Migräne ist mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle von mäßigen bis starken Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen klassischer Migräne (Migräne mit Aura) und gewöhnlicher Migräne (Migräne ohne Aura) und bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Migräne?
Migräne (ICD-10 G43) gehört wie Spannungskopfschmerzen und die Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzformen zu den primären Kopfschmerzerkrankungen. Gemäß der 3. Auflage der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) ist Migräne als wiederkehrende Kopfschmerzerkrankung definiert, die sich in Attacken von 4 bis 72 Stunden Dauer manifestiert.
Typische Symptome einer Migräne
Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite des Kopfes. Meist werden sie als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Oft verstärken sie sich bei körperlicher Aktivität, manchmal schon bei kleinen Bewegungen. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Sie können bei manchen Kindern auch fehlen - ihnen ist hauptsächlich übel, sie müssen sich übergeben und ihnen ist schwindelig. Manche Menschen sind während der Anfälle auch sehr licht- und geräuschempfindlich. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an.
Klassische Migräne (Migräne mit Aura)
Die klassische Migräne, auch als komplizierte Migräne bezeichnet, beginnt mit einem Warnzeichen, der Aura. Diese Art von Migräne wird manchmal auch als "Migräne mit Aura" bezeichnet. Bei der Aura kommt es zu Veränderungen in der Art und Weise, wie Sie sehen. Sie können blinkende Lichter, Farben, ein Muster von Linien oder Schatten sehen.
Was ist eine Migräne-Aura?
Unter einer Migräne-Aura ist eine anfallsartige neurologische Störung zu verstehen, die sich vor allem in Sehbeschwerden äußert und normalerweise zwischen 5 und 60 Minuten andauert. Folgen mehrere Aura-Symptome aufeinander, kann sich die Dauer auch verlängern. Innerhalb einer Stunde nach Beginn der Aura setzen gewöhnlich die Kopfschmerzen ein.
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Aura-Symptome
Die Aura ist ein neurologischer Symptomkomplex, der in der Regel unmittelbar vor dem Kopfschmerz bei Migräne mit Aura auftritt, kann jedoch auch nach Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in die Kopfschmerzphase hinein fortsetzen.
- Visuelle Aura: Die visuelle Aura ist der häufigste Auratyp, der bei mehr als 90% der Patienten mit einer Migräne mit Aura zumindest bei einigen Attacken auftritt. Häufig stellt sie sich in Form eines Fortifikationsspektrums dar. Man versteht darunter eine Zickzack-Figur nahe dem Fixationspunkt, die sich allmählich nach rechts oder links ausbreitet, eine lateralkonvexe Form mit gezackter flimmernder Randzone annimmt und in ihrem Zentrum ein graduell unterschiedliches absolutes oder relatives Skotom hinterlässt. In anderen Fällen tritt ein Skotom ohne positive visuelle Phänomene auf, dessen Beginn oft akut beschrieben wird, bei genauerer Analyse aber doch eine allmähliche Größenzunahme aufweist. Bei Kindern und Jugendlichen treten weniger typische bilaterale visuelle Symptome auf, die eine Aura darstellen.
- Sensibilitätsstörungen: Nächsthäufiges Aurasymptom sind Sensibilitätsstörungen in Form von nadelstichartigen Parästhesien, die sich langsam vom Ursprungsort ausbreiten und größere oder kleinere Teile einer Körperhälfte einschließlich des Gesichtes und/oder der Zunge erfassen können. In der Folge dieser Sensibilitätsstörung kann ein sensibles Defizit zurückbleiben, es kann aber auch als alleiniges Symptom auftreten.
- Sprachstörungen: Weniger häufig sind Sprachstörungen, üblicherweise aphasische Störungen, die jedoch meist schwer einzuordnen sind.
Systematische Studien konnten zeigen, dass viele Patienten mit einer visuellen Aura gelegentlich auch Aurasymptome im Bereich der Extremitäten und/oder sprachbezogene Symptome haben. Umgekehrt scheinen bei Patienten mit Symptomen in den Extremitäten und/oder Symptomen im Hinblick auf Sprechen oder Sprache fast immer wenigstens bei einigen Attacken visuelle Aurasymptome aufzutreten.
Atypische Migräne-Aura
Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen. Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert.
Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne; „Retina“ ist der medizinische Begriff für Netzhaut. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.
Gewöhnliche Migräne (Migräne ohne Aura)
Eine gewöhnliche Migräne beginnt nicht mit einer Aura. Aus diesem Grund werden diese Arten von Migräne auch als "Migräne ohne Aura" bezeichnet. Eine gewöhnliche Migräne beginnt langsamer als eine klassische Migräne, dauert länger und beeinträchtigt die täglichen Aktivitäten stärker. Die Schmerzen einer gewöhnlichen Migräne können nur auf einer Seite des Kopfes auftreten.
