Kollagenose, ZNS-Beteiligung und Schlafstörungen: Ursachen und Zusammenhänge

Kollagenosen sind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Kollagen angreift. Kollagen ist ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes und spielt eine wichtige Rolle für die Struktur und Elastizität von Haut, Sehnen, Bändern und Blutgefäßen. Die Ursachen scheinen vielfältig zu sein und sind nicht im Detail geklärt. Die Entwicklung der Krankheit ist beim einzelnen Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt.

Einführung in Kollagenosen

Kollagenosen, auch als Kollagenkrankheiten bekannt, sind systemische Bindegewebserkrankungen. Das Bindegewebe besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern, die von spezialisierten Zellen, den Fibroblasten, produziert werden. Diese Fasern geben dem Gewebe Festigkeit und Elastizität. Zu den Kollagenosen zählen unter anderem der systemische Lupus erythematodes (SLE), die Sklerodermie, die Dermatomyositis, das Sjögren-Syndrom und die gemischte Kollagenose.

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)

Der systemische Lupus Erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die eine Vielzahl von Symptomen verursacht und viele Organsysteme betreffen kann. Typische Symptome umfassen Gelenkschmerzen, Hautausschläge (insbesondere das charakteristische Schmetterlingsexanthem über den Wangen), Nierenprobleme, Herz- und Lungenbeteiligung sowie neurologische Störungen.

Eine Studie ergab, dass systemischer Lupus mit einem signifikant erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz verbunden ist. Das Risiko war dreifach höher als in der Vergleichsgruppe. Eine frühere Studie zeigte bei Lupus ein doppelt so hohes Risiko wie die Vergleichsgruppe. Die Autoren empfehlen, besonders bei Patienten mit einem früh einsetzenden unklaren kognitiven Abbau eine mögliche zugrundeliegende Lupuserkrankung abzuklären. Zu beachten ist, dass ZNS-Lupus auch heute noch nicht sicher diagnostiziert werden kann, weil bildgebende Verfahren häufig unauffällig sind. Umgekehrt sollte auch bei vermeintlichen "Burn out"-Symptomen mit Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen nicht nur an psychische Ursachen, sondern auch an die Möglichkeit einer früh beginnenden Demenz gedacht werden. Ursache bei Lupus-bedingter Demenz kann zum Beispiel eine vaskuläre Demenz oder ein Antiphospholipidsyndrom sein. Bei Lupus-bedingten kognitiven Störungen kann schon eine versuchsweise Gabe von 20 mg Prednison pro Tag über einige Tage hinweg einen Hinweis auf eine organische Ursache geben, wenn sich die kognitiven Symptome bessern.

Ursachen von SLE

Die genauen Ursachen von SLE sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen. Virusinfektionen können an der Entstehung der Autoimmunkrankheit Lupus beteiligt sein. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben herausgefunden, dass Botenstoffe des Immunsystems die Krankheit auslösen, wenn ihre Produktion nach überstandener Virusinfektion nicht wieder gesenkt wird. Bakterien, die über den Darm in die Leber eindringen, könnten an der Entwicklung einer krankhaften Abwehrreaktion des Immunsystems gegen körpereigene Gewebe beteiligt sein. Ein Auslöser der entzündlich-rheumatischen Krankheit systemischer Lupus erythematodes (SLE) etwa könnten Darmbakterien sein, die körpereigenen Strukturen ähneln.

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Diagnostik von SLE

Die Krankheitsaktivität sollte bei jeder Verlaufskontrolle mit einem standardisierten Aktivitätsscore erhoben werden. Ein Zustand niedriger SLE-Aktivität ("lupus low disease activity state" [LLDAS]) ist definiert als SLEDAI-2K = 4, PGA = 1 und keine neue Lupusaktivität bzw. das Fehlen von relevanter Organaktivität unter maximal 7,5 mg Prednisolon täglich sowie unter einer möglichen immunsuppressiven Erhaltungstherapie.

Therapie von SLE

Glukokortikoid-sparende Strategien sind anzuwenden. Es ist nicht notwendig, zuerst DMARDs zu verwenden, wenn Biologika bervorzugt verwendet werden können. Die Empfehlung des langsamen Ausschleichens der Basismedikation bei Lupus erythematodes statt eines abrupten Absetzens, um ein Wiederaufflackern der Krankheitsaktivität zu verhindern, ist aus der Erfahrung von Patienten her gesehen sehr sinnvoll.

