Die Entwicklung des Gehirns eines Kindes ist ein komplexer und faszinierender Prozess, der von der Geburt bis ins Erwachsenenalter andauert. Besonders in den ersten Lebensjahren, etwa ab eineinhalb Jahren, finden entscheidende Veränderungen statt, die die Grundlage für zukünftige kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten legen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte der Gehirnentwicklung in diesem Alter und gibt Einblicke in die Fähigkeiten, die ein Kind in dieser Zeit erwirbt.
Die rasanten Fortschritte in der Gehirnentwicklung
Wenn ein Baby zur Welt kommt, ist sein Gehirn bereits mit geschätzten 100 Milliarden Nervenzellen ausgestattet. Die neuesten Untersuchungen zur kindlichen Entwicklung zeigen, dass in den ersten drei Lebensjahren erstaunliche 1 Million Verbindungen pro Sekunde im Gehirn eines Kindes aufgebaut werden. Diese Gehirnverbindungen bilden in der frühen Kindheit das emotionale, soziale und Verhaltensrepertoire, das ein Kind bis zu seinem Lebensende behalten wird.
Wachstum und Vernetzung
Das Gehirn eines Neugeborenen ist nur ein Viertel so groß wie das eines Erwachsenen. Das größte Wachstum findet in den ersten Lebensjahren statt. In dieser Zeit bilden sich die Gehirnverbindungen, die zu einem großen Teil darüber entscheiden, ob ein Kind mental stabil und empathisch oder depressiv wird. Es hängt neben den Genen vor allem von den ersten Lebensjahren ab, ob ein Kind höhere menschliche Fähigkeiten der Problemlösung, der Reaktion auf Stress, Selbstbewusstsein, Empathie, Freundlichkeit und Mitgefühl ausbildet.
Die Bedeutung der Umgebung
Eltern, die ihren Kindern gegenüber zögerlich, gestresst, feindselig, abwesend oder gleichgültig sind, werden nicht in der Lage sein, die Art von Umgebung zu bieten, die für eine optimale Gehirnentwicklung eines Babys nötig ist. Auch wenn Babys von diesen Eltern vielleicht hochwertiges Essen bekommen und auch all ihre Entwicklungsmeilensteine erreichen und sogar kognitiv sehr intelligent sein können, werden sie sich dennoch im emotionalen Sinne höchstwahrscheinlich schlechter entwickeln und Defizite haben, die sie ein ganzes Leben behalten werden.
Die emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern hängt also maßgeblich mit der Erziehung und den Erfahrungen in den ersten Lebensjahren zusammen.
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Kognitive Entwicklung im Alter von eineinhalb Jahren
Mit eineinhalb Jahren etwa beginnen Kinder, sich selbst als eigenständige Person wahrzunehmen. Ob es schon soweit ist, können Sie vor dem Spiegel herausfinden. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind sich in seinem Spiegelbild selbst erkennt? Oder glaubt es noch, dass es sich dabei um ein anderes Kind handelt? Schon Säuglinge schauen gern in den Spiegel und erfreuen sich am Spiegelbild von Mama oder Papa. „Ich“ und „meins“ werden bald die wichtigsten Worte sein, und Ihr Kind wird Stolz, Wut, Freude und Trauer zunehmend mit sich selbst in Verbindung bringen können.
Selbstwahrnehmung und der Spiegel-Test
Naturwissenschaftler haben den sogenannten Rouge-Test entwickelt, mit dessen Hilfe ermittelt werden kann, ob sich ein Kind bereits als eigenständige Person wahrnimmt. Dabei wird zunächst das Verhalten des Kindes vor dem Spiegel beobachtet. Anschließend wird beim Spiel, vom Kind unbemerkt, ein kleiner roter Farbtupfer auf Stirn oder Wange aufgetragen. Zurück vor dem Spiegel wird dann erneut die Reaktion abgewartet. Merkt das Kind nicht, dass sich die rote Farbe auf seinem Gesicht befindet - und nicht nur auf der Spiegelfläche - ist die Selbstwahrnehmung noch nicht ausgeprägt.
