Neurologische Ursachen von Kehlkopferkrankungen: Ein umfassender Überblick

Der Kehlkopf (Larynx) stellt den Übergang vom Rachen zur Luftröhre dar und erfüllt wichtige Funktionen wie die Atemwegssicherung, insbesondere beim Schlucken, und die Stimmgebung. Verschiedene gutartige, aber auch bösartige Erkrankungen können den Kehlkopf betreffen. Neurologische Ursachen können ebenfalls zu Kehlkopferkrankungen führen, insbesondere solche, die die Funktion der Kehlkopfnerven beeinträchtigen.

Häufige Kehlkopferkrankungen und ihre Ursachen

Die häufigsten Erkrankungen im Kehlkopfbereich sind akute Entzündungen (Laryngitis). Dabei kommt es zu einer Reizung der Kehlkopfschleimhaut, die sich durch Heiserkeit, reduzierte Belastbarkeit der Stimme, Reizhusten, Schluckbeschwerden oder Räusperzwang äußert. Meist wird diese Schleimhautreizung durch eine Virusinfektion verursacht, kann aber auch bakteriell, durch Pilzinfekte oder spezifische Erreger ausgelöst werden. Reizende Agentien wie Schadstoffe, insbesondere Zigarettenrauch, oder zu trockene Luft können die Schleimhaut zusätzlich reizen. Eine mechanische Überlastung oder Fehlbelastung der Stimmlippen kann ebenfalls zu einer Entzündung führen. In der Regel heilt eine akute Kehlkopfentzündung innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst aus.

Bei akuten Kehlkopfentzündungen empfiehlt sich eine Schleimhautpflege durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Meidung der Aussetzung gegenüber reizenden Schadstoffen und eine Reduzierung der Stimmbelastung.

Aus bisher unbekannten Gründen gibt es chronische Laryngitiden, welche zu einem Umbau der Schleimhaut führen können. Bei dauerhafter Schädigung der Schleimhäute durch entzündliche Noxen, geschwächter Immunlage oder genetischer Disposition kann aus einer chronischen Entzündung Kehlkopfkrebs hervorgehen. Kehlkopfkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten im Kopf-Hals-Bereich und tritt bei Männern immer noch häufiger auf als bei Frauen. Auch hier fällt eine anhaltende Heiserkeit auf, ggf. begleitet von einer veränderten Stimmgebung, Räusperzwang, einem Fremdkörpergefühl, Husten- und Schluckbeschwerden sowie Atemnot. Kehlkopfkrebs entspricht einem unkontrollierten Zellwachstum, das sich unaufhaltsam weiter ausbreitet. Tumore am Kehlkopf, die primär die ober- oder unterhalb der Stimmlippen liegenden Regionen befallen, können längere Zeit unentdeckt bleiben, da sich die charakteristischen Symptome wie Atemnot oder Schluckbeschwerden erst deutlich später zeigen.

Grundsätzlich ist die Erkennung von Kehlkopfkrebs im Frühstadium maßgeblich für die Heilungsprognose. Heute stehen einige etablierte Behandlungsmethoden zur Verfügung, darunter chirurgische Eingriffe, Bestrahlung, Chemotherapie oder Immuntherapie. Langjähriges Rauchen, insbesondere in Verbindung mit der Exposition gegenüber weiteren Noxen wie übermäßigem Alkoholkonsum, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Krebsentwicklung exponentiell. Daher ist es aus medizinischer Sicht wichtig, konsequent aufzuhören zu rauchen und den Alkoholkonsum zu reduzieren.

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Neurologische Ursachen von Kehlkopferkrankungen

Neben Entzündungen und Tumoren können auch neurologische Erkrankungen die Funktion des Kehlkopfes beeinträchtigen. Die Stimmlippen, die sich im Kehlkopf befinden, dienen durch ihre kontrollierte Schwingung der Tonerzeugung. Dadurch sind wir in der Lage zu sprechen und zu singen. Darüber hinaus kann ein gezielter Verschluss der Stimmlippen die Atemwege sichern und die Baupresse unterstützen. Eine Schädigung des inneren Kehlkopfnervs kann viele Ursachen haben und muss im Rahmen einer umfassenden Diagnostik abgeklärt werden. Hierzu zählen Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen, CT-Aufnahmen, MRT und eine eingehende Spiegeluntersuchung in Narkose. Je nach im Vordergrund stehender Beschwerdesymptomatik und Ursache der Erkrankung können dann operative Atemwegserweiterungen oder stimmverbessernde Maßnahmen durchgeführt werden.

