Migräne und steifes Gesicht: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr als nur starke Kopfschmerzen verursacht. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Schmerzen im Gesicht, Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich. Ein steifes Gesicht kann ebenfalls im Zusammenhang mit Migräne auftreten, was die Diagnose und Behandlung erschweren kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für ein steifes Gesicht im Zusammenhang mit Migräne und bietet einen Überblick über verschiedene Therapieansätze.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine chronische Erkrankung, von der etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland betroffen sind. Die erste Migräneattacke tritt bei Frauen oft bereits zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr auf. Migräne ist nicht heilbar, aber sie kann so gut behandelt werden, dass die Lebensqualität der Betroffenen kaum eingeschränkt wird.

Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen können bei einer Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten diese unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen.

Ursachen für Gesichtsschmerzen bei Migräne

Der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen lässt sich durch die Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv und dem großen Hinterhauptsnerv erklären. Der Trigeminusnerv ist für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig, während der große Hinterhauptsnerv am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.

Mögliche Ursachen für ein steifes Gesicht im Zusammenhang mit Migräne

Ein steifes Gesicht kann verschiedene Ursachen haben, die im Zusammenhang mit Migräne stehen können:

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  • Verspannungen der Gesichtsmuskulatur: Migräne kann zu Verspannungen der Muskulatur im Kopf-, Nacken- und Gesichtsbereich führen. Diese Verspannungen können sich als Steifheit im Gesicht äußern.
  • Trigeminusneuralgie: Eine Trigeminusneuralgie kann unvermittelt auftretende Gesichtsschmerzen verursachen, die von leichten Stichen bis hin zu plötzlich einschießenden oder stechenden Schmerzen reichen. Diese Schmerzen können durch eine leichte Stimulation des Gesichts ausgelöst werden, beispielsweise beim Make-up auftragen, Zähne putzen oder einer einfachen Berührung des Gesichts.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): CMD beschreibt eine Funktionsstörung im Kausystem, also im Bereich des Kiefergelenks und der umgebenden Muskulatur. Wenn das Kiefergelenk nicht richtig funktioniert, kann dies weitreichende Auswirkungen haben. CMD kann Schmerzen im Kiefer verursachen, aber auch Probleme, die weit über den Mundbereich hinausgehen und den gesamten Kopf betreffen. Die Muskulatur des Kiefers ist eng mit den Muskeln im Gesicht, Kopf und Nacken verbunden. Ist das Kiefergelenk durch Fehlfunktionen oder Fehlstellungen belastet, überträgt sich diese Spannung auf benachbarte Muskelgruppen. Dies kann zu Verspannungen im Kopfbereich führen und Kopfschmerzen oder Migräne auslösen.
  • Fazialisparese: Eine plötzlich auftretende Lähmung des Gesichts kann Ausdruck einer Funktionsstörung des Nervus facialis sein. Je nach Lage des Schädigungsortes könnten noch vermehrte Tränenausschüttung, intensivere Hörempfindung, Geschmacksstörungen oder verminderte Speichelproduktion auftreten. "Viele Patienten bemerken ein bis drei Tage vor der Facialisparese einen Schmerz hinter dem Ohr der gleichen Gesichtshälfte. Auch ein steifes Genick oder Schmerzen im Kiefergelenk können vorkommen", wird Dr.
  • Sinusitis: Eine weitere Ursache für Gesichtsschmerzen kann laut Ärzteblatt auch eine Sinusitis sein. Andere Symptome sind Gesichtsschwellungen und ein Druckgefühl im Bereich der Augen und Wangen sowie Ohrenschmerzen, Mundgeruch und Fieber. Da die Wurzeln Ihrer oberen Backenzähne sehr nahe an der Nasennebenhöhle liegen, werden Schmerzen bei einer Sinusitis oft mit Zahnschmerzen verwechselt.
  • Zahnprobleme: Ein abszedierter Zahn verursacht schwere, anhaltende und pochende Zahnschmerzen. Bei einem Abszess handelt es sich um eine Infektion, die auftritt, wenn Bakterien den Nerven- und Blutgefäßbereich Ihres Zahns erreichen. Zu den Symptomen gehören pochende und anhaltende Schmerzen, ein schlechter Geschmack im Mund, Schwellungen im Gesicht, gerötetes Zahnfleisch und Fieber. Eine trockene Alveole, auch als Alveolitis Sicca bezeichnet, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die entsteht, wenn sich das Blutkoagulum, dass sich nach der Extraktion eines Zahnes im Zahnfach bildet, nicht richtig entwickelt oder verloren geht. Die Symptome ähneln einem Abszess - starke Schmerzen, Schwellungen, schlechter Geschmack im Mund und Fieber.
  • Herpes Zoster (Gürtelrose): Nachdem Ihr Körper in der Kindheit wahrscheinlich gegen die Windpocken gekämpft hat, schlummert das Varizella-Zoster-Virus an bestimmten Nerven Ihres Körpers weiter und erhöht im späteren Leben Ihre Anfälligkeit für Herpes Zoster (Gürtelrose). Bei Reaktivierung verursacht das Virus starke Schmerzen und Kribbeln auf einer Seite Ihres Körpers sowie Bläschenausschlag, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Eine Gürtelrose kann die Nerven in Ihrem Gesicht beeinträchtigen und schlaffe Augenlider, steife Gesichtsmuskeln, Hörverlust sowie Seh- oder Geschmacksstörungen verursachen.
  • Kiefergelenksprobleme: Mit Ihrem Kiefergelenk können Sie Ihren Mund öffnen und schließen. Alles, was die ordnungsgemäße Funktion Ihres Kiefergelenks beeinträchtigt, kann Gesichtsschmerzen verursachen. Das gewohnheitsmäßige Knirschen oder Zusammenbeißen Ihrer Zähne kann sich auf Ihr Kiefergelenk auswirken, ebenso wie ein falsch ausgerichteter Biss. Gesichtsschmerzen und Kiefergelenksstörungen können auch durch Arthritis, Verletzungen und Luxationen verursacht werden.

