Postoperative Beinbeschwerden nach Hirnoperation: Ursachen und Behandlungen

Eine Operation am Gehirn kann, wie jede andere Operation auch, verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Dazu gehören auch Beschwerden im Beinbereich. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Beschwerden und stellt Behandlungsansätze vor.

Einführung

Nach einer Operation am Gehirn können verschiedene neurologische Ausfälle auftreten. Dazu gehören auch Beschwerden in den Beinen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Es ist wichtig, die Ursachen dieser Beschwerden zu verstehen, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Ursachen für Beinbeschwerden nach Hirnoperationen

Die Ursachen für Beinbeschwerden nach einer Hirnoperation können vielfältig sein:

Hypoxischer Hirnschaden

Ein hypoxischer Hirnschaden kann nach einem Kreislaufstillstand mit erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen auftreten. Sauerstoffmangel im Gehirn führt zum Absterben von Nervenzellen, insbesondere in den für Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen Bereichen. Dies kann zu Koordinations-, Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen führen, die sich in der Regel wieder zurückbilden, aber auch dauerhafte Schäden hinterlassen können.

Eingeklemmter Nerv

Ein eingeklemmter Nerv kann sich durch Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in Rücken, Arm oder Bein bemerkbar machen. Medizinisch gesehen handelt es sich meist um Druckschäden an Nerven, beispielsweise im Karpaltunnel am Handgelenk oder durch Bandscheibenvorfälle mit Nervenschädigungen.

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Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen des Nervensystems. Nach Operationen können Nervenschmerzen auftreten, die sich durch veränderte Hautsensibilität, Taubheitsgefühle und Schmerzattacken äußern. Diese Schmerzattacken können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend anfühlen. Ursachen können Schädigungen des Nervensystems während der Operation, Entzündungsprozesse oder Vorerkrankungen der peripheren Nerven sein.

Postoperatives Delir

Ein postoperatives Delir ist eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die nach großen Operationen oder schweren Erkrankungen auftreten kann. Es äußert sich durch plötzliche Verwirrung, Störungen des Denkvermögens, Desorientiertheit und Sinnestäuschungen. Manche Betroffene sind unruhig und aggressiv (hyperaktives Delir), andere verängstigt und in sich gekehrt (hypoaktives Delir).

Verletzungen der Nerven

Nerven sind verletzlich und können durch Schnitt-, Stichverletzungen oder Quetschungen beeinträchtigt werden. Je nach Ausmaß und Art der Läsion kann die Funktionsfähigkeit des Nervs eingeschränkt sein. Bei einer teilweisen Durchtrennung ist die Heilungsprognose besser als bei einer vollständigen Durchtrennung.

Diagnostik

Um die Ursache für Beinbeschwerden nach einer Hirnoperation zu finden, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich:

  • Neurologische Untersuchung: Ein Neurologe untersucht die Nervenfunktion und kann den Schweregrad der Schädigung bestimmen.
  • Bildgebende Verfahren: Mit Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) können die Blutgefäße, das Gehirn und die Nerven dargestellt werden, um Verengungen, Verschlüsse oder andere Schädigungen zu erkennen.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Diese Methode dient dazu festzustellen, ob die Nerven normal leiten.

Behandlung

Die Behandlung von Beinbeschwerden nach einer Hirnoperation richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

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Hypoxischer Hirnschaden

Die Behandlung zielt darauf ab, die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu verbessern und weitere Schäden zu verhindern. Dazu gehören die Stabilisierung des Kreislaufs, die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen. In der Rehabilitation werden die beeinträchtigten Funktionen durch Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie trainiert.

Eingeklemmter Nerv

Bei einem eingeklemmten Nerv können konservative Maßnahmen wie Schonung, Ruhigstellung, Schmerztherapie und Physiotherapie helfen. In einigen Fällen ist eine operative Entlastung des Nervs erforderlich.

Neuropathische Schmerzen

Die Therapie neuropathischer Schmerzen umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Medikamente wie Antikonvulsiva, Antidepressiva oder Opioide können die Schmerzen lindern. Nicht-medikamentöse Therapien wie warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Akupunktur, Physio- und Ergotherapie sowie Psychotherapie können ebenfalls hilfreich sein. In einigen Fällen sind invasive Therapien wie Nervenblockaden oder Neuromodulationsverfahren erforderlich.