Das Spiegel-Stadium
Der 14 Monate alte Junge aus dem Video kommt also gerade in eine spannende Entwicklungsphase: das Spiegel-Stadium. Während dieser Zeit entwickelt sich das Ich. Was sich in dieser Phase im Gehirn ändert, ganz physisch, das wissen die Forscher nicht.
Sprachentwicklung
Dein 30 Monate altes Kind ist entzückend, oft sehr lustig und es macht Spaß, sich mit ihm zu beschäftigen. Langsam entdeckt es die Macht der Wörter und hat damit angefangen, Dinge, die um es herum geschehen, zu kommentieren. Einfach, weil es ihm Spaß macht, sich anderen mitzuteilen und zu sprechen. Du solltest dieses Verhalten deines kleinen Schatzes fördern und ihn ermutigen, sich mitzuteilen. Hilf deinem Kind, wenn es Probleme hat, bestimmte Wörter auszusprechen. In diesem Alter sollte dein Liebling dazu in der Lage sein, Sätze zu bilden, die aus zwei oder drei Wörtern bestehen sowie Aufforderungen zu befolgen, die aus zwei Schritten bestehen. Vorlesen ist in diesem Alter besonders wichtig und macht den meisten Kindern viel Spaß. Achte dabei darauf, deinem Kind den Zusammenhang zwischen bestimmten Wörtern und Objekten oder Aktivitäten zu verdeutlichen - ganz einfach funktioniert dies zum Beispiel mit Bilderbüchern.
Förderung der Sprachentwicklung
Es ist wichtig, das Kind zu ermutigen, sich mitzuteilen und ihm bei der Aussprache zu helfen. In diesem Alter können Kinder Sätze mit zwei oder drei Wörtern bilden und einfache Anweisungen befolgen. Vorlesen ist besonders wichtig, um den Wortschatz zu erweitern und den Zusammenhang zwischen Wörtern und Objekten zu verdeutlichen.
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Fantasie und Spiel
In diesem Alter entwickelt sich die Fantasie deines kleinen Lieblings - und so werden Bücher, Geschichten und fantasievolles Spielen für ihn immer interessanter. Mit etwa 2,5 Jahren nehmen Kinder beim Spielen Rollen ein oder erschaffen eigene Szenarien, statt einfach nur simple Handlungen mit Spielzeugen nachzuahmen. Dieser große Vorwärtsschritt in der Entwicklung ihrer Vorstellungskraft kann auch neue Ängste, Sorgen und Beklemmungen mit sich bringen, auf die du eingehen solltest.
Träume und Albträume
Sie sind das Ergebnis der harten Arbeit, die das Gehirn deines Kindes verrichtet, um die aufregende Welt, die es umgibt, zu ordnen: Träume und Albträume. Wahrscheinlich ist dein 2,5 Jahre altes Kind jetzt ein wenig zurückhaltender in neuen Situationen, als es vor wenigen Monaten noch gewesen wäre. Dafür wird es aber auch umso versessener darauf sein, seine neuen sozialen Fähigkeiten zu erproben, sobald es mit neuen Menschen in seiner Umgebung vertraut geworden ist.
Ordnung und Feinmotorik
Dein Kind wird jetzt auch Spaß daran finden, Dinge zu ordnen, deshalb wird es nun nach dem Spielen etwas leichter sein, dein Kind vom Aufräumen zu überzeugen, solange du diesen Vorgang in kleine, leicht zu bewältigende Schritte aufteilst, wie zum Beispiel: „Hebe bitte alle Bauklötzchen auf; und jetzt die Autos.“ In diesem Alter reagieren Kleinkinder besonders positiv auf Lob. Also, lobe deinen kleinen Schatz so oft wie möglich. Übrigens: Dein zweieinhalbjähriges Kind ist jetzt schon dazu in der Lage, subtile Unterschiede in deiner Stimmlage zu verstehen.
