Klassische Homöopathie als Behandlungsansatz für Epilepsie

Epilepsie, oft als "Gewitter im Gehirn" bezeichnet, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland leben schätzungsweise 400.000 bis 800.000 Menschen mit dieser Diagnose. Trotz moderner Antiepileptika (AED) bleibt etwa ein Drittel der Betroffenen therapieresistent. Dies führt dazu, dass viele Patienten und ihre Angehörigen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden suchen. Die Homöopathie bietet hier einen potenziellen Ansatz, der jedoch differenziert betrachtet werden muss.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist keine einheitliche Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Zustände, die durch wiederkehrende, unprovozierte epileptische Anfälle gekennzeichnet sind. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, übermäßige elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Die Symptome epileptischer Anfälle sind vielfältig und hängen davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Man unterscheidet zwischen fokalen Anfällen, die nur einen Teil des Gehirns betreffen, und generalisierten Anfällen, die das gesamte Gehirn erfassen. Ein besonders gefährlicher Zustand ist der Status epilepticus, ein Anfall, der länger als 5 Minuten andauert oder mehrere Anfälle ohne Erholung des Bewusstseins dazwischen.

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. In etwa der Hälfte der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache identifizieren (idiopathische Epilepsie). Bekannte Ursachen können genetische Veranlagung, angeborene Fehlbildungen des Gehirns, Hirnschäden durch Verletzungen oder Entzündungen, Schlaganfall oder Stoffwechselstörungen sein.

Konventionelle Behandlung von Epilepsie

Die Standardtherapie der Epilepsie basiert primär auf Antiepileptika (AED), die die neuronale Übererregbarkeit dämpfen. Bei therapieresistenten fokalen Epilepsien kann ein epilepsiechirurgischer Eingriff helfen, bei dem das anfallsauslösende Hirngewebe entfernt wird. Trotz der Wirksamkeit der konventionellen Therapie brechen manche Patienten die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsstörungen ab und suchen nach Alternativen.

Die Homöopathische Behandlung von Epilepsie

Die Homöopathie ist eine alternative medizinische Heilmethode, die vor über 200 Jahren von Samuel Hahnemann begründet wurde. Sie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip, das besagt, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorruft, einen Kranken mit ähnlichen Symptomen heilen kann. Die Wirkung homöopathischer Arzneimittel beruht auf einem speziellen Zubereitungsverfahren, das Verdünnung (Potenzierung) und Verschüttelung bzw. Verreibung umfasst.

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Bei der homöopathischen Behandlung von Epilepsie stellt sich die Frage, ob die Erkrankung ausschließlich homöopathisch oder in Kombination mit konventionellen Antiepileptika behandelt werden soll. Die Therapiestrategie orientiert sich an der Anfallsform und der Anfallsfrequenz des Patienten. Generell sollte bei mangelndem homöopathischem Therapieerfolg eine zusätzliche, konventionelle antiepileptische Behandlung erfolgen. Die homöopathische Behandlung von Epilepsien darf nur von spezialisierten Therapeuten durchgeführt werden, die über fundierte homöopathische, neurologische und epileptologische Kenntnisse verfügen.

Der Homöopathische Ansatz

Es gibt kein homöopathisches "Epilepsie-Mittel". Das passende homöopathische Mittel findet der Homöopath anhand einer genauen Anfallsanamnese. Zu diesem Zweck werden der Patient und oft auch sein familiäres und therapeutisches Umfeld befragt. Für die individuelle Auswahl des passenden Arzneimittels sind besonders auffällige Symptome wichtig, die den Patienten von anderen Kranken mit derselben Diagnose unterscheiden. Unter Berücksichtigung aller vorliegenden Informationen verordnet der homöopathische Arzt ein Arzneimittel, das möglichst alle Aspekte der Anfallssymptome des Patienten repräsentiert, d.h., die größtmögliche Ähnlichkeit mit der individuellen Epilepsieerkrankung zeigt. Im Behandlungsverlauf kann es nötig sein, das homöopathische Mittel mehrmals zu wechseln, weil sich das Symptombild der Krankheit verändert hat.

Homöopathische Mittel bei Epilepsie

Einige der in der Homöopathie häufiger verwendeten Mittel bei Epilepsie sind:

  • Artemisia Vulgaris (Beifuß): Dieses Mittel wird oft bei Krampfzuständen eingesetzt, insbesondere bei Patienten mit einer Neigung zu Krämpfen, Epilepsie und Starre-Zuständen. Auslöser können vorhergehende Erregungszustände, Schreck oder Kummer, Menstruation, Schläge auf den Kopf und Zahnungsphasen sein. Charakteristisch ist ein reichlicher, übelriechender Schweißgeruch während der Krämpfe.

  • Hyoscyamus (Bilsenkraut): Hyoscyamus wird vor allem bei auffallenden Symptomen der Psyche und bei Störungen des zentralen Nervensystems verwendet, beispielsweise bei ADHS oder manischen Zuständen. Es soll sowohl Erwachsenen als auch Kindern helfen können. Typische Symptome sind Krämpfe der willkürlichen und unwillkürlichen Muskulatur, Ruhelosigkeit, Geschwätzigkeit, Eifersucht und Ängste.

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  • Bufo (Krötensekret): Auch Bufo ist in der Homöopathie ein bekanntes Mittel gegen Krampfanfälle, ebenfalls mit möglicher vorhergehender Reizbarkeit. Typische Auslöser wie bei Artemisia gibt es bei Bufo jedoch nicht. Allgemein verschlechtert sich bei Bufo die Situation in warmen Zimmern und beim Erwachen oder nachts.

