Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie ist durch eine Beschädigung der Nervenfasern gekennzeichnet, bei der die schützende Myelinschicht durch Entzündungen angegriffen wird, was zu einer fehlerhaften Informationsübertragung führt. Die MS ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Auch die häufig verbreiteten Vorurteile, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt, sind so nicht richtig.
Einleitung
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Erscheinungsbildern und entsprechend individuell ist die Therapie. Lange Zeit galt MS als eine Erkrankung des jungen Erwachsenenalters. Durch verbesserte Diagnosemethoden und eine gestiegene Lebenserwartung von MS-Patienten rückt die Erkrankung im höheren Lebensalter jedoch zunehmend in den Fokus. Dabei gilt es, die besonderen Herausforderungen und Aspekte der MS im Alter zu berücksichtigen.
Häufigkeit und Altersverteilung
Die ersten Symptome der MS zeigen sich oft im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Es können aber auch Kinder, Jugendliche und ältere Menschen eine MS entwickeln. Die Erkrankung tritt zumeist im jungen Erwachsenenalter auf. Typischerweise wird die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt - sie kann aber ebenso bei Kindern oder im höheren Erwachsenenalter erstmals auftreten. In Deutschland sind schätzungsweise 280.000 Menschen von MS betroffen. Jedes Jahr bekommen mehr als 15.000 Personen die Erstdiagnose Multiple Sklerose. Frauen sind von MS doppelt so häufig betroffen wie Männer. Erst kürzlich veröffentlichte Daten aus dem Deutschen MS-Register zeigen, dass von 40.428 MS-Kranken ca. 70 % jünger als 55 Jahre, 23 % 55 bis 64 Jahre und 7 % 65 Jahre oder älter waren. Im Mittel tritt eine Multiple-Sklerose Erkrankung bei älteren Menschen im Alter von 53,5 Jahren auf.
Multiple Sklerose im Alter: Eine wachsende Herausforderung
Zunehmend erreichen MS-Erkrankte in etwa ein Lebensalter wie Menschen, die nicht erkrankt sind. Im Alter kommt es im Verlauf zu einer Abnahme der Kraft, der Ausdauer sowie zu einer Zunahme von Behinderungen im Alltag - und somit zu einer Einschränkung der Teilhabe am Alltagsleben. Für ältere Erkrankte stellen sich zwei Herausforderungen: Zum einen durchlaufen sie den normalen Alterungsprozess mit all seinen Einschränkungen, zum anderen kommt die MS hinzu. Anders gesagt: Als Mensch mit MS muss man sehr genau hinschauen und mögliche MS-bedingte Beschwerden im Alter von anderen rein altersbedingten Einschränkungen abgrenzen. Die Prävalenz der Multiplen Sklerose bei älteren Menschen nimmt wegen einer verbesserten Früherkennung und auch wegen der erheblich verbesserten therapeutischen Möglichkeiten ständig zu. Die ärztliche und soziale Betreuung steht hier vor besonderen Herausforderungen.
Spät einsetzende Multiple Sklerose (LOMS)
Selten finden sich Menschen, die im Alter von über 50 eine MS erst neu entwickeln - möglich ist das aber auch. Dass eine MS sich zum ersten Mal in einem Alter nach 50 Jahren zeigt, ist selten, kommt aber vor. Diese macht einen Anteil von bis zu 5 % aller MS-Diagnosen aus. In einer ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichten Erhebung des United Kingdom MS-Registers hatten ca. 9 % der MS-Erkrankten spät (im oder nach dem 50. Lebensjahr) einsetzende erste Symptome. Im Mittel tritt eine Multiple-Sklerose Erkrankung bei älteren Menschen im Alter von 53,5 Jahren auf.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Unterschiede zur MS im jüngeren Alter
Die Symptome der Multiplen Sklerose im Alter können sich von denen bei jüngeren Menschen unterscheiden. Im Alter stehen eher Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen als Symptome einer Multiplen Sklerose im Vordergrund. Sehstörungen hingegen, dabei ist nicht die Rede von einer typischen altersbedingten Sehschwäche, treten im Alter bei neu an Multiple Sklerose Erkrankten seltener auf. Umso wichtiger sind eine gründliche neurologische Anamnese und Untersuchung. Bei älteren MS-Patienten sind MS-Medikamente manchmal nicht so wirksam wie bei jüngeren Menschen. Bei älteren Menschen erleichtern die Fortschritte der MRT-Diagnostik und der revidierten McDonald-Kriterien die Diagnosestellung.
