Epilepsiezentrum Jena: Umfassende Versorgung und Expertise in der Neurologie

Die Epilepsie stellt eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen dar. Jährlich suchen über 1.000 Betroffene aus Thüringen und den angrenzenden Bundesländern die Expertise des Epilepsiezentrums am Universitätsklinikum Jena (UKJ) auf. Dieses Zentrum hat nun von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) die erstmalige Zertifizierung erhalten.

Zertifizierung als Bestätigung der Expertise

Dr. Albrecht Kunze, Oberarzt an der Klinik für Neurologie am UKJ, betont, dass die Zertifizierung die umfassende Expertise des interdisziplinären Behandlungsteams in der Diagnostik und Therapie von Epilepsie-Patienten gemäß den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen bestätigt.

Spezialisierung und Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Das Zentrum hat sich insbesondere auf die Betreuung von Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen spezialisiert. Diagnostik und Therapie erfolgen sowohl ambulant als auch stationär. Dr. Kunze hebt hervor, dass die räumliche Nähe der verschiedenen Einrichtungen am UKJ den Patienten alle notwendigen Diagnosen aus einer Hand ermöglicht, wobei modernste diagnostische Methoden wie Video-EEG-Monitoring, hochauflösende MRT-Bildgebung oder nuklearmedizinische Verfahren zum Einsatz kommen. Die Kliniken für Neurologie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie sowie die Neuroradiologie des UKJ arbeiten dabei interdisziplinär zusammen.

Qualitätsstandards und Fortbildung

Neben der hochqualifizierten Versorgungsstruktur wurden von der Prüfkommission auch die klar definierten Qualitätsstandards und die regelmäßige Beteiligung der Mediziner an Aus- und Weiterbildungen sowie wissenschaftlichen Qualifizierungen positiv bewertet. Die Zertifizierung ist für einen Zeitraum von fünf Jahren gültig.

Ambulante und Stationäre Versorgung

Allgemein ist beim erstmaligen Auftreten der Erkrankung eine kurze stationäre Diagnostik sinnvoll, mit dem Ziel, die Ursache der Epilepsie einzuordnen und die Therapie zu initiieren. Daneben sind bei schweren Krankheitsverläufen mit anhaltenden Anfällen zusätzliche stationäre Untersuchungen indiziert, die eine gezieltere Therapie mit Antiepileptika ermöglichen oder alternative Behandlungsverfahren eröffnen. Hier sind vordergründig das Video-EEG-Intensiv-Monitoring und das Epilepsiekomplexprogramm zu nennen. Beides sind langjährig etablierte Behandlungsprogramme am Epilepsiezentrum Jena. Patienten mit einem Status epilepticus oder Anfallsserien können auf der eigenen neurologischen Intensivstation betreut werden, wo eine spezielle Monitoringeinheit für Patienten mit einem Status epilepticus besteht.

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Die Schwerpunkte der Ambulanz sind die medikamentöse Epilepsietherapie, die Beratung zur Epilepsiechirurgie und Neurostimulation, die Planung von weiterführenden stationären Untersuchungen und verschiedener sozialmedizinischer Maßnahmen (z.B. berufliche Rehabilitation, Beurteilung der Fahreignung). Die ambulante Betreuung umfasst dabei sowohl Patienten im frühen Erkrankungsverlauf (nach einem ersten Anfall) als auch mit schwerbehandelbaren Epilepsieformen, bei denen die Antiepileptika keine ausreichende Wirkung zeigen. Eine Spezialisierung liegt auch in der Beratung von Epilepsiepatientinnen mit Kinderwunsch/Schwangerschaft. Es besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Geburtshilfe des UKJ (Ansprechpartner: Prof. Dr.).

