Tinnitus, Ohrenschmerzen und Gehörgangsentzündungen sind weit verbreitete Beschwerden, die verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Ohrbeschwerden, insbesondere im Zusammenhang mit Zugluft.
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom unterschiedlicher Störungen. Betroffene nehmen Geräusche wie Summen, Pfeifen oder Rauschen wahr, die keine äußere Quelle haben. Die Entstehung von Tinnitus ist komplex und beinhaltet Vernetzungen zwischen Gehör und Gehirn. Hauptrisikofaktoren sind Lärmbelastung, Hörverlust und Stress. In vielen Fällen lässt sich jedoch kein eindeutiger Auslöser feststellen. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Deutschen leiden über einen längeren Zeitraum an Tinnitus.
Arten von Tinnitus
- Akuter Tinnitus: Tritt erstmals auf und besteht seit weniger als drei Monaten. Oft steht er im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung, kann aber chronisch werden.
- Chronischer Tinnitus: Die Ohrgeräusche bestehen seit mehr als drei Monaten und können trotz Behandlung jahrelang anhalten. Der Leidensdruck variiert stark.
- Subjektiver Tinnitus: Die Wahrnehmung von Tönen ohne äußeren akustischen Reiz, die nur der Betroffene hören kann. Dies ist die häufigste Form.
- Objektiver Tinnitus: Selten, entsteht durch Geräusche, die von Strukturen in der Nähe des Ohrs erzeugt werden.
- Pulsynchroner Tinnitus: Ein Rauschen im Ohr, das mit dem Herzschlag synchronisiert ist. Es entsteht durch Veränderungen im Blutfluss in den Blutgefäßen in der Nähe des Innenohrs.
Wie entsteht Tinnitus im Körper?
Die Verarbeitung von Höreindrücken ist ein komplexer Prozess, der das Ohr und das Gehirn einbezieht. Schallwellen gelangen über den Gehörgang, das Trommelfell und das Mittelohr zum Innenohr. Dort wandeln Hörsinneszellen die Reize in elektrische Signale um, die vom Hörnerv zum Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet werden. Störungen in diesem Prozess können zu fehlerhaften Weiterleitungen führen, die sich als Tinnitus manifestieren. Auch die Psyche spielt eine Rolle, da Höreindrücke im "Gefühlszentrum" verarbeitet werden und die Stimmung die Wahrnehmung beeinflusst.
Was kann Tinnitus auslösen?
Selten steckt hinter Tinnitus eine ernste Erkrankung. Meist liegt ein idiopathischer Tinnitus vor, bei dem kein klarer Auslöser gefunden wird. Selbst bei Tinnitus im Zusammenhang mit Ohrerkrankungen wie Hörsturz ist die genaue Ursache oft unklar.
Diagnose von Tinnitus
Bei anhaltenden Ohrgeräuschen sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) aufgesucht werden. Die Diagnose umfasst gezielte Fragen zu Art und Intensität des Tinnitus, Hörvermögen und Gleichgewicht. Die Krankengeschichte, frühere Erkrankungen, Medikamenteneinnahme und Stressfaktoren sind wichtige Anhaltspunkte. Gehörgang und Trommelfell werden mit einem Ohrmikroskop untersucht. Ein Audiogramm dient zur Überprüfung des Hörvermögens.
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Behandlung von Tinnitus
Die Behandlung von Tinnitus variiert je nach Ursache und Schweregrad.
- Medikamente: In einigen Fällen können Kortison, Antidepressiva oder Antiepileptika verschrieben werden.
- Hörgeräte: Bei Hörverlust können Hörgeräte die Wahrnehmung von Außengeräuschen verstärken und den Tinnitus überdecken.
- Cochlea-Implantate: Bei verminderter Hörfilterfunktion können moderne Innenohr-Implantate wie Cochlea-Implantate helfen, den Tinnitus leiser oder gar nicht mehr wahrzunehmen.
- Tinnitus-Retraining-Therapie: Kombiniert Beratung und Geräuschtherapie, um dem Gehirn beizubringen, die Tinnitus-Geräusche zu ignorieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Hilft, die emotionale Reaktion auf Tinnitus zu ändern und Stress zu reduzieren.