Im höheren Alter erkranken mehr Männer als Frauen - das ist bei jungen Menschen umgekehrt. Sind bei der Gesamtpopulation durchschnittlich dreimal so viele Frauen wie Männer betroffen, so sind es bei der LOMS „nur noch“ doppelt so viele.
Im Vergleich zur MS mit Beginn im (früheren) Erwachsenenalter gab es einen geringeren Anteil an Frauen, einen höheren Anteil an primär progredienter MS, ein höheres Maß an Behinderung bei der Diagnose und einen höheren Anteil an Anfangssymptomen, die das Gehen betrafen. Ferner erhielten die in der Erhebung berücksichtigten Personen seltener hochwirksame krankheitsmodifizierende Therapien und erreichten schneller eine erhebliche Behinderung.
Diagnose der MS im höheren Lebensalter
Die international verwendeten Diagnosekriterien der MS (die sogenannten McDonald-Kriterien) gelten für alle Altersstufen. Ein wichtiger Diagnose-Baustein sind u.a. die Entzündungsherde in der Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns. Für eine MS-Diagnose müssen auch andere in Frage kommende Diagnosen, sogenannte Differenzialdiagnosen, d.h. Krankheitsbilder, die zu ähnlichen Erscheinungen wie bei der MS führen, in allen Altersstufen beachtet und, soweit möglich und sinnvoll, ausgeschlossen werden. Im Alter stellt dies jedoch eine besondere Herausforderung dar.
So kann die Abgrenzung, v.a. zu Gefäßerkrankungen, beispielsweise die kleinen Blutgefäße im Gehirn betreffend (die sogenannte Mikroangiopathie), problematisch sein. Denn im Alter steigt das Risiko für das Auftreten von Läsionen durch Gefäßerkrankungen - unabhängig von der MS - an. Auch bei einer MRT-Verlaufsuntersuchung muss jeweils beachtet werden, ob es sich um neue MS- oder evtl. gefäßbedingte Läsionen handelt.
Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann
Typische Merkmale einer späten MS-Diagnose
Beginnt die MS später, sind die Betroffenen häufiger als sonst männlich (Verhältnis Frauen zu Männern bei spät einsetzender MS 2 : 1 statt 3 : 1 bei allen MS-Betroffenen). Die Häufigkeit eines schubförmig-remittierenden Krankheitsverlaufs nimmt ab, die Personen haben häufiger eine primär progrediente MS, zeigen häufiger motorische Beschwerden und erreichen schneller eine Behinderung. Zu den Faktoren für eine schlechtere Prognose gehören ein erhöhtes Vorkommen von Begleiterkrankungen (sogenannte Komorbiditäten) wie Fettstoffwechselstörungen, der seltenere Einsatz und eine geringere Wirksamkeit krankheitsmodifizierender Immuntherapien, altersbedingte Abbauprozesse sowie die sogenannte Immunoseneszenz.