Sklerodermie

Sklerodermie ist durch die Verhärtung und Verdickung der Haut gekennzeichnet, die durch eine übermäßige Kollagenproduktion verursacht wird. Es gibt zwei Haupttypen: die limitierte kutane Sklerodermie, die vorwiegend die Haut der Hände, Arme und des Gesichts betrifft, und die diffuse kutane Sklerodermie, die größere Hautbereiche und innere Organe wie Herz, Lunge und Nieren betreffen kann. Symptome umfassen Hautveränderungen, Gelenkschmerzen, Sodbrennen und Atemprobleme.

Die Systemische Sklerose (Sklerodermie) ist eine seltene Erkrankung, die zu den klassischen immunologischen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) zählt. Im Vordergrund steht die Verdickung und Verhärtung der Haut mit Vermehrung des Bindegewebes und eine Gefäßentzündung, von der weitere Organe wie die Lungen, der Verdauungstrakt und die Nieren betroffen sein können. Die Systemische Sklerose gehört zu den seltenen Erkrankungen, das heißt weniger als 50 Menschen sind auf 100.000 Einwohner erkrankt. Frauen erkranken viermal häufiger als Männer, meist im mittleren Lebensalter. Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Das Immunsystem arbeitet fehlerhaft und stimuliert die Fibroblasten, Zellen, die Bindegewebsfasern bilden. Zusätzlich wird das Endothel, die Innenschicht der Gefäße, geschädigt. Die typische Hautbeteiligung fängt meist an den Händen mit diffuser Schwellung, manchmal bläulicher Verfärbung, Hautverdickung und dem Gefühl eines zu engen Handschuhs an. Die Haut wird straffer, Hautfältelungen lassen sich schwer abheben. Oft ist auch das Gesicht betroffen. Dort kann die Hautverdickung die Mimik einschränken. Zudem können im Gesicht und im Dekolleté Teleangiektasien, kleine rot scheinende harmlose Gefäßchen, erscheinen. Auch eine verminderte Mundöffnung und Verkürzung des Zungenbändchens wird beobachtet. Prinzipiell können die Veränderungen überall an der Haut auftreten. Manchmal treten, vorwiegend in der Nähe der kleinen Gelenke, auch schmerzhafte Verkalkungen auf.

Dermatomyositis

Dermatomyositis ist eine entzündliche Erkrankung, die Haut und Muskeln betrifft. Sie führt zu Muskelschwäche, Hautausschlägen und manchmal zu Gelenkschmerzen und Fieber. Der Hautausschlag ist oft violett und betrifft Bereiche wie das Gesicht, den Hals und die Hände.

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Sjögren-Syndrom

Das Sjögren-Syndrom betrifft vor allem die exokrinen Drüsen, was zu trockenen Augen und Mund führt. Es kann jedoch auch andere Organe wie die Gelenke, Nieren, Lungen, Leber und das Nervensystem betreffen. Es ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem die Drüsen, die Tränen und Speichel produzieren, angreift, was zu einem Mangel an Feuchtigkeit in Augen und Mund führt. Weitere Symptome können Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Hautausschläge sein.

Das Sjöqren-Syndrom (S.) ist eine zur Gruppe der systemischen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) gehörende Erkrankung des Immunsystems mit unbekannter Ursache. Frauen sind davon neunmal häufiger als Männer betroffen. Das S. kommt als eigenständige Erkrankung (»primäres S.«) oder auch als Begleitgeschehen bei anderen Erkrankungen des Immunsystems vor, wie z.B. der rheumatoiden Arthritis oder dem Lupus Erythematodes vor (»sekundäres S.«). Klinisch ist das S. vor allem durch einen entzündlichen Befall der Tränen- und Speicheldrüsen gekennzeichnet, der zu den häufigsten und meist frühzeitig vorhandenen Symptomen Mund- und Augentrockenheit führt, im weiteren Verlauf jedoch auch eine »Austrocknung« weiterer Schleimhautbereiche (z. B. Geschlechtsorgane, Atemwege) und der Haut bewirken kann.

Gemischte Kollagenose

Die gemischte Kollagenose ist eine seltene Erkrankung, die Merkmale von SLE, Sklerodermie und Polymyositis kombiniert. Symptome können Raynaud-Phänomen, geschwollene Hände, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Hautausschläge umfassen.

