Multiple Sklerose (MS) stellt Betroffene vor vielfältige Herausforderungen im Alltag. Einschränkungen der Mobilität, ständige Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet Informationen und Tipps zu verschiedenen Bereichen wie Ernährung, Sport, Stressmanagement und kognitives Training, um den Alltag mit MS besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu steigern.
Stressmanagement als Schlüssel zur Krankheitsbewältigung
Ein Blick in Online-Foren zeigt, dass Menschen mit MS oft unter Stress leiden. Der unvorhersehbare Verlauf der MS kann Pläne im Privatleben und Beruf in Frage stellen und Unsicherheit verursachen. Beschwerden wie Schmerzen, Gehstörungen oder Sexualstörungen können die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen. Stress kann entzündliche Reaktionen auslösen und möglicherweise die Anzahl und Schwere von Schüben beeinflussen. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass Stress die Ursache der Erkrankung selbst ist.
Ob Stress schadet oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Gesundheitszustands und der aktuellen Lebenssituation. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Optimismus in Bezug auf persönliche Lebensperspektiven können uns positiv beeinflussen. Wer sich zutraut, schwierige Situationen zu meistern, nimmt diese eher als Herausforderung wahr. Optimismus kann trainiert werden, beispielsweise indem man sich die eigene Zukunft positiv ausmalt oder sich bewusst an kleinen Dingen erfreut.
Da Stress oft „hausgemacht“ ist, liegt es in der eigenen Hand, Stress vorzubeugen und den Verlauf der MS positiv zu beeinflussen.
Tipps für mehr Zufriedenheit und Entspannung im Alltag
- Umfangreich informieren: Eigne dir umfassendes Wissen über MS an. Betroffene, die gut informiert sind, haben möglicherweise weniger Schübe. Das Gefühl, einen persönlichen Handlungsspielraum zu haben, kann einen „Anti-Stress-Effekt“ haben. Umfassende Informationen bieten beispielsweise die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft und die Webseite www.aktiv-mit-ms.de/service.
- Tages- und Wochenplan erstellen: Schreibe detailliert anstehende Termine und Aufgaben für den jeweiligen Tag und die ganze Woche auf. Plane deine Zeit realistisch ein und rechne Puffer und Pausen mit ein.
- Mit anderen Betroffenen austauschen: Es kann hilfreich sein, zu erfahren, wie andere Betroffene ihre Erkrankung erleben und damit umgehen. In verschiedenen Foren kannst du dich mit anderen MS-Erkrankten austauschen und Rat einholen.
- Stressmanagement: Stress-Management umfasst verschiedene Methoden, um belastenden Stress zu verringern, und hat nachweislich einen positiven Einfluss auf die Krankheitsaktivität. Zum Stress-Management gehört auch ein gutes Zeit-Management. Lerne z. B. Prioritäten zu setzen, Pausen einzuplanen, wenn möglich Aufgaben zu delegieren und auch mal Nein zu sagen.
- Hilfe in Anspruch nehmen: Scheue dich nicht, deinen Partner, deine Familie und Freunde um Unterstützung zu bitten. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dich dabei unterstützen, belastende Denk- und Verhaltensmuster aufzudecken und persönliche Strategien zur Stressbewältigung zu finden. Hab dabei Geduld mit dir selbst! Denn Werte, Denk- und Verhaltensweisen ändern sich nicht über Nacht.
- Informationsflut stoppen: Nimm dir ab und zu eine Auszeit von Telefon, Radio, Fernsehen und Internet. Gemeinsame Erlebnisse bleiben in Erinnerung und festigen die Beziehung zur Familie und zu Freunden.
- Für schöne Dinge Zeit nehmen: Räume dir regelmäßig Zeit für Erholung und Dinge ein, auf die du dich freust - vom Spaziergang über den Spieleabend mit Freunden bis zum Konzertbesuch.