Stimmbandlähmung (Kehlkopflähmung, Recurrenslähmung)

Eine ein- oder beidseitige Bewegungseinschränkung der Stimmlippen infolge einer Funktionseinschränkung des Kehlkopfnervs (N. laryngeus recurrens) wird als Stimmlippenlähmung bezeichnet. Der betroffene Patient bemerkt in erster Linie eine Heiserkeit und eine leisere Stimme. Sind beide Kehlkopfnerven betroffen, können beide Stimmbänder nicht mehr bewegt werden. In diesem Fall ist die Stimme fast normal, aber der betroffene Patient bemerkt eine ausgeprägte Luftnot.

Die häufigste Ursache für Lähmungen der Kehlkopfnerven sind Operationen an der Schilddrüse. Aber auch andere Operationen im Bereich des Halses, der Halswirbelsäule und des Brustkorbs können solche Nervenschädigungen verursachen. Verletzungen oder Irritationen des Kehlkopfnervs entstehen häufig bei operativen Eingriffen im Halsbereich, wie etwa bei Schilddrüsenoperationen. Häufig ist eine virale Neuronitis, also eine Nervenentzündung durch Viren, für Stimmbandlähmungen verantwortlich. Auch Tumoren von Kehlkopf, Lunge, Schilddrüse und Speiseröhre oder lokale Entzündungen sowie die Aussackung benachbarter Gefäße (Aneurysma) können den Nerven beeinträchtigen. Seltener wird der Nerv durch Schwermetallbelastung oder als Nebenwirkung von Medikamenten wie beispielsweise Vincristin oder Phenytoin geschädigt.

Eine vom Gehirn ausgehende Stimmbandlähmung kann ebenfalls zahlreiche Gründe haben: Durchblutungsstörungen, wie z. B. ein Schlaganfall, aber auch Tumoren und neurologische Erkrankungen führen zu einer Schädigung des N. recurrens. Bei zentralen Ursachen sind oft auch andere Nerven und Körperfunktionen beeinträchtigt. Da verschiedene Ursachen für die Stimmlippenlähmung infrage kommen, sind unter Umständen umfangreiche Untersuchungen nötig. Normalerweise prüft der Arzt die Atem- und Stimmfunktion und führt eine Kehlkopfspiegelung durch. Ergänzend veranlasst er bildgebende Untersuchungsverfahren, um Verletzungen der Weichteile oder Tumoren zu erkennen bzw. auszuschließen.

Die elektrophysiologische Untersuchung der Kehlkopfnerven erlaubt eine Einschätzung der Nervenschädigung und damit eine recht zuverlässige Prognose der Ausheilungswahrscheinlichkeit. Bei einseitigen Lähmungen hilft die elektrophysiologische Untersuchung zu entscheiden, ob eine stimmverbessernde Operation angezeigt sein könnte und wann der dafür am besten geeignete Zeitpunkt ist.

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Spasmodische Dysphonie (Sprechkrampf, Kehlkopfkrampf, laryngeale Dystonie)

Diese Stimmstörung entsteht durch unwillkürliche, lang anhaltende Verkrampfungen der Muskeln im Kehlkopf. Es handelt sich dabei um eine neurologische Erkrankung, die zu den Dystonien (Bewegungsstörungen) gehört.

Weitere neurologische Erkrankungen

Auch andere neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) können die Nerven im Kehlkopfbereich schädigen und zu einer Dysphonie führen. Eine Lähmung der Muskeln des Kehlkopfs kann durch neurologische Erkrankungen wie Parkinson verursacht werden.

Diagnose von Stimmproblemen

Die Diagnose eines Stimmproblems beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese, bei der der Arzt nach Symptomen, der Dauer der Beschwerden und möglichen Risikofaktoren fragt. Eine körperliche Untersuchung, insbesondere des Hals- und Kehlkopfbereichs, folgt. Spezialisierte diagnostische Verfahren können eingesetzt werden, um die Stimmbänder und den Kehlkopf genauer zu untersuchen. Dazu gehören die Laryngoskopie, bei der ein dünnes, flexibles Rohr mit einer Kamera zur direkten Betrachtung der Stimmbänder verwendet wird, und die Stroboskopie, die es ermöglicht, die Bewegung der Stimmbänder während des Sprechens zu analysieren. In einigen Fällen können auch Bildgebungsverfahren wie Ultraschall, CT oder MRT eingesetzt werden, um strukturelle Probleme zu identifizieren.

Bei der Diagnose von Stimmproblemen werden verschiedene Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen, um andere mögliche Ursachen auszuschließen. Dazu gehören Erkrankungen wie Refluxkrankheit, Allergien, Atemwegsinfektionen und Schilddrüsenfunktionsstörungen, die ähnliche Symptome verursachen können. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson-Krankheit oder multiple Sklerose, die die Stimmbandfunktion beeinträchtigen können, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden psychogene Faktoren, wie Stress oder emotionale Belastungen, die zu funktionellen Stimmstörungen führen können, in die Diagnose einbezogen.

