Kathleen Zellner und der Fall Steven Avery: Ein Kampf um Gerechtigkeit

Der Fall Steven Avery, der durch die Netflix-Dokumentationsserie "Making a Murderer" internationale Aufmerksamkeit erlangte, ist nach wie vor ein Thema, das viele Menschen bewegt. Seit seiner Verurteilung im Jahr 2007 wegen des Mordes an der Fotografin Teresa Halbach kämpft der US-Amerikaner um einen neuen Prozess. Seine Anwältin, Kathleen Zellner, gibt nicht auf und setzt sich unermüdlich für seine Rechtsbelange ein.

Der Fall Steven Avery: Eine Zusammenfassung

Steven Avery wurde 2005 verhaftet und 2007 wegen Mordes an Teresa Halbach zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zuvor hatte er bereits 18 Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen, nachdem er fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt worden war. Kurz vor dem Halbach-Fall hatte Avery die Polizei von Manitowoc County verklagt, da er sie für seine Fehlverurteilung verantwortlich machte.

Der Fall erregte großes Aufsehen, nachdem 2015 die Dokumentation "Making a Murderer" auf Netflix veröffentlicht wurde. Die Filmemacherinnen Laura Ricciardi und Moira Demos zeigten darin zahlreiche Ungereimtheiten in dem Fall auf und legten nahe, dass Avery unschuldig sein könnte. Auch Averys Neffe, Brendan Dassey, wurde in dem Fall verurteilt. Er war 16 Jahre alt, als er vor Ermittlern zugab, Halbach mit seinem Onkel vergewaltigt und getötet zu haben.

Kathleen Zellner: Die Anwältin der Hoffnung

Kathleen Zellner, eine renommierte Anwältin aus Chicago, hat sich des Falles Avery angenommen und setzt sich seitdem mit Nachdruck für seine Freilassung ein. Sie ist bekannt für ihre Expertise in Fällen von Fehlurteilen und hat bereits zahlreiche Mandanten erfolgreich aus dem Gefängnis geholt.

Zellner argumentiert, dass im Fall Avery entscheidende Beweise zurückgehalten wurden und dass es zu Verfahrensfehlern gekommen ist. Sie hat mehrere Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt und neue Beweise vorgelegt, die ihrer Meinung nach Averys Unschuld beweisen.

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Neue Entwicklungen im Fall Avery

Am Dienstag stellte Kathleen Zellner einen neuen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Einen ersten 1272-seitigen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens reichte Zellner schon im Juni 2017 bei einem Bezirksgericht Wisconsin ein, der jedoch vier Monate später abgelehnt wurde. Zuletzt bat sie im April 2021 den Obersten Gerichtshof von Wisconsin, den Fall zu übernehmen. Allerdings lehnte das Gericht im November den Antrag auf Überprüfung ab, ohne sich zu äußern. Im Juni dieses Jahres wurde Avery auf Antrag von Zellner in die Fox Lake Justizvollzugsanstalt mit mittlerer Sicherheitsstufe verlegt.

Averys Berufungsantrag gründet sich darauf, dass eine Reihe vermutlich menschlicher Knochen, die in einer Kiesgrube gefunden worden waren, an die Familie des Opfers übergeben wurden, ohne sie einem DNA-Test unterzogen zu haben. Damit habe man entscheidende Beweise zurückgehalten, so Averys Anwältin Zellner. Sollten die Knochen Halbach gehören, würde das laut Zellner der Theorie der Staatsanwaltschaft widersprechen, dass Halbach auf dem Anwesen Averys getötet wurde.

Zellner sagte dem Nachrichtenmagazin Newsweek, die Gerichtsentscheidung sei ein großer Sieg für Avery. Sein Fall würde nun an ein Bezirksgericht verwiesen.

Brendan Dassey: Ein weiteres Opfer des Justizsystems?

Auch Brendan Dassey wurde in dem Fall Halbach verurteilt. Seine Anwälte argumentieren, dass Dassey von der Polizei zu einem Geständnis gezwungen wurde. Sie bitten nun Wisconsins Gouverneur Tony Evers, eine Begnadigung oder vorzeitige Entlassung in Betracht zu ziehen. Brendan Dassey wird im Jahr 2048 um Bewährung bitten können. Auch er legte gegen seine Verurteilung Berufung bis hin zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein. Die Richter lehnten es jedoch ab, seinen Fall anzuhören.

"Making a Murderer": Der Einfluss der Dokumentation

Die Netflix-Dokumentationsserie "Making a Murderer" hat maßgeblich dazu beigetragen, das öffentliche Interesse an dem Fall Avery zu wecken. Die Serie wirft Fragen über die Voreingenommenheit und Fehlerhaftigkeit des Prozesses gegen Avery und Dassey auf. Sie hat eine breite Debatte über das US-amerikanische Justizsystem und die Möglichkeit von Fehlurteilen angestoßen.

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Im Unterschied zu anderen True Crime-Doku-Serien auf Netflix handelt es sich bei dem Fall um Steven Avery um einen, der für viele immer noch nicht abgeschlossen ist. Zwar sitzt der Werkstattarbeiter bereits seit mehreren Jahren hinter Gittern, aber “Making a Murderer” von Laura Ricciardi und Moira Demos hat so viele Fragen über den voreingenommenen und fehlerhaften Prozess gegen ihn und seinen angeblichen Komplizen aufgewühlt, dass am Fall noch gerätselt wird.

True-Crime-Dokumentationen: Mehr als nur Unterhaltung?

Der Fall Avery ist ein Beispiel für den wachsenden Trend zu True-Crime-Dokumentationen. Diese Formate erfreuen sich großer Beliebtheit, werfen aber auch ethische Fragen auf. Kritiker bemängeln, dass sie voyeuristisch sind und das Leid der Opferfamilien ignorieren. Andererseits haben zahlreiche True-Crime-Produktionen handfeste Resultate erzielt. Sie deckten Behördenversagen auf, fanden neue Beweise oder Zeugen.

Der Kampf geht weiter

Der Fall Steven Avery ist noch lange nicht abgeschlossen. Kathleen Zellner wird weiterhin für seine Freilassung kämpfen. Ob es eine dritte Staffel von "Making a Murderer" geben wird, ist noch unklar. Parallel ist für 2020 eine neue Doku zu dem Fall mit dem Titel “Convicting a Murderer” in der Arbeit, die mit “Making a Murderer” auf Netflix nichts zu tun hat. Der Regisseur des neuen Films, Shawn Rech, behauptete gegenüber Newsweek, dass er das neue Geständnis bereits auf Tonband hätte.

Eines ist jedoch sicher: Der Fall Avery wird weiterhin die Öffentlichkeit beschäftigen und die Frage nach Gerechtigkeit und Wahrheit aufwerfen.

Der Tod von Dolores Avery

Die 83-jährige Mutter von Steven Avery verstarb vor kurzem. Einem Bericht von "TMZ" zufolge soll sie die letzten drei Wochen vor ihrem Tod in einem Hospiz verbracht haben und schließlich an Demenz gestorben sein. Von "TMZ" auf den Tod seiner Mutter angesprochen, erklärte Avery: "Meine Eltern zu verlieren, bevor ich rauskomme, war immer mein schlimmster Albtraum. Jetzt ist es passiert. Ich mache mir Sorgen, dass mein Vater mich als freier Mann nicht mehr erleben wird. Heute habe ich die Person verloren, um die ich mich am meisten kümmern und der ich ein besseres Leben geben wollte, wenn ich frei bin."

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