Knotige Wurzeln: Ursachen und Behandlung von Fingergelenksarthrose

Die Fingergelenksarthrose, gekennzeichnet durch knotige Auftreibungen, Schmerzen und Kraftminderung, ist eine Verschleißerscheinung der Fingergelenke, die im Laufe des Lebens auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze dieser Erkrankung, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.

Einführung in die Fingergelenksarthrose

Die Fingergelenksarthrose ist eine degenerative Erkrankung, die durch den Abbau des Gelenkknorpels gekennzeichnet ist. Dieser Knorpelverlust führt zu einer ungleichmäßigen Belastung der Gelenkfläche, was wiederum zu Knochenneubildungen und Entzündungen führen kann. Die Erkrankung kann sich in verschiedenen Formen manifestieren, wobei die Heberden- und Bouchard-Arthrose zu den häufigsten zählen.

Ursachen der Fingergelenksarthrose

Die genauen Ursachen, warum bei manchen Menschen die Fingergelenke früher verschleißen als bei anderen, sind komplex und oft nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die zur Entwicklung einer Fingergelenksarthrose beitragen können:

  • Genetische Veranlagung: Fingergelenksarthrosen treten familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet.
  • Hormonelle Faktoren: Insbesondere bei der Heberden-Arthrose scheinen hormonelle Veränderungen, vor allem bei Frauen in und nach den Wechseljahren, eine Rolle zu spielen. Dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Hormonhaushalt und der Entstehung dieser Form von Fingergelenksarthrose hin.
  • Überbeanspruchung der Finger und Hände: Wiederholte, monotone Bewegungen, wie sie beispielsweise bei Handarbeiten oder feinmechanischen Tätigkeiten vorkommen, können zu einer übermäßigen Belastung der Fingergelenke führen. Auch wenn die Kräfte an den Fingergelenken nur relativ klein sind, kann es durch diese Belastung zu vermehrtem Verschleiß kommen.
  • Gelenkerkrankungen und Verletzungsfolgen: Fehlstellungen nach schlecht verheilten Knochenbrüchen, Verrenkungen oder Strecksehnenschädigungen können die Entwicklung einer Arthrose begünstigen. Auch Gelenkentzündungen oder ein Ganglion (Überbein) können das Risiko erhöhen.
  • Grunderkrankungen: Bestimmte Grunderkrankungen können ebenfalls zur Entstehung einer Fingergelenksarthrose beitragen.

Formen der Fingergelenksarthrose

Je nach Lage der Arthrose werden verschiedene Sonderformen unterschieden, die sich in ihrer Häufigkeit und Ausprägung unterscheiden:

  • Bouchard-Arthrose: Betrifft die Fingermittelgelenke und kommt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor. Sie fängt eher mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an, erst später kommen Schwellungen hinzu.
  • Heberden-Arthrose: Befällt vor allem die Fingerendgelenke, wobei Frauen etwa zehnmal häufiger darunter leiden als Männer. Sie beginnt oft mit der Verdickung der Fingerendgelenke, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen erst später dazu. Sie kann sich auch weiter ausbreiten und die anderen Fingergelenke, z. B. das Daumensattel- und Handgelenk betreffen.
  • Rhizarthrose: Arthrose des Daumensattelgelenks, die ebenfalls häufiger bei Frauen auftritt.

Symptome der Fingergelenksarthrose

Fingergelenksarthrosen machen sich durch Schmerzen, Bewegungs- und Krafteinschränkung bemerkbar. Je nach Form und Lokalisation können sie in unterschiedlicher Reihenfolge auftreten. Typische Symptome sind:

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  • Bewegungsschmerz, Druckschmerz, später auch Ruheschmerz an den Fingergelenken.
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, vor allem nach längerer Ruhe (Morgensteifigkeit).
  • Verminderung der Kraft in den Fingern und Händen.
  • Schwellung und knotige Auftreibung der Fingergelenke.