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Symptome der Migräne ohne Aura
Migräne ohne Aura ist die häufigste Migräneform. Typische Kopfschmerzcharakteristika sind:
- einseitige Lokalisation
- pulsierender Charakter
- mäßige bis starke Intensität
- Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten
- begleitendes Auftreten von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmüberempfindlichkeit
Die Kopfschmerzen halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an.
Migräne ohne Kopfschmerzen (Stille Migräne)
Bei einer Migräne ohne Kopfschmerzen, die manchmal auch als "stille Migräne" bezeichnet wird, verspüren Sie möglicherweise andere Migränesymptome, aber keine Schmerzen. Das bedeutet, dass Sie möglicherweise nicht die üblichen Migräneschmerzen um Ihre Augen und Schläfen herum spüren. Diese Art von Migräne kann sogar eine Aura-Phase haben.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig entschlüsselt. Experten sind sich weitgehend einig, dass es nicht nur einen auslösenden Faktor gibt. Als relativ gesichert gilt eine genetische Komponente mit polygenetischer Disposition. Einige der betroffenen Gene spielen bei der Regulation neurologischer Schaltungen eine Rolle, andere beim oxidativen Stresslevel. Über welche biologischen Mechanismen die Mutationen eine Migräne im Detail begünstigen, ist bislang nicht geklärt.
Triggerfaktoren
Etwa 90 Prozent der Migräne-Patienten können als Auslöser der Kopfschmerzattacken interne oder externe Faktoren benennen. Diese Trigger sind von Mensch zu Mensch verschieden. Häufig werden Schlafmangel und Stress als migränefördernd angegeben, bei Frauen ist ein direkter Zusammenhang mit der Menstruation oder Ovulation zu beobachten. Auch sollen bestimmte Nahrungs- und Genussmittel (insbesondere Käse, Rotwein, Schokolade, Zitrusfrüchte, Nikotin, Coffein und Alkohol), Fasten oder Flüssigkeitsmangel einen Migräneanfall provozieren können.
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Weitere mögliche Auslöser
- Veränderung des Tagesrhythmus (bspw. Schlafmangel bzw. -überschuss)
- Hormonelle Schwankungen (Eine starke hormonelle Belastung oder Veränderung bspw. in der Schwangerschaft, während der Periode oder den Wechseljahren kann eine Migräne auslösen.)
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel bzw. Inhaltsstoffe können Migräne auslösen.
- Wetterabhängigkeit: Häufig treten Migräneanfälle auch bei bestimmten Wetterlagen auf. Genauer im Rahmen bestimmter Luftdruckverhältnisse.
Diagnose von Migräne
Die Migräne-Diagnose stützt sich auf die Anamnese und neurologische Untersuchung. Bei Kopfschmerzen mit ungewöhnlicher Klinik - etwa zum Ausschluss einer Subarachnoidalblutung - und bei Kopfschmerzen mit persistierenden neurologischen oder psychopathologischen Auffälligkeiten sind zusätzliche diagnostische Maßnahmen wie Laboruntersuchungen und insbesondere eine Bildgebung notwendig. Ein erstmalig auftretender Kopfschmerzanfall im Kindesalter muss ebenfalls differentialdiagnostisch abgeklärt werden.
Eine sichere Migräne-Diagnose kann erst nach mindestens fünf anamnestischen Migräneattacken gestellt werden. Der neurologische Untersuchungsbefund muss unauffällig sein.
Migräne Test
Obwohl eine sichere Migräne-Diagnose nur von einem Arzt gestellt werden kann, können Sie sich mithilfe einiger Fragen selbst beantworten, ob Sie unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden. Die nachstehenden Fragen können bereits erste Hinweise auf eine mögliche Diagnose geben. Falls Sie die folgenden Fragen überwiegend mit ja beantworten müssen, ist eine Migräne wahrscheinlich:
- Ist der Kopfschmerz einseitig?
- Sind die Kopfschmerzen pulsierend?
- Sind die Kopfschmerzen sehr stark?
- Verstärken sich die Kopfschmerzen durch Anstrengung?
- Leiden Sie unter Übelkeit?
- Leiden Sie unter Licht- und Lärmempfindlichkeit?
- Halten die Kopfschmerzen über mehrere Stunden oder Tage an?
Behandlung von Migräne
Grundsätzlich wird bei der Therapie von Migräne zwischen der Akuttherapie und Intervallprophylaxe unterschieden.
