Abruptes Absetzen von Parkinson-Medikamenten: Risiken, Nebenwirkungen und Empfehlungen

Das abrupte Absetzen von Parkinson-Medikamenten kann schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen, die mit dem plötzlichen Stoppen von Parkinson-Medikamenten verbunden sind, und gibt Empfehlungen für ein sicheres und schrittweises Absetzen.

Hintergrund: Parkinson-Medikamente und ihre Wirkung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Koordination und anderen Funktionen spielt. Parkinson-Medikamente zielen darauf ab, den Dopaminmangel auszugleichen und die Symptome der Krankheit zu lindern.

Zu den häufig verwendeten Parkinson-Medikamenten gehören:

  • L-Dopa (Levodopa): Wird oft mit einem COMT-Hemmer kombiniert, um den Abbau von L-Dopa zu blockieren und seine Wirkung zu verlängern.
  • Dopaminagonisten: Diese Medikamente aktivieren Dopaminrezeptoren im Gehirn und ahmen die Wirkung von Dopamin nach.
  • MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • COMT-Hemmer (z.B. Entacapon, Tolcapon): Diese Medikamente blockieren den Abbau von L-Dopa und verlängern so dessen Wirkdauer.
  • Anticholinergika: Diese Medikamente spielen eine untergeordnete Rolle in der Parkinson-Therapie und werden eingesetzt, um Tremor und Muskelsteifigkeit zu reduzieren.
  • NMDA-Antagonisten (z.B. Amantadin): Diese Medikamente wirken nicht direkt über Dopamin, sondern blockieren NMDA-Rezeptoren und können Zittern, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung verbessern.

Risiken eines abrupten Absetzens

Das plötzliche Absetzen oder eine Reduzierung der Dosis von Parkinson-Medikamenten, insbesondere L-Dopa, kann zu verschiedenen schwerwiegenden Nebenwirkungen führen:

  • Parkinsonismus-Hyperpyrexie-Syndrom (PHS): Dieses Syndrom ähnelt klinisch dem malignen neuroleptischen Syndrom. Es tritt 18 Stunden bis 7 Tage nach dem Absetzen auf und ist gekennzeichnet durch schweren Rigor, Fieber, Bewusstseinseinschränkungen bis zum Koma und vegetative Störungen wie Tachykardie und Hypertonie. Die Creatinkinase (CK) im Serum ist oft erhöht. PHS kann zu Rhabdomyolyse, akutem Nierenversagen, Aspirationspneumonie, tiefer Venenthrombose, Lungenembolie, Krampfanfällen und disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC) führen. Die Mortalität beträgt bis zu 4%, und etwa ein Drittel der Patienten erleidet irreversible Langzeitfolgen.
  • Verschlechterung der Parkinson-Symptome: Das Absetzen der Medikation kann zu einer raschen Verschlechterung der motorischen Symptome wie Zittern, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung führen.
  • Hyperpyrexie und Verwirrtheit: Diese Symptome ähneln dem malignen neuroleptischen Syndrom.
  • Dopaminagonistenentzugssyndrom (DAWS): Beim Absetzen von Dopaminagonisten wie Pramipexol können nicht-motorische Nebenwirkungen wie Apathie, Angst, Depression, Müdigkeit, Schwitzen und Schmerzen auftreten. Begrenzte Daten deuten darauf hin, dass das Risiko für ein DAWS bei Patienten mit Impulskontrollstörungen sowie bei Patienten unter hohen Tagesdosen und/oder mit hohen kumulativen Dosen von Dopaminagonisten erhöht sein kann.
  • Malignes Neuroleptisches Syndrom: Ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Zu den Symptomen zählen herabgesetzte oder fehlende Muskelbewegungen (Akinesie), Muskelsteifheit, Fieber, instabiler Blutdruck, erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie), Verwirrtheit und eingeschränktes Bewusstsein (z. B. Koma).

Empfehlungen für ein sicheres Absetzen

Aufgrund der potenziellen Risiken sollte das Absetzen von Parkinson-Medikamenten niemals abrupt erfolgen. Stattdessen wird ein schrittweises Vorgehen empfohlen, das unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt wird.