Immunoseneszenz: Veränderungen des Immunsystems im Alter
In der Altersgruppe von etwa 50 bis 60 Jahren sinkt langsam die Aktivität des Immunsystems (Immunseneszenz). Auch das ist Teil des ganz normalen biologischen Alterungsprozesses. Das ist z. B. Es stellt sich die Frage, ob sich die sinkende Aktivität des Immunsystems im Alter positiv auf das Fortschreiten der Krankheit auswirkt. Diese könnte möglicherweise durch das „schläfrige“ Immunsystem ausgebremst werden. Unter der Immunoseneszenz versteht man die veränderte Aktivität von Komponenten des angeborenen und erworbenen Immunsystems im Alter. Die Funktion des Immunsystems ist beeinträchtigt, lässt nach, was ein erhöhtes Risiko für Infektionen, aber auch für Krebserkrankungen nach sich zieht. Andererseits ist das Altern auch mit einem gewissen Maß an kontinuierlicher Entzündung verbunden. Gealterte Zellen des Immunsystems bewirken eine kontinuierliche Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen und ziehen somit weitere Immunzellen an (das sogenannte Inflammaging). Dies wiederum führt zu Gewebeschäden, aber auch zu einer geringen Regenerationsfähigkeit im Krankheitsprozess.
Therapie der MS im Alter
Die Therapie der MS stützt sich altersunabhängig auf die drei Säulen: Schubtherapie, symptombezogene Therapie sowie krankheitsmodifizierende Immuntherapie. Sie soll idealerweise zu einem kompletten Stillstand der Krankheitsaktivität in Form von Krankheitsschüben, Behinderungszunahme sowie MRT-Aktivität führen. Dieses Ziel wird jedoch leider oft nicht erreicht. Die heute verfügbaren Immuntherapien, die sich in Anwendung, Effektivität und Nebenwirkungsprofil deutlich unterscheiden, können dann die größten Effekte entfalten, wenn Zeichen entzündlicher Krankheitsaktivität, also Schübe und / oder MRT-Aktivität nachweisbar sind. Ältere Menschen mit MS haben jedoch häufig einen chronisch fortschreitenden Krankheitsverlauf, für den nur wenige Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.
Herausforderungen bei der Immuntherapie im Alter
In vielen Zulassungsstudien wurden Probandinnen und Probanden mit einem Alter über 55 Jahren nicht oder aber nur zu einem geringen Anteil eingeschlossen. Daher liegen nur wenige Daten zu Behandlung und zu Effekten, aber auch Nebenwirkungen der verschiedenen krankheitsmodifizierenden Therapien bei MS-Erkrankten über 55 Jahre bzw. keine Daten zu Personen über 65 Jahre vor. Trotz der daher geringen bis zum Teil fehlenden Evidenz für Immuntherapien im Alter aus Zulassungsstudien gibt es kaum Altersbeschränkungen. Der Einsatz von Immuntherapien im Alter stellt daher eine Herausforderung dar.
Studien konnten zeigen, dass es bei der MS im Alter zu weniger Schüben und auch seltener zu aktiven MRT-Läsionen kommt. Diese abnehmende entzündliche Krankheitsaktivität kann dazu führen, dass die Effektivität der vor allem bei entzündlicher Aktivität wirksamen Immuntherapien im Alter ebenfalls abnimmt, wie in mehreren Arbeiten gezeigt werden konnte. In den hierfür ausgewerteten Studien war jedoch die Anzahl der Behandelten mit einem Alter über 50 Jahren gering. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass im Alter die Anfälligkeit für Infektionen erhöht ist. Daher erfordert der Einsatz der derzeit verfügbaren krankheitsmodifizierenden Immuntherapien bei älteren MS-Kranken eine sorgfältige Abwägung des wahrscheinlichen Nutzens gegenüber den Risiken durch die Therapie.
Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick
Bedeutung von Komorbiditäten
Im Alter entwickeln die meisten Menschen eine oder mehrere Erkrankungen (Komorbiditäten), die die vielen Lebensjahre mit sich bringen - z. B. Dann ist ein genauer Blick auf die Therapie nötig, damit sich die verschiedenen Medikamente bei MS im Alter nicht gegenseitig negativ beeinflussen. Wichtig zu beachten ist außerdem, dass bei MS-Erkrankten im Alter auch zunehmend andere Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) wie Bluthockdruck, Herzerkrankungen, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes vorkommen, von denen z.B. Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht mit einem schlechteren Verlauf der MS verbunden sein können. Daneben gibt es MS-Präparate, deren Einsatz bei gewissen Begleiterkrankungen riskanter sein kann und die in einigen Fällen dann auch nicht oder nur unter strengen Kontrollen zum Einsatz kommen dürfen. Da es im Alter zu Veränderungen kommt, wie der Körper ein Medikament aufnimmt, verteilt, verstoffwechselt und schließlich ausscheidet, ferner wie ein Medikament auf den Körper wirkt, können andere Unverträglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen auftreten. Daher ist eine engmaschigere Überwachung im Alter notwendig.
