Schwindel und Taubheitsgefühl sind Beschwerden, die bei Kindern und Jugendlichen auftreten können und Eltern verständlicherweise Sorgen bereiten. Obwohl diese Symptome in vielen Fällen harmlos sind und auf vorübergehende Ursachen zurückzuführen sind, ist es wichtig, die möglichen Ursachen zu kennen und bei Bedarf ärztlichen Rat einzuholen.
Schwindel bei Kindern: Ein Überblick
Schwindel bei Kindern kann in verschiedenen Formen auftreten und unterschiedliche Ursachen haben. Es ist wichtig, zwischen physiologischem und pathologischem Schwindel zu unterscheiden.
Physiologischer Schwindel
Physiologischer Schwindel ist eine normale körperliche Reaktion auf bestimmte Reize oder Situationen. Er tritt auf, wenn die Informationen, die die verschiedenen Sinnesorgane über die Lage des Körpers dem Gehirn vermitteln, nicht zusammenpassen. Dies kann beispielsweise bei Autofahrten, im Flugzeug oder auf Schiffsfahrten der Fall sein. Auch Höhenschwindel, der beim Blick aus großer Höhe ohne Fixpunkt auftreten kann, ist eine physiologische Körperreaktion. Die Symptome des physiologischen Schwindels verschwinden in der Regel von alleine, wenn der äußere Auslöser nicht mehr vorhanden ist.
Pathologischer Schwindel
Pathologischer Schwindel tritt ohne äußeren Auslöser auf oder ist viel zu stark im Verhältnis zum Auslöser. Er hat innere Ursachen, die in Krankheiten oder Verletzungen des Gleichgewichtsorgans im Ohr (vestibuläre Krankheiten) oder außerhalb des Gleichgewichtsorgans (nicht-vestibuläre Krankheiten) liegen können. Auch psychische Erkrankungen oder schwere psychische Probleme können zu Schwindel führen (psychogener Schwindel). Pathologischer Schwindel bedarf der medizinischen und/oder psychologischen Behandlung, da er die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt.
Ursachen von Schwindel bei Kindern
Die Ursachen von Schwindel bei Kindern sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:
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Kreislaufbedingter Schwindel
Eine häufige Ursache für Schwindel bei Kindern ist ein niedriger Blutdruck, der zu einer vorübergehenden Unterversorgung des Gehirns mit Blut führt. Dies wird als orthostatische Dysregulation bezeichnet und tritt häufig bei schnellem Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen auf. Der Körper kann das entstandene Ungleichgewicht in der Regel selbst ausgleichen, so dass der Schwindel nicht lange anhält. Gerade ältere Kinder und Jugendliche in der Pubertät sind aufgrund von Wachstumsschüben und hormonellen Veränderungen häufig von kreislaufbedingtem Schwindel betroffen.
Vestibulärer Schwindel
Vestibulärer Schwindel wird durch Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr oder des Gleichgewichtsnervs verursacht. Mögliche Ursachen sind:
- Lagerungsschwindel: Hierbei gelangen Steinchen aus dem Verteilungspunkt des Gleichgewichtsorgans in die Bogengänge, was zu kurzzeitigen Drehschwindelattacken bei Lagewechsel des Kopfes führt.
- Morbus Menière: Eine Erkrankung des Innenohrs und Gleichgewichtsorgans, die schubweise mit Hörstörungen und Drehschwindel-Attacken verläuft.
- Akute Vestibulopathie: Ein Ausfall des Gleichgewichtsorgans eines Ohres, der zu starkem Drehschwindel führt.
- Mittelohrentzündungen: Können das Gleichgewichtsorgan im Innenohr beeinträchtigen und Drehschwindel auslösen.
Neurologischer Schwindel
Neurologischer Schwindel kann durch Erkrankungen des Gehirns oder des Nervensystems verursacht werden. Mögliche Ursachen sind:
- Migräne: Eine häufige Ursache für Schwindel bei Kindern, insbesondere in Form von migräneassoziierten Schwindelsyndromen.