- Tagebuch führen: Nimm dir regelmäßig - am besten täglich - Zeit, um deine Gedanken aufzuschreiben. Das Schreiben eines Tagebuchs eignet sich wunderbar zur Selbstreflektion und kann helfen, Ängste und belastende Erlebnisse zu bewältigen.
- Stress-Anzeichen beachten: Achte auf dein Wohlbefinden - und steuere schon bei den ersten Stress-Anzeichen aktiv dagegen.
Weitere Informationen zu MS und Stress findest du in der Broschüre „Wissenswertes zum Thema Stress“.
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Weitere Stressbewältigungsstrategien
- Meditation: Regelmäßige Meditation fördert Entspannung und innere Ruhe. Durch das Fokussieren auf den Atem oder positive Gedanken können Stresshormone reduziert und die Entzündungsreaktionen im Körper gehemmt werden. Für den Start eignen sich geführte Meditationen mit Hilfe einer App. Die Meditations-App 7Mind bietet einige kostenlose Meditationen, entscheidest du dich für ein Abo ist nach Absolvierung eines zertifizierten Präventions-Kurses eine Erstattung über die Krankenkasse möglich. Eine gute Alternative ist die App Insight Timer.
- Progressive Muskelentspannung: Diese Technik zielt darauf ab, Muskelverspannungen im Körper bewusst zu erkennen und durch gezielte Entspannung zu lösen. Dies hilft nicht nur, körperliche Spannung abzubauen, sondern hat auch positive Auswirkungen auf das Nervensystem. Außerdem lernst du dabei, deinen Körper wieder bewusster wahrzunehmen.
- Yoga: Yoga kombiniert körperliche Bewegung mit Atemkontrolle und Meditation, wodurch es eine ganzheitliche Entspannungsmethode ist. Es kann dazu beitragen, die Flexibilität zu verbessern, den Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Yoga ist nicht nur etwas für fitte und bewegliche Menschen, sondern viele der Übungen sind auch mit Einschränkungen möglich.
- Autogenes Training: Bei dieser Methode lernt man, seinen Körper und Geist gezielt zu entspannen, indem man sich auf bestimmte Formeln und Vorstellungen konzentriert. Autogenes Training kann Stress reduzieren und die Selbstregulation des Körpers fördern. Ein gutes Beispiel dafür ist die Schwereübung.
- Atemübungen: Durch bewusste Atemübungen kann Stress abgebaut und das Nervensystem beruhigt werden. Das Ein- und Ausatmen in einem bestimmten Rhythmus kann zur Entspannung beitragen.
- Akupressur: Wer häufig mit Verspannungen im Schulterbereich zu tun hat, kann Akupressur einmal für sich ausprobieren. Die Akupressurmatte ist eine Schaumstoff Unterlage, die mit einem Nadelbett aus Kunststoff versehen ist. Sie soll die Durchblutung anregen, Muskeln lockern, die Nerven stimulieren und Schmerzen lindern. Außerdem hilft sie dabei Stress abzubauen.
- Regelmäßige Pausen: In unserem Arbeitsalltag verbrauchen wir reichlich unserer Ressourcen. Daher ist es wichtig nach ca. 60-90 Minuten konzentrierter Arbeit eine kleine 5-minütige Pause einzulegen. Stehe kurz auf, strecke dich und lüfte einmal das Büro gut durch. Gönn deinen müden Augen eine kleine Regeneration: Reibe deine Handflächen aneinander, bis sie leicht warm sind. Schließe deine Augen und presse deine Handballen leicht auf deine Augenhöhle. Nimm drei tiefe Atemzüge und senke deine Hände wieder.
- Wechselduschen, Vollbad oder Sauna: Temperaturreize aktivieren den Vagusnerv, welcher für Ruhe- und Erholung zuständig ist. Eine kalte Dusche am Morgen oder Wechselduschen helfen dabei, dich entspannt zu fühlen. Auch Wärme kann deinen Vagusnerv aktivieren. Je nachdem, mit was du dich wohler fühlst.
