Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das für Denken, Fühlen, Lernen und Handeln verantwortlich ist. Es besteht aus verschiedenen Regionen, darunter die Großhirnrinde für höhere kognitive Funktionen und das limbische System für Emotionen und Gedächtnis. Eine bemerkenswerte Eigenschaft des Gehirns ist seine Plastizität, die es ihm ermöglicht, sich im Laufe des Lebens anzupassen und zu verändern. Allerdings kann das Gehirn auch durch Alterung, traumatische Verletzungen, Krankheiten, Drogenmissbrauch und mangelnde Stimulation negativ beeinflusst werden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Gehirn zu schützen und seine Gesundheit zu fördern, wie z. B. eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, geistige Stimulation, ausreichend Schlaf, Stressbewältigung, soziale Interaktion und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
Parkinson ist eine der bekanntesten und häufigsten Bewegungsstörungen, bei der die Patienten unter Symptomen wie Zittern, verlangsamten Bewegungen, steifen Muskeln und Gleichgewichtsstörungen leiden. Die Behandlung zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Folgen zu lindern. Im deutschsprachigen Raum wird Parkinson auch als Schüttellähmung bezeichnet. Das Krankheitsrisiko steigt mit fortschreitendem Alter.
Was ist Parkinson? Definition und Ursachen
Bei der Parkinson-Krankheit sind bestimmte Hirnregionen erkrankt, was zu einer gestörten Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin führt, der für die Steuerung von Bewegungen notwendig ist. Dies verlangsamt Bewegungs- und Denkabläufe. Parkinson ist eine degenerative Erkrankung, bei der Gewebe oder Funktionen verloren gehen. Neben der Parkinson-Krankheit zählen das Restless-Legs-Syndrom (krankhaft unruhige Beine) und der essenzielle Tremor (Zittern als eigenständige Erkrankung) zu den häufigsten Bewegungsstörungen.
Auslöser einer Parkinson-Erkrankung ist eine Schädigung von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einem Dopamin-Mangel. Dieser Botenstoff ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt: Er überträgt Signale aus dem Gehirn auf andere Nervenzellen, die Bewegungen aktivieren oder hemmen. Bei den meisten Parkinson-Erkrankten ist die Ursache für die Zellschädigung im Gehirn unbekannt.
Parkinson-Symptome: Die Hauptanzeichen
Parkinson entwickelt sich langsam und schleichend, und die Symptome treten zu Beginn meist nur auf einer Körperseite auf. Zu den frühen Symptomen gehören:
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- Geruchsstörungen
- Stimmungsprobleme
- Gestörtes Farbensehen
- Ein verändertes Schlafverhalten
- Schmerzen und Missempfindungen
Die vier Hauptsymptome bei Parkinson sind:
- Muskelstarre (Rigor): Rigor bedeutet die Steifheit der Muskeln. Diese sind bei Parkinsonkranken dauerhaft angespannt, auch im Ruhezustand. Symptome wie ein Ziehen im betroffenen Bereich oder das Gefühl, bei jeder Bewegung gegen einen zähen Widerstand anzukämpfen sind typisch. Hauptsächlich betroffen sind die Nacken- und Schultermuskeln. Derdie Arztin kann die Muskelsteifheit anhand des Zahnradphänomens feststellen: Beim Bewegen von Extremitäten wie der Arme treten Widerstände auf und verschwinden wieder. Die Bewegung ist ruckartig, als würde sich ein Zahnrad bewegen.
- Bradykinese: Parkinson-Patientinnen mit einer Bradykinese bewegen sich langsamer. Sie gehen langsam und in kleinen Schritten und häufig nach vorne gebeugt. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung überhaupt zu starten. Auch Gestik und Mimik verändern sich bei der Bradykinese, das Gesicht wirkt maskenhaft. Die Betroffenen sprechen leise, monoton und undeutlich. Feinmotorische Fähigkeiten nehmen ab, so wird beispielsweise die Handschrift kleiner und unleserlich. Mit fortschreitender Krankheit kann es zu einer Akinese kommen, bei der die Bewegungen extrem verlangsamt sind oder derdie Betroffene teilweise völlig bewegungslos ist.
- Parkinson-Tremor (Muskelzittern): Typisch für die Parkinson-Krankheit ist das Zittern, das in Ruhe-Situationen auftritt (Ruhe-Tremor). Deshalb wird sie umgangssprachlich auch „Schüttel-Lähmung“ genannt. Meist fängt es in den Armen und Händen an, im späteren Verlauf zittern auch die Beine und Füße.
- Instabile Körperhaltung mit Neigung zu Stürzen: Bei Parkinson sind die Stell- und Haltereflexe gestört. Betroffenen fällt es schwer, sich stabil aufrecht zu halten. Sie sind unsicher beim Gehen und stürzen leichter.
