Kollagenose Polyneuropathie: Ursachen, Symptome und Therapie

Die Kollagenose-Polyneuropathie ist eine komplexe Erkrankung, die durch Schädigung der peripheren Nerven gekennzeichnet ist und oft im Zusammenhang mit Kollagenosen auftritt. Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten dieser Erkrankung, um Betroffenen und Interessierten einen umfassenden Überblick zu bieten.

Was ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie bezeichnet Funktionsstörungen von Nervengruppen im peripheren Nervensystem, also außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Betroffen sind häufig die Nervenfasern in den Gliedmaßen, besonders in den Füßen, aber auch innere Organe, je nachdem, ob motorische, autonome oder sensible Nerven angegriffen sind. Die Erkrankung kann sich auf unterschiedlichste Weise entwickeln, wobei über 300 verschiedene Ursachen in der medizinischen Literatur beschrieben sind. Die Symptome reichen von Missempfindungen und Taubheit bis hin zu Lähmungen, Schmerzattacken und Störungen von Organsystemen. Wie es genau zu den fortschreitenden Nervenschäden kommt, ist noch nicht vollständig geklärt.

Polyneuropathie - Verlauf

Oft verläuft eine Polyneuropathie anfangs ohne erkennbare Symptome, was die Diagnose verzögert. Dies ist ungünstig, da die Heilungschancen bei frühzeitigem Therapiebeginn am besten sind. Wenn eine vollständige Heilung nicht mehr möglich ist, kann das Fortschreiten der Erkrankung oft verlangsamt werden. Die Behandlung zielt in der Regel auf die zugrunde liegende Erkrankung ab, wodurch sich auch die Beschwerden durch die geschädigten Nerven bessern können.

Polyneuropathie - Symptome

Die Symptome einer Polyneuropathie können je nach betroffener Nervenart variieren. Es gibt sensible Nerven, die Berührungen, Druck, Temperatur und Schmerz registrieren; motorische Nerven, die Muskelbewegungen steuern; und autonome Nerven, die unbewusste Stoffwechselvorgänge wie Puls, Atmung und Verdauung kontrollieren.

Symptome bei Schädigung der sensiblen Nerven

Diese Schädigungen sind am häufigsten. Erste Beschwerden treten oft an Zehen und Fingern auf:

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  • Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl oder stechende Schmerzen
  • Eingeschränkte Rückmeldung auf Druck und Temperatur
  • Eingeschränkter Tastsinn
  • Druck- oder Engegefühl
  • Gefühl, dass Körperteile abgeschnürt sind
  • Anhaltendes Kribbeln
  • Stechende Schmerzen
  • Ausbleibendes Schmerzgefühl bei Verletzungen
  • Gangunsicherheit, besonders bei geschlossenen Augen
  • Unangenehmes Kribbeln, wie Ameisen auf der Haut
  • Gefühl von geschwollenen Körperteilen
  • Brennende Schmerzen in den Füßen (Burning-Feet-Syndrom)

Symptome bei Schädigung der motorischen Nerven

Diese Schädigungen sind seltener als sensible Beeinträchtigungen:

  • Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen
  • Unwillkürliches Zucken von Muskelpartien
  • Krämpfe der Muskulatur
  • Anhaltendes Kribbeln
  • Muskelschwäche, verminderte Belastungsfähigkeit
  • Längerfristig auch Muskelschwund

Symptome bei Schädigung der autonomen Nerven

Hier können alle Körperfunktionen gestört sein, die nicht der willentlichen Steuerung unterliegen:

  • Verstopfung oder Durchfall
  • Magenlähmung
  • Störungen bei der Entleerung der Blase
  • Schwindel
  • Ohnmacht
  • Ausbleibender Pupillenreflex
  • Schluckstörungen
  • Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen
  • Blutdruckschwankungen
  • Geschwüre
  • Wassereinlagerungen im Körper
  • Impotenz
  • Herabgesetzte Schweißbildung

Polyneuropathie - Ursachen

Eine Polyneuropathie kann vielfältige Ursachen haben. Häufig liegt eine Stoffwechselerkrankung zugrunde, aber auch Vergiftungen und Infektionen können eine Polyneuropathie auslösen. Bei etwa einem Fünftel der Erkrankten lassen sich keine Ursachen feststellen.