Wann sollte eine Immuntherapie begonnen werden?
Trotz all dieser Fakten und Überlegungen ist es sehr wichtig zu betonen, dass der Umstand eines höheren Alters bei Auftreten der Erkrankung nicht dazu führen darf, dass bei einer aktiven MS keine Immuntherapie begonnen wird. Bei aktivem Verlauf der Erkrankung ist eine Immuntherapie unabhängig vom Alter anzuraten, die Auswahl muss neben der Aktivität der Erkrankung oben genannte Aspekte berücksichtigen. Hierbei handelt es sich immer um sehr individuelle Entscheidungen, in die MS-Kranke nach sehr ausführlicher und ggf. wiederholter Aufklärung mit einbezogen werden müssen.
Wann sollte eine Immuntherapie beendet werden?
Zur Beendigung einer krankheitsmodifizierenden Immuntherapie im Alter gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Aufgrund der oben genannten Aspekte (Nutzen versus Risiken einer Immuntherapie, Besonderheiten im Alter) stellt diese Frage, die in Expertengremien häufig diskutiert wird, eine große Herausforderung dar. Prinzipiell sind Immuntherapien im Falle einer guten Verträglichkeit und bei Stabilität der MS als Langzeittherapien zu sehen.
Die im letzten Jahr veröffentlichte „DISCOMS“-Studie untersuchte MS-Patienten, die mindestens 55 Jahre alt waren und unter einer kontinuierlichen Immuntherapie keinen Schub in den letzten fünf Jahren und keine MRTAktivität in den letzten 3 Jahren gehabt hatten. Studienteilnehmer, die die Therapie beendet hatten, zeigten häufiger eine Krankheits-Aktivität als diejenigen, die die Therapie fortgeführt hatten.
Wann eine Therapie im Alter abgesetzt werden sollte, dafür gibt es kein definiertes Alter und auch keinen allgemeinen Konsens. Nach Meinung des Autors dieses Artikels kann dies bei einem stabilen Krankheitsverlauf von über fünf Jahren unter einer Therapie der Wirksamkeitskategorie 1 ab dem etwa 60. Lebensjahr zusammen mit dem Patienten in Betracht gezogen werden. Dieses Alter ist eine nur sehr grobe Orientierung, viele individuelle Faktoren können eine Rolle spielen, die die Entscheidung beeinflussen.
Symptome und Beeinträchtigungen im Alter
Im Verlauf der MS können u. a. auch Funktionen der Kognition wie z. B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder etwa die Konzentration eingeschränkt sein. Das berichten etwa zwei Drittel der MS-Erkrankten. Der Grund sind die entzündeten oder geschädigten Nerven, die Informationen nicht mehr fehlerfrei übertragen können. Welche Fähigkeiten eingeschränkt sind, ist abhängig davon, welche Areale im Gehirn betroffen sind. Etwa zwei Drittel der MS-Erkrankten erfahren im Verlauf der Krankheit Einbußen im Bereich Gedächtnis. Das Symptom kann recht früh auftreten. Grund ist auch hier, dass Hirnareale entzündet sind, in denen beispielsweise das Gedächtnis seinen Platz im Gehirn hat.
Bei den Patienten über 50 Jahren überwiegen motorische Funktionsstörungen sowie zerebelläre Störungen und eine Störung des autonomen Nervensystems. Viele dieser Patienten benötigen eine Gehhilfe, um eine Strecke von 100 m zurücklegen zu können. Viele sind nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen. Viele dieser Patienten klagen über Spastiken, Ganzkörperschmerzen, Schlafstörungen und Harninkontinenz oder Harnverhalt. Nicht wenige dieser Patienten geben depressive Symptomatiken wie Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und eine innere Leere an. Nicht wenige haben dabei auch Suizidgedanken.