Fingergelenkarthrosen entwickeln sich sehr individuell - zwischen schmerzhaften, besonders aktiven Phasen gibt es auch beschwerdefreie Zeiten, die allerdings im Verlauf der Erkrankung meist immer kürzer andauern.

Diagnose der Fingergelenksarthrose

Häufig sind die Gelenkschwellungen sowie die Schilderung der Schmerzen und Beschwerden schon ein deutlicher Hinweis auf eine Fingergelenksarthrose. Fragen nach Arthrosefällen in der Familie, nach Handverletzungen und der beruflichen Tätigkeit runden das Bild ab. Bei der Untersuchung der Hand prüft die Ärzt*in dann jeden Finger einzeln auf Beweglichkeit, Schwellung, Schmerzen und die Zeichen einer Entzündung.

Die Diagnose wird in der Regel durch folgende Maßnahmen gesichert:

  • Klinische Untersuchung: Die Ärztin/der Arzt untersucht die Finger auf Beweglichkeit, Schwellung, Schmerzen und Entzündungszeichen.
  • Röntgenbilder: Hier zeigen sich die typischen Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten (Osteophyten) und Änderungen in der Struktur des gelenknahen Knochens (Verdichtungen).

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:

  • Rheumatoide Arthritis: Kann ähnliche Beschwerden verursachen und ihrerseits eine Gelenksarthrose begünstigen.
  • Tendovaginitis de Quervain: Eine Entzündung der Sehnenscheiden im Handgelenkbereich.
  • Handgelenksarthrose: Arthrose im Handgelenk, die ähnliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen kann.

Behandlung der Fingergelenksarthrose

Die Fingergelenksarthrose kann nicht geheilt werden, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen.

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Konservative Behandlung

Zunächst wird versucht, die Beschwerden mit konservativen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Neben der Schmerzbekämpfung ist dabei besonders der Erhalt oder die Verbesserung der Beweglichkeit der Finger von Bedeutung. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:

  • Physiotherapie: Im aktivierten, schmerzhaften Stadium sind vor allem Kälteanwendungen angezeigt, weil Kälte die Entzündung eindämmt. Manche Patient*innen profitieren auch von der Behandlung mit Reizstrom.
  • Schmerzmedikamente: Bei starken Schmerzen verordnet die Ärztin/der Arzt schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen oder Etoricoxib. Diese können in Tablettenform eingenommen werden, manche gibt es auch als Gel oder Salbe zum Einreiben.
  • Kortisonspritzen: Die Injektion von Kortison in den Gelenkspalt lindert die Schmerzen und dämmt die Entzündung ein. Problematisch ist allerdings, dass Kortison Knorpel, Knochen und Bänder dauerhaft schädigen kann, vor allem, wenn es wiederholt gespritzt wird. Aus diesem Grund raten Expert*innen von mehr als 2 bis 3 Wiederholungen meist ab.
  • Hyaluronsäure- und Orthokininjektionen: Sowohl das Einspritzen von Hyaluronsäure als auch von Orthokin wird von manchen Ärzt*innen auch zur Behandlung der Fingergelenksarthrose empfohlen.
  • Handbäder: Regelmäßige Handbäder können die Durchblutung fördern und die Schmerzen lindern.
  • Gezielte Bewegungsübungen: Spezielle Übungen helfen, die Beweglichkeit der Finger zu erhalten und die Muskulatur zu stärken.
  • Ergotherapie: Ergotherapeut*innen können individuelle Hilfsmittel und Strategien empfehlen, um den Alltag mit Arthrose zu erleichtern.

