Wie man die Zusammenarbeit der Gehirnhälften bei Kindern fördert: Ein umfassender Leitfaden

Einführung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das aus zwei Hälften besteht, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben. Die linke Gehirnhälfte wird oft als die analytische bezeichnet, während die rechte Gehirnhälfte als die ganzheitliche, kreative Gehirnhälfte gilt. Um das volle Potenzial des Gehirns auszuschöpfen, ist es wichtig, die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften zu fördern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick darüber, wie man die Zusammenarbeit der Gehirnhälften bei Kindern fördern kann, um ihre kognitiven Fähigkeiten, Konzentration und Lernfähigkeit zu verbessern.

Die Rollen der Gehirnhälften

Das Großhirn besteht aus zwei Hälften, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben:

  • Linke Gehirnhälfte: Zuständig für Einzelheiten, Zahlen, Buchstaben, Strukturen, Planung, Unterschiede, folgerichtiges Denken, Analyse, Buchstaben- und Satzkonstruktionen, motorische Sprachsteuerung, Verarbeitung von abstrakten Begriffen, Wahrnehmung von Details und zeitlichen Details.
  • Rechte Gehirnhälfte: Zuständig für Überblick, Bilder, Gefühle, Spontaneität, Ähnlichkeiten, gleichzeitiges Handeln und Denken, Intuition, Rhythmus und Dialekt.

Nach zahlreichen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass das Gehirnpotential optimiert werden kann, wenn beide Gehirnhälften eingesetzt werden. Das heißt, dass man gezielt die Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften trainieren sollte. Die Übungen und Bewegungsabläufe sind leicht zu erlernen - und zeigen große Wirkung.

Brain-Gym®: Gehirngymnastik für Kinder

Brain Gym umfasst eine Reihe von bewegungsbasierten Aktivitäten, die darauf ausgerichtet sind, kognitive Funktionen zu verbessern, die Konzentration zu steigern und die Gesamtleistung des Gehirns zu fördern. Diese Methode erweist sich als hilfreich für Menschen jeden Alters, insbesondere jedoch für Kinder und Jugendliche, indem sie das Lernen optimiert, Stress reduziert und die Aufmerksamkeit sowie Konzentrationssteigerung unterstützt.

Dr. Paul E. Dennison, promovierter Pädagoge, ist ein Pionier im Bereich der angewandten Gehirnforschung und Experte für kognitive Fähigkeiten. Seit vielen Jahren liegt ihm die Förderung von Kindern mit Lernstörungen, u.a. Legasthenie, am Herzen. In seinen Studien fand er heraus, dass viele Lernprobleme in eingeschränkten physischen Wahrnehmungsfähigkeiten lagen. Damit ist sowohl die Raumwahrnehmung (kinästhetische, akustische und visuelle Erfahrung bzw. Konstruktion von Raum) als auch die Organisationswahrnehmung gemeint. Dabei geht es um die Aufmerksamkeit und um strukturelle Probleme. Paul Dennison fand heraus, dass spezielle Bewegungsübungen Kinder befähigten, neue Wege zu gehen, und so selbstbewusst und selbstverantwortlich Vertrauen in das eigene Lernen entwickelten.

Lesen Sie auch: Meningitis bei Kindern: Vorbeugung

Sandra Weitkamp, eine erfahrene integrative Lerntherapeutin und BrainGym®-Instruktorin, bietet spezielle Kurse für Kinder und Erwachsene an, um die Konzentration und das Lernen zu erleichtern.

Brain-Gym-Übungen für den Alltag

Brain Gym-Übungen können leicht in Klassenzimmer oder Lernumgebungen integriert werden und dienen als eine einfache Methode, Bewegung und körperliche Aktivität zu fördern. Diese Übungen helfen nicht nur bei der Verbindung beider Gehirnhälften und der Verbesserung der Koordination, sondern steigern auch die Konzentration.

Dr. Paul Dennison betont, dass die Lernfähigkeit von Schülern abnimmt, wenn sie gestresst oder inaktiv sind und ihre Konzentrationsspanne überschritten wird. Brain Gym-Übungen lassen sich auf vielfältige Weise in den Alltag integrieren, um kognitive Verbesserungen zu fördern. Die Integration von Brain Gym-Übungen in den Alltag kann langfristige Vorteile wie verbesserte Konzentration, Gedächtnisleistung und emotionale Ausgeglichenheit mit sich bringen.

Für Eltern und Erzieher, die Brain Gym in den Alltag von Kindern und Jugendlichen integrieren möchten, bieten sich vielfältige Möglichkeiten, um die Konzentration und kognitive Fähigkeiten spielerisch zu fördern.

