Der Königsteiner Migräne-Fragebogen: Ein umfassender Überblick

Kopfschmerz- und Migränepatienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. Viele Hausärzte tun sich nach wie vor schwer mit der Migräne-Diagnose. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Um den Behandlungserfolg transparent zu machen, hat sich die Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein zu einem rigorosem Qualitätsmanagement verpflichtet.

Die Herausforderungen in der Migräne-Diagnostik

Die Umfrage der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zeigt, dass Hausärzte im Kopfschmerzranking nach Spannungskopfschmerzen häufiger zervikogenen Kopfschmerz diagnostizieren als sekundäre Kopfschmerzen, episodische und chronische Migräne, Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch und Clusterkopfschmerz. Laut DMKG-Vizepräsidentin Stefanie Förderreuther ist dies alarmierend, da Migräne der häufigste schwere Kopfschmerz ist, der Patienten zum Arzt führt. Spannungskopfschmerzen sind zwar weit verbreitet, aber weniger intensiv und werden meist erst bei sehr häufigem Auftreten zum Arztgrund.

Die Prävalenz zervikogener Kopfschmerzen wird auf etwa 0,4 bis 2,5 Prozent geschätzt, was deutlich unter der Migräneprävalenz von etwa zehn Prozent liegt. Förderreuther betont, dass man davon ausgehen muss, dass Migränekopfschmerzen bei vielen Patienten nicht erkannt werden. Die Umfrage ergab, dass über zwei Drittel der Hausärzte (69 Prozent) häufig zervikogenen Kopfschmerz diagnostizieren, was die Befürchtung nährt, dass Migräne oft mit zervikogenem Kopfschmerz verwechselt wird.

Hausärzte veranlassen laut Umfrage am häufigsten eine Verbesserung der Akutmedikation sowie nichtmedikamentöse Therapien bei Kopfschmerzen.

Bedeutung der psychologischen Diagnostik bei Migräne

Migräne ist eine häufige Kopfschmerzerkrankung, von der weltweit etwa 14-15% der Menschen betroffen sind (Steiner & Stovner, 2023). Sie führt zu einem hohen Leidensdruck und einer deutlich reduzierten Lebensqualität (Ashina et al., 2021). Psychische Faktoren wie Stress und Ängste können den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Daher ist es sinnvoll, bei der Migränediagnostik die krankheitsbedingte Beeinträchtigung sowie psychische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Hierzu können psychologische Fragebögen eingesetzt werden. Die Erfassung dieser Faktoren ermöglicht eine maßgeschneiderte Behandlung der Migräneerkrankung.

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Das ODIN-Migräne-Projekt

Mit dem Projekt „Optimierung Diagnostischer Instrumente bei Migräne“ (ODIN-Migräne) soll das Repertoire an Fragebögen für die psychologische Migränediagnostik erweitert werden. Im Rahmen des abgeschlossenen Forschungsprojekts ODIN-Migräne I wurden bereits der Fragebogen zur Attackenangst bei Migräne (FAMI, Klan et al., 2022) sowie eine deutsche Version der „Cogniphobia Scale for Headache Disorders" (Kogniphobie-Skala für Kopfschmerz, CS-HD, Klan et al., 2024) entwickelt. Beide Fragebögen erfassen migränebezogene Ängste, insbesondere Attackenangst und Kogniphobie. Attackenangst ist die Angst vor dem Auftreten einer Kopfschmerzattacke.

Das aktuelle Forschungsvorhaben setzt das Projekt ODIN-Migräne I fort und beinhaltet die Validierung der deutschen Versionen der Cogniphobia Scale for Headache Disorders (CS-HD) und der Migraine Interictal Burden Scale (MIBS-4, Buse et al., 2007). Die MIBS-4 erfasst mit 4 Fragen die Belastung in der attackenfreien Zeit (interiktal = zwischen den Attacken). Für beide Fragebögen (CS-HD und MIBS-4, jeweils deutsche Version) sollen die Qualitätsmerkmale („Testgütekriterien“) bestimmt werden. Dabei soll auch erfasst werden, wie gut beide Fragebögen Veränderungen erfassen. Außerdem soll jeweils ein empirischer Cut-off Wert etabliert werden.

Die Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein

Die Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein baut auf einer Erfahrung von mehr als 35 Jahren auf dem Gebiet der Migräne- und Kopfschmerztherapie auf. Das in dieser Zeit erworbene Spezialwissen wird kontinuierlich durch Partizipation an Forschungsaktivitäten erweitert und innovative Therapieansätze werden gefördert. Die Klinik verfügt über ambulante Sprechstunden und über die Möglichkeit zur stationären Behandlung von Patienten mit Kopf- und Gesichtsschmerzen. Der ärztliche Leiter ist langjährig erfahren in der Diagnostik und Behandlung seltener Kopfschmerzerkrankungen im Kindes- und Jugendalter.