Ausstattung der Klinik

Die Station verfügt über Ein- und Zweibettzimmer mit Zugang zu einem Balkon. Die Station und alle Sanitäreinrichtungen sind ebenerdig und modern ausgestattet. Alle Zimmer sind mit eigener Nasszelle (Dusche, Waschbecken, WC), Telefon und Kabel-TV ausgestattet. Für die stationäre Aufnahme genügt eine Krankenhauseinweisung des Hausarztes oder Neurologen. Eine Genehmigung durch die Krankenkasse ist nicht erforderlich.

Das Epilepsie-Komplexprogramm (EKP)

Ziel des EKPs ist die Verbesserung der Behandlungssituation der Patienten mit pharmakorefraktären Epilepsien. Basierend auf langjährigen Erfahrungen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erfolgt eine umfassende Reevaluation des Erkrankungsbildes. Um eine Aufnahme ins Epilepsie-Komplexprogramm zu vereinbaren, kann Ihr behandelnder Neurologe/Hausarzt einen Aufnahmetermin unter der o.g. Telefonnummer vereinbaren.

Epilepsie: Eine Häufige Neurologische Erkrankung

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt. Schätzungen zufolge erlebt nahezu ein Zehntel aller Erwachsenen einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Bei etwa 1-3% der Bevölkerung kommt es zu wiederholten Anfällen, was als Epilepsie bezeichnet wird.

Vielfältige Symptome

Im Rahmen von Anfällen können sehr unterschiedliche Symptome auftreten. Diese hängen davon ab, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Mögliche Symptome sind Bewegungen eines Teils oder des ganzen Körpers, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen, Bewusstseinsstörungen, Fehlwahrnehmungen oder Verhaltensänderungen.

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Behandlungsmöglichkeiten

Der größte Teil der Patienten wird durch die Einnahme von Medikamenten anfallsfrei und kann mit wenigen Einschränkungen ein normales Leben führen.

Epilepsiechirurgie als Option

Epilepsie ist in der Mehrzahl der Fälle gut behandelbar. Jedoch gelingt es bei einem Drittel der Patienten trotz des Einsatzes verschiedener Medikamente nicht, Anfallsfreiheit zu erreichen. In solchen Fällen sollte die Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffes geprüft werden.

Prächirurgische Epilepsiediagnostik

Evtl. Prächirurgische Epilepsiediagnostik mit der Möglichkeit zu Langzeitmonitoring mit invasiven EEG-Ableitungen und ggf.

Ursachen und Krankheitsbild

Die Epilepsie ist durch das wiederholte Auftreten von Anfällen gekennzeichnet, die durch abnorme Entladungen von Nervenzellen verursacht werden. Die Ursachen sind vielfältig. Allgemein werden sogenannte fokale Epilepsien, welche z.B.

Kooperationspartner

Das Epilepsiezentrum Jena arbeitet eng mit verschiedenen Kliniken und Abteilungen zusammen:

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  • Klinik für Neurochirurgie der Universitätsklinik Jena (Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. Kalff, Herr OA Dr. R.)
  • Abteilung Neuroradiologie des IDIR Jena (Ansprechpartner: Herr Prof. Dr.)
  • Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abteilung Neuropädiatrie (Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. Brandl, Herr OA Dr. G. Skirl, Frau Dr. A.)

Terminvereinbarung

Um die Behandlung gut planen zu können, wird vorab um Übersendung des Überweisungsscheins, von wichtigen Vorbefunden und schriftlich bzw. In der Regel erhalten Sie 2-4 Wochen nach Eingang der Unterlagen einen ambulanten Termin. Telefonische Rücksprachen sind unter 03641 - 9 323 450 (montags bis freitags von 8:00 bis 14:00 Uhr) möglich. Für eine Beratung oder Kontrolluntersuchung bezüglich Epilepsiechirurgie, Vagusnervstimulation oder Tiefen Hirnstimulation erfolgt die Terminvergabe bei OA Dr. A. Ärztliche Kollegen, die eine dringliche Vorstellung für einen Patienten benötigen, kontaktieren bitte OA Dr. A.