Andere Anzeichen von Parkinson wie Stürze, Denk- und Gedankenstörungen zeigen sich hingegen verstärkt, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist. Neben den sichtbaren Anzeichen treten normalerweise auch nicht-sichtbare Parkinson-Symptome auf. Diese werden in vier Gruppen zusammengefasst:
- Neuropsychiatrische Störungen: Antriebsarmut, depressive Verstimmungen, Störungen der Impulskontrolle, des Denkens (etwa eine Verlangsamung) und der Gedanken (beispielsweise inhaltliche Einschränkungen, quälendes Grübeln)
- Schlafstörungen: Häufiges Erwachen, oft als Folge erhöhter Müdigkeit während des Tages
- Autonome Funktionsstörungen: Dadurch kann der Blutdruck schwanken oder die Patient*innen verlieren die Kontrolle über ihre Blase und den Darm.
- Sinnesstörungen: Etwa eine verminderte Fähigkeit, zu riechen und Farben wahrzunehmen, sowie Schmerzen
Häufige Parkinson-Symptome und was zu tun ist
Symptome, die Verhalten und Psyche betreffen
Manche Betroffene empfinden ihr Verhalten als verändert, sind seltener spontan, weniger motiviert, zeigen ein verringertes Interesse und eine verringerte Eigenleistung. Einige Patient*innen sind tagsüber häufig müde und leiden an Schlafstörungen. Auch Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsschwankungen einschließlich depressiver Symptome und Angst können auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen. Manchmal kommt es zu Halluzinationen und / oder Wahnerleben. Angstsymptome und Stress können bestimmte Bewegungsstörungen deutlich verstärken. Dann kann es zu Bewegungsblockaden und einer Fallneigung kommen. 35 bis 45 Prozent der Betroffenen leiden unter einer Depression, die damit ein wichtiges neuropsychiatrisches Symptom der Parkinson-Krankheit ist. Wenn Sie an sich selbst oder bei Angehörigen Warnzeichen wie Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen wahrnehmen, sollten Sie diese ernst nehmen und frühzeitig das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin suchen.
Schluckstörungen
Die Bewegungsstörungen, die durch eine Parkinson-Erkrankung hervorgerufen werden, können auch das Schlucken betreffen. Es ist daher wichtig, dass Sie Experte bzw. Expertin für Ihre eigene Erkrankung werden. Sie sollten genau wissen, welche Schwierigkeiten auftreten könnten. Dadurch sind Sie besser vorbereitet und können, wenn nötig, schneller und effektiver handeln. Bei Schluckstörungen sollten Sie in Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin logopädische Unterstützung suchen. Mit demder Logopädin lernen Sie beispielsweise Übungen für mehr Kraft und Beweglichkeit der Zunge. Sie bekommen Tipps, um das Schlucken beispielsweise durch eine Haltungsänderung zu fördern. Zusätzlich kann eine individuell angepasste Kost das Schlucken erleichtern und es sicherer machen, etwa mit weichen Speisen und angedickten Flüssigkeiten.
Geistige Leistungsfähigkeit
Vielleicht stellen Sie neben der Bewegungsstörung auch fest, dass Sie sich nicht immer gut konzentrieren können. Möglicherweise haben Sie das Gefühl, dass „alles nicht mehr so schnell geht“ und Ihr Kopf langsamer arbeitet. Einige Betroffene fühlen sich unsicher, wenn sie ein Fahrzeug steuern. Eventuell haben Sie auch das Gefühl, dass automatisierte Routinehandlungen im Alltag gut gelingen, während sich das Handeln und Planen in neuen, ungewohnten Situationen schwierig gestaltet. So mancher findet sich in einer neuen Umgebung schwer zurecht. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass Ihr Gedächtnis nachgelassen hat. All diese Symptome können bei einer Parkinson-Erkrankung auftreten. Sie verursachen häufig Schwierigkeiten im Alltag und rufen zwischenmenschliche Konflikte hervor. Dies stellt für viele Patientinnen eine große Belastung im Alltag dar. Helfen kann etwa eine neuropsychologische Therapie, bei der Patientinnen ihre Schwierigkeiten nennen und Sorgen äußern können. Wenn Sie geistige Einschränkungen feststellen, sollten Sie sich an Ihren Arzt oder an Ihre Ärztin wenden, damit eine geeignete Therapie begonnen werden kann.
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Risikofaktoren und Diagnose von Parkinson
Risikofaktoren für eine Parkinson-Erkrankung
- Lebensalter: Das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung steigt mit dem Lebensalter: Nur etwa vier Prozent der Betroffenen sind jünger als 51 Jahre. In der Altersgruppe über 65 Jahren leiden dagegen etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung daran. Wie entscheidend der Risikofaktor Alter ist, zeigt sich daran, dass bei Menschen über 50 Jahren das Risiko, an Parkinson zu erkranken, mit jedem Jahr um neun Prozent wächst.
- Genetische Vorbelastung: Bei bis zu 30 Prozent der Parkinsonkranken spielt eine genetische, also familiäre Vorbelastung eine Rolle.