Fatigue-Management: Den Alltag trotz Erschöpfung meistern
Bleierne Müdigkeit und Erschöpfung schon nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung - damit kämpfen viele MS-Betroffene Tag für Tag. Gegen das sogenannte Fatigue-Syndrom gibt es bis heute kein wirksames Medikament. Betroffene können sich jedoch den Umgang mit der Fatigue erleichtern, indem sie den Tageslauf ihren persönlichen Bedürfnissen anpassen.
Tipps zum Umgang mit Fatigue
- Professionellen Rat einholen: Lasse dich von deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt, Physiotherapeuten und MS-Fachberater/-in beraten.
- Tagesablauf planen: Die täglichen Aufgaben erfordern Kraft und Konzentration. Lerne, nicht einfach schnell loszulegen - koordiniere stattdessen deine Aufgaben. Beginne am besten mit der schwersten oder unangenehmsten Aufgabe und lege regelmäßig Pausen ein.
- Regelmäßig bewegen: Sei aktiv! Sport und Bewegung verbessern dauerhaft dein Wohlbefinden, deine Stimmung und Leistungsfähigkeit.
- Hitze vermeiden: Fatigue kann durch Hitze und höhere Körpertemperaturen verstärkt werden - Mediziner sprechen vom sogenannten Uhthoff-Phänomen. Halte dich daher bei hohen Sommertemperaturen in kühlen Räumen auf. Eine kühle Dusche und Kühlaggregate können die Körpertemperatur senken. Vermeide auch Hochleistungs-Sport, da sich der Körper dabei zu sehr erhitzt.
- Ruhepausen einplanen: Integriere gezielt Pausen in den Alltag, in denen du dich erholen und entspannen kannst. Versuche dabei, ein für dich ausgewogenes Maß an Arbeit und Pausen zu finden, um leistungsfähig zu sein. Nimm dir dafür Zeit - es kann ein mühsamer Prozess sein, die Grenzen der Belastbarkeit herauszufinden. Tritt die Müdigkeit immer zur gleichen Zeit auf? Versuche dich auszuruhen, bevor sie am schlimmsten ist.
- Soziales Umfeld einweihen: Rede mit Familie und Freunden, aber auch mit deinem beruflichen Umfeld offen über deine Erschöpfbarkeit. So kannst du Missverständnissen vorbeugen und es deinem sozialen Umfeld ermöglichen, sich auf die Fatigue einzustellen.
- Wohn- und Arbeitsumfeld anpassen: Richte deine Wohnung nach deinen Bedürfnissen ein. Sei es in der Küche, im Wohnzimmer oder am Arbeitsplatz: Häufig verwendete Dinge sollten stets in deiner Nähe und gut erreichbar sein. So sollte der Drucker eher bei dir auf dem Tisch oder direkt neben dir stehen, um unnötiges Aufstehen zu vermeiden. Ein Headset erleichtert das Telefonieren. In der Küche ist eine Sitzgelegenheit von Vorteil, damit du beim Vorbereiten des Essens nicht stehen musst.
- Ausgewogen ernähren: Achte auf eine gesunde Ernährung. Verzichte möglichst auf Alkohol und schwere Mahlzeiten.
Sport und Bewegung: Aktivität als Therapie
Wer Sport macht oder sich im Alltag viel bewegt, beugt Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen vor - dies gilt für uns alle. MS-Betroffene profitieren noch darüber hinaus von Sport und Bewegung: Sie können ihre Muskelkraft verbessern, ihr Gleichgewicht fördern und MS-Symptome wie z. B. Fatigue- und Spastik-Anzeichen lindern. Indem MS-Erkrankte ihre Fitness steigern, können sie zudem oft ihre Mobilität und ihren Alltag besser bewältigen.
Wer MS hat, der kann von einem gezielten Training, das Ausdauer, Kraft, Koordination und Gleichgewicht schult, profitieren. Zu Beginn arbeitest du am besten mit einem Trainer oder Physiotherapeuten zusammen, der sich mit Sport bei MS auskennt. Er kann dir zum Beispiel zeigen, wie du eine Fehl- und Überbelastung vermeiden und mit Beschwerden wie Gleichgewichtsstörungen, Fatigue, Muskelschwäche und Spastik umgehen kannst.