Die feinmotorischen Fähigkeiten deines kleinen Lieblings werden dich vielleicht überraschen. Dein Schatz ist ganz sicher in der Lage, mehr Dinge zu öffnen, auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen, als du für möglich gehalten hättest. Wachsmalstifte, sonstige Gerätschaften und Kämme gehören zu den Objekten, die er oder sie versuchen wird, genau richtig zu verwenden.
Entschlossenheit und Wutanfälle
In einer Aktivität gestoppt zu werden, ist für dein Kleinkind momentan ein sehr schmerzvolles Erlebnis. Dein kleiner Liebling benötigt bei kommenden Veränderungen eine vorherige Ankündigung und ein wenig Hilfe dabei, sich mit ihnen zurechtzufinden. Wutanfälle sind bei Veränderungen in diesem Alter nichts Ungewöhnliches - durch sie bringt dein Schatz zum Ausdruck, dass er eine eigene Persönlichkeit hat und sein will. Für dich ist es nun an der Zeit, deine Auszeitstrategien aufzufrischen. Die gute Seite: Vielleicht sind die Wutanfälle durch einen Entwicklungsschub jetzt dramatischer als vor sechs Monaten, dafür kommen sie aber wahrscheinlich seltener vor.
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Gedächtnisentwicklung
Bisher galt, dass Kleinkinder frühestens ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr Erinnerungen langfristig speichern können. Eine US-Studie korrigiert diese Vorstellung. Unsere frühesten Erinnerungen reichen nicht bis zur Geburt. Nach einer landläufigen Einschätzung sind Kindheitserinnerungen frühestens ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr möglich. Forschende aus den USA zeigen nun in einer im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie, dass diese Einschätzung falsch ist. Erinnerungen werden schon früher gebildet. Persönliche Erlebnisse langfristig zu speichern, ist Aufgabe des episodischen Gedächtnisses. Von zentraler Bedeutung für diese Speicherung ist der mitten im Gehirn gelegene Hippocampus.
Die Rolle des Hippocampus
Um dem genauer nachzugehen, haben die Forschenden die Säuglinge und Kleinkinder in einem funktionellen Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht. Während der Untersuchung sahen die Kinder mehrere Bilder in Folge. Nach einer Pause wurden den Kindern Bilderpaare gezeigt: ein bereits gezeigtes und ein neues. Bei Bildern, an die die Kinder sich erinnerten, hatte der Hippocampus bei der ersten Präsentation eine verstärkte Aktivität gezeigt.
Die Forschenden erklären ihre Forschungsergebnisse so: Die erste Speicherung von Erinnerungen ermöglicht der Hippocampus schon ab dem Alter von etwa einem Jahr. "Das Baby ist in der Lage, die Erfahrungen doch sehr klar aufzunehmen und auch zu behalten. Er sieht darin auch einen Hinweis darauf, wie wichtig es sei, Kleinkinder vor traumatischen Erfahrungen zu beschützen.
Ernährung und Gehirnentwicklung
Für die Studie untersuchte das Forschungsteam das sogenannte „fäkale Metabolom“ - die vielfältige Ansammlung von Metaboliten (Stoffwechselbestandteile), die im Darm vorkommen und im Kot ausgeschieden werden. Das Team sammelte Stuhlproben von 112 Säuglingen im Alter von 1 bis 6 Monaten und arbeitete mit anderen Kolleg*innen zusammen, um sie chemisch zu analysieren und herauszufinden, welche Metaboliten darin vorkamen. Sie gruppierten die Säuglinge danach, wie viel sie gestillt oder mit Säuglingsnahrung gefüttert wurden.