Neurologische Expertise in Bad Berka

Priv. Doz. Dr. med. Albrecht Kunze leitet die Klinik für Neurologie der Zentralklinik Bad Berka. Er absolvierte sein Medizinstudium in Jena und arbeitete und forschte u. a. am Universitätsklinikum Bonn und am Children’s National Medical Center in Washington D. C. Nach seiner Rückkehr an das Universitätsklinikum Jena habilitierte er über die Aktivierung und Integration neuraler Stammzellen nach Schlaganfällen. Die Zentralklinik bietet das gesamte Spektrum zur Therapie neurologischer Erkrankungen. Die Patienten werden in einem Neurozentrum in enger Kooperation mit den Neurochirurgen und Neuroradiologen behandelt.

Forschungsergebnisse zur Nervenzellreifung nach Schlaganfall

Neurologen des Universitätsklinikums Jena haben in einer Studie herausgefunden, dass die Reifung von Nervenzellen im Hippocampus, die sich nach einem Schlaganfall verstärkt aus Vorläuferzellen bilden, beschleunigt abläuft und ihre Verknüpfung fehlerhaft ist. Diese Erkenntnisse relativieren das Reparaturpotential der neuen Neuronen nach einem Schlaganfall. Die Forscher untersuchten in einer aufwändigen tierexperimentellen Studie, wie die Neuronen nach einem induzierten Schlaganfall im Hippocampus heranreifen. „Mithilfe elektrophysiologischer Messungen konnten wir zeigen, dass Entwicklung und Funktion der neuen Nervenzellen gestört ist, wohingegen ihre Zellgestalt unbeeinträchtigt bleibt. Sie werden beschleunigt in das neuronale Netzwerk eingebaut, während sie ‚unerfahren und übererregbar‘ sind“, so Mihai Ceanga, Assistenzarzt an der Klinik für Neurologie und Erstautor der Studie. „Dieser Befund könnte erklären, warum wir in Verhaltensstudien nach einem Schlaganfall eine Beeinträchtigung des Hippocampusabhängigen Gedächtnisses beobachten, auch wenn die Schädigung in der Hirnrinde lokalisiert ist und der Hippocampus vom Sauerstoffmangel gar nicht unmittelbar betroffen. Die bei Schlaganfallpatienten erhöhte Anfälligkeit für epileptische Anfälle passt ebenfalls zu dem Ergebnis“, wertet der Neurologe Dr. Albrecht Kunze die von ihm geleitete Studie und ergänzt: „Für Schlaganfallpatienten in der Rehabilitation könnte demzufolge ein gezieltes Training hilfreich sein, das die Vernetzung im Hippocampus unterstützt.

Neuromuskuläre Ambulanz

Die Neuromuskuläre Ambulanz der Hans-Berger-Klinik für Neurologie bietet in der "Muskelsprechstunde" umfassende Diagnostik, Beratung und dauerhafte Versorgung für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen an. Myositiden, z.B. Viele diese Erkrankungen gehen mit Behinderungen einher. Betroffene benötigen eine umfassende Beratung und Betreuung durch Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Sozialdienste.

Weitere Ansprechpartner und Beratungsangebote

  • Agentur für Arbeit Erfurt
  • Epilepsieberatung- jeden letzten Montag im Monat von 16.30 - 18.30 Uhr- im Sozialen Zentrum, Auenstraße 32, 98529 Suhl- für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Epilepsie- für Angehörige, Pädagogen und alle an dem Thema Interessierten- Beratung erfolgt von Frau Wiktor, Dipl. Matthias EckardtOberarzt der Neurologischen KlinikSRH Zentralklinikum SuhlAlbert-Schweitzer-Str. Dr. med. Dr. med. Dr. med. Diethard RepsTechnische BeraterinThüringer LandesverwaltungsamtReferat 640, IntegrationsamtKarl-Liebknecht-Str. Dr. med. Thomas Ringer, Dr. med. Albrecht Kunze, Dr. med. Uta Smesny, Dr. med.

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