Diabetes mellitus

In Mitteleuropa ist Diabetes die häufigste Ursache. Etwa die Hälfte der Diabetiker entwickelt im Laufe der Krankheit eine Polyneuropathie, sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes. Die Symptome entwickeln sich oft allmählich, wodurch erste Warnzeichen übersehen werden. Bei erhöhter Glukosekonzentration im Blut wird in den Schwann-Zellen der Nerven vermehrt Sorbitol gebildet, was zu osmotischen Gewebeschäden führt. Zudem führt die typische Schädigung feinster Blutgefäße bei Diabetes zu einer Mangelversorgung der Nervenzellen. Eine frühzeitige und nachhaltige Einstellung der Blutzuckerwerte hat einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Alkoholmissbrauch

Langjähriger Alkoholmissbrauch kann ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen, wobei Alkohol als Nervengift wirkt. Die genauen Stoffwechselvorgänge sind noch nicht abschließend erforscht. Betroffene haben häufig Probleme an Füßen und Beinen, und auch die Augen können betroffen sein.

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Weitere Ursachen

  • Vergiftungen (z. B. durch Arsen, Blei oder Lösungsmittel)
  • Infektionen (z. B. Gürtelrose, Herpes simplex, Borreliose, HIV oder Pfeiffersches Drüsenfieber)
  • Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder Kollagenosen
  • Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion
  • Gicht
  • Vitamin-B12-Mangel oder -Überdosierung
  • Nierenkrankheiten
  • Lebererkrankungen
  • Karzinome
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B. bei einer Chemotherapie
  • Angeborene Erkrankungen wie HMSN (hereditäre motorisch-sensorische Neuropathie)

Kollagenosen als Ursache

Kollagenosen sind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, die das Bindegewebe betreffen. Sie können indirekt oder direkt zu einer Polyneuropathie führen. Bei diesen Erkrankungen greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an, was zu Entzündungen und Schädigungen verschiedener Organe und Gewebe führen kann, einschließlich der Nerven.

Mechanismen der Nervenschädigung bei Kollagenosen

  1. Vaskulitis: Viele Kollagenosen, wie z.B. der systemische Lupus erythematodes (SLE) oder die Vaskulitiden, können Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitis) verursachen. Diese Entzündungen können die kleinen Blutgefäße, die die peripheren Nerven versorgen (Vasa nervorum), schädigen. Eine unzureichende Blutversorgung führt dann zu einer ischämischen Nervenschädigung und somit zu einer Polyneuropathie.
  2. Direkte Immunattacke: Bei einigen Kollagenosen können Autoantikörper direkt gegen Nervenzellen oder deren Bestandteile gerichtet sein. Diese direkte Immunattacke kann zu einer Entmarkung (Demyelinisierung) oder axonalen Schädigung der Nerven führen.
  3. Entzündungsmediatoren: Die chronische Entzündung, die mit Kollagenosen einhergeht, führt zur Freisetzung verschiedener Entzündungsmediatoren (Zytokine, Chemokine). Diese Substanzen können die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und zu einer Polyneuropathie beitragen.
  4. Sekundäre metabolische Störungen: Einige Kollagenosen können sekundäre metabolische Störungen verursachen, die wiederum die Nervenfunktion beeinträchtigen. Beispielsweise kann eine Nierenbeteiligung bei SLE zu einer Urämie führen, die eine Polyneuropathie auslösen kann.