Die Bedeutung der Muttermilch
Die Studie ergab, dass die Proben von Säuglingen in verschiedenen Ernährungsgruppen deutlich unterschiedliche Mengen an Metaboliten enthielten. Bei genauerer Betrachtung spezifischer Metaboliten identifizierten die Forscher 14, die auch mit Unterschieden in den Testergebnissen im Alter von 2 Jahren verbunden waren. Je mehr Metaboliten, die mit der Muttermilch in Zusammenhang stehen, ein Baby im Stuhl hatte, desto besser schnitt es bei kognitiven Tests als Kleinkind ab. Ein besonders nützlicher Metabolit war Cholesterin: Je mehr ein Baby im Alter von 1 und 6 Monaten gestillt wurde, desto mehr Cholesterin hatte es im Stuhl. Und je mehr Cholesterin Babys im Stuhl hatten, desto besser schnitt es später bei kognitiven Tests ab. Diese Fettsäure ist für die Bildung von Verbindungen zwischen Gehirnzellen von entscheidender Bedeutung.
Höhere Konzentrationen von Koffein waren mit schlechteren kognitiven Ergebnissen verbunden. Alderete räumte ein, dass für manche Eltern das Stillen nicht möglich sei. Sie hofft, dass ihre Forschung den Herstellern letztendlich dabei helfen kann, die Fläschchennahrung so zu verbessern, dass sie der Muttermilch so nahe wie möglich kommt. Und sie betont, dass die Tatsache, dass ein Kind nicht gestillt wurde, nicht bedeutet, dass es neuronale Entwicklungsdefizite hat. Ihr Fazit für frischgebackene Eltern, die Probleme beim ausschließlichen Stillen haben: „Geben Sie nicht auf."
Motorische Entwicklung
Während manche Kinder schon früher die ersten eigenständigen Schritte machen können, lassen sich andere etwas mehr Zeit und beginnen erst gegen Mitte bis Ende des zweiten Lebensjahrs, auf zwei Beinen die Welt zu erkunden. In den ersten Jahren haben viele Kinder einen schier unbändigen Bewegungsdrang und wollen ihre wachsenden motorischen Fähigkeiten auf unterschiedliche Art und Weise erproben. Allerdings gibt es auch ruhigere Kinder, die nicht ständig „auf Achse“ sein müssen, was kein Grund zur Beunruhigung ist. Egal, wie bewegungsfreudig die Kleinen sind - Vater oder Mutter müssen immer dabei sein.
Schlafbedarf
Der Schlafbedarf Ihres Kindes nimmt jetzt langsam ab. Die meisten Kinder schlafen im zweiten Lebensjahr tagsüber durchschnittlich etwa eine bis eineinhalb Stunden, wobei viele von ihnen nicht mehr jeden Nachmittag müde sind. Wacht Ihr Kind nachts oft auf, kann das daran liegen, dass sein Schlafbedarf gesunken ist, sodass Sie hier unter Umständen den Mittagsschlaf verkürzen können oder Ihr Kind abends später zu Bett bringen.
Sauberkeitserziehung
Erst gegen Ende des zweiten Lebensjahrs ist das kindliche Nervensystem so weit entwickelt, dass es dem Gehirn mitteilen kann: Die Blase ist voll. Doch nur wenige Kinder beginnen bereits in diesem Alter, Stuhl- und Harndrang zu kontrollieren. Wann ein Kind „trocken“ wird, bestimmt es weitgehend nicht einmal selbst. Sie als Eltern sollten in dieser Frage keinen Ehrgeiz entwickeln. Druck auszuüben oder stets enttäuscht zu sein, weil andere Kinder bereits hin und wieder mal aufs Töpfchen gehen, schadet nur. Wie in vielen anderen Entwicklungsfragen ist beim Trockenwerden die Bandbreite der Normalität sehr groß. Es muss spüren können, dass seine Blase voll ist. Das heißt, sein Gehirn muss entsprechende Signale entschlüsseln können. Beim Darm ist das leichter, weil sich der Druck langsamer aufbaut. Erfahrungsgemäß ist erst ab vier Jahren die vollständige Blasenkontrolle möglich. Bei vielen Kindern dauert es länger. Das Kind muss abschätzen können, wie lange es vom ersten Impuls „Die Blase ist voll“ bis zum Töpfchen braucht.
