Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während eines Anfalls als auch die Prophylaxe zur Reduzierung der Häufigkeit und Intensität der Attacken. Nasensprays, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden, stellen eine effektive und schnell wirkende Option dar.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt. Zu den wichtigsten Faktoren, die zu Migräne beitragen können, gehören:
- Genetische Veranlagung: Migräne tritt häufiger bei Menschen auf, in deren Familien die Erkrankung bereits vorkommt. Für eine spezielle Ausprägung der Migräne konnte ein Gendefekt nachgewiesen werden, während die genetischen Ursachen für die allgemeine Migräne schwer einzugrenzen sind.
- Neurovaskuläre Faktoren: Eine komplexe Störung im Zusammenspiel des Gefäß- und Nervensystems des Gehirns gilt als Ursache für Migräne. Dabei spielen Botenstoffe wie das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) eine wichtige Rolle.
- Triggerfaktoren: Äußere Einflüsse, sogenannte Triggerfaktoren, können eine Migräneattacke auslösen. Dazu gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, Wetterveränderungen, hormonelle Schwankungen und sensorische Reize wie helles Licht oder laute Geräusche.
- Hormonelle Einflüsse: Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer, was auf den Einfluss von Hormonen zurückgeführt wird. Die typische Migränepatientin ist oft eine berufstätige, aktive Frau zwischen 35 und 45 Jahren.
Wirkstoffe in Migräne-Nasensprays
Nasensprays zur Behandlung von Migräne enthalten in der Regel Wirkstoffe, die speziell auf die Mechanismen der Migräneattacke abzielen. Zu den gängigsten Wirkstoffen gehören:
Triptane
Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die spezifisch zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn binden und dadurch die Blutgefäße verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Triptane sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Injektionen und Nasensprays.
- Sumatriptan: Sumatriptan war einer der ersten Triptane, die zur Behandlung von Migräne eingesetzt wurden. Es ist als Nasenspray in Dosierungen von 10 mg und 20 mg erhältlich. Sumatriptan Nasenspray führt zu einer sehr schnellen Linderung der Migräneattacke. Die empfohlene Dosis beträgt bei Erwachsenen 20 mg, wobei beim Wiederauftreten der Schmerzen die Dosis erneut eingenommen werden kann, jedoch mit einem Mindestabstand von 2 Stunden.
- Zolmitriptan: Zolmitriptan ist ein weiteres Triptan, das als Nasenspray (z.B. AscoTop® Nasal) verfügbar ist. Studien zeigen, dass die schmerzlindernde Wirkung des Sprays innerhalb von 15 Minuten einsetzt. Durch die direkte Aufnahme des Wirkstoffs über die Nasenschleimhaut ist dieser schon nach zwei Minuten im Blut nachweisbar. AscoTop® Nasal wird bei Migräne sowie Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt. Der Hersteller AstraZeneca empfiehlt, AscoTop® Nasal 5 mg als Nasenspray gegen mittelschwere bis schwere Migräneschübe sowie bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen einzusetzen.
Gepante
Gepante sind eine neuere Klasse von Medikamenten, die sowohl zur Vorbeugung als auch zur Akutbehandlung von Migräne eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie den Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) blockieren, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt.
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- Zavegepant: Zavegepant ist ein Gepant, das als Nasenspray zur akuten Behandlung von Migräne entwickelt wurde. In einer Phase-III-Studie erzielte Zavegepant-Nasenspray in einer akuten Migräneattacke bei mehr Patienten Schmerzfreiheit innerhalb von zwei Stunden als Placebosprays.
Vorteile von Nasensprays gegenüber Tabletten
Nasensprays bieten im Vergleich zu Tabletten einige Vorteile bei der Behandlung von Migräne:
- Schnellere Wirkung: Da der Wirkstoff direkt über die Nasenschleimhaut aufgenommen wird, tritt die Wirkung in der Regel schneller ein als bei Tabletten, die erst den Magen-Darm-Trakt passieren müssen. Bei Zolmitriptan-Nasenspray ist der Wirkstoff bereits nach zwei Minuten im Blut nachweisbar.
- Umgehung des Magen-Darm-Trakts: Dies ist besonders vorteilhaft für Patienten, die unter Übelkeit und Erbrechen leiden, da diese Symptome die Aufnahme von Tabletten beeinträchtigen können.
- Einfache Anwendung: Nasensprays sind einfach anzuwenden und können auch unterwegs diskret eingenommen werden.
Anwendung von Migräne-Nasensprays
Die Anwendung von Migräne-Nasensprays ist in der Regel unkomompliziert. Hier sind einige allgemeine Hinweise:
- Vor der Anwendung: Vor der Anwendung sollte die Nase gründlich gereinigt werden, um eine optimale Aufnahme des Wirkstoffs zu gewährleisten.
- Anwendungstechnik: Der Schutzdeckel des Nasensprays wird abgenommen, und die Spitze des Sprays wird in ein Nasenloch eingeführt. Das andere Nasenloch wird zugehalten. Der Kopf wird leicht in den Nacken gelegt, und der Mund wird geschlossen. Durch Druck auf den Stempel wird der Wirkstoff freigesetzt.
- Nach der Anwendung: Nach der Anwendung sollte der Kopf noch einen Moment nach hinten geneigt gehalten und die Nase hochgezogen werden. Anschließend sollte zehn Sekunden lang gleichmäßig durch den Mund geatmet werden.
- Dosierung: Die empfohlene Einzeldosis, die in ein Nasenloch gesprüht werden darf, variiert je nach Wirkstoff. Bei AscoTop® Nasal liegt sie bei 5 mg. Wenn keine ausreichende Linderung der Migränesymptome eintritt, kann eine zweite Dosis nach einem Zeitraum von zwei Stunden verabreicht werden. Die maximale Tagesdosis sollte nicht überschritten werden.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Wie alle Medikamente können auch Migräne-Nasensprays Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Mundtrockenheit
- Geschmacksstörungen
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Schläfrigkeit
- Missempfindungen
- Reizerscheinungen in der Nase wie Nasenbluten und Schnupfen
Es ist wichtig, vor der Anwendung von Migräne-Nasensprays den Arzt oder Apotheker über alle anderen Medikamente zu informieren, die eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von MAO-Hemmern, SSRIs, anderen Triptanen, Antidepressiva oder Medikamenten, die Ergotamin enthalten.
Gegenanzeigen
Es gibt bestimmte Erkrankungen und Umstände, bei denen die Anwendung von Migräne-Nasensprays kontraindiziert ist. Dazu gehören:
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- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Koronare Herzkrankheit
- Prinzmetal-Angina
- Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte
- Spezielle Formen der Migräne wie Basilaris-Migräne oder familiäre hemiplegische Migräne
- Durchblutungsstörungen der Peripherie
Weitere Aspekte der Migränebehandlung
Neben der Akutbehandlung mit Nasensprays gibt es weitere wichtige Aspekte bei der Behandlung von Migräne:
- Migräneprophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten wie Betablockern, Antidepressiva oder Antiepileptika sinnvoll sein. Auch CGRP-Antikörper werden zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- Verhaltensmedizinische Therapie: Entspannungstechniken, Stressmanagement und regelmäßiger Schlaf können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren. Die Schmerzklinik Kiel bietet beispielsweise eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura sowie andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen an.
- Identifizierung und Vermeidung von Triggerfaktoren: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Triggerfaktoren zu identifizieren und diese möglichst zu vermeiden.
- Anpassung des Lebensstils: Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit können ebenfalls zur Reduzierung von Migräneattacken beitragen.
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