Multimodale stationäre Behandlung

In der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein werden stationäre Behandlungen nach einem multimodalen Konzept durchgeführt. Die Behandlungsdauer beträgt ca. 2-3 Wochen.

Datenerhebung und Analyse

Die Daten werden an Migränepatienten einer Kopfschmerzklinik erhoben. Dabei sind zwei Messungen geplant, einmal zu Beginn und dann vier Wochen nach Ende der Behandlung (sogenanntes „Prä-Post-Design“). Die Daten werden über eine Onlinebefragung erhoben. Es wird ein Stichprobenumfang von N = 128 Patient:innen angestrebt.

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Die erhobenen Daten sollen deskriptivstatistisch analysiert werden. Durch ein forced-choice-Antwortformat soll das Auftreten von fehlenden Werten innerhalb der Befragung ausgeschlossen werden. Zur Adressierung von Drop-Outs (fehlende Werte zum MZP2) ist eine Intention-to-treat-Analyse geplant. Die Faktorenstruktur der erfassten Konstrukte (Kogniphobie, interiktale Belastung) soll jeweils mit einer explorativen Faktorenanalyse überprüft werden. Weiterhin sollen die Testgütekriterien (Reliabilität und Validität) bestimmt werden. Zur Bestimmung der Reliabilität soll für jede Skala McDonald's ω berechnet werden. Die Bestimmung der Validität erfolgt über Korrelationsanalysen (Pearson Korrelation der Skalenwerte von CS-HD und MIBS-4 mit den Skalenwerten der unten genannten etablierten Fragebögen sowie mit klinischen Merkmalen (z.B.

Zur Erfassung der Veränderungssensitivität ist sowohl ein verteilungs- (Effektstärkenberechnung) als auch ein kriteriumsbasiertes Verfahren (z.B. ROC) vorgesehen. Als Kriterium zur Bestimmung der Veränderungssensitivität wird die subjektiv erlebte Verbesserung der Patienten durch den Klinikaufenthalt erhoben. Für die Etablierung eines empirischen Cut-off-Werts ist der Vergleich mit einem anderen Kriterium vorgesehen (hier: selbstberichtete Beeinträchtigung). Als selbstberichtete, klinisch bedeutsame Beeinträchtigung bzw.

Bedeutung des Kopfschmerzkalenders

Ein Kopfschmerzkalender ist ein wertvolles Hilfsmittel zur Dokumentation von Kopfschmerz- und Migräneattacken. Durch regelmäßiges Führen eines Kalenders können Betroffene und Behandelnde Muster erkennen, Auslöser identifizieren und die Wirkung von Behandlungen besser nachvollziehen.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stellt einen Kopfschmerzkalender zur Verfügung, der einfach ausgedruckt und ausgefüllt werden kann. Alternativ gibt es digitale Lösungen wie die DMKG-App, die eine komfortable und detaillierte Erfassung der Kopfschmerzen ermöglicht. Die DMKG-App als kostenloser, werbefreier Kopfschmerzkalender war bisher nur für Teilnehmer des Projekts „Kopfschmerzregister“ freigeschaltet.

Die Rolle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) engagiert sich für die wissenschaftliche Erforschung von Kopfschmerz- und Migräneerkrankungen. Ihre Studien liefern wertvolle Erkenntnisse zu Ursachen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten und tragen dazu bei, die Versorgung von Betroffenen kontinuierlich zu verbessern. Die DMKG stellt aktuelle und abgeschlossene Studien sowie Informationen zur Teilnahme an laufenden Forschungsprojekten bereit. Auf ihrer Webseite finden sich hilfreiche Informationen zu verschiedenen Kopfschmerzarten - von Migräne über Clusterkopfschmerz bis hin zu Spannungskopfschmerz. Die bereitgestellten PDFs bieten fundierte Erkenntnisse zu Ursachen, Diagnose, Therapie und Selbsthilfe. Im Download- und Studienbereich der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) finden Sie aktuelle wissenschaftliche Studien, Leitlinien und Informationsmaterialien rund um das Thema Kopfschmerz und Migräne.

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Migräne als neurobiologische Funktionsstörung

Die Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung und wird als neurobiologische Funktionsstörung des Gehirns angesehen. In der International Classification of Diseases-10 (ICD-10, World Health Organization, 2016) ist Migräne in Kapitel VI unter „Krankheiten des Nervensystems“ mit der Kennnummer G.43 aufgelistet. Die weltweite Prävalenz der Migräne beträgt ca. 14-15%, Frauen sind deutlich häufiger betroffen (Frauen: 20,7%, Männer: 9,7%, siehe Rossi et al., 2022; Steiner & Stovner, 2023).

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