Die Alzheimer-Demenz stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Konventionelle Therapieansätze konzentrieren sich oft auf die Symptomlinderung, während die Ursachen der Erkrankung unbeachtet bleiben. Die Alzheimer-Therapie nach Nehls (ATN) verfolgt einen systemischen, ganzheitlichen Ansatz, der darauf abzielt, die zugrunde liegenden Ursachen der Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium zu behandeln. Ein wichtiger Bestandteil dieser Therapie ist die Verwendung von mikrodosiertem Lithium, insbesondere in Form von Lithium-Orotat.
Die Grundlagen der Alzheimer-Therapie nach Nehls
PD Dr. med. Michael Nehls, ein Wissenschaftler und Alzheimer-Experte, geht davon aus, dass Alzheimer primär auf einer Störung der Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus beruht, der "Gedächtniszentrale für Erfahrungswissen". Anstatt lebenslang zu wachsen, schrumpft der Hippocampus bei Alzheimer-Patienten. Die ATN zielt darauf ab, die individuellen Ursachen für diese Wachstumsstörung zu identifizieren und zu beheben.
Die Therapie umfasst verschiedene Maßnahmen, darunter:
- Alzheimer-Diagnostik: Um festzustellen, ob es sich tatsächlich um den Beginn einer Alzheimer-Erkrankung handelt.
- Ermittlung der individuellen Risikofaktoren: Um die Ursachen für die Wachstumsstörung des Hippocampus zu identifizieren.
- Erstellung eines individuellen Therapieplans: Basierend auf den identifizierten Risikofaktoren.
- Hilfe bei der Anpassung des Lebensstils: Optimierung der Ernährung, des Bewegungsverhaltens, des Schlafs und anderer Faktoren.
Lithium als essentielles Spurenelement in der Alzheimer-Therapie
Lithium ist ein essentielles Spurenelement, das eine entscheidende Rolle für das mentale und körperliche Immunsystem spielt. Es unterstützt die Neurogenese im Hippocampus und reguliert entzündungsfördernde und -hemmende Botenstoffe. Trotz seiner Bedeutung wird Lithium in der EU nicht als Nahrungsergänzungsmittel anerkannt, was zu einer unzureichenden Versorgung der Bevölkerung führt. Die natürliche Lithiumzufuhr über die Nahrung ist oft zu gering.
Therapeutische Anwendungen von Lithium
Mikrodosiertes Lithium kann helfen, chronische Neuroinflammation zu verhindern und bestehende Teufelskreise zu durchbrechen, die zu Erkrankungen wie Depression, Alzheimer und Long-COVID führen können. Studien haben gezeigt, dass niedrige Lithiumdosen additiv zu Antidepressiva wirken können, insbesondere bei behandlungsresistenten Depressionen. Sie können die Wirksamkeit von Antidepressiva erhöhen und die Zeit bis zum Rückfall verlängern. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Low-Dose-Lithium neuroprotektive Eigenschaften hat, die das Gehirn vor Schäden durch neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson schützen könnten. Einige Kliniker setzen Low-Dose-Lithium zur Behandlung von Angststörungen und zur Verbesserung der Stressbewältigung ein, da es eine stabilisierende Wirkung auf die Stimmung haben kann.
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Antivirale Eigenschaften von Lithium
Lithium hat antivirale Eigenschaften und kann die Replikation von Viren, einschließlich Coronaviren, hemmen. Es wurde gezeigt, dass Lithium die Schwere von COVID-19-Infektionen reduzieren kann.
Lithium-Orotat: Eine überlegene Form der Lithium-Supplementierung
Lithium-Orotat ist eine besonders effektive Form der Lithium-Supplementierung, da es stabilere und höhere Konzentrationen im Gehirn erreicht. Es wird langsamer ausgeschieden und hat eine längere Halbwertszeit als andere Lithium-Salze. Lithium-Orotat bietet mehrere Vorteile gegenüber anderen Lithium-Salzen wie Lithium-Carbonat:
- Bessere Bioverfügbarkeit: Lithium-Orotat wird effizienter im Darm resorbiert und hat eine längere Halbwertszeit im Körper, was zu stabileren Lithium-Spiegeln führt.
- Höhere Konzentration im Gehirn: Aufgrund eines speziellen Transportmechanismus wird Lithium-Orotat besser über die Blut-Hirn-Schranke transportiert, was besonders vorteilhaft für die Behandlung von neurologischen und psychischen Erkrankungen ist.
- Geringere Dosierung erforderlich: Lithium-Orotat benötigt geringere Dosierungen, um die gleichen therapeutischen Effekte zu erzielen, was das Risiko von Nebenwirkungen reduziert.
- Weniger Nebenwirkungen: Aufgrund der niedrigeren erforderlichen Dosierungen sind die Nebenwirkungen von Lithium-Orotat im Vergleich zu anderen Lithium-Salzen deutlich geringer.