  • Causticum: Wie bei Artemisia kann bei Jugendlichen in der Pubertät durch Schreck oder Erregung ein epileptischer Anfall ausgelöst werden, genauso zeigen sich Anfälle bei Frauen während der Menstruation. Besonders verschlechternd wirkt sich bei Causticum jedoch kalter, trockener Wind oder Erschütterungen beim Autofahren aus.

  • Cicuta: Cicuta hat wie Artemisia das charakteristische Kopfzucken. Der Kopf wird auf eine Seite gezogen oder verdreht. Allerdings betreffen die Krämpfe bei Cicuta oftmals auch zusätzlich den Rücken, der wie ein Bogen nach hinten zurückgebeugt ist.

  • Weitere Mittel: Nux vomica, Tuberculinum, Silicea, Pulsatilla und Calcium phosphoricum sind weitere homöopathische Mittel, die bei Epilepsie in Betracht gezogen werden können.

Begleitende Behandlung mit Antikonvulsiva

Bei vielen Epilepsie-Patienten, die homöopathisch behandelt werden, ist eine begleitende Therapie mit Antikonvulsiva nötig, wobei erfahrungsgemäß bei richtig gewähltem homöopathischem Arzneimittel eine Dosisreduktion der Antikonvulsiva möglich ist. Der Arzt wird jedoch die Dosierung nur herabsetzen, wenn klare Belege für den homöopathischen Behandlungserfolg vorliegen. Antikonvulsiva werden grundsätzlich schrittweise reduziert, andernfalls können Entzugsanfälle auftreten. Während der Reduktionsphase sollten EEG-Kontrollen durchgeführt werden.

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Erfolgsaussichten

Erfahrungsgemäß ist durch eine homöopathische Epilepsie-Behandlung eher mit einer Reduktion der Anfallsfrequenz und der Schwere der Anfälle als mit einer kompletten Anfallsfreiheit zu rechnen. Bei idiopathischen Anfällen (Anfälle ohne erkennbaren Grund) ist im Vergleich zu symptomatischen Anfällen (Anfälle mit bekannter Ursache wie z.B. ein Tumor) die Prognose besser.

Beispielhafter Behandlungsverlauf

Eine 22-jährige Patientin mit diagnostizierter Temporallappenepilepsie mit komplex-fokalen Anfällen lehnte die in der Universitätsklinik empfohlene antiepileptische Behandlung mit Lamotrigin ab und entschied sich trotz des Hinweises der Neurologin auf die Unwirksamkeit der Homöopathie für eine alleinige homöopathische Behandlung. Vor Behandlungsbeginn traten durchschnittlich 15 Anfälle pro Monat auf. Das erste homöopathische Mittel führte zunächst zu Anfallsfreiheit, Zunahme des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit. Im weiteren Verlauf traten drei leichtere Anfälle und nach zwei Monaten ein Grand-Mal-Anfall auf. Die erneut angeratene antikonvulsive medikamentöse Therapie lehnte die Patientin weiterhin vehement ab, so dass die homöopathische Therapie nach einem Mittelwechsel weitergeführt wurde. In den folgenden acht Monaten kam es zu einer Aura ohne folgenden Anfall und zu zwei nächtlichen Anfällen. Rückblickend konnte bei der Patientin unter ausschließlicher homöopathischer Behandlung in einem Behandlungszeitraum von zweieinhalb Jahren eine erhebliche Reduktion der Anfallsfrequenz erzielt werden.

Wichtige Hinweise zur Einnahme Homöopathischer Mittel

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 - D12. Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können.

Komplementäre Behandlungen

Neben der Homöopathie gibt es weitere komplementäre Behandlungen, die bei Epilepsie unterstützend eingesetzt werden können:

  • Vitamintherapie: Epilepsiepatienten weisen häufig Vitaminmängel auf, da viele Antiepileptika den Vitaminstoffwechsel beeinträchtigen. Besonders häufig sind Mängel an Vitamin B6, Vitamin E und Vitamin D3. Eine Normalisierung des Vitamin-D3-Spiegels kann die Anfallshäufigkeit reduzieren.

  • Akupunktur: Krankheiten entstehen aus Sicht der chinesischen Medizin häufig durch Blockaden der sogenannten Energieleitbahnen. Eine Therapie durch Akupunktur kann auch bei neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise zerebralen Anfallsleiden hilfreich sein.

  • Moxibustion: Beifuß wird auch als Moxakraut für die Moxibustion in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Bei der Moxibustion werden getrocknete Beifußfasern in kleinen Mengen verglimmt, um auf den Fluss des „Qi“ in den darunterliegenden Leitungsbahnen, auch Meridiane genannt, positiv einzuwirken.

Fazit

Die Homöopathie kann bei der Behandlung von Epilepsie eine unterstützende Rolle spielen, insbesondere bei der Reduktion der Anfallsfrequenz und der Schwere der Anfälle. Eine exakte schulmedizinische Diagnostik und Klassifikation der epileptischen Erkrankung ist jedoch immer Voraussetzung für eine homöopathische Behandlung. Die homöopathische Therapie sollte nur von spezialisierten Therapeuten durchgeführt werden, die über fundierte Kenntnisse in Homöopathie, Neurologie und Epileptologie verfügen. Bei mangelndem homöopathischem Therapieerfolg sollte eine zusätzliche, konventionelle antiepileptische Behandlung erfolgen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Homöopathie nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie verstanden werden sollte.

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