Fieberkrämpfe bei Babys und Kleinkindern: Ursachen, Symptome und Erste Hilfe

Ein Fieberkrampf bei einem Kind kann für Eltern sehr beängstigend sein. Es ist wichtig zu wissen, was ein Fieberkrampf ist, wie man ihn erkennt und wie man richtig reagiert. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über Fieberkrämpfe bei Babys und Kleinkindern, einschließlich Ursachen, Symptome, Erste-Hilfe-Maßnahmen und wann man medizinische Hilfe suchen sollte.

Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der im Zusammenhang mit einer fieberhaften Erkrankung auftritt. Er wird durch eine abnorme elektrische Aktivität im Gehirn ausgelöst. Fieberkrämpfe treten typischerweise bei Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren auf, wobei der Häufigkeitsgipfel im zweiten Lebensjahr liegt. Ungefähr 3-5 % aller Kinder erleiden einen Fieberkrampf.

Ursachen von Fieberkrämpfen

Die genaue Ursache von Fieberkrämpfen ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ein schneller Anstieg der Körpertemperatur eine Rolle spielt. Manchmal steigt die Körpertemperatur bei Infekten rapide an, sodass der Fieberkrampf das erste Symptom ist, das Eltern bemerken. Die absolute Höhe des Fiebers spielt dabei eine untergeordnete Rolle; ein Kind kann auch bei einem schnellen Temperaturanstieg von 36,5 auf 38,5 Grad einen Fieberkrampf erleiden.

Es gibt auch Hinweise auf eine familiäre Veranlagung für Fieberkrämpfe. Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht oder solche, die nach der Geburt länger im Krankenhaus behandelt werden mussten, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko.

Fieberkrämpfe können bei verschiedenen fieberhaften Zuständen auftreten, wie z. B.:

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  • Erkältungen
  • Grippe
  • Magen-Darm-Infekte
  • Mandelentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Nach Impfungen (innerhalb von 72 Stunden oder bei Lebendimpfstoffen 7-14 Tagen)

Symptome eines Fieberkrampfes

Ein Fieberkrampf kann sich durch verschiedene Symptome äußern:

  • Bewusstseinsverlust: Das Kind ist nicht ansprechbar und verliert den Kontakt zur Umgebung.
  • Verkrampfung des Körpers: Der Körper wird steif, und Arme und Beine können zu zucken beginnen.
  • Augenverdrehen: Die Augen können sich nach oben verdrehen.
  • Hautveränderungen: Die Haut kann blass oder bläulich (Zyanose) erscheinen, insbesondere um die Lippen.
  • Schaumbildung vor dem Mund: Durch die Zuckungen der Gesichtsmuskulatur kann Speichel aufschäumen.
  • Atemveränderungen: Es kann zu Atempausen oder einer röchelnden Atmung kommen.
  • Verlust von Urin oder Stuhl: In seltenen Fällen kann das Kind während des Krampfanfalls Urin oder Stuhl verlieren.
  • Erschlaffung: In seltenen Fällen kann der Körper auch völlig erschlaffen, anstatt zu verkrampfen.

Ein Fieberkrampf dauert meist nur wenige Minuten und hört dann von selbst auf. Danach ist das Kind oft müde und schläfrig. Es kann einige Zeit dauern, bis es sich vollständig erholt hat.

Arten von Fieberkrämpfen

Es gibt zwei Haupttypen von Fieberkrämpfen:

  • Einfacher Fieberkrampf: Dieser dauert in der Regel weniger als 15 Minuten, tritt nur einmal innerhalb von 24 Stunden auf und betrifft nicht nur eine Körperregion.
  • Komplizierter Fieberkrampf: Dieser dauert länger als 15 Minuten, tritt mehrmals innerhalb von 24 Stunden auf oder betrifft nur eine Körperregion. Komplizierte Fieberkrämpfe können ein höheres Risiko für spätere neurologische Probleme bedeuten.