ZNS-Beteiligung bei Kollagenosen

Kollagenosen können das zentrale Nervensystem (ZNS) in vielfältiger Weise beeinträchtigen. Neurologische Manifestationen sind bei SLE, Sjögren-Syndrom und anderen Kollagenosen bekannt. Die ZNS-Beteiligung kann sich in Form von kognitiven Störungen, Kopfschmerzen, Krampfanfällen,Psychosen und Bewusstseinsstörungen äußern.

Bei Bewusstseinsstörungen wie Synkope, Koma, Stupor oder Delir gibt es nicht immer eine offensichtliche Erklärung wie Schlaganfall, Trauma oder neoplastische Ursachen. Hinter Bewusstseinsstörungen können komplexere Erkrankungen stecken: die Enzephalopathien. Enzephalopathien äußern sich in neurologischen und psychiatrischen Funktionsstörungen, deren Ursachen nicht nur im Gehirn liegen. Erkrankungen verschiedenster Organe oder Organsysteme können ursächlich sein und ähnliche klinische Krankheitsbilder erzeugen. Ein heterogenes und sehr umfangreiches Ursachenspektrum sorgt bei Enzephalopathien dafür, dass sich die zugehörigen akuten diffus verteilten ZNS-Funktionsstörungen mit entsprechendem multifokalen neuropsychiatrischen klinischen Bild in einem variablen Verlaufsspektrum (von voll reversibel bis chronisch progredient) ausdrücken. In Frage kommen körpereigene (endogen ZNS-toxische) und körperfremde (exogen ZNS-toxische) Enzephalopathieauslöser. Hinsichtlich der dominierenden Pathomechanismen lassen sie sich grob drei Schädigungstypen zuordnen: metabolisch-toxische, neuro-zirkulatorische und/oder inflammatorische.

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Diagnostik der ZNS-Beteiligung

Die Einschätzung akuter Bewusstseinsstörungen erfordert die kritische Gesamtschau der begleitenden Symptome und Ausfälle sowie der medizinischen Anamnese und der Umstände der Manifestation. Die technischen Zusatzbefunde sind von Bedeutung in Bezug auf den Verlauf des neurologischen Status. So hat die neurologische Untersuchung vorrangig zu klären, ob und wo eine örtliche Eingrenzung der maßgeblichen ZNS-Pathologie vorliegt (supra- und/oder infratentorielle Herdbefunde). Hieran orientiert sich im Weiteren die - meist parallel beauftragte - technische Diagnostik. Sie bestätigt, korrigiert oder ergänzt die Befundlage. Angestrebt wird die frühe Differenzierung zwischen einer primären ZNS-Erkrankung und einer sekundären ZNS-Beteiligung vor dem Hintergrund einer systemischen Grunderkrankung. Valide Informationen aus der Anamnese und der klinischen Befunderhebung sind maßgeblich für die korrekte Einschätzung von Bewusstseinsstörungen und Enzephalopathien. Vielfach sind es später erhobene Fremdanamnesen oder andere Details aus dem Krankheitsverlauf, mit denen anfangs formulierte diagnostische Hypothesen bestätigt werden können bzw. korrigiert werden müssen.

Zusätzlich zur klinischen Diagnostik sind apparative Verfahren aus Labormedizin, Neuroradiologie, Ultraschall und Neurophysiologie in der Einschätzung und Prognosenerstellung bei Bewusstseinsstörungen und Enzephalopathien unerlässlich. Dies gilt einerseits zur Ausschlussdiagnostik bezüglich ZNS-Trauma, Schlaganfall, Neoplasien, ZNS-Infektion, andererseits zur Gewinnung korrespondierend-bestätigender Befunde wie z.B. den Biomarkern der Hypoxie und Surrogatmarkern des erhöhten intrakraniellen Drucks. Die betreffenden Methoden werden hier systematisch im Hinblick auf Indikationsstellung und Durchführung besprochen, auch bezüglich ihrer Grenzen der Aussagekraft und den Anforderungen an den Patienten.