- Zusätzliche Vorteile von Orotat: Orotat selbst unterstützt die Gehirnfunktion und Gedächtnisleistung, was die positiven Effekte von Lithium-Orotat weiter verstärkt.
Zur Prävention und Behandlung von neuroinflammatorischen Zuständen wie Long-COVID und Post-Vac-Syndrom wird eine viel niedrigere Dosierung empfohlen. Eine tägliche Einnahme von etwa 115 mg Lithium-Orotat, was etwa 5 mg reinem Lithium entspricht, ist ausreichend. Diese Dosierung ist etwa 40-mal geringer als die bei der Behandlung bipolarer Störungen.
Bezug und Verordnung von Lithium-Orotat
Grundsätzlich kann jede Apotheke Lithium-Orotat in Form einer Rezeptur, die einzeln angefertigt wird, abgeben. Die Verordnung muss durch einen Arzt auf Rezept erfolgen. Dabei ist zu beachten, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich erst nach Eingang des Originalrezeptes hergestellt und versandt werden dürfen. Entsprechend muss ein Arzt die Kapseln mit je nach Bedarf 1 oder 5 mg Lithium in Form von Lithium-Orotat verschreiben, damit die Apotheke die entsprechende Rezeptur herstellen kann. Rezeptfrei ist nur der illegale Bezug über das Ausland. Davon ist dringend abzuraten, weil einerseits die Produktqualität nicht garantiert ist und weil bei therapeutischem Einsatz im niedrigdosierten Bereich eine ärztliche Beurteilung und Begleitung unerlässlich ist. Das gleiche gilt auch für über Youtube propagierte Herstellung einer Eigenherstellung.
Ablauf der Behandlung mit Lithium nach Nehls
- Fragebogen ausfüllen: Beantworten Sie Fragen zu vorliegenden Erkrankungen sowie Ihren Beschwerden, um mögliche Kontraindikationen auszuschließen.
- Termin zur Blutentnahme vereinbaren: Vor einer Lithiumtherapie sollte die Untersuchung eines Blutbildes, der Nierenwerte, der Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4), der Lithiumspiegel, sowie eine Vollblutmineralanalyse erfolgen. Optional ist auch die Analyse des Hippocampus-Wachstumsfaktors (BDNF) möglich.
- Ärztliche Diagnose: Nach ausführlicher ärztlicher Prüfung und Indikationsstellung erhalten Sie - falls medizinisch sinnvoll - und keine Kontraindikationen bestehen, ein Rezept für die Low-Dose Lithium-Therapie.
Wichtiger Hinweis: Die Kosten für die niedrig-dosierte Lithiumtherapie werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sowohl die Beratung und Behandlungsgebühren werden privat nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet.
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Weitere Aspekte der Alzheimer-Therapie nach Nehls
Neben der Lithium-Supplementierung umfasst die ATN weitere wichtige Aspekte, die auf eine umfassende Veränderung des Lebensstils abzielen:
Bewegung
Körperliche Aktivität ist entscheidend für die Stimulation der Neurogenese im Hippocampus. Regelmäßiges körperliches Ausdauer- und Krafttraining schützt vor Alzheimer und verringert das Fortschreiten der Erkrankung. Schon 40 Minuten tägliches schnelles Gehen können das Alzheimerrisiko um die Hälfte reduzieren.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und gesunden Fetten ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns. Es gilt, Mängel zu beheben und Entzündungen zu reduzieren.
Stressbewältigung
Chronischer Stress kann die Neurogenese im Hippocampus beeinträchtigen und die Produktion von Beta-Amyloid стимулиieren. Stressbewältigungstechniken wie Yoga, Meditation oder Entspannungsübungen können helfen, das Stressniveau zu senken.
Sinnerfülltes Leben
Die besondere Verantwortung älterer Menschen liegt darin, ihr Wissen und ihre Lebensweisheit an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Ein sinnerfülltes Leben mit sozialen Kontakten und geistiger Stimulation kann die kognitive Funktion erhalten.
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Das biologische Alzheimertherapiezentrum in Freiburg
Basierend auf den Erkenntnissen von Forschern wie Bredesen, Fife und Nehls wurde das erste biologische Alzheimertherapiezentrum in Freiburg gegründet. Dort werden Patienten und ihre Angehörigen mit einem ganzheitlichen Ansatz behandelt, der auf den Prinzipien der ATN basiert.
Kritik und Perspektiven
Die ATN stellt einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit dar. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Therapie nicht für jeden Patienten geeignet ist und eine sorgfältige ärztliche Begleitung erfordert. Zudem werden die Kosten für die Therapie in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.
Trotz dieser Einschränkungen bietet die ATN eine Hoffnung für Menschen mit Alzheimer und ihre Familien. Durch eine umfassende Veränderung des Lebensstils und die gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen der Erkrankung kann es gelingen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder sogar umzukehren.