Diagnose einer Parkinson-Erkrankung
Um die Diagnose Parkinson zu stellen, betrachtet derdie Arztin im Wesentlichen die klassischen erkennbaren Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln und Gleichgewichtsstörungen. Verschiedene Untersuchungen können bereits in der frühen Phase der Erkrankung dazu beitragen, die Diagnose zu sichern. Dazu zählt insbesondere das bildgebende Verfahren DAT-Scan. Damit lassen sich Störungen im Dopamin-Stoffwechsel zeigen.
Weiterführende Untersuchungen sind:
- Geruchstest
- Ergänzende neuropsychologische Untersuchungen wie Hirnleistungstests
- Schlafdiagnostik
- Elektrophysiologische Messungen der Nervenfunktion
- Laboruntersuchungen
- Zusätzliche bildgebende Verfahren
- L-Dopa-Test: Dabei erhält der Patient oder die Patientin versuchsweise das Medikament L-Dopa, das…
Lebenserwartung und Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Auch wenn Parkinson nicht heilbar ist, können geeignete Therapien zu einer hohen Lebensqualität auch im Alter beitragen. Mit einer optimalen Behandlung haben Parkinson-Patient*innen heute annähernd die gleiche Lebenserwartung wie nicht-erkrankte Personen.
Parkinson-Patienten werden mit einer Dopamin-Ersatztherapie behandelt. Eine wichtige Rolle spielen hier verschiedene Medikamente mit dem Wirkstoff Levodopa (L-Dopa), aber auch sogenannte Dopaminagonisten.
Symptome können dadurch gelindert und ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Die Ursache von Parkinson, das Absterben der Nervenzellen, wird damit aber nicht bekämpft. Bei vielen Patienten verkürzt sich im Laufe der Jahre die Wirkdauer der Medikamente, andere sprechen nicht mehr so gut darauf an. Weitere Medikamente können dann erforderlich werden. Alternativ kann eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden.
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Bewegung: Aktivität, Sport und Koordinationsübungen helfen, die Muskulatur zu erhalten sowie Gleichgewicht und Feinmotorik zu trainieren und zu stabilisieren.
Ernährung: Bestimmte Eiweiße, die in Fleisch und Milch enthalten sind, können die Aufnahme von Levodopa stören. Erkrankte sollten außerdem auf wenig Zucker und wenig gesättigte Fettsäuren achten.
Selbsthilfe: Viele Gruppen in Deutschland bieten Betroffenen und Angehörigen Austausch, Kontakt und Hilfe für das Leben und den Umgang mit der Parkinson-Erkrankung.
Aktuelle Forschung und zukünftige Therapieansätze
Verantwortlich für das Absterben von Nervenzellen in der sogenannten Substantia nigra ist das Protein Alpha-Synuclein, das sich dort übermäßig anlagert. In Studien, zuletzt in zwei klinischen Phase-2-Studien 2022, wurde versucht, diese Ablagerungen mit einer zielgerichteten Antikörper-Therapie zu reduzieren. Die Ergebnisse waren mit Blick auf Symptome und Krankheitsverlauf enttäuschend.
Die Therapie führte bei den Studienteilnehmern zu keiner Besserung. Weitere Versuche mit einer veränderten Dosierung der Antikörper sollen folgen. Einige Experten vermuten, dass der Ansatz, Ablagerungen zu reduzieren, zu kurz greift. Demnach müsste der Hebel früher angesetzt werden, damit Ablagerungen im Gehirn gar nicht erst entstehen.
Weitere Versuche, Parkinson zu heilen, werden im Bereich der Stammzellentherapie unternommen. Hier wird seit den 90-er Jahren und aktuell vor allem in Schweden, USA und Kanada versucht, Dopamin produzierende Neuronen aus Stammzellen zu züchten. Ziel ist es, abgestorbene Nervenzellen und deren Dopaminproduktion durch Zelltransplantation zu ersetzen. Erste Ergebnisse sind vielversprechend. Das Verfahren ist aber noch nicht in einer Phase, die eine Heilung von Parkinson in Aussicht stellt.
Ein anderer Weg könnte die Gentherapie sein. Hier werden aktuell verschiedene Möglichkeiten geprüft, zum Beispiel Gene für bestimmte Enzyme in das Gehirn zu injizieren, die die Nervenzellen anregen, Dopamin zu produzieren. Ein anderer Ansatz: Dopamin produzierende Nervenzellen im Gehirn wieder wachsen zu lassen. Mithilfe der Gentherapie und einem Protein könnte es auch gelingen, schädliche Abläufe in den Nervenzellen zu stoppen. Noch recht neu ist der Ansatz, lebende Nervenzellen genetisch direkt zu verändern und in Dopamin produzierende Zellen umzuwandeln.
Robert Franz: Ein möglicher Erfahrungsbericht (hypothetisch)
Es liegen keine Informationen über Robert Franz' persönliche Erfahrungen mit Parkinson vor. Es ist wichtig zu beachten, dass die Erfahrungen mit Parkinson sehr individuell sind und von Person zu Person unterschiedlich sein können.