Beispiele für Brain-Gym-Übungen

  • Überkreuzbewegungen: Diese Übungen bringen das Gehirn in Schwung und fördern die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften. Beispiele hierfür sind:
    • Lege die rechte Hand ans linke Ohr.
    • Lege den linken Daumen an deine rechte Schulter.
    • Berühre mit deiner rechten Hand den linken großen Zeh.
    • Bei der Übung bewegen wir den rechten Arm und das linke Bein, den linken Arm mit dem rechten Bein gleichzeitig, d.h. die rechte Hand berührt das linke Knie, dann berührt die linke Hand das rechte Knie. Dabei geht der jeweils freie Arm so weit wie möglich nach hinten. Die Bewegungen sollten locker und ruhig durchgeführt werden. Es kommt darauf an, immer wieder die Mittellinie zu überqueren. Du kannst bei der Übung stehen, gehen oder hüpfen.
  • Die Denkmütze: Massiere deine Ohren mit Daumen und Zeigefinger, und zwar von oben nach unten und von innen nach außen. Das kannst du 10 - 15 Mal tun.
  • Gehirnknöpfe drücken: Daumen und Zeigerfinder der einen Hand reiben rechts und links neben dem Brustbein. Mit zwei Fingern der anderen Hand reibst du deinen Nabel. Nach einer Minute etwa wechselst du die Hände.
  • Die liegende Acht: Strecke deine Arme gerade nach vorne aus und mache damit die Bewegung einer liegenden Acht. Beginne dabei von der Mitte aus immer nach links oder nach rechts; folge mit den Augen der Bewegung deiner Arme. Beide Arme vor die Brust nach vorne bringen und die Hände falten. Dabei zeigen die Daumen nach oben. Kopf gerade halten. Von der Mitte aus bewegen wir unsere Arme nach links oben und formen eine liegende Acht. Die Augen folgen den Daumen, der Kopf bleibt ruhig. Ungefähr 8 x wiederholen. Jetzt einen Richtungswechsel vornehmen und rechts unten beginnen. Nach ungefähr 8 liegenden Achten nochmal nach links oben wechseln und weitere 4 liegende Achten fahren.
  • Energielenker: Hand vor den Hals legen und mit dem Daumen rechts und dem Zeige-und Mittelfinger links am Hals entlang nach unten fahren bis unterhalb des Schlüsselbeines. Da spürt man dann auf jeder Seite eine kleine Vertiefung. Die Finger massieren sanft die Vertiefungen. Die andere Hand liegt über dem Bauchnabel. Wer will, kann auch diesen mit der ganzen Hand massieren.
  • Krabbeln: Krabbeln fördert die gute Zusammenarbeit der linken und rechten Gehirnhälften.
  • Überkreuzklatschen: Durch das Überkreuzklatschen wird das Überkreuzen der Mittellinie spielerisch geübt.
  • Reime: Reime werden oftmals in der Sprachförderung eingesetzt. Sie sprechen die rechte Gehirnhälte, die für Rhythmus und Melodie zuständig ist an, sowie - durch das gesprochene Wort - die linke Hälfte, da diese hauptsächlich für die Sprache zuständig ist.

Weitere Methoden zur Förderung der Zusammenarbeit der Gehirnhälften

Neben Brain-Gym-Übungen gibt es noch weitere Methoden, die die Zusammenarbeit der Gehirnhälften fördern können:

Lesen Sie auch: Behandlung von Hirnhautentzündung bei Kindern

  • Musizieren: Das Spielen eines Instruments erfordert die gleichzeitige Aktivierung beider Gehirnhälften und fördert so deren Zusammenarbeit.
  • Tanzen: Tanzen fördert die Koordination, das Rhythmusgefühl und die Kreativität und aktiviert somit beide Gehirnhälften.
  • Zeichnen und Malen: Diese kreativen Aktivitäten fördern die Fantasie, die räumliche Vorstellungskraft und die Feinmotorik und aktivieren somit beide Gehirnhälften.
  • Sport: Sportliche Aktivitäten fördern die Koordination, die Konzentration und die Ausdauer und aktivieren somit beide Gehirnhälften.
  • Lesen: Lesen fördert die Sprachkompetenz, die Vorstellungskraft und das kritische Denken und aktiviert somit beide Gehirnhälften.
  • Spiele: Spiele, die strategisches Denken, Problemlösung und Zusammenarbeit erfordern, fördern die Aktivierung beider Gehirnhälften.

Die Bedeutung der motorischen Entwicklung

Die Verbindung zwischen motorischer Entwicklung und kognitiven Fähigkeiten ist stärker, als wir lange Zeit angenommen haben. Die motorische Entwicklung in den ersten Lebensjahren ist weit mehr als nur das Erlernen von Bewegungsabläufen. „Wenn ein Kind eine Entwicklungsstufe überspringt oder zu kurz durchläuft, fehlen wichtige neuronale Verbindungen“, erklärt die Entwicklungskinesiologie. Jede dieser Phasen bildet die Grundlage für spätere Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben oder mathematisches Verständnis.