Sozialverhalten
Im zweiten Lebensjahr ist die Bindung zu den Eltern, insbesondere zur Mutter, noch sehr ausgeprägt. Vor allem in der Nacht treten häufig Verlustängste auf. Achten Sie daher besonders in dieser Zeit darauf, ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Sie sollten nicht befürchten, Ihr Kind zu verwöhnen, wenn Sie es beim Einschlafen begleiten oder gar ins Familienbett holen. Ihr Kind entwickelt jetzt zunehmendes Interesse an anderen, gleichaltrigen Kindern und versucht, Verhaltensweisen beim Spielen nachzuahmen. Zudem erfreuen sich erste soziale Spiele großer Beliebtheit. So hat Ihr Kind möglicherweise großen Spaß daran, einen Ball zu Ihnen zurückzurollen. Gegen Ende des zweiten Lebensjahrs werden Gegenstände nach bestimmten Merkmalen sortiert - eine gute Übung, um das logische Denken zu schulen.
Was im Gehirn beim Lernen passiert
In jedem Augenblick strömt eine Unmenge an Eindrücken und Wahrnehmungen aus dem Körper und über die Sinne zum Gehirn. Die Impulse werden in viele kleine Einzelteile zerlegt, die in spezialisierten Teilregionen des Gehirns verarbeitet werden. Die von dort ausgehenden "Botschaften" werden in größeren Bereichen des Gehirns interpretiert und miteinander verknüpft. An dieser Weiterverarbeitung ist vielfach auch das Gedächtnis beteiligt: Erkennen ist vor allem Wiedererkennen von Gleichem und Ähnlichem. Ferner werden mit Hilfe des Gedächtnisses unvollständige Eindrücke ergänzt. Schließlich müssen Körper und/oder Geist reagieren, Veränderungen vornehmen, Handlungen planen und durchführen. Insbesondere an hoch komplexen Abläufen sind somit viele Bereiche des Gehirns beteiligt.
Natürlich können nicht all die vielen Eindrücke und Wahrnehmungen, Lernerfahrungen und Informationen im Gehirn gespeichert werden. Vielmehr wird ausgewählt: Das Gehirn ignoriert bereits Bekanntes, unterscheidet Wichtiges von Unwichtigem, bildet Kategorien, Muster und Hierarchien, ordnet Ereignisse in sinnvollen Sequenzen, stellt Beziehungen zu anderen Daten her, fügt neu Gelerntes in bereits abgespeichertes Wissen ein. Ferner werden Eindrücke und Informationen leichter behalten, wenn sie mit Emotionen verknüpft sind, wenn sie neuartig, ungewöhnlich und besonders interessant wirken, wenn sie leicht in die vorhandenen Gedächtnisinhalte integriert werden können und wenn ein Lebens- bzw. Alltagsbezug gegeben ist. Dann wird die dem Gehirn inhärente "Faulheit" - das Bestreben, aufgrund des generell hohen Bedarfs Energie zu sparen - überwunden: Sind Informationen, Lernprozesse, Erinnerungen emotional bedeutsam, reizvoll und spannend, werden Botenstoffe wie Dopamin und Acetylcholin ausgeschüttet, verstärken die Aufmerksamkeit und intensivieren die Gedächtnisleistung. Emotional bedeutsames Wissen wird in der rechten Gehirnhälfte, neutrales Fakten- und Weltwissen in der linken Hemisphäre gespeichert.