Tipps für dein Training
- Verzichte während eines Schubes weitgehend auf körperliche Aktivitäten. Ratsam ist, nur die Übungen zu machen, die dein Physiotherapeut dir zeigt.
- Vermeide Überanstrengung! Fang am besten mit kleinen Trainingseinheiten an und steigere langsam dein Pensum. Baue auch kleine Pausen ein.
- Achte darauf, dass du dich während des Trainings wohlfühlst, und nimm auch Rücksicht auf deine Symptome.
- Verzichte bei Hitze auf Sport oder trainiere in einem kühlen Raum! Denn bei vielen MS-Betroffenen verstärken sich Symptome wie Fatigue, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, wenn sich ihre Körpertemperatur erhöht.
- Dusche nach dem Training eher mit kühlem Wasser.
- Bevorzuge beim Schwimmen Wassertemperaturen zwischen 22 und 26 Grad. Wärmere Temperaturen verstärken bei vielen MS-Betroffenen die Beschwerden.
- Bei Menschen mit MS kommt es oft zu täglichen Schwankungen bei der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ein Sport-Tagebuch kann dir helfen, die Ursache dafür herauszufinden.
- Entspanne dich nach dem Training.
Hast du dich entschieden, regelmäßig Sport zu machen? Suche dir am besten eine Sportart aus, die dir auch Spaß macht - denn nur wenn du am Ball bleibst, wird sich der Sport langfristig positiv auf deine Gesundheit auswirken. Lasse dich auch nicht gleich von deinem Lieblingssport abbringen, wenn du körperlich eingeschränkt bist: Manchmal reicht es z. B. aus, in Krankheitsphasen auf eine Alternative zum gewohnten Training umzusteigen. Lasse dich am besten von deiner Ärztin oder deinem Arzt bzw. Ideal für MS-Erkrankte ist ein moderates Ausdauertraining. Besonders geeignet sind zum Beispiel Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen. Meide jedoch Sportarten, die du nicht spontan abbrechen kannst, wie zum Beispiel Klettern im Hochgebirge.
Kognitives Training: Geistige Fitness stärken
Bei MS treten häufig auch kognitive Einschränkungen auf, wie z. B. Kognitives Training hilft dir, deine Konzentration zu steigern und dein Gedächtnis zu verbessern. So gewinnst du Selbstbewusstsein und bist besser für die Herausforderungen im Beruf und privatem Alltag gewappnet.
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Tipps für kognitives Training
- Mit einfachen Memo-Spielen bringst du deine grauen Zellen auf Trab. Spieleklassiker wie z. B. „Ich packe meinen Koffer und nehme … mit“ eignen sich ebenso wie Denk- und Rätselspiele.
- Mit dem Aktiv mit MS-Gedächtnistraining kannst du z. B. kostenlos deine kognitiven Fähigkeiten trainieren. Im Fokus der Übungen stehen vier Bereiche, die bei MS-Erkrankten am häufigsten betroffen sind:
- Merkfähigkeit / Gedächtnis
- Aufmerksamkeit / Konzentration
- Schlussfolgerndes Denken
- Visuell-räumliches Denken
- Mithilfe der Aktiv mit MS-App kannst du die Übungen auch unterwegs abrufen. Lade die App einfach auf dein Tablet oder Smartphone - und los geht’s.
- Nutze deine Tätigkeiten im Alltag, um eigene Übungen zu entwickeln. Rechne z. B. beim Einkaufen von Lebensmitteln die Preise deiner Waren im Kopf zusammen.
- Achte auf kurze und vor allem regelmäßige Trainingseinheiten - sie können die Gedächtnisleistung besonders effektiv verbessern.
- Im Alltag helfen Routinen. B. einen Weg in Gedanken abgehst.
- Schlafe ausreichend, denn Schlaf ist z. B. für die Bildung eines Langzeitgedächtnisses wichtig.