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  1. Ärztliche Beratung: Vor dem Absetzen oder der Reduzierung der Dosis sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Der Arzt kann den Patienten über die Risiken aufklären und einen individuellen Plan für das Absetzen erstellen.
  2. Schrittweise Reduktion: Die Medikamente sollten schrittweise reduziert werden, um dem Körper Zeit zu geben, sich anzupassen und Entzugserscheinungen zu minimieren. Pramipexol sollte beispielsweise schrittweise um 0,54 mg Pramipexol-Base (0,75 mg der Salzform) pro Tag reduziert werden, bis zu einer Tagesdosis von 0,54 mg Pramipexol-Base (0,75 mg der Salzform). Anschließend sollte die Dosis um 0,264 mg Pramipexol-Base (0,375 mg der Salzform) pro Tag reduziert werden.
  3. Engmaschige Überwachung: Während des Absetzens sollten die Patienten engmaschig auf Symptome einer Verschlechterung der Parkinson-Krankheit oder des Dopaminagonistenentzugssyndroms überwacht werden. Bei anhaltenden Symptomen kann es erforderlich sein, die Dosierung vorübergehend zu erhöhen.
  4. Anpassung der Begleitmedikation: Nach dem Absetzen von Tasmar® sollte die Antiparkinson-Medikation entsprechend der Befindlichkeit des Patienten erhöht werden. Als Richtwert für das Ausmaß der Dosiserhöhung dopaminerger Medikamente (zum Beispiel Levodopa und/oder Dopaminagonisten) kann die initiale Dosisreduktion von Levodopa und/oder dopaminerger Substanzen zu Beginn der Therapie mit Tasmar® dienen. Diese Dosisanpassung von Levodopa beziehungsweise eines Dopaminagonisten kann bereits kurz nach der Reduktion oder dem Absetzen von Tasmar® erforderlich sein, unter Umständen noch am selben Tag.
  5. Berücksichtigung von Risikofaktoren: Bei Patienten mit Impulskontrollstörungen, hohen Tagesdosen und/oder kumulativen Dosen von Dopaminagonisten ist besondere Vorsicht geboten, da sie ein erhöhtes Risiko für ein DAWS haben könnten.
  6. Ausschleichen: Einige Neurologen empfehlen, die Behandlung mit Tasmar® auszuschleichen. Wenn dieses Vorgehen bevorzugt wird, sollte in einem ersten Schritt die Einnahme der ersten Dosis von Tasmar® ausgelassen werden. Levodopa und/oder ein anderes Dopaminetikum sollte zu diesem Zeitpunkt erhöht werden. Sobald die Symptomatik des Patienten ausreichend stabilisiert ist, kann die zweite Dosis von Tasmar® ausgelassen und eine entsprechende Erhöhung der übrigen Antiparkinson-Mittel vorgenommen werden. Im nächsten Schritt kann die letzte Dosis von Tasmar® abgesetzt werden, gleichzeitig sollte die übrige Medikation wieder der Symptomatik entsprechend angeglichen werden. Der Zeitraum für das Absetzen von Tasmar® richtet sich laut Roche nach der Dauer, die der Patient nach jeder Dosisreduktion für die Stabilisierung seiner Befindlichkeit benötigt.
  7. Unterstützende Maßnahmen: Die Behandlung des PHS besteht außer in der Therapie der Komplikationen in der Gabe dopaminerger Medikamente (ggf. durch Magensonde oder i.v.) in der vorherigen Tagesdosis sowie in unterstützenden Maßnahmen wie Monitoring des zentralen Venendrucks, Fiebersenkung, Flüssigkeitszufuhr, Beatmung, prophylaktische Antibiotika-Gabe, Muskelrelaxanzien etc.

Zusätzliche Aspekte

  • Chlorprothixen: Obwohl Chlorprothixen kein typisches Parkinson-Medikament ist, kann es bei psychomotorischer Unruhe und Erregungszuständen eingesetzt werden. Auch hier ist ein abruptes Absetzen zu vermeiden, um Absetzsymptome wie Übelkeit, Schwitzen, Sensibilitätsstörungen, Schlafstörungen, Zittern oder Angst zu verhindern. Die Therapie sollte ausschleichend beendet werden.
  • Neuroleptika: Prinzipiell ist bei allen Neuroleptika mit Entzugsproblemen zu rechnen.

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