- Geräuschtherapie: Verwendung von weißem Rauschen oder Naturklängen.
Ohrenschmerzen (Otalgie)
Ohrenschmerzen sind ein häufiges Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Sie können einseitig oder beidseitig auftreten, leicht oder stark sein und stechend oder dumpf empfunden werden. Bei Kindern sind sie oft Anzeichen einer Mittelohrentzündung, während bei Erwachsenen die Ursachen vielfältiger sein können.
Ursachen von Ohrenschmerzen
- Infektionen: Mittelohrentzündung (Otitis media), Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa)
- Verletzungen: Trommelfellverletzung, Barotrauma (Druckunterschiede im Ohr)
- Blockaden: Ohrenschmalzpfropfen, Fremdkörper im Gehörgang
- Andere Ursachen: Kiefergelenkprobleme, Zahnerkrankungen, Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Nasennebenhöhlenentzündung, Stress, Gürtelrose (Herpes Zoster)
Symptome von Ohrenschmerzen
- Schmerz im Ohr (stechend, pulsierend, ziehend, brennend, dumpf)
- Druckgefühl im Ohr
- Hörprobleme
- Ohrgeräusche
- Schwindel
- Fieber
- Ohrenfluss
- Juckreiz
Diagnose von Ohrenschmerzen
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Ohrenschmerzen stark sind, länger als ein paar Tage anhalten, von Fieber, Hörverlust oder anderen Symptomen begleitet werden. Der Arzt wird eine Anamnese erheben und das Ohr untersuchen, um die Ursache der Schmerzen zu ermitteln.
Behandlung von Ohrenschmerzen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Ohrenschmerzen.
- Schmerzmittel: Ibuprofen oder Paracetamol können zur Linderung der Schmerzen eingenommen werden.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika erforderlich sein.
- Ohrentropfen: Entzündungshemmende oder antibiotische Ohrentropfen können bei Entzündungen des Gehörgangs eingesetzt werden.
- Hausmittel: Warme Zwiebelsäckchen oder Kamillenwickel können schmerzlindernd wirken.
- Weitere Behandlungen: Bei anderen Ursachen wie Kiefergelenkproblemen oder Zahnerkrankungen ist eine entsprechende Behandlung erforderlich.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
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- Die Ohrenschmerzen stark sind oder länger als ein paar Tage anhalten.
- Fieber, Hörverlust, Schwindel oder andere Symptome auftreten.
- Sekret oder Blut aus dem Gehörgang austritt.
- Die Ohrenschmerzen nach einem Unfall oder dem Eindringen eines Fremdkörpers ins Ohr auftreten.
- Babys und Kleinkinder Ohrenschmerzen haben.
Gehörgangsentzündung (Otitis Externa)
Die Gehörgangsentzündung ist eine Entzündung der Haut des äußeren Gehörgangs. Sie ist eine häufige Ursache für Ohrenschmerzen, besonders bei Menschen, die viel schwimmen.
Ursachen der Gehörgangsentzündung
- Bakterien: In den meisten Fällen werden Gehörgangsentzündungen durch Bakterien verursacht.
- Pilze: Seltener können auch Pilze eine Gehörgangsentzündung verursachen.
- Verletzungen: Kleine Verletzungen der Haut des Gehörgangs, z.B. durch Wattestäbchen oder andere Gegenstände, können das Eindringen von Bakterien oder Pilzen erleichtern.
- Feuchtigkeit: Feuchtigkeit im Gehörgang, z.B. nach dem Schwimmen, kann das Wachstum von Bakterien und Pilzen fördern.
- Allergien: Allergische Reaktionen auf Kosmetika oder andere Substanzen können ebenfalls eine Gehörgangsentzündung verursachen.
Symptome der Gehörgangsentzündung
- Starke Ohrenschmerzen, besonders beim Zug an der Ohrmuschel oder beim Druck auf den Knorpel vor dem Gehörgangseingang (Tragus).
- Juckreiz im Gehörgang.
- Rötung und Schwellung des Gehörgangs.