Nicht nur die kognitiven Fähigkeiten sind betroffen. Auch emotionale Aspekte sind eng mit der motorischen Entwicklung verknüpft. Die Frage „Möchte ich wirklich einen Schritt nach vorne gehen?“ hat sowohl eine physische als auch eine emotionale Dimension. Eine der wirksamsten Methoden ist das bewusste Nacherleben der natürlichen Entwicklungsbewegungen. Die Kinesiologie bietet spezifische Methoden, um Blockaden zu lösen und die Integration von Bewegungsmustern zu unterstützen.

Die Verbindung zwischen motorischer Entwicklung und kognitiven Fähigkeiten wird durch zahlreiche Studien bestätigt. Viele Brain Gym®-Übungen basieren auf natürlichen Entwicklungsbewegungen. Um Kinder mit Lernschwierigkeiten professionell zu unterstützen, ist fundiertes Wissen über die motorische Entwicklung unerlässlich.

Ja, dank der Neuroplastizität des Gehirns ist es möglich, auch im Erwachsenenalter noch Entwicklungslücken zu schließen. Für nachhaltige Erfolge empfiehlt sich eine tägliche, kurze Übungszeit von 5-10 Minuten. Die Integration der motorischen Entwicklung kann eine sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Therapie sein. Die motorische Entwicklung bildet das Fundament für lebenslanges Lernen. Statt nur an den Symptomen zu arbeiten, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und die grundlegenden Bewegungsmuster zu integrieren.

Stressreduktion durch Bewegung

Häufige Stressfaktoren für Grundschüler können z.B. Leistungsdruck, soziale Interaktionen, familiäre Probleme oder Ängste sein. Durch diese Stressfaktoren können Kinder Anzeichen von Angst, Schlafstörungen, Unruhe und Konzentrationsproblemen zeigen. Bewegung kann dazu beitragen, diesen Stress zu reduzieren und die psychische Gesundheit von Kindern zu verbessern.

Lesen Sie auch: Behandlung der Hirnhautentzündung im Kindesalter

Hier sind einige Wege, wie Bewegung helfen kann, den Stress von Kindern zu reduzieren:

  1. Verbessert die Stimmung: Bewegung kann die Stimmung von Kindern verbessern, indem es Endorphine (Glückshormone) freisetzt. Dies kann ihnen helfen, stressige Situationen besser zu bewältigen.
  2. Verbessert die Konzentration: Bewegung kann dazu beitragen, die Konzentration von Kindern zu verbessern, indem es den Blutfluss und die Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert. Dadurch können Kinder aufmerksamer sein und sich besser konzentrieren.
  3. Verbessert das Selbstwertgefühl: Durch regelmäßige Bewegung können Kinder ihr Selbstwertgefühl verbessern und ein Gefühl der Leistungsfähigkeit entwickeln. Dadurch können sie besser mit Stresssituationen umgehen.
  4. Baut Stress ab: Bewegung kann dazu beitragen, Stresshormone wie Cortisol abzubauen. Dies kann Kindern helfen, ihre Stressreaktionen zu reduzieren und sich zu entspannen.
  5. Fördert soziale Interaktionen: Bewegung kann auch dazu beitragen, soziale Interaktionen zwischen Kindern zu fördern.

Kritik und Kontroversen

Die Wirksamkeit von Brain Gym-Übungen zur Verbesserung kognitiver Funktionen ist umstritten. Einige Studien deuten auf Vorteile hin, während andere argumentieren, dass die Vorteile möglicherweise auf einem Placebo-Effekt oder aufgrund erhöhter körperlicher Aktivität basieren. Trotz dieser gemischten Beweislage wurde in einer Studie von Silvia Konrad festgestellt, dass Brain Gym-Übungen dazu beitragen können, kognitive Prozesse zu automatisieren, um die intrinsische Motivation bei Schülern zu erhöhen.

Trotz der Kritik und Skepsis, mit denen Brain Gym konfrontiert ist, zeigen Studien, dass regelmäßige körperliche Aktivität kognitive Funktionen, einschließlich Aufmerksamkeit und Gedächtnis, verbessert und die Integration von Bewegung in den Klassenraum dazu beitragen kann, die Konzentration und akademische Leistung zu verbessern.

Die Bedeutung eines ganzheitlichen Gehirntrainings

Es ist wichtig zu betonen, dass ein ganzheitliches Gehirntraining effektiver ist, als nur die linke Gehirnhälfte zu trainieren. Nur die linke Gehirnhälfte zu trainieren, lohnt sich nicht und ist auch nicht wirklich umsetzbar, da beide Gehirnhälften miteinander vernetzt arbeiten. Ein ganzheitliches Training sollte daher immer das Ziel sein.

Am effektivsten dabei ist, ein wissenschaftlich belegtes Gehirntraining zu absolvieren, als zu versuchen, speziell die linke Hemisphäre zu verbessern.

tags: #kind #gehirnhalften #arbeiten #nicht #zusammen