Postoperatives Delir

Die Behandlung eines postoperativen Delirs zielt darauf ab, die Ursache zu beseitigen und die Symptome zu lindern. Wichtig sind eine ruhige Umgebung, eine gute Orientierung, die Vermeidung von Stress und die Einbeziehung von Angehörigen. In schweren Fällen können Beruhigungsmittel unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.

Verletzungen der Nerven

Bei Nervenverletzungen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu nähen oder zu transplantieren. Nach der Operation ist eine Ruhigstellung mit einem Gips erforderlich. Anschließend erfolgt eine Rehabilitation mit Physiotherapie und Ergotherapie, um die Nervenfunktion wiederherzustellen.

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Prävention

Einige Risikofaktoren für Komplikationen nach Hirnoperationen lassen sich beeinflussen:

  • Vor der Operation: Eine genaue Information des Patienten über die bevorstehende Operation, eine Medikamententoilette (Absetzen bestimmter Medikamente), die Behandlung von Flüssigkeitsmängeln und die Anpassung der Anästhesie können das Risiko für ein Delir reduzieren.
  • Nach der Operation: Eine frühzeitige Mobilisierung, eine ausreichende Schmerztherapie, ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus und die Einbeziehung von Angehörigen können die Genesung fördern und Komplikationen vermeiden.

Das Delir vorbeugen

Um das Delir-Risiko schon vorab zu minimieren, ist es gerade bei Risikopatientinnen (z.B. in hohem Alter oder mit Vorerkrankungen) wichtig, wenn möglich auf eine schonende Narkose zurückzugreifen. Je kürzer die Patientinnen in Narksose liegen, also weggetreten sind, desto besser.

Studien zeigen, dass die Behandlungsumgebung eine zentrale Rolle in Prävention und Therapie spielt. Alles, was Orientierung und Erinnerung bringt, hilft. Große, gut lesbare Uhren zum Beispiel, die neben der Uhrzeit auch den Wochentag und das Datum anzeigen. Um die Orientierung zu fördern, sollten Patientinnen unmittelbar nach der Operation wichtige Gegenstände, wie ihre Brille oder ihr Hörgerät zurückbekommen und zu viel Hektik und unnötiger Lärm vermieden werden. Außerdem hilfreich ist es, auf den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zu achten: Tagsüber werden die Patientinnen aktiviert, und nachts mit schlaffördernden Maßnahmen unterstützt.

Je genauer ein Patient über die bevorstehende Operation informiert ist, desto besser kann er sich darauf einstellen und gerät nicht so leicht „aus der Spur“ (lateinisch „de lira“). Die Vorgespräche sind daher wichtiger, als es im routinierten Klinikalltag scheint, wo im Schnelltempo die Einverständnis-Erklärung zur Unterschrift hingelegt wird. „Es sollten vorab die physiologischen Reserven des Patienten erfasst werden“, rät Prof. Spies. „Wer etwa unsicher geht, kann vor der OP ein Muskelaufbau-Programm bekommen, damit er sich anschließend leichter bei der Mobilisation tut.“ Sie empfiehlt nachzufragen, ob die Klinik ein Delir-Monitoring betreibt. „Schon im Aufwachraum sollte ein Screening gemacht werden“, so Prof. Spies, die an einer europäischen Leitlinie für Kliniken zur Vermeidung des Delirs mitgearbeitet hat. Es gibt einen einfachen Fragebogen (Nu-DESC), mit dem Angehörige ein Delir erkennen können (Formular unter anaesthesieintensivmedizin.charite.de/fuerpatienten/intensivstation/nudesc, mehr Infos auch beim Deutschen Delir-Netzwerk unter delir-netzwerk.de). Manchmal verringern schon kleine Maßnahmen die Gefahr. So sollten ältere Patienten vor der Operation maximal zwei Stunden ohne Flüssigkeit bleiben und am Vorabend möglichst kein Schlafmittel bekommen. Banal, aber oft vergessen: Brille oder Hörgerät zurückgeben, damit der Operierte sich in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden kann. Insgesamt bessert eine ruhige Atmosphäre das Delir. Manche Kliniken halten Intensivzimmer bereits frei von piepsenden Apparaten. Sehr wichtig sind die Angehörigen. „Da sein, Hand halten, zuhören“, so Prof. Spies. Bekannte Gesichter beruhigen, vertraute Bilder tun gut. „Teilen Sie es dem Pflegepersonal mit, wenn Sie Veränderungen im Verhalten bemerken“, rät sie. Ein Delir ist ein Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden.

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