentaablösung zu bestehen. Bei Großwandverschluss ist eine mechanische Thrombektomie in Erwägung zu ziehen.

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Eine frühe und schnelle Blutdrucksenkung ist wichtig, insbesondere bei intrakraniellen Blutungen, wobei eine ausreichende Plazenta-Perfusion gewährleistet sein muss.

Geburt nach Schlaganfall

Eine absolute Kontraindikation gegen eine vaginale Geburt besteht in der Regel nicht. Drei Monate nach der Geburt sollte das kardiovaskuläre Risiko geprüft werden, um gegebenenfalls sekundärpräventive Maßnahmen mit der Patientin zu besprechen.

Verhütung nach Schlaganfall

Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva erhöhen das Thrombose-, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich, insbesondere bei Migräne mit Aura. Daher wird Frauen nach einem Schlaganfall zu einer Verhütung ohne Östrogen geraten, z.B. hormonfreie Spirale, Barrieremethoden oder reine Gestagenpräparate.

Schwangerschaft nach Schlaganfall: Individuelle Beratung ist entscheidend

Eine Schwangerschaft nach einem Schlaganfall ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, erfordert aber eine sorgfältige individuelle Abklärung der Ätiologie und Risiken sowie eine umfassende Beratung, idealerweise gemeinsam mit Gynäkologen und gegebenenfalls weiteren Fachkollegen.

Schwangerschaften nach Schlaganfall oder TIA verlaufen häufig komplizierter. Das Risiko für Fehlgeburten, intrauterinen Kindstod, Schwangerschaftshochdruck und HELLP-Syndrom kann erhöht sein.

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Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft ein HELLP-Syndrom oder eine Präeklampsie durchgemacht haben, sollten möglicherweise von einer erneuten Schwangerschaft abgeraten werden. Die Entscheidung liegt jedoch letztendlich bei der Frau selbst, basierend auf ihren individuellen Wünschen und Zielen.

Medikamentöse Therapie während der Schwangerschaft

Statine sollten wegen ihrer Teratogenität abgesetzt werden. Als Plättchenhemmer wird Acetylsalicylsäure bevorzugt. Bei zwingender Indikation zur Antikoagulation gilt niedermolekulares oder unfraktioniertes Heparin als Mittel der Wahl. ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten sind bei Schwangeren kontraindiziert.

Risikofaktoren und Prävention

Junge Menschen akkumulieren heute multiple Risikofaktoren für Schlaganfälle. Es ist wichtig, diese Risikofaktoren zu identifizieren und zu behandeln. Dazu gehören:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel

Frauen mit Unfruchtbarkeit, Fehl- oder Totgeburten sollten frühzeitig als Risikogruppe behandelt werden.

Schwangerschaftskomplikationen als Warnsignal

Bestimmte Schwangerschaftskomplikationen wie Totgeburt, Präeklampsie oder Frühgeburt können ein frühes Warnsignal für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko sein und sollten in die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung einbezogen werden.

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