Therapie der ZNS-Beteiligung

Akute Enzephalopathien klingen oft nach der Beseitigung oder Abmilderung der metabolisch-toxischen Auslösesituation(en) wieder ab: Ihre komplette Reversibilität ist, wenn auch mit einiger Verzögerung, für viele Formen geradezu typisch. Daher reicht zumindest in den leichteren und wenig progredienten Fällen die Ursachenbehebung als basale therapeutische Maßnahme allein zur Remission der neurologischen Funktionsstörungen aus. In schwereren Enzephalopathie-Verläufen geht die zerebrale Homöostase verloren, und es entstehen Strukturschäden durch sekundäre, sich mitunter gegenseitig verstärkende und prozesshaft verlaufende Folgeschäden am ZNS.

Im Grundsatz dient der klinisch-neurologische Befund soweit möglich als Maßstab des Krankheitsverlaufs, muss aber wegen der eingeschränkten Untersuchbarkeit des Patienten (Weckbarkeit, Hirnstammreflexe) durch neurophysiologi sche, labormedizinische und/oder neuroradiologische Untersuchungsbefunde ergänzt werden. Dies dient sowohl der frühen Erkennung einer Krankheitsverschlechterung, aber auch der Identifikation einer Remission, z. B. aus dem Koma. Viele Aussagen der einzelnen Verfahren in der Prognosenerstellung sind im Hinblick auf die Zeitpunkte der erhobenen Befunde und die gewählten Therapie verfahren (z.B. Hypothermie) und nicht zuletzt die Primärschädigung (traumatisch vs.

Schlafstörungen bei Kollagenosen

Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Patienten mit Kollagenosen. Die Ursachen können vielfältig sein und umfassen direkte Auswirkungen der Autoimmunerkrankung auf das ZNS,Entzündungen, Schmerzen, Müdigkeit und Depressionen.

Ursachen von Schlafstörungen

Die Ursachen scheinen vielfältig zu sein und sind nicht im Detail geklärt. Die Ursachen scheinen vielfältig zu sein und sind nicht im Detail geklärt. Depressivität die Müdigkeit.

Symptomatische Therapie

müssen symptomatisch behandelt werden.

Diagnostische Verfahren bei Kollagenosen

Ein gründliches körperliches Untersuchung und Anamnese sind der erste Schritt zur Diagnose einer Kollagenose. Spezielle Bluttests können helfen, Autoantikörper nachzuweisen, die bei Kollagenosen häufig vorkommen. Vor einer MRT-Untersuchung sollten Patienten alle metallischen Gegenstände ablegen, da diese die Magnetfelder beeinflussen können. Die MRT ist ein nicht-invasives Verfahren, das mithilfe von starken Magnetfeldern und Radiowellen detaillierte Bilder des Inneren des Körpers erstellt. Der Patient liegt auf einer Untersuchungsliege, die langsam in die MRT-Röhre geschoben wird. In einigen Fällen kann ein Kontrastmittel verabreicht werden, um die Bildgebung zu verbessern. Die MRT kann besonders nützlich sein, um die Beteiligung von Muskeln, Gelenken (z.B. MRT Hand) und inneren Organen bei Kollagenosen zu beurteilen. Bei der Untersuchung von Muskeln und Gelenken können entzündliche Veränderungen, wie sie bei der Dermatomyositis oder systemischen Lupus erythematodes auftreten, genau dargestellt werden. Zudem kann die MRT helfen, fibrotische Veränderungen und Organveränderungen bei der Sklerodermie zu erkennen, was für die Behandlungsplanung essenziell ist. Die MRT ist auch wertvoll bei der Beurteilung von Lungenbeteiligungen, wie z.B. Die MRT bietet eine hervorragende Weichteildarstellung und ist frei von ionisierender Strahlung, was sie zu einem sicheren und effektiven Diagnosewerkzeug macht. Besonders bei wiederholten Untersuchungen zur Verlaufskontrolle ist dies von Vorteil. Nach der MRT-Untersuchung können die Patienten in der Regel sofort zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren.

Therapieansätze bei Kollagenosen

Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, sind oft die Grundlage der Behandlung. Dazu gehören Kortikosteroide, Methotrexat und Biologika. Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und physikalische Therapie können helfen, die Symptome zu lindern. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Stressbewältigungstechniken können ebenfalls zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Prognose und Lebensqualität

Die Prognose variiert stark und hängt von der spezifischen Kollagenose und dem Schweregrad ab. Unbehandelt können Kollagenosen zu erheblichen Behinderungen und Organschäden führen. Mit der richtigen Behandlung kann die Lebensqualität jedoch deutlich verbessert werden.

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