Häufige Kollagenosen, die mit Polyneuropathie assoziiert sind

  • Systemischer Lupus Erythematodes (SLE): SLE ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann, einschließlich der Nerven. Die Polyneuropathie bei SLE kann durch Vaskulitis, direkte Autoantikörper oder andere Mechanismen verursacht werden.
  • Rheumatoide Arthritis (RA): Obwohl RA primär die Gelenke betrifft, kann sie auch zu einer Polyneuropathie führen. Ursachen hierfür sind Vaskulitis, Nervenkompression durch Gelenkschwellungen oder Medikamentennebenwirkungen.
  • Sjögren-Syndrom: Dieses Syndrom ist durch trockene Augen und trockenen Mund gekennzeichnet, kann aber auch neurologische Symptome verursachen, einschließlich Polyneuropathie. Die Polyneuropathie wird oft durch eine Entzündung der kleinen Nervenfasern (Small-Fiber-Neuropathie) verursacht.
  • Systemische Sklerose (Sklerodermie): Diese Erkrankung führt zu einer Verhärtung der Haut und inneren Organe. Eine Polyneuropathie kann durch Vaskulitis oder Fibrose der Nerven verursacht werden.
  • Vaskulitiden: Verschiedene Vaskulitiden, wie z.B. die Polyarteriitis nodosa oder die Churg-Strauss-Vaskulitis, können die Blutgefäße der Nerven schädigen und zu einer Polyneuropathie führen.

Diagnostische Verfahren bei Verdacht auf Kollagenose-bedingte Polyneuropathie

  1. Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung auf typische Symptome der Kollagenose und Polyneuropathie.
  2. Laboruntersuchungen:
    • Blutbild und Entzündungswerte: CRP, BSG
    • Autoantikörper: ANA, Anti-DNS-Antikörper, Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper, ENA-Screening (u.a. Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB, Anti-Sm, Anti-RNP)
    • Komplementfaktoren: C3, C4
    • Nieren- und Leberwerte: zur Beurteilung der Organfunktion
    • Vitamin B12-Spiegel: zum Ausschluss eines Mangels
  3. Neurologische Untersuchungen:
    • Elektroneurographie (ENG): zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
    • Elektromyographie (EMG): zur Beurteilung der Muskelaktivität
    • Quantitative sensorische Testung (QST): zur Untersuchung der sensorischen Funktionen
  4. Bildgebende Verfahren:
    • MRT: zur Darstellung von Nerven und Muskeln
    • Ultraschall: zur Beurteilung der Blutgefäße
  5. Nervenbiopsie: In unklaren Fällen zur histologischen Untersuchung der Nervenfasern.
  6. Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf entzündliche oder infektiöse Ursachen.

Therapie der Kollagenose-bedingten Polyneuropathie

Die Therapie zielt primär auf die Behandlung der Grunderkrankung (Kollagenose) ab. Dies kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Immunsuppressiva: Kortikosteroide, Methotrexat, Azathioprin, Cyclophosphamid, Biologika (z.B. TNF-alpha-Inhibitoren, Rituximab)
  • Schmerztherapie: Analgetika, Antidepressiva, Antikonvulsiva
  • Physiotherapie: zur Verbesserung der Muskelkraft und Koordination
  • Ergotherapie: zur Anpassung des Alltags an die Einschränkungen
  • Spezifische Therapien: Je nach Kollagenose und betroffenem Organ können spezifische Therapien erforderlich sein.

Bedeutung der frühzeitigen Diagnose und Behandlung

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Kollagenose und der damit verbundenen Polyneuropathie sind entscheidend, um das Fortschreiten der Nervenschädigung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Neurologen und anderen Fachärzten ist dabei unerlässlich.

Polyneuropathie - Diagnose

Die Diagnose beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und Konsumgewohnheiten. Auch berufliche Belastungen mit Schadstoffen und Giften sind relevant.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden Reflexe (z. B. Pupillen- und Achillessehnenreflex), Tastsinn und Temperaturempfindlichkeit der peripheren Nerven überprüft.

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Blutuntersuchung

Eine Blutuntersuchung bestimmt Blutzucker- und Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte, Vitamin-B12-Konzentration und gegebenenfalls Antikörper, die auf Borreliose hinweisen.