- Bewege dich ausreichend! Es ist belegt, dass sich sportliche Aktivität positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. So wird bei regelmäßiger Bewegung das Gehirn besser durchblutet.
Blasenstörungen bewältigen
Vielleicht bist du, wie viele Betroffene mit MS im Laufe ihres Lebens, auch von einer Blasenstörung betroffen? Dagegen kannst du etwas unternehmen - z. B. Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Organe im Bauchraum stützt und den Bauchraum von unten abschließt. Eine gute Beckenboden-Muskulatur unterstützt die Funktion der Blase und ist außerdem wichtig, um Stuhl zu halten. Ein Training des Beckenbodens kann daher Blasenstörungen und Stuhl-Inkontinenz lindern und auch bei sexuellen Problemen helfen. Das Training steigert so die Lebensqualität - bei Frauen ebenso wie bei Männern. Mit diesen Übungen kannst du deine Beckenboden-Muskulatur gezielt trainieren.
Tipps bei Blasenstörungen
- Trinke ausreichend! Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich. Bekommt dein Körper zu wenig Flüssigkeit, kann dies deine Leistungsfähigkeit einschränken und zu Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Harnwegsinfektionen und Nierenproblemen führen.
- Verzichte auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da diese Getränke harntreibend sind.
- Stelle deine Tagesmenge an Flüssigkeit am besten schon morgens gut sichtbar bereit, zum Beispiel an deinem Arbeitsplatz. So kannst du besser kalkulieren, wie es um dein Pensum steht.
- Trinke bei Hitze mehr.
- Gehe noch einmal auf die Toilette, bevor du das Haus verlässt. Bewegung treibt die Blase an - daher könntest du in unpassenden Momenten Harndrang verspüren.
- Vermeide einen verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms - dies kann die Beckenmoden-Muskulatur schwächen.
Liegt eine Blasenschwäche vor, sollten auch Hygienemaßnahmen und Körperpflege angepasst werden.
Tipps zur Hygiene bei Blasenschwäche
- Gelangt Urin auf die Haut, sollte er möglichst schnell abgewaschen werden, um Hautreizungen vorzubeugen.
- Bei minimaler Inkontinenz reicht die Verwendung einer normalen Slipeinlage. Es gibt aber auch spezielle Einlagen, die den Urin geruchsneutral auffangen.
- Verwende zum Waschen möglichst pH-neutrale Produkte.
- Trockne die Haut gut ab.
Hat deine Ärztin oder dein Arzt eine Blasenstörung diagnostiziert, frage ihn nach einem Rezept für Einlagen. Blasenstörungen lassen sich jedoch gut behandeln. Zögere daher nicht, deinen Neurologen auf mögliche Therapien anzusprechen.
Ernährung: Unterstützung für den Körper
Es gibt bei MS keine Diät, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Ernährung über die Darmflora den Krankheitsverlauf der MS beeinflusst. Forscher fanden z. B. heraus, dass kurzkettige Fettsäuren bei MS Entzündungsreaktionen unterdrücken können und eine regulierende Wirkung auf das Immunsystem haben. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann z. B. Es gilt auch als gesichert, dass sich eine ausgewogene Ernährung positiv auf die Entzündungs- und Immunprozesse im Körper auswirken kann. Dazu gehören bestimmte Fette, Vitamine und Spurenelemente.
Ernährungstipps für MS-Betroffene
- Omega 3-Fettsäuren hemmen entzündliche Prozesse im Körper. Diese sind z. B. in fettreichen Fischen wie Lachs, Hering und Makrele enthalten. Das gesunde Fett ist aber auch in Lein- oder Rapsöl, Avocados, Walnüssen, Mandeln oder Chia-Samen zu finden. Nimm zugleich möglichst wenige tierische Fette zu dir, da sie Entzündungen fördern.
- Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann durch andauernde Entzündungsprozesse der Bedarf an Antioxidantien erhöht sein. Diese helfen unserem Körper dabei, sich vor oxidativem Stress zu schützen - also vor Stress für unsere Körperzellen. Wichtige Antioxidantien sind: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, β-Karotin und die Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink. Diese Nährstoffe kannst du bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel mit der täglichen Nahrung zu dir nehmen. Antioxidantien kommen vor allem in Obst und Gemüse vor.
- Wissenschaftler vermuten, dass ein Vitamin D-Mangel zur Entstehung der Multiplen Sklerose beiträgt. Sie haben festgestellt: Die Häufigkeit von MS nimmt mit wachsender Entfernung vom Äquator zu…
Umgang mit kognitiven Beeinträchtigungen im Alltag
Der Umgang mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Teilleistungsstörungen im Alltag gelingt Ihnen dann, wenn Sie selbst wissen, wo Sie wirklich Probleme haben. Darüber hinaus sollten Sie Ihr Umfeld entsprechend informieren, um ein Verständnis zu generieren. Es hat keinen Sinn jemanden, der Probleme damit hat parallel viele Unterhaltungen zu verfolgen, zu ermahnen, dass er sich konzentrieren soll. Es macht mehr Sinn getrennt mit der Person zu sprechen. Es kann Ihnen selbst auch helfen Pausen einzulegen und Reizüberflutung zu vermeiden. Das ist etwas, was Multiple Sklerose Betroffene häufig angeben und es ist eine Schande für unsere Gesellschaft. Viele Patienten fühlen sich bloßgestellt oder für dumm verkauft, wenn sie nachfragen oder um Verständnis bitten. Oftmals werden diese Dinge aus Scham gar nicht erst angesprochen. Wir müssen alle gemeinsam noch behutsamer und achtsamer werden und darauf eingehen und verstehen, womit wir es zu tun haben. Das Gehirn zu schonen, kann durchaus Sinn machen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Aufmerksamkeitsschwelle sinkt und Sie überfordert sind. Es ist dann durchaus einmal gut, sich zurückzuziehen. Ansonsten gilt beim Gehirn “Use it or lose it” und eine Forderung im Sinne einer Herausforderung ist für das Gehirn zweifelsohne gut. Damit ist nicht gemeint, dass Sie sich in Parallelwelten, wie in das Internet begeben, sich einer augmentierten Realität oder zeitgleich drei Medien aussetzen sollen. Es ist gemeint, dass Sie sich nicht einfach zurückziehen. Das ist nämlich ein Fehler, den viele Multiple Sklerose Betroffene, vorwiegend auch mit kognitiven Leistungsstörungen begehen. Sie nehmen sich selbst aus dem sozialen Gefüge heraus, sie besuchen keine Partys oder gemeinsame Feierlichkeiten mehr, weil Sie Sorge haben, hier nicht bestehen zu können.
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Es gibt Noxen (schädliche Stoffe) für das Gehirn, die allgemein bekannt sind. Wie bei vielem gilt, dass die Dosis das Gift macht. Vorsicht auch mit ungesunder Ernährung, im Sinne einer „Western Diet“, also Fast Food. Es beinhaltet oftmals Inhaltsstoffe, die zwar die Körpermasse zunehmen lassen, aber die Gehirnmasse schrumpfen lassen. Der dritte Aspekt, den man beachten sollte, sind Genussmittel wie Cannabis, die oftmals eingenommen werden, weil sie Spastiken lindern können. Der vierte häufige Genussfaktor in unseren Breiten, vor allem in Österreich, ist der Alkohol. Es ist ein Zellgift, das in Maßen genossen werden kann und im sozialen Umfeld sicher auch Freude bereiten kann.
