Das Herz, ein lebenswichtiges Organ, das uns rund um die Uhr am Leben erhält, kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein. Eine davon ist die Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die in manchen Fällen schwerwiegende Folgen haben kann. Doch auch andere Faktoren, wie entzündete Nerven oder gar Zahnerkrankungen, können Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Herz, Nerven und Entzündungen und zeigt auf, wie man durch Vorsorge und einen gesunden Lebensstil das Risiko für diese Erkrankungen minimieren kann.
Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Was ist das?
Bei einer Herzmuskelentzündung, auch Myokarditis genannt, handelt es sich um eine Entzündung des Herzmuskels (Myokard). Der Herzmuskel ist für die Kontraktionen verantwortlich, die unseren Blutkreislauf in Bewegung halten und so den gesamten Körper versorgen. Bei einer Entzündung des Herzens sind häufig auch die umliegenden Organe, wie z. B. die Lunge, betroffen.
Ursachen und Risikofaktoren
In den meisten Fällen wird eine Herzmuskelentzündung durch einen vorausgegangenen Infekt ausgelöst. Beispielsweise können Viren, die bei einer Grippe oder Erkältung nicht ausreichend auskuriert wurden, eine Myokarditis verursachen. Diese Viren gelangen dann in das Herz, verbleiben dort und lösen eine Entzündungsreaktion aus.
Es gibt aber auch Ursachen, die keinen infektiösen Ursprung haben. Dazu zählen Störungen des Immunsystems, bei denen das Abwehrsystem in ein Ungleichgewicht gerät und Autoimmunerkrankungen wie Gefäßentzündungen auslösen kann. Auch Giftstoffe wie chronischer Alkoholkonsum, Tabak oder Medikamente wie Chemotherapeutika können eine Myokarditis verursachen.
Menschen mit einem vorgeschädigten Herzen zählen in diesem Fall zur Risikogruppe. Aber auch junge und gesunde Menschen können betroffen sein, insbesondere Sportler, die sich nach einer Ansteckung nicht ausreichend schonen.
Lesen Sie auch: Wissenschaftliche Studien zur Herz-Gehirn-Verbindung
In jüngster Zeit wurde auch über Fälle von Myokarditis nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 oder nach einer Impfung mit mRNA-Impfstoffen berichtet. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Risiko, eine Myokarditis nach einer COVID-19-Erkrankung zu erleiden, um ein Vielfaches höher ist als nach einer Impfung.
Symptome einer Herzmuskelentzündung
Viele Betroffene bemerken die ersten Anzeichen nach einer viralen Infektion, die oft grippeähnlich verläuft. Da die Symptome nicht immer gleich ausfallen und in einigen Fällen sogar erst Wochen später auftreten, ist es oft schwierig, eine Myokarditis rechtzeitig zu erkennen. Zu den klassischen Symptomen gehören:
- Abgeschlagenheit / Erschöpfung
- Atemnot bei Belastung
- Brustenge / Brustschmerzen
- Herzklopfen / starkes Pochen
- Herzrhythmusstörung / „Herzstolpern“
- Appetitlosigkeit
- Ohnmacht / Schwindel
- Ödeme (Wassereinlagerungen in den Beinen)
- Schmerzendes Gefühl hinter dem Brustbein
Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen und einen Arzt zu konsultieren, um langfristige Folgen zu vermeiden.
Diagnose und Behandlung
Der erste Schritt ist der Gang zum Hausarzt, der die Beschwerden schildert und sich nach Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten erkundigt. Das Abhören mit einem Stethoskop, die Aufnahme eines Elektrokardiogramms (EKG) oder auch eine Blutabnahme sind wichtige Maßnahmen, um zu einer Diagnose zu gelangen.
Um differenzierte Erkenntnisse zu erhalten, nutzen Ärzte auch das Ultraschall-Verfahren. Ein wichtiger Baustein in der Diagnostik ist die kardiale Magnetresonanzuntersuchung. In einigen Fällen wird eine Myokardbiopsie durchgeführt, um eine Gewebeprobe am Herzen zu entnehmen und im Labor zu untersuchen.
Lesen Sie auch: Gehirn und Herz-Lