Einführung
Baricitinib, besser bekannt unter dem Handelsnamen Olumiant®, ist ein Januskinase-Inhibitor (JAK-Inhibitor), der zur Behandlung verschiedener entzündlicher Erkrankungen eingesetzt wird. Ursprünglich für die Therapie der rheumatoiden Arthritis zugelassen, hat sich das Anwendungsgebiet von Olumiant® inzwischen erweitert und umfasst auch die atopische Dermatitis und Alopecia areata. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Olumiant®, einschließlich seiner Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen und aktuellen Forschungsergebnisse.
Was ist Olumiant® (Baricitinib)?
Olumiant® enthält den Wirkstoff Baricitinib, der zur Gruppe der Januskinase-Inhibitoren gehört. JAK-Inhibitoren wirken direkt in den Immunzellen, indem sie bestimmte Signale blockieren, die für die Entstehung von Entzündungen verantwortlich sind. Auf diese Weise greift Baricitinib gezielt in den Entzündungsprozess ein. Die ersten JAK-Inhibitoren wurden 2017 in der EU zugelassen. Heute werden vier verschiedene Präparate bei rheumatoider Arthritis eingesetzt: Olumiant, Jyseleca, Rinvoq und Xeljanz.
Wirkungsweise von Baricitinib
Baricitinib hemmt gezielt und vorübergehend die Aktivität der Januskinasen (JAK) und der Tyrosinkinase 2. Diese Enzyme spielen eine zentrale Rolle bei der Weiterleitung von Signalen innerhalb der Zellen, die Entzündungen, Immunreaktionen und Gefäßneubildungen steuern. Indem Baricitinib diese Signalwege blockiert, kann es die Produktion von entzündungstypischen Eiweißen verhindern und die Reizweiterleitung innerhalb der Zellen unterbinden.
Anwendungsgebiete von Olumiant®
Baricitinib ist in Europa für folgende Anwendungsgebiete zugelassen:
- Rheumatoide Arthritis (RA): Zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis, bei denen vorangegangene Behandlungen mit anderen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.
- Atopische Dermatitis (AD): Zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis, bei denen topische Therapien allein nicht ausreichend wirksam sind und eine systemische Therapie in Frage kommt. Seit kurzem ist Baricitinib auch für die Behandlung der atopischen Dermatitis bei Jugendlichen und Kindern ab 2 Jahren zugelassen.
- Alopecia Areata (AA): In den USA ist Baricitinib (Olumiant) auch zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerer Alopecia Areata zugelassen. Diese Zulassung basiert auf Studien, die eine signifikante Verbesserung des Haarwachstums bei Patienten zeigten, die mit Baricitinib behandelt wurden.
Nebenwirkungen von Olumiant®
Wie alle Medikamente kann auch Olumiant® Nebenwirkungen verursachen. Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Es ist wichtig, dass Patienten alle auftretenden Symptome ihrem Arzt mitteilen.
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Häufige Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Olumiant® gehören:
- Infektionen der oberen Atemwege
- Überschuss an Cholesterin im Blut
- Gürtelrose
- Lippenherpes
- Magen-Darm-Entzündung
- Harnwegsinfektionen
- Überschuss an Blutplättchen
- Übelkeit
- Erhöhte Leberenzymwerte (ALAT)
Gelegentliche Nebenwirkungen
Gelegentliche Nebenwirkungen können sein:
- Mangel an Neutrophilen Blutzellen (Neutropenie)
- Überschuss an Triglyceriden im Blut
- Erhöhte Leberenzymwerte (ASAT)
- Akne
- Gewichtszunahme
- Erhöhter Kreatinphosphokinase-Wert im Blut
Seltene und schwerwiegende Nebenwirkungen
Obwohl seltener, können auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören:
- Infektionen: Baricitinib kann das Immunsystem schwächen und das Risiko für Infektionen erhöhen, einschließlich schwerwiegender Infektionen wie Lungenentzündung, Sepsis und Tuberkulose. Patienten sollten während und nach der Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Infektion überwacht werden. Bei Auftreten einer schwerwiegenden oder opportunistischen Infektion sollte die Behandlung unterbrochen werden.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs: Eine Studie aus den USA (ORAL-Surveillance-Studie) deutete auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bei Patienten mit rheumatoider Arthritis unter der Behandlung mit dem JAK-Inhibitor Tofacitinib (Xeljanz) hin. Daraufhin gab die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Empfehlungen heraus, JAK-Inhibitoren bei Patienten mit bestimmten Risikofaktoren (Alter über 65 Jahre, Raucher oder Ex-Raucher, bestehende Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs) nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung einzusetzen. Neuere Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass diese Risiken möglicherweise nicht so hoch sind wie ursprünglich angenommen.