Operative Behandlung

Die operative Behandlung wird erst empfohlen, wenn die oben genannten Verfahren nicht greifen, d. h. die Schmerzen nicht beherrschbar sind oder die Bewegungseinschränkungen den Alltag stark erschweren. Es gibt verschiedene operative Möglichkeiten:

  • Denervation: Bei dieser Operation werden über mehrere kleine Schnitte bis zu zehn schmerzleitende Nervenäste der drei Handnerven durchtrennt. Die Muskelfunktion und das Gefühl an der Hand bleiben dabei erhalten.
  • Arthroskopische Behandlung: Im Rahmen einer Gelenkspiegelung kann die Ärztin/der Arzt den Knorpel glätten sowie entzündetes Gewebe und Knötchen entfernen. Diese Verfahren sind nur in relativ frühen Stadien der Arthrose erfolgreich.
  • Arthrodese (Versteifungsoperation): Bei starken Beschwerden wird die komplette Versteifung des Fingergelenks in leichter Beugestellung empfohlen. Vor allem an den Fingerendgelenken, also bei der Heberden-Arthrose, ist dieses Verfahren angezeigt. Bei einer Versteifungsoperation entfernt die Handchirurg*in das zerstörte Gelenk über einen kleinen Hautschnitt und verbindet die beiden Restknochen mithilfe von Schrauben oder Drähten fest miteinander.
  • Fingergelenksprothese: Der Ersatz eines zerstörten Fingergelenks mit einer künstlichen Prothese kommt am ehesten bei Grund- und Mittelgelenkarthrosen in Frage. Voraussetzungen sind jedoch intakte Bandstrukturen, funktionierende Sehnen und ein ausreichend stabiles Knochengewebe, das die Prothesenschäfte halten kann.

Selbsthilfemaßnahmen und Vorbeugung

Neben den ärztlichen Behandlungen können Betroffene auch selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern und den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen:

  • Entlasten: Vermeiden Sie Überlastungen der Finger und Hände. Nutzen Sie Hilfsmittel wie elektronische Dosenöffner oder spezielle Flaschenöffner, wenn Ihnen das Öffnen und Schließen schwerfällt.
  • Fingerübungen: Machen Sie regelmäßig Knetübungen mit Sand, einem Küchenschwamm oder einem Squashball in lauwarmem Wasser, um die Beweglichkeit der Finger zu erhalten.
  • Physikalische Therapie: Wärmeanwendungen wie erwärmte Heublumensäckchen lindern die Beschwerden im chronischen Stadium. Bei einer aktivierten Arthrose ist Kälte besser geeignet.
  • Pflanzenheilkunde: Häufig eingesetzte standardisierte Pflanzenextrakte basieren auf Heilpflanzen, die sich v. a. durch stoffwechsel- oder durchblutungsfördernde sowie schmerzlindernde Wirkungen auszeichnen. Beispiele sind Brennnesselblätter, Ackerschachtelhalmkraut und Löwenzahn.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit entzündungshemmenden Lebensmitteln kann sich positiv auf den Verlauf der Arthrose auswirken.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel, wie Avocado-Soja-Öle, werden zur Unterstützung der Knorpelregeneration empfohlen, obwohl ihre Wirkung umstritten ist.

Handgelenksarthrose (Radiokarpalarthrose)

Die Handgelenksarthrose ist eine seltene, aber erheblich einschränkende Verschleißerscheinung des Handgelenks, die sich mit starken Schmerzen, angeschwollenem Handrücken und reduzierter Beweglichkeit der Hand bemerkbar macht. Ursachen sind z. B. alte Verletzungen oder Überlastungen, manchmal bleibt der Auslöser auch unklar. Die Handgelenksarthrose schreitet in der Regel unaufhaltsam fort.

Ursachen der Handgelenksarthrose

  • Fehlstellungen der Knochen nach Brüchen (Kahnbeinbruch, Speichenbruch) oder Bandverletzungen.
  • Überlastungen durch Zwangshaltung und/oder monotone Tätigkeiten.
  • Rheumatoide Arthritis, Gelenkentzündungen oder als Begleiterscheinung eines Ganglions (Überbeins) am Handgelenk.
  • Knochennekrosen von Handwurzelknochen, z. B. Morbus Kienböck
  • Angeborene Fehlstellungen des Gelenks.