Erste Hilfe bei einem Fieberkrampf

Wenn ein Kind einen Fieberkrampf hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die folgenden Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen:

  1. Ruhe bewahren: Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, auch wenn es schwerfällt. Die Aufregung kann sich auf das Kind übertragen.
  2. Kind sichern: Legen Sie das Kind auf eine weiche Unterlage auf den Boden, um Verletzungen zu vermeiden. Entfernen Sie harte oder scharfe Gegenstände aus der Umgebung.
  3. Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, das Kind festzuhalten oder die Zuckungen zu unterbinden. Dies kann zu Verletzungen führen.
  4. Atemwege freihalten: Drehen Sie das Kind vorsichtig auf die Seite (stabile Seitenlage), um sicherzustellen, dass Speichel oder Erbrochenes abfließen können und nicht in die Atemwege gelangen. Bei Babys kann die Bauchlage besser geeignet sein.
  5. Nichts in den Mund stecken: Versuchen Sie nicht, dem Kind etwas in den Mund zu stecken, auch keinen Beißkeil oder Löffel. Es besteht die Gefahr von Verletzungen oder Erstickung.
  6. Zeit notieren: Achten Sie auf die Dauer des Krampfanfalls. Diese Information ist wichtig für den Arzt. Stoppen Sie die Zeit oder machen Sie ein kurzes Video mit dem Mobiltelefon.
  7. Notruf verständigen: Rufen Sie den Notruf (112) in folgenden Fällen:
    • Es ist der erste Fieberkrampf des Kindes.
    • Der Krampfanfall dauert länger als fünf Minuten.
    • Das Kind erholt sich nach dem Anfall nicht rasch.
    • Es gibt Anzeichen einer Hirnhautentzündung (steifer Nacken, extreme Schläfrigkeit, Trinkschwäche).
  8. Nach dem Anfall: Sprechen Sie beruhigend mit dem Kind und beobachten Sie es genau, bis der Notarzt eintrifft. Messen Sie Fieber, aber erst nach dem Krampfanfall.

Ärztliche Untersuchung und Behandlung

Nach einem Fieberkrampf sollte das Kind immer von einem Arzt untersucht werden, um die Ursache des Fiebers zu klären und schwerwiegende Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung auszuschließen. Der Arzt wird möglicherweise Blut- oder Urinuntersuchungen durchführen oder ein EEG (Elektroenzephalogramm) veranlassen, um die Hirnströme zu messen. In einigen Fällen kann auch eine MRT (Magnetresonanztomographie) des Kopfes erforderlich sein.

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Abhängig von der Ursache des Fiebers kann der Arzt Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung verschreiben, z. B. Antibiotika bei einer bakteriellen Infektion. In einigen Fällen kann der Arzt auch ein Medikament verschreiben, das bei einem erneuten Fieberkrampf gegeben werden kann, um den Anfall zu unterbrechen (z. B. Diazepam als Rektiole).

Was Eltern vermeiden sollten

  • Keine Panik: Auch wenn es schwerfällt, versuchen Sie ruhig zu bleiben.
  • Keine unnötigen Maßnahmen: Stecken Sie nichts in den Mund des Kindes und übergießen Sie es nicht mit kaltem Wasser.
  • Keine Selbstmedikation: Geben Sie dem Kind keine Medikamente, ohne vorher mit einem Arzt gesprochen zu haben.

Folgen und Wiederholungsrisiko

Ein einfacher Fieberkrampf hat in der Regel keine negativen Auswirkungen auf die geistige Entwicklung oder gesundheitlichen Folgen. Etwa ein Drittel der Kinder erlebt jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Fieberkrampf. Das Risiko ist höher, wenn der erste Anfall vor dem 18. Lebensmonat auftrat, wenn das Kind bereits bei niedriger Fiebertemperatur einen Anfall hatte oder wenn es sich um einen komplizierten Fieberkrampf handelte.

Kinder, die einen Fieberkrampf hatten, haben ein leicht erhöhtes Risiko, später eine Epilepsie zu entwickeln. Das Risiko ist jedoch immer noch gering.

Vorbeugung von Fieberkrämpfen

Es gibt keine sichere Methode, um Fieberkrämpfe vollständig zu verhindern. Eine konsequente Fiebersenkung bei fieberhaften Infekten kann das Wohlbefinden des Kindes verbessern, verhindert aber nicht zuverlässig weitere Anfälle.

In einigen Fällen kann der Arzt bei Kindern mit komplizierten oder sehr häufigen Fieberkrämpfen die kurzzeitige, vorbeugende Gabe eines krampflösenden Medikaments im Rahmen von fieberhaften Infekten in Erwägung ziehen.

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