Hilfsmittel, die bei Gedächtnislücken helfen können, sind zum einen die Mnemotechniken. Dabei steckt man Sachverhalte oder Namen beispielsweise gedanklich in Häuser, in verschiedenen Zimmern. Sie sollten auch eine gewisse Akzeptanz aufbauen. Sollte Ihnen etwas nicht gleich einfallen, können Sie es durchaus ansprechen. Oftmals kommt es dann etwas später wieder zum Vorschein. Das kann man spezifischer mithilfe einer Psychologin trainieren. Wichtig ist dabei immer, dass man nicht nur die einzelne Fähigkeit trainiert, sondern auch der Transfer auf alltägliche Situationen gegeben ist. Die Anpassung des Tagesablaufs ist etwas, was Sie sich gezielt vornehmen sollten, um Ihre Hirnfunktion zu unterstützen. Die Gliederung des Tagesablaufs und die Vorhersehbarkeit können helfen, auch kurze Pausen einzuhalten. Im Idealszenario läuft es so, wie es mir ein Multiple Sklerose Betroffener einmal geschildert hat. Er hat seinem Vorgesetzten erzählt, dass er Probleme dabei hat, sich am Stück länger als fünfzehn bis zwanzig Minuten zu konzentrieren. Nach Absprache dessen bekommt er nun kleine Arbeitspakete. Wenn er längere Tätigkeiten bewältigen muss, hat er die Möglichkeit, sich für fünf bis zehn Minuten zurückzuziehen, am besten in eine reizarme Umgebung, um beispielsweise einen Powernap zu machen. Maßgeschneiderte Lösungen können helfen, um Sie in Ihrer Funktion zu erhalten.
Das Gedächtnistraining ist etwas, was uns viele Bestsellerautoren und Autorinnen vorgeben, die auch in Talkshows auftreten. Natürlich kann man das Gedächtnis gezielt trainieren. Die Frage ist aber viel mehr, ob Sie Ihr Gedächtnis gezielt trainieren müssen oder ob Sie gewisse Situationen einfach besser bewältigen wollen. Stellen wir uns vor man hätte beispielsweise das Problem, dass einem Namen nicht flüssig einfallen. Wenn man im Kundendienst arbeitet oder mit vielen Klienten zu tun hat, kann das eine Herausforderung sein. Man kann sich helfen, indem man sich entsprechende Kärtchen macht oder die Betroffenen fragt, ob man sie fotografieren darf. Oftmals bemerken wir schmerzlich, wenn wir Probleme haben, die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Interessant ist, dass das menschliche Gehirn in aller Regel nur vier Einheiten parallel prozessieren kann. Deswegen gibt es beispielsweise im Alphabet, in unserer Schriftsprache keinen Buchstaben, der mehr als vier Elemente enthält. Es gibt Erkrankungen des Gehirns, bei denen man nur kleine Einheiten verarbeiten kann und es gibt andere, wie bei Autismus, bei denen man viel mehr dieser Informationen filtern kann. Das hat auch etwas mit Achtsamkeit zu tun. Wenn Sie merken, dass Ihre Aufmerksamkeit schwindet, können Sie kurze Pausen einlegen, sich kurz aus dem Betrieb nehmen und danach wieder auf eine Sache konzentrieren. Hier geht es auch darum, etwas Toleranz mit sich selbst zu haben und nicht dem Mythos der Multitasking Fähigkeit aufzusitzen. Die Anpassung der Umgebung ist wichtig, damit Sie sich dort wohl fühlen und nicht zu viele Distraktoren, also Ablenkungsfaktoren haben, wie flackernde Lichtquellen, Geräuschquellen, Radios, die permanent laufen oder der Fernseher im Hintergrund. Das kann man oft selbst gut anpassen. Trotzdem ist es gut, sich irgendwann auch gezielt einem Umfeld auszusetzen, in dem viele Reize auf Sie einströmen. Sie können beispielsweise einen Konzertabend besuchen oder sich mit Freunden treffen. Gezielte Übungen, um Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern, bestehen oftmals in Achtsamkeitsübungen oder in Zuständen, die Sie über Yoga erreichen können.
Die Rolle von Familie und Freunden
Die Unterstützung der Familie und Freunde von Menschen mit MS ist von unschätzbarem Wert. Geduld kann die Lebensqualität der betroffenen Person erheblich verbessert werden. MS bewältigen und die Liebe und Freundschaft wird gestärkt.
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