Akuttherapie
Bei akuten Migräneattacken wird eine möglichst frühzeitige Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) empfohlen, bei unzureichender Wirksamkeit und mittelschweren bis schweren Attacken die Anwendung von Triptanen. Letztere sind in verschiedenen Applikationsformen erhältlich, zum Beispiel als Schmelztablette, Nasenspray oder subkutane Injektion.
Leichtere Migräneanfälle
Bei leichten Migräneanfällen empfiehlt die aktuelle S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ die Einnahme von Acetylsalicylsäure und NSAR, auch kombiniert mit Coffein. Werden die Kopfschmerzen von vegetativen Reizsymptomen wie Nausea und Emesis begleitet, sollten die Analgetika zwingend mit antiemetischen Wirkstoffen kombiniert werden. Selbst Patienten, die keine Übelkeit zeigen, werden aufgrund der prokinetischen Wirkung Antiemetika nahegelegt, die idealerweise 10-20 Minuten vor den Analgetika eingenommen werden.
Empfohlene Analgetika
- Acetylsalicylsäure (ASS 1000 mg oder ASS 900 mg + MCP 10 mg p.o.)
- Ibuprofen (200/400/600 mg p.o.)
- Metamizol 1000 mg p.o. oder i.v.
- Diclofenac-Kalium 50 mg/100 mg p.o.
- Kombinationsanalgetika: 2 Tabletten ASS 250/265 mg + Paracetamol 200/265 mg + Coffein50/65 mg)
- Bei Kontraindikation von NSAR: Paracetamol 1000 mg oder Metamizol 1000 mg p.o
- Bei Übelkeit und Erbrechen empfehlen die Leitlinienexperten 10 mg Metoclopramid p.o. (ggf. supp.) oder 10 mg Domperidon p.o.
Migräneprophylaxe
Bestimmte Schlafgewohnheiten oder andere Verhaltensweisen können Migräneanfälle begünstigen. Worauf Menschen mit Migräne empfindlich reagieren, ist unterschiedlich. Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschehen ist, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat. Anhand der Aufzeichnungen können Zusammenhänge zwischen Anfällen und möglichen Auslösern deutlich werden. Außerdem zeigen die Tagebuch-Eintragungen, ob sich die Häufigkeit und Stärke der Migräne tatsächlich verringert, wenn man für eine Weile auf einen möglichen Auslöser wie zum Beispiel Rotwein verzichtet.
Manche Menschen probieren auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel oder Entspannungsverfahren aus, um ihren Migräneattacken vorzubeugen. Bei sehr starken oder sehr häufigen Migräneanfällen kommen auch Medikamente zur Vorbeugung oder eine psychotherapeutische Behandlung infrage.
Was hilft noch gegen Migräne?
Viele Menschen mit Migräne lindern Anfälle zunächst einmal mit allem, was ihnen persönlich aus Erfahrung guttut: Sie legen sich in einem ruhigen und dunklen Raum hin und bedecken die schmerzende Kopfseite vielleicht mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.
Selbsthilfemaßnahmen
- Ruhe und Dunkelheit: Legen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum.
- Kühlung: Bedecken Sie die schmerzende Kopfseite mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.
- Entspannungstechniken: Entspannungsverfahren wie autogenes Training können helfen, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen.
- Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten.
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren und vermeiden Sie Ihre persönlichen Triggerfaktoren.
Leben mit Migräne
Es gibt viele Menschen, deren Migräne so stark ist oder so häufig wiederkehrt, dass sie ihr tägliches Leben erschwert. Wiederholte Anfälle können sehr belastend sein; lange anhaltende Kopfschmerzen zehren an den Kräften. Viele Menschen mit Migräne sind während eines Anfalls kaum oder gar nicht in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten zu Hause und bei der Arbeit nachzugehen. Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration nimmt stark ab.
Psychologische Aspekte
Nicht nur die Beschwerden selbst können stark belasten und die Lebensfreude dämpfen, sondern auch die Angst vor erneuten Migräneanfällen und Sorgen, wie sich die Migräne beispielsweise auf Familie und Beruf auswirkt. Negative Gefühle und Gedanken können zudem zu einem Verhalten führen, das die Lebensqualität zusätzlich mindert: Etwa wenn man aus Furcht vor einem Migräneanfall Aktivitäten vermeidet, die einem eigentlich Freude bereiten.
Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, solche negativen Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Manche Menschen probieren diese Methode aus, um besser mit ihrer Migräne zurechtzukommen. Andere versuchen es mit Entspannungsverfahren wie etwa autogenem Training. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen.
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