Behandlung von neurologisch bedingten Kehlkopferkrankungen

Die Behandlung von Stimmproblemen hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Prinzipiell steht die ursächliche Therapie einer Stimmbandlähmung im Vordergrund. Eine einseitige Stimmlippenlähmung wird meist logopädisch behandelt. Dabei lernt der Patient, mit Dehnübungen wie zum Beispiel Gähnen und Schulterkreisen den Stimmapparat zu entspannen, die betroffene Stimmlippe zu stärken und die Atmung besser zu kontrollieren. In der Regel sind etwa 10-20 Übungseinheiten beim Logopäden notwendig, bis sich eine Besserung einstellt. Zusätzlich zum Stimmtraining kann der N. Bringt die logopädische Behandlung keinen Erfolg, wird die betroffene Stimmlippe operativ weiter in die Mitte der Stimmritze verlagert (Thyreoplastik).

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Bei einer beidseitigen Stimmlippenlähmung muss der Arzt häufig einen Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) vornehmen, damit der Patient wieder ausreichend atmen kann. Bessert sich die Lähmung innerhalb eines Jahres nicht deutlich, muss die Stimmritze operativ verbreitert werden - dadurch lässt jedoch die Kraft der Stimme nach.

Bei funktionellen Stimmstörungen ist oft eine Stimmtherapie durch einen qualifizierten Logopäden hilfreich. Diese Therapie umfasst Übungen zur Verbesserung der Stimmtechnik, Atmung und Haltung. Bei organischen Ursachen, wie Polypen oder Knötchen, kann eine chirurgische Entfernung notwendig sein. Medikamentöse Behandlungen werden eingesetzt, um entzündliche Erkrankungen oder hormonelle Ungleichgewichte zu behandeln. In Fällen von neurologischen Stimmstörungen kann eine Kombination aus Medikamenten, Stimmtherapie und manchmal auch speziellen chirurgischen Eingriffen erforderlich sein.

Bei der spasmodischen Dysphonie erfolgt die Behandlung durch direkte Einspritzung von Botulinumtoxin (BOTOX) in den Stimmbandmuskel. Kommt es zu Heiserkeit, da die Stimmlippen aufgrund einer Stimmlippenlähmung bei der Stimmgebung nicht komplett schießen, so muss die gelähmte Stimmlippe zur Mitte hin verlagert werden (Medialisierung, Stimmlippenunterfütterung). Dies erfolgt durch Einspritzung von z.B. körpereignem Fett, Hyaluronsäure oder Kalziumhydroxylapatit. Bei größeren Spalten muss eine Operation "von außen" mit einem Hautschnitt am Hals durchgeführt werden. Mit Hilfe dieser sog. Thyroplastik wird die gelähmte Stimmlippe durch ein (körpereigenes) Implantat dauerhaft in die Mitte geschoben. Die stimmverbessernden Eingriffe werden in Vollnarkose und in Spezialfällen auch in örtlicher Betäubung angeboten.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Stimme schonen: Sprechpausen einlegen, leise sprechen (aber nicht flüstern), langsam sprechen.
  • Husten und Räuspern vermeiden.
  • Mit Salzlösung oder Salbeitee gurgeln.
  • Mit Salz, z. B. Emser®Salz inhalieren.
  • In der kalten Jahreszeit warme Halswickel machen.
  • Milde Halstabletten ohne Menthol lutschen.
  • Rauchverzicht.
  • Regelmäßige Stimm- und Atemübungen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Luftbefeuchter verwenden.

Prognose und Leben mit Stimmproblemen

Die Prognose der Stimmbandlähmung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Wurde der Kehlkopfnerv durch eine vergrößerte Schilddrüse nur gequetscht, erholt er sich nach der Schilddrüsenverkleinerung zumeist wieder. Die Prognose bei Stimmproblemen hängt stark von der Ursache und der frühzeitigen Behandlung ab. Viele Stimmprobleme, insbesondere wenn sie durch Überbeanspruchung oder leichte Infektionen verursacht werden, sind mit angemessener Ruhe und Behandlung vollständig reversibel. Chronische oder schwerwiegendere Fälle, wie solche, die durch langfristigen Missbrauch oder neurologische Erkrankungen verursacht werden, können eine längere und intensivere Behandlung erfordern und können zu dauerhaften Veränderungen der Stimme führen.

Leben mit einem Stimmproblem kann Herausforderungen in der täglichen Kommunikation und beruflichen Aufgaben mit sich bringen. Betroffene können Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken, und sich in sozialen Situationen zurückziehen. Es ist wichtig, Unterstützung durch Fachleute wie Logopäden zu suchen und Techniken zu erlernen, um die Stimme effektiv zu nutzen und zu schonen. Anpassungen am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld können ebenfalls erforderlich sein, um die Kommunikation zu erleichtern.

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