- Gehirnerschütterung oder Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Können zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen führen.
- Multiple Sklerose (MS): Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen können zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS) gehören.
Psychogener Schwindel
Psychogener Schwindel wird durch psychische Faktoren wie Angst, Stress oder Depressionen verursacht. Beim phobischen Schwindel verstärken sich Ängste und Schwindel in bestimmten Situationen. Auch ein Überaufmerksamkeitsschwindel, bei dem sich das Gehirn so intensiv mit dem Schwindelgefühl beschäftigt, dass es ihn selbst auslöst, kann psychisch bedingt sein.
Andere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für Schwindel bei Kindern sind:
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- Infektionen: Virale Infekte wie Windpocken können Schwindel auslösen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Schwindel verursachen.
- Chronische Vergiftungen: Können zu unspezifischem Schwindel führen.
- Sehstörungen: Können ebenfalls Schwindel verursachen.
- HWS-Schwindel: Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Verspannungen der Muskulatur aufgrund von Fehlhaltungen, eines Bandscheibenvorfalls oder gar ein Unfalltrauma können Schwindel verursachen.
Ursachen von Taubheitsgefühl bei Kindern
Taubheitsgefühl, auch bekannt als Gefühlsstörung oder Sensibilitätsstörung, kann bei Kindern verschiedene Ursachen haben. Es handelt sich dabei um eine Veränderung der normalen Empfindung, die sich als Kribbeln, Taubheit, Brennen oder andere unangenehme Gefühle äußern kann.
Neurologische Ursachen
- Multiple Sklerose (MS): Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen können zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS) gehören.
- Bandscheibenvorfall: Obwohl ein Bandscheibenvorfall in erster Linie eine orthopädische Erkrankung ist, kann die Kompression von Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche hervorrufen.
- Polyneuropathie: Bei dieser Schädigung der peripheren Nerven reagieren besonders die feinen Nervenenden in den Füßen und Händen empfindlich, wodurch erste Beschwerden oft dort beginnen.
- Parkinson: Neben den typischen Symptomen wie Muskelsteifigkeit, Bewegungsverlangsamung und dem charakteristischen Zittern können auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein diffuses Missempfinden auftreten.
- Migräne: Insbesondere bei einer Migräne mit Aura können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle frühe Anzeichen einer beginnenden Attacke sein.
Andere Ursachen
- Psychische Störungen: Gefühlsstörungen können auch Ausdruck psychischer Belastungen sein. Besonders bei Angstzuständen, Panikattacken oder chronischem Stress kann das vegetative Nervensystem überreagieren und körperliche Symptome hervorrufen.
- HWS-Schwindel: Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Verspannungen der Muskulatur aufgrund von Fehlhaltungen, eines Bandscheibenvorfalls oder gar ein Unfalltrauma können Gefühlsstörungen verursachen.
Symptome von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern
Die Symptome von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern können vielfältig sein und hängen von der jeweiligen Ursache ab.
Symptome von Schwindel
- Drehschwindel (Gefühl, dass sich der Raum dreht)
- Schwankschwindel (Gefühl, auf einem Schiff zu sein oder den Kontakt zum Boden zu verlieren)
- Liftschwindel (Gefühl, in einem Aufzug zu fahren)
- Benommenheit
- Taumeliges Gefühl auf den Beinen
- Schwarzwerden vor den Augen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Herzrasen
- Schweißausbrüche
- Gleichgewichtsstörungen
- Fallneigung
- Unsicherheit beim Gehen
- Kopfschmerzen
- Schwerhörigkeit
- Sehstörungen (z.B. Doppeltsehen)
- Schluckstörungen
- Kreislaufbeschwerden
- Benommenheit
Symptome von Taubheitsgefühl
- Kribbeln
- Taubheit
- Brennen
- Ameisenlaufen
- Verlust der Empfindung
- Muskelschwäche
- Schmerzen
Diagnose von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern
Die Diagnose von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, deren Verlauf, Auslösern und Begleiterscheinungen stellen. Je nach Verdacht können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln:
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Funktion von Nerven, Reflexen und Koordination.