Eine Behinderung bei älteren MS-Patienten über 65 Jahren ist erheblich häufiger und ausgeprägter als bei jüngeren MS-Patienten. Damit geht eine massive Einschränkung im Alltag einher. Hinzukommt, dass viele der MS-Erkrankten im Alter alleine leben im Vergleich zu jüngeren MS-Erkrankten. Bei älteren MS-Patienten sind Toilettengänge häufiger, daher müssen sie nachts oft aufstehen, um die Toilette aufzusuchen, was nicht selten zu schweren Stürzen führt mit Oberschenkelhalsfrakturen und anderen Frakturen.
Komorbiditäten und Lebensqualität
Mit dem Altern steigt auch die Inzidenz chronischer Erkrankungen wie Arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sowie auch andere kardiovaskuläre Erkrankungen, den sogenannten Zivilisationskrankheiten. Mit höherem Lebensalter nimmt die Lebensqualität im Allgemeinen ab. Daher stehen zunehmend vielmehr die altersbedingten Erkrankungen im Fokus, die eine MS-Symptomatik verstärken können.
Für MS-Betroffene mit Komorbiditäten ist es wichtig, jede einzelne der Erkrankungen ernst zu nehmen und fest mit in das MS-Management einzubeziehen. Dabei sollten insbesondere psychische Erkrankungen nicht vernachlässigt werden. Ein umfassender Behandlungsansatz kann positive Auswirkungen auf die MS und die Lebensqualität der Betroffenen haben.
Natürliche Heilverfahren und unterstützende Maßnahmen
Es gibt verschiedene Verfahren aus der Naturheilkunde, von denen Sie als MS Patient:in profitieren können. Die physikalische Therapie mit Krankengymnastik, Massage und Bädern kann unterstützend bei vielen verschiedenen MS Symptomen zu einer Verbesserung beitragen. Weiterhin wirken Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend und können so das Voranschreiten der MS verlangsamen. Sie kommen beispielsweise in Leinöl und fettigem Fisch vor. Auch Kurkumin und Weihrauch sollen entzündungshemmend wirken, allerdings ist ihr Nutzen wissenschaftlich nicht ausreichend bestätigt. Gegen Depression bei MS kann das pflanzliche Mittel Johanniskraut helfen. Johanniskraut hat jedoch mit zahlreichen Medikamenten Wechselwirkungen. Die Einnahme muss deshalb unbedingt mit der behandelnden Ärztin abgesprochen werden. Weiterhin ist es bei MS vermutlich sinnvoll, auf einen normalen Vitamin D Spiegel im Blut zu achten und gegebenenfalls Vitamin D therapeutisch einzunehmen. Vitamin D Mangel ist an der Entstehung verschiedener Erkrankungen, darunter auch Autoimmunerkrankungen wie der MS, beteiligt.
Lebenserwartung und Prognose
Vor mehr als 30 Jahren ging man davon aus, dass die Lebenserwartung der MS-Patienten sich um 10 bis 15 Jahre verkürzen würde. Die Lebenserwartung hat sich jedoch bereits vor Einführung der modernen immunmodulatorischen Therapie verlängert - und sie nähert sich zunehmend der Lebenserwartung von gesunden Menschen. Durch bessere Möglichkeiten der Behandlung hat sich die Lebenserwartung und auch die Lebensqualität bei MS in den vergangenen Jahren erhöht. MS-Erkrankte sterben selten an der MS selbst. Neuere Beobachtungen zeigen auch, dass die häufigsten Todesursachen bei MS-Erkrankten denen von Nichterkrankten ähnlich sind. Sicher sagen lässt sich nicht, wie eine MS verlaufen wird. Neuere Zahlen weisen aber darauf hin, dass die Prognose einer MS deutlich besser ist als noch vor einigen Jahren.
tags: #multiple #sklerose #alter #haufigkeit