Symptome der Handgelenksarthrose

  • Bewegungsschmerzen, später auch Schmerzen in Ruhe.
  • Schwellung im Bereich des Handgelenks und am Handrücken.
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung, v. a. nach längerer Ruhe (Morgensteifigkeit).
  • In fortgeschrittenen Stadien knotige Auftreibungen, Gelenkfehlstellungen und Gelenkversteifungen.

Behandlung der Handgelenksarthrose

Zunächst wird versucht, die Beschwerden mithilfe konservativer Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Neben der Schmerzbekämpfung ist dabei besonders der Erhalt (oder die Verbesserung) der Beweglichkeit des Handgelenks und der gesamten Hand von Bedeutung. Je nach Stadium der Erkrankung stehen folgende Therapien zur Verfügung:

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  • Physiotherapie: Hier sind im aktivierten, schmerzhaften Stadium vor allem Kälteanwendungen angezeigt.
  • Ruhigstellung: Bei sehr starken Schmerzen sollte das Gelenk kurzfristig ruhiggestellt werden.
  • Schmerzmedikamente: Bei starken Schmerzen verordnet die Ärztin/der Arzt schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen oder Etoricoxib.
  • Kortisonspritzen: Die Injektion von Kortison in den Gelenkspalt lindert die Schmerzen und dämmt die Entzündung ein.

Die operative Behandlung wird erst empfohlen, wenn die oben genannten Verfahren nicht greifen, d. h. die Schmerzen nicht beherrschbar sind oder die Bewegungseinschränkungen den Alltag erschweren. In Frage kommen dafür:

  • Handgelenksdenervation: Bei dieser Operation werden über mehrere kleine Schnitte bis zu zehn schmerzleitende Nervenäste der drei Handnerven durchtrennt.
  • Arthroskopische Behandlung: Im Rahmen einer Gelenkspiegelung kann die Ärztin/der Arzt den Knorpel glätten und entzündetes Gewebe entfernen.
  • Arthrodese (Versteifungsoperation): Bei starken Beschwerden wird die teilweise oder komplette Versteifung des Handgelenks in einer funktionsgünstigen Stellung empfohlen.
  • Handgelenksprothese: Das Einpflanzen einer Handgelenksprothese ist prinzipiell möglich, kommt aber nur in Betracht, wenn sämtliche Handwurzelgelenke von der Arthrose betroffen und schwer geschädigt sind.

Weitere Erkrankungen, die Handschmerzen verursachen können

Neben der Finger- und Handgelenksarthrose gibt es noch weitere Erkrankungen, die Handschmerzen verursachen können:

  • Morbus Dupuytren (Dupuytren-Kontraktur): Eine krankhafte Veränderung des Bindegewebes an der Hand, die zu knotigen Veränderungen und einer eingeschränkten Streckfähigkeit der Finger führt.
  • Karpaltunnelsyndrom: Eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) im Karpaltunnel, die zu Handschmerzen, Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen führen kann.
  • Morton-Neurom: Eine schmerzhafte mechanische Überlastung der Nerven unter den Mittelfußköpfchen, die zu brennenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen im Vorfußbereich führen kann.
  • Schnellende Finger: Entstehen durch kleine Verletzungen der Sehnen im Zuge von Fehlhaltungen und monotonen Bewegungsabläufen.
  • Gicht: Eine Störung des Purinstoffwechsels, die zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken und Geweben führt und starke Schmerzen verursacht.
  • Myositis: Hierbei entzünden sich Teile der Muskulatur. Das ist oft schmerzhaft, vor allem aber verlieren die Muskeln an Kraft.

Diagnose von Handschmerzen

Um die genaue Ursache für Handschmerzen festzustellen, ist eine sorgfältige klinische Untersuchung essenziell. Hierzu stehen verschiedene Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, Röntgen-, CT- oder MRT-Untersuchung zur Verfügung.

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