Lernen und die Bildung von Verbindungen
Im Gehirn schlagen sich Denken und Lernen auf verschiedene Weise nieder: Bei jeder Interaktion zwischen Säugling bzw. Kleinkind und Umwelt reagieren zunächst Tausende von Gehirnzellen. Bestehende Verbindungen zwischen ihnen werden intensiviert, neue ausgebildet. Treten nun wiederholt ähnliche Eindrücke, Wahrnehmungen und Erfahrungen auf, schleifen sich bestimmte Bahnen ein. Das heißt, ähnliche Signale folgen zunehmend demselben Weg, der durch bestimmte, bei wiederholter Stimulierung stärker werdende chemische Signale in den Synapsen zwischen den Neuronen markiert wird. Haben diese Signale eine von Gehirnregion zu Gehirnregion unterschiedlich große Stärke erreicht, wird diese Bahn auf Dauer (bis in das Erwachsenenalter hinein) beibehalten. Viele zuvor benutzte Verbindungen - und die an ihnen beteiligten Neuronen - verlieren an Bedeutung; viele der kaum oder überhaupt nicht benutzten Nervenzellen werden sogar in den ersten Lebensjahren abgebaut. Die entlang der sich einschleifenden Bahnen liegenden Neuronen werden hingegen immer größer, d.h. sie bilden immer mehr Dendriten aus, die zudem länger werden und zu immer mehr anderen Nervenzellen führen. Zugleich wird das Gehirn auf eine bestimmte Weise organisiert - je nachdem, für welche Arten von Lernprozessen Neuronen und Nervenbahnen besonders oft aktiviert werden.
Individuelle Unterschiede und Förderung
Jedes Kind entwickelt seine geistigen Fähigkeiten auf seine Weise und in seinem eigenen Tempo. Es können sich jedoch auch deutliche Verzögerungen zeigen. Oft sind es Schwächen in anderen Entwicklungsbereichen, welche die Lernfähigkeit des Kindes beeinträchtigen. Bei manchen Kindern können auch genetische Ursachen oder eine organisch bedingte Schädigung des Gehirns in unterschiedlichem Maß die geistige Entwicklung beeinträchtigen.
Spielanregungen für Kleinkinder
Kleinkinder lieben Bewegungs- und Singspiele. Reime, einfache Melodien und Rhythmen zum Klatschen sind deshalb ideale Beschäftigungsmöglichkeiten beim gemeinsamen Spiel. Zur Beschäftigung Ihres Kleinkinds eignen sich außerdem:
- Steckspiele, bei denen Formen in vorgegebene Formen gesteckt werden
- Bauklötze und Bausteine
- Einfache Musikinstrumente
- Töpfe, Holzlöffel oder Ähnliches
- Schubladen und Kisten mit Alltagsgegenständen, die aus- und eingeräumt werden dürfen
- Naturmaterialien, wie Sand, Stöcke, Steine, Blätter etc.
Frühe Erinnerungen
Früheste Erinnerung mit etwa drei Jahren. Doch ab wann beginnen sich Kinder eigentlich zu erinnern? Fragt man Erwachsene nach ihrer frühesten Erinnerung, erzählen die meisten von einem Ereignis, das sie mit etwa drei Jahren erlebt haben. Etwa den Umzug der Familie in eine fremde Stadt oder die Geburt der kleinen Schwester. "Zwar gibt es eine große Variabilität, aber die meisten Menschen erinnern sich an etwas, das im dritten oder vierten Lebensjahr passiert ist", sagt Professor Dr. Manfred Spitzer, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Studien, an denen Thorsten Kolling mitgearbeitet hat, legen die Vermutung nahe, dass sie frühestens mit 18 Monaten fähig sind, sich an Erlebnisse zu erinnern. Bis zum sechsten Lebensjahr sind die Erinnerungen allerdings meist sehr bruchstückhaft. Erst mit dem Eintritt in die Schule haben Kinder eine beständigere Vorstellung von ihrer Vergangenheit.
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