- Internistische Untersuchung: Überprüfung der Kreislauffunktion, des Blutdrucks und der Herzstromkurve (EKG).
- Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung: Untersuchung des Gehörs und des Gleichgewichtsorgans.
- Orthopädische Untersuchung: Abklärung von Verspannungen und Fehlhaltungen der Halswirbelsäule.
- Neuropsychologische Untersuchung: Abklärung von psychischen Ursachen wie Überforderung, Angst oder Depression.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes erforderlich sein, um organische Ursachen auszuschließen.
Behandlung von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern
Die Behandlung von Schwindel und Taubheitsgefühl bei Kindern richtet sich nach der jeweiligen Ursache.
Allgemeine Maßnahmen
- Ruhe und Entspannung: Bei akuten Schwindelanfällen sollte das Kind sich hinlegen und die Beine hochlagern. Abrupte Bewegungen sollten vermieden werden.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend trinken, um den Kreislauf zu stabilisieren.
- Ausgewogene Ernährung: Ein nährstoffreiches Frühstück und eine ausgewogene Ernährung helfen, den Kreislauf in Schwung zu bringen.
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung an der frischen Luft stärken den Kreislauf und schulen den Gleichgewichtssinn.
- Vermeidung von Auslösern: Wenn bestimmte Situationen oder Reize Schwindel auslösen, sollten diese möglichst vermieden werden.
Spezifische Therapien
- Medikamentöse Therapie: Bei bestimmten Formen von Schwindel, wie z.B. Morbus Menière oder akuter Vestibulopathie, können Medikamente zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Bei psychogenem Schwindel können Antidepressiva oder angstlösende Medikamente hilfreich sein.
- Krankengymnastik und Bewegungstherapie: Gezielte Übungen können helfen, Defekte im Gleichgewichtsorgan auszugleichen und Schwindelanfällen vorzubeugen.
- Lagerungsmanöver: Beim Lagerungsschwindel kann der Arzt mit speziellen Lagerungsmanövern die Steinchen in den Bogengängen wieder in den Verteilungspunkt verlagern.
- Psychotherapie: Bei psychogenem Schwindel kann eine Psychotherapie helfen, die zugrunde liegenden psychischen Probleme zu bearbeiten.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn Schwindel oder Taubheitsgefühl durch eine andere Erkrankung verursacht wird, muss diese entsprechend behandelt werden.
Was Eltern tun können
- Ruhe bewahren: Bleiben Sie ruhig und vermitteln Sie Ihrem Kind Sicherheit.
- Symptome beobachten und dokumentieren: Achten Sie auf die Art, Häufigkeit, Dauer und Auslöser der Symptome. Führen Sie gegebenenfalls ein Schwindeltagebuch.
- Kind unterstützen: Helfen Sie Ihrem Kind, die Symptome genau zu beschreiben und zu verstehen.
- Arzt konsultieren: Suchen Sie einen Arzt auf, um die Ursache der Beschwerden abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
- Unterstützende Maßnahmen ergreifen: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.
- Psychische Unterstützung: Bieten Sie Ihrem Kind psychische Unterstützung an, insbesondere wenn psychische Faktoren eine Rolle spielen.
Wann zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:
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- Schwindel oder Taubheitsgefühl wiederholt auftreten oder über längere Zeit anhalten.
- Zusätzliche Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Sehstörungen oder Muskelschwäche auftreten.
- Der Schwindel nach einer Kopfverletzung auftritt.
- Der Schwindel plötzlich und heftig auftritt (Drehschwindel).
- Sie sich Sorgen um die Gesundheit Ihres Kindes machen.
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