- Ausfluss aus dem Ohr.
- Hörverlust (in manchen Fällen).
Diagnose der Gehörgangsentzündung
Die Diagnose wird in der Regel anhand der Symptome und einer Untersuchung des Gehörgangs gestellt. In manchen Fällen kann ein Abstrich genommen werden, um die Erreger zu identifizieren.
Behandlung der Gehörgangsentzündung
- Reinigung des Gehörgangs: Der Gehörgang wird vorsichtig von Ohrenschmalz und anderen Ablagerungen gereinigt.
- Ohrentropfen: Je nach Ursache der Entzündung werden antibiotische, antimykotische oder kortisonhaltige Ohrentropfen verschrieben.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können zur Linderung der Schmerzen eingenommen werden.
- Trockenhalten des Gehörgangs: Der Gehörgang sollte trocken gehalten werden, z.B. durch Fönen nach dem Schwimmen.
Vorbeugung der Gehörgangsentzündung
- Vermeiden Sie es, Wattestäbchen oder andere Gegenstände in den Gehörgang einzuführen.
- Trocknen Sie den Gehörgang nach dem Schwimmen gründlich ab.
- Verwenden Sie beim Schwimmen Ohrenstöpsel, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.
- Vermeiden Sie Kosmetika oder andere Substanzen, die allergische Reaktionen auslösen können.
Zugluft und Ohrenbeschwerden
Obwohl Zugluft oft als Ursache für Ohrenschmerzen genannt wird, ist der Zusammenhang nicht immer direkt. Zugluft kann jedoch indirekt zu Ohrenbeschwerden beitragen.
Wie Zugluft Ohrenbeschwerden beeinflussen kann
- Verspannungen: Zugluft kann zu Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur führen. Diese Verspannungen können sich auf das Kiefergelenk auswirken und Ohrenschmerzen verursachen.
- Erkältungen: Zugluft kann die Anfälligkeit für Erkältungen erhöhen. Erkältungen können zu einer Entzündung der Nasennebenhöhlen führen, die sich auf das Mittelohr ausbreiten und Ohrenschmerzen verursachen kann.
- Direkte Kühlung: In seltenen Fällen kann eine direkte Kühlung des Ohres durch Zugluft zu einer Reizung des Gehörgangs führen.
Vorbeugung von Ohrenbeschwerden durch Zugluft
- Vermeiden Sie Zugluft, indem Sie sich nicht direkt im Luftstrom von Klimaanlagen oder Ventilatoren aufhalten.
- Tragen Sie bei Bedarf eine Mütze oder ein Stirnband, um Ihre Ohren vor Kälte zu schützen.
- Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, um Verspannungen zu vermeiden.
- Stärken Sie Ihr Immunsystem, um Erkältungen vorzubeugen.
Hausmittel bei Ohrenschmerzen
Einige Hausmittel können zur Linderung von Ohrenschmerzen beitragen, ersetzen aber nicht den Arztbesuch bei anhaltenden oder starken Beschwerden.
- Wärme: Warme Kompressen, Kirschkernsäckchen oder Rotlichtbestrahlung können schmerzlindernd wirken.
- Zwiebelsäckchen: Zwiebeln wirken entzündungshemmend und können in einem warmen Säckchen auf das Ohr gelegt werden.
- Kamillenwickel: Kamille hat ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften und kann als warmer Wickel angewendet werden.
- Inhalation: Bei Erkältungen kann die Inhalation von Wasserdampf mit Kamille oder Kochsalz helfen, die Schleimhäute zu befeuchten und die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern.
Homöopathie bei Ohrenschmerzen
In der Homöopathie werden verschiedene Mittel zur Behandlung von Ohrenschmerzen eingesetzt, die je nach Symptomatik ausgewählt werden. Einige Beispiele sind:
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- Belladonna: Bei hohem Fieber, heißem Kopf und Lichtempfindlichkeit.
- Chamomilla: Bei Reizbarkeit und einseitiger Wangenröte.
- Apis: Bei Entzündungen mit Schwellung und stechendem Schmerz, die durch Wärme schlimmer werden.