Diagnose

Um die Ursache für ein steifes Gesicht im Zusammenhang mit Migräne zu finden, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und Häufigkeit der Kopfschmerzen, der Begleitsymptome und möglicher Auslöser.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Kopf-, Nacken- und Gesichtsbereich, um Verspannungen, Schwellungen oder andere Auffälligkeiten festzustellen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Funktion der Nerven im Gesichtsbereich, um eine Trigeminusneuralgie oder Fazialisparese auszuschließen.
  • Zahnärztliche Untersuchung: Der Zahnarzt untersucht die Zähne und das Kiefergelenk, um Zahnprobleme oder eine CMD zu erkennen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines steifen Gesichts im Zusammenhang mit Migräne richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Folgende Therapieansätze können in Betracht gezogen werden:

  • Akuttherapie der Migräne: Bei einer akuten Migräneattacke können rezeptfreie Wirkstoffe wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol helfen. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern.
  • Migräneprophylaxe: Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat.
  • Physiotherapie: Physiotherapie ist besonders hilfreich, um die Muskulatur im Kiefer- und Nackenbereich zu lockern. Therapeuten können gezielte Übungen zeigen, die den Muskeltonus senken und Verspannungen lösen.
  • Entspannungsübungen: Auch einfache Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken können den Stress reduzieren, der oft CMD-Symptome verstärkt. Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird.
  • Aufbissschienen: Eine individuell angepasste Aufbissschiene entlastet das Kiefergelenk und verhindert, dass die Zähne nachts aufeinandergepresst werden. Sie schützt die Zähne vor Abrieb und hilft, die Muskulatur zu entspannen, was Kopfschmerzen lindern kann.
  • Kieferorthopädische Maßnahmen: Wenn eine Zahnfehlstellung die Ursache für CMD ist, kann eine kieferorthopädische Behandlung helfen, den Biss zu korrigieren und die Spannung im Kiefer zu reduzieren. Dadurch werden die Kiefergelenke entlastet und das Risiko für Kopfschmerzen sinkt.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser und Verstärker von CMD. Durch Techniken zur Stressbewältigung wie Yoga, Meditation oder Atemübungen lässt sich der Stresspegel senken und die Muskelspannung verringern.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Liegen dem steifen Gesicht Grunderkrankungen wie eine Sinusitis, eine Trigeminusneuralgie oder eine Fazialisparese zugrunde, müssen diese entsprechend behandelt werden. Bei Infektionen können diese mit einem Virostatikum oder einem Antibiotikum behandelt werden.

Selbsthilfemaßnahmen

Zusätzlich zu den ärztlichen Behandlungen können Betroffene auch selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Regelmäßiges körperliches Training: Regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden.
  • Kühlende Umschläge: Lagern Sie Ihren Kopf etwas höher im Bett und legen Sie ein Kühlakku (nur mäßige Kälte) auf Ihre Stirn.
  • Pfefferminzöl: Tragen Sie wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Ihre Schläfen auf und kreisen Sie dort langsam in eine Richtung.
  • Ingwertee: Ein frischer Ingwertee kann auch Abhilfe schaffen.
  • Ruhe und Entspannung: Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer und sorgen Sie für ausreichend Ruhe. Versuchen Sie ruhig zu atmen.
  • Massagen: Massieren Sie mit zwei Fingern entlang des Schmerzpunktes.

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