Käse, Tyramin und Migräne: Ein Überblick über Zusammenhänge und Auslöser

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch pochende, pulsierende und sehr starke Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen sind meist auf einer Kopfhälfte spürbar und können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Die Dauer einer Migräneattacke kann bis zu 72 Stunden betragen. Die Ursachen und Auslöser für Migräneattacken sind noch nicht vollständig erforscht, aber es werden verschiedene Faktoren diskutiert, darunter Stress, hormonelle Störungen, ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus und bestimmte Nahrungsmittel.

Migräne: Eine komplexe neurologische Erkrankung

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die mit einer Vielzahl von Symptomen einhergehen kann und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.

Charakteristische Symptome der Migräne

  • Pochende, pulsierende und sehr starke Kopfschmerzen
  • Meist einseitige Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • In manchen Fällen Aura-Symptome wie Sehstörungen oder neurologische Ausfälle

Mögliche Ursachen und Auslöser

Die Ursachen der Migräne sind vielfältig und oft nicht eindeutig auf einen Faktor zurückzuführen. Migräne tritt oft auf, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen. Zu den diskutierten Auslösern gehören:

  • Stress
  • Hormonelle Störungen (z.B. Menstruation)
  • Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke
  • Umweltreize (z.B. Wetterfühligkeit, starke Gerüche)

Die Rolle der Ernährung bei Migräne

Die Bedeutung der Ernährung bei der Entstehung und Behandlung von Migräne ist umstritten. Es gibt keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten. Allerdings berichten viele Betroffene, dass bestimmte Nahrungsmittel Migräneattacken auslösen können.

Tyramin: Ein möglicher Migräne-Trigger

Tyramin ist ein biogenes Amin, das in verschiedenen Lebensmitteln vorkommt, insbesondere in solchen, die durch Gärungs-, Pökel- oder Fermentationsprozesse hergestellt wurden. Es entsteht als Reaktionsprodukt der Aminosäure Tyrosin.

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Vorkommen von Tyramin in Lebensmitteln

Tyramin findet sich vor allem in:

  • Gereiftem Käse (z.B. Parmesan, Emmentaler, Bergkäse, Gorgonzola)
  • Geräucherten und fermentierten Fleischwaren (z.B. Salami, Schinken)
  • Rotwein
  • Sauerkraut und anderem fermentierten Gemüse
  • Hefeextrakten
  • Reifen Bananen
  • Schokolade und Kakao
  • Sojasoßen

Wie Tyramin Migräne auslösen kann

Tyramin kann bei empfindlichen Menschen Migräne auslösen, indem es die Freisetzung von Noradrenalin erhöht. Noradrenalin ist ein Botenstoff, der die Blutgefäße verändern kann. Bei manchen Menschen kann dies zu Kopfschmerzen oder Migräne führen. Normalerweise baut der Körper Tyramin im Darm und in der Leber mit einem Enzym (Monoaminooxidase, MAO) ab. Wenn dieses Enzym jedoch schwächer arbeitet oder zu viel Tyramin auf einmal aufgenommen wird, kann es zu einem Anstieg des Tyraminspiegels im Blut kommen, was Migräneattacken begünstigen kann.

Käse als Tyramin-Quelle

Gereifter Käse ist eine der Hauptquellen für Tyramin in der Ernährung. Je länger der Käse reift, desto höher ist der Tyramingehalt. Besonders hohe Werte finden sich in Hart- und Edelschimmelkäse wie Parmesan, Emmentaler, Bergkäse und Gorgonzola.

Weitere Ernährungstrigger bei Migräne

Neben Tyramin gibt es noch weitere Nahrungsbestandteile und Substanzen, die bei empfindlichen Personen Migräne auslösen können.

Histamin

Histamin ist ein weiteres biogenes Amin, das in vielen Lebensmitteln vorkommt, insbesondere in fermentierten Produkten wie Käse, Salami, Schinken und Sauerkraut. Auch alkoholische Getränke, insbesondere Rotwein und Sekt, können viel Histamin enthalten. Histamin kann die Blutgefäße erweitern und Entzündungen fördern, was Migräneattacken begünstigen kann.

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Alkohol

Alkohol ist ein häufig genannter Migräne-Trigger. Insbesondere Rotwein wird oft als Auslöser genannt, aber auch andere alkoholische Getränke wie Bier und Sekt können Probleme verursachen. Alkohol kann in verschiedene biochemische Prozesse eingreifen und die Histaminwirkung verstärken. Einige Experten vermuten, dass die harntreibende Wirkung des Alkohols zu Dehydrierung und damit zu Migräne führt.

Koffein

Koffein ist ein Stimulans, das in Kaffee, Tee, Cola und Energy-Drinks enthalten ist. Während Koffein in der Behandlung von Migräneattacken eingesetzt werden kann, kann es bei manchen Menschen auch Migräne auslösen. Ein plötzlicher Koffeinentzug kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.

Zusatzstoffe

Einige Zusatzstoffe wie Glutamat, Aspartam und bestimmte Konservierungsstoffe (Nitrate, Nitrite) stehen im Verdacht, Migräne auszulösen. Die Datenlage ist jedoch nicht immer eindeutig.

Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten

Da die Auslöser für Migräne individuell verschieden sind, gibt es keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen. Es kann jedoch hilfreich sein, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um individuelle Trigger zu identifizieren.

Kopfschmerztagebuch führen

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Migräneattacken aufzudecken. In diesem Tagebuch werden alle relevanten Informationen notiert, wie:

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  • Was wurde wann gegessen und getrunken?
  • Wann und wie lange dauerte die Migräneattacke?
  • Welche Symptome traten auf?
  • Welche Medikamente wurden eingenommen?

Eliminationsdiät

Wenn bestimmte Nahrungsmittel im Verdacht stehen, Migräne auszulösen, kann eine Eliminationsdiät durchgeführt werden. Dabei werden die verdächtigen Lebensmittel für einige Wochen gemieden und beobachtet, ob sich die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken verändern. Anschließend können die Lebensmittel einzeln wieder eingeführt werden, um zu testen, ob sie tatsächlich Migräne auslösen.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

  • Regelmäßige Mahlzeiten einnehmen
  • Ausreichend trinken (vor allem Wasser)
  • Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
  • Den Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken und Alkohol reduzieren
  • Auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium und Omega-3-Fettsäuren achten

Magnesium und Omega-3-Fettsäuren

Magnesium und Omega-3-Fettsäuren können sich positiv auf Migräne auswirken. Magnesium ist an vielen energieerzeugenden Enzymreaktionen im Körper beteiligt und spielt eine Rolle bei der Reizleitung zwischen Nerven und Muskeln. Omega-3-Fettsäuren hemmen Entzündungsreaktionen. Gute Quellen für Magnesium sind Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreidekeime. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch, Leinöl, Walnussöl und Rapsöl enthalten.

Weitere Maßnahmen zur Migräneprophylaxe

Neben der Ernährung gibt es noch weitere Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können:

  • Stress reduzieren
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Regelmäßige Bewegung
  • Entspannungstechniken (z.B. Yoga, Meditation)
  • Vermeidung von bekannten Triggern (z.B. bestimmte Gerüche, helles Licht)

Kopfschmerzirrtümer

Es gibt viele verbreitete Irrtümer über Kopfschmerzen und Migräne. Einige Beispiele:

  • Kopfschmerzen sind immer harmlos. (Falsch: Treten Kopfschmerzen regelmäßig auf, werden immer heftiger oder werden von weiteren Symptomen begleitet, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.)
  • Sport ist bei Migräne immer schädlich. (Falsch: Bei einer akuten Migräneattacke verschlimmert Sport meistens die Beschwerden, aber bei Spannungskopfschmerzen kann Bewegung helfen.)
  • Bestimmte Lebensmittel sind immer Auslöser für Migräne. (Falsch: Nur, wenn eine Unverträglichkeit gegen Inhaltsstoffe vorliegt, können Kopfschmerzen tatsächlich ernährungsbedingt sein.)
  • Frauen sind schmerzempfindlicher als Männer. (Falsch: Frauen leiden schlicht aus hormonellen Gründen häufiger unter Migräne.)

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