- Thrombembolische Ereignisse: In seltenen Fällen kann es unter der Behandlung mit Baricitinib zu Blutgerinnseln in den Venen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie) oder Arterien kommen.
- Leberfunktionsstörungen: Erhöhte Leberenzymwerte können auf eine arzneimittelbedingte Leberschädigung hinweisen. In solchen Fällen sollte die Therapie vorübergehend beendet werden, bis eine Leberschädigung ausgeschlossen werden kann.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Vor Beginn der Behandlung mit Olumiant® sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Tuberkulose-Screening: Vor Therapiebeginn sollte ein Tuberkulose-Screening durchgeführt werden. Bei Patienten mit latenter Tuberkulose sollte vor der Einleitung der Behandlung eine Anti-TB-Therapie begonnen werden.
- Impfungen: Es wird empfohlen, alle Immunisierungen in Übereinstimmung mit den geltenden Impfempfehlungen auf den aktuellen Stand zu bringen. Die Anwendung von Lebendimpfstoffen wird während der Behandlung mit Baricitinib nicht empfohlen.
- Risikofaktoren: Patienten mit bestimmten Risikofaktoren (z.B. Alter über 65 Jahre, Rauchen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs) sollten vor Beginn der Behandlung sorgfältig auf das Nutzen-Risiko-Verhältnis untersucht werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Baricitinib kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Besonders zu beachten sind:
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- CYP3A-Substrate: Baricitinib ist ein mäßig starker Inhibitor von CYP3A. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung mit CYP3A-Substraten, bei denen mäßig starke Konzentrationsveränderungen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen können. Empfehlungen zur Dosisanpassung für CYP3A-Substrate sollten beachtet werden.
- Biologische Rheumamittel und Immunsuppressiva: Die Kombination mit biologischen Rheumamitteln wie monoklonalen Antikörpern oder anderen Hemmstoffen des Immunsystems wird nicht empfohlen, da das Risiko einer verstärkten Schwächung der körpereigenen Abwehr nicht ausgeschlossen werden kann.
- Leflunomid: Das Antirheumatikum Leflunomid wird im Körper durch ein Enzymsystem in sein wirksames Abbauprodukt Teriflunomid umgewandelt. Möglicherweise beeinflusst Baricitinib diese Umwandlung. Daher ist bei der gleichzeitigen Anwendung von Leflunomid oder Teriflunomid und Baricitinib ärztliche Vorsicht geboten.
Olumiant® bei Alopecia Areata: Ein Hoffnungsschimmer
Die Zulassung von Olumiant® zur Behandlung der Alopecia Areata in den USA stellt einen wichtigen Fortschritt in der Therapie dieser Erkrankung dar. Alopecia Areata ist eine Autoimmunerkrankung, die zu kreisrundem Haarausfall führt. Bisher gab es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten für diese Erkrankung, die oft mit erheblichem psychischem Leidensdruck verbunden ist.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit bei Alopecia Areata
Die Wirksamkeit von Olumiant® bei Alopecia Areata wurde in mehreren klinischen Studien nachgewiesen. In diesen Studien erreichten ein signifikanter Anteil der Patienten unter der Behandlung mit Olumiant® eine deutliche Verbesserung des Haarwachstums. So zeigten beispielsweise Studien, dass nach 36 Wochen Behandlung mit Olumiant® bei einem erheblichen Prozentsatz der Patienten mindestens 80 Prozent des Gesamthaares wiedererlangt wurden.
Ritlecitinib: Eine weitere Option bei Alopecia Areata
Neben Baricitinib wurde kürzlich auch Ritlecitinib zur Behandlung der Alopecia Areata zugelassen. Ritlecitinib ist ebenfalls ein JAK-Inhibitor, der jedoch zusätzlich auch Enzyme aus der Familie der TEC-Kinasen hemmt. Ob dies zu einer besseren Wirksamkeit führt, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Ein Vorteil von Ritlecitinib ist, dass es bereits ab einem Alter von zwölf Jahren eingesetzt werden darf, was besonders für junge Menschen mit Alopecia Areata von Bedeutung ist.
Aktuelle Forschung und Ausblick
Die Forschung zu Baricitinib und anderen JAK-Inhibitoren ist weiterhin aktiv. Aktuelle Studien untersuchen die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Medikamente bei verschiedenen anderen entzündlichen Erkrankungen. Darüber hinaus wird geforscht, um die Mechanismen der JAK-Inhibitoren besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
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