Elektroneurografie

Die Nervenleitgeschwindigkeit wird gemessen. Eine herabgesetzte Geschwindigkeit deutet auf eine Polyneuropathie hin.

Elektromyografie

Die Aktivität der Muskeln wird getestet, um Beeinträchtigungen der motorischen Nerven festzustellen.

EKG

Ein EKG kann Schädigungen an den autonomen Nerven des Herzens aufzeigen.

Gewebeprobe

Bei Bedarf wird eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch auf krankhafte Veränderungen an den Nervenfasern untersucht.

Ultraschalluntersuchung

Bei Problemen beim Wasserlassen wird meist eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase durchgeführt, um die Blasenentleerung zu überprüfen.

Genetische Untersuchung

In seltenen Fällen wird das Erbgut auf genetische Veränderungen untersucht, um eine erblich bedingte Polyneuropathie auszuschließen.

Polyneuropathie - Was bezahlt die Krankenkasse und was muss man selbst bezahlen?

Gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf stationäre und ambulante Versorgung, Arzneimittel und weitere Leistungen. Allerdings sind Zuzahlungen gesetzlich vorgeschrieben. Diese betragen 10 Prozent der Kosten, maximal jedoch 10 Euro pro Zuzahlung. Bei Arzneimitteln gelten ähnliche Grenzen.

Arzneimittel

Krankenkassen können Festbeträge für erstattungsfähige Arzneimittel bestimmen. Arzneimittel, deren Preis 30 Prozent unter diesem Festbetrag liegt, werden ohne Zuzahlung erstattet. Bei teureren Medikamenten muss der Patient den Mehrpreis selbst zahlen.

Krankenhausaufenthalt

Die Zuzahlung beträgt 10 Euro pro Kalendertag, maximal 28 Tage pro Jahr (280 Euro).

Häusliche Krankenpflege

Einmalig 10 Euro für die Verordnung, zusätzlich 10 Prozent pro Tag als Eigenanteil, begrenzt auf 28 Kalendertage pro Jahr (280 Euro).

Haushaltshilfe

10 Prozent der Kosten, mindestens 5 und maximal 10 Euro pro Kalendertag.

Hilfsmittel

10 Prozent des Abgabepreises, zwischen 5 und 10 Euro pro Verordnung.

Rehabilitationsmaßnahmen

Die Höhe der Zuzahlungen hängt von der Maßnahme und dem Kostenträger ab.

Schmerztherapie und Akupunktur

Die Kosten für eine Schmerztherapie in einer Schmerzklinik werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten für klassische Körperakupunktur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder Kniegelenkarthrose werden ebenfalls von den Krankenkassen übernommen, sofern die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen und die Behandlung von einem qualifizierten Arzt durchgeführt wird.

Polyneuropathie - Behandlung

Die Therapie richtet sich nach den Ursachen der Neuropathie. Grunderkrankungen wie Diabetes werden behandelt, Vergiftungen werden ausgeschieden oder deaktiviert, und bei Alkoholmissbrauch ist Enthaltsamkeit erforderlich. Bei Vitamin-B12-Mangel werden die fehlenden Vitamine in Tablettenform verabreicht.

Medikamentöse Therapie

Beschwerden lassen sich teilweise durch Medikamente lindern. Schmerztabletten, Schmerzpflaster oder krampflösende Medikamente können Nervenschmerzen erträglicher machen. Epilepsie-Medikamente und Antidepressiva können Missempfindungen und anhaltende Schmerzen abmildern.

Reizstromtherapie (TENS)

Einige Betroffene profitieren von der Reizstromtherapie (TENS), bei der elektrische Impulse über Elektroden auf der Haut verabreicht werden, um Schmerzen zu lindern.

Physikalische Therapien

Wechselbäder, Krankengymnastik sowie kalte und warme Wickel regen die Durchblutung an und steigern die Beweglichkeit. Gelähmte Muskeln können mit Elektrobehandlungen gestärkt werden. Orthopädische Schuhe oder stützende Schienen können Unsicherheiten beim Laufen und Stehen verbessern.

Homöopathie

Eine homöopathische Therapie kann zur Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, Missempfindungen und Kribbeln der Haut eingesetzt werden, sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Empfohlene Mittel sind u.a. Aconitum, Agaricus muscarius, Spigelia, Verbascum, Cina, Kalium phosphoricum, Magnesium phosphoricum und Zincum chloratum.

Akupunktur

Akupunktur ist eine bewährte Therapie, die bei Polyneuropathie begleitend zur schulmedizinischen Behandlung empfohlen wird.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Pflegegrad: Bei zunehmendem Unterstützungsbedarf im Alltag kann ein Pflegegrad beantragt werden.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit allen essenziellen Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann neuropathische Beschwerden lindern und die Regeneration der Nerven anregen.
  • Fußpflege: Bei Sensibilitätsstörungen ist eine tägliche Fußpflege unverzichtbar.
  • Schuhwerk: Geeignetes Schuhwerk ist wichtig, um Verletzungen vorzubeugen.
  • Hilfsmittel: Verschiedene Hilfsmittel können das Leben mit Polyneuropathie erleichtern.
  • Schwerbehindertenausweis: Bei erheblichen Beeinträchtigungen kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.

Small Fiber Neuropathie

Die Small Fiber Neuropathie (SFN) betrifft die kleinen, unmyelinisierten oder gering myelinisierten Nervenfasern. Diese Nervenfasern sind für die Vermittlung von Schmerz- und Temperaturempfindungen sowie für die Steuerung autonomer Funktionen wie Schwitzen und Durchblutung zuständig.

Ursachen der Small Fiber Neuropathie

Die häufigsten Auslöser für eine Small Fiber Neuropathie sind Diabetes mellitus und eine gestörte Glukosetoleranz. Zu den weiteren möglichen Ursachen zählen Alkoholmissbrauch, Medikamente wie Chemotherapeutika, Infektionen sowie Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, Zöliakie und monoklonale Gammopathie.

Diagnose der Small Fiber Neuropathie

Die Small Fiber Neuropathie wird oft erst spät erkannt, da die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit nur die großen Nervenbahnen erfasst und eine SFN nicht nachweisen kann.

Symptome der Small Fiber Neuropathie

Die Symptome können vielfältig sein und umfassen:

  • Schmerzen: Brennende, stechende oder bohrende Schmerzen, oft in den Füßen und Händen.
  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheit, Juckreiz oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" auf der Haut.
  • Autonome Störungen: Verminderte Schweißbildung, trockene Augen und trockener Mund, Verdauungsprobleme, Herzrhythmusstörungen oder orthostatische Hypotonie (Schwindel beim Aufstehen).

Diagnostische Verfahren bei Small Fiber Neuropathie

  1. Anamnese und klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung auf typische Symptome.
  2. Quantitative sensorische Testung (QST): zur detaillierten Untersuchung der sensorischen Funktionen.
  3. Hautbiopsie: zur Bestimmung der Nervenfaserdichte in der Haut.
  4. Autonome Funktionstests: zur Beurteilung der autonomen Nervenfunktion.

Therapie der Small Fiber Neuropathie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der SFN. Bei Diabetes ist eine optimale Blutzuckereinstellung unerlässlich. Zusätzlich können Schmerzmittel, Antidepressiva und Antikonvulsiva zur Linderung der Symptome eingesetzt werden.

Akute und chronische Polyneuropathie

Je nach Verlauf unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Polyneuropathien. Akute Polyneuropathien entwickeln sich innerhalb weniger Tage bis maximal vier Wochen, wie beispielsweise beim Guillain-Barré-Syndrom. Chronische Polyneuropathien entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung der Polyneuropathie erfordert oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte, wie Neurologen, Internisten, Diabetologen, Rheumatologen und Schmerztherapeuten. Durch eine koordinierte Behandlung können die Ursachen der Polyneuropathie effektiv behandelt und die Symptome gelindert werden.

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