In unserer heutigen Gesellschaft, die oft von Dauerstress und ständiger Erreichbarkeit geprägt ist, suchen viele Menschen nach Wegen, um mit den Herausforderungen des Alltags besser umzugehen. Kathleen Kunze, eine Expertin für Nervensystemregulation, bietet mit ihrem Buch „Sich(er) fühlen“ und ihrer Arbeit in Seminaren und Coachings praktische Hilfestellungen, um das vegetative Nervensystem wieder in Balance zu bringen.
Das vegetative Nervensystem: Ein Schlüssel zum Verständnis von Stress und Gesundheit
Das vegetative Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden. Es steuert lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel, ohne dass wir bewusst Einfluss darauf nehmen müssen. Kunze betont, dass das vegetative Nervensystem einen sehr großen Teil unseres Körpers einnimmt und Einfluss auf die meisten Organe hat. Es reguliert viele essenzielle Körperfunktionen. Ein Ungleichgewicht in diesem System kann sich in vielfältigen körperlichen und psychischen Beschwerden äußern. Nicht nur als Effekte auf die Funktion unserer Organe und unser Muskel- und Fasziengewebe, sondern auch auf unsere Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen.
Sympathikus und Parasympathikus: Das Zusammenspiel der Gegenspieler
Innerhalb des vegetativen Nervensystems agieren zwei Gegenspieler: der Sympathikus und der Parasympathikus. Der Sympathikus ist für die Aktivierung des Körpers zuständig, insbesondere in Stresssituationen. Er bereitet uns auf Kampf oder Flucht vor, indem er den Herzschlag erhöht, die Atmung beschleunigt und die Verdauung herunterfährt. Der Parasympathikus hingegen fördert die Entspannung, aktiviert die Verdauung und unterstützt Stoffwechselvorgänge.
In Gefahrensituationen setzt der Sympathikus eine Kaskade von neurologischen und hormonellen Reaktionen in Gang. Adrenalin wird ausgeschüttet, um die Muskeln besser zu durchbluten, und Endorphine verhindern Panik. Puls und Blutdruck steigen, und der Körper versetzt sich in Alarmbereitschaft. Idealerweise ist diese Stressreaktion nur von kurzer Dauer, und der Körper findet wieder in einen Zustand der Ruhe zurück, in dem der Parasympathikus die Oberhand gewinnt.
Die Folgen von Dauerstress
In der heutigen Zeit sind viele Menschen jedoch einem Zustand der Dauerbelastung ausgesetzt. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden und ein voller Terminkalender führen dazu, dass der Sympathikus permanent aktiv bleibt. Dieses "Unter-Strom-Stehen" kann zu Störungen im Magen-Darm-System und zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen. Kunze betont, dass der Körper in Zeiten von Dauerbelastung nicht mehr allein in der Lage ist, diesen Stressreaktionszyklus zu beenden und das Nervensystem zu beruhigen.
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Kathleen Kunzes Ansatz zur Nervensystemregulation
Kathleen Kunze hat aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen einen ganzheitlichen Ansatz zur Nervensystemregulation entwickelt. Auslöser war ihre Schwangerschaft und die Frühgeburt ihres Sohnes. Danach folgten Jahre mit gesundheitlichen Problemen. Es folgte über viele Jahre ein Ärzte-Marathon. Hinzu kam bei ihr eine Angststörung. Sie hat Methoden erlernt, die ihr geholfen haben, zu verstehen, was in ihrem Körper passiert und wie sie selbst Einfluss nehmen kann, um Stress, Spannungen und Ängste abzubauen. Ihre Selbsterfahrungen unterfütterte sie in den vergangenen Jahren mit vielen Ausbildungen. Sie machte unter anderem einen Master in Systemischer Beratung, mehrere Weiterbildungen rund um das Nervensystem und erhielt die Zertifizierung zur Trauma-Fachberaterin. Zudem absolvierte sie eine zweijährige Yogalehrer-Ausbildung. Aktuell befindet sie sich in der Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie.
Ihr Buch „Sich(er) fühlen“ und ihre Arbeit in Seminaren und Coachings bieten praktische Tools und körperliche Übungen, um wieder besser mit dem eigenen Körper in Kontakt zu kommen, eine innige und gesunde Beziehung zum Körper aufzubauen und das Nervensystem zu regulieren. Sie ist in vielen Methoden ausgebildet, darunter Traumafachberatung, Somatic Stress Release, Mind-Body-Coaching, EMDR und Brainlog.
Praktische Übungen für den Alltag
Kunze betont, dass oft kleine Momente der Selbstfürsorge ausreichen, um dem Körper zu signalisieren, dass es Zeit für Ruhe und Regeneration ist. Da reichen vielleicht schon zehn Minuten täglich, die dabei helfen, aus der Daueranspannung herauszukommen. Eine einfache Übung ist die 4-7-8-Atemtechnik: einatmen, langsam bis 4 zählen, dann den Atem halten, bis 7 zählen und schließlich ausatmen und bis 8 zählen. Nach ein paar Runden sollte sich Entspannung einstellen. Auch andere Übungen, wie zum Beispiel die Progressive Muskelrelaxation (PMR), können hier hilfreich sein. Ein paar tiefe und langsame Atemzüge in den Bauch können dabei schon helfen.
Zielgruppe und Botschaft
Kathleen Kunze möchte mit ihrem Erstlingswerk anderen Menschen helfen, Stress und gesundheitliche Probleme besser zu bewältigen. Ihr Buch ist ein wertvoller Begleiter für alle, die auf der Suche nach effektiven Wegen zur Bewältigung von Trauma, Stress und Angst sind. Leser*innen erhalten in vier Teilen einen Einblick in das Zusammenspiel von Körper, Geist und Nervensystem, lernen, wie sie mit ihrer inneren Kommandozentrale in Kontakt treten können, und finden mithilfe einfacher Tools den Weg zurück zu einem sich(er) fühlenden Selbst.
Kunzes Botschaft kommt an. Die Bad Homburgerin hat über 40 000 Follower in den sozialen Medien und hat allein im Jahr 2024 mehr als 1000 Menschen persönlich auf ihrem Weg zu mehr Stabilität, einem besser regulierten Nervensystem und zur Veränderung erlernter Muster begleitet. Auf ihrem Instagram-Account postet sie regelmäßig rund um die Themen Nervensystemregulation und Entwicklungstraumata und hilft damit vielen Betroffenen, die eigenen Erfahrungen mitfühlender zu betrachten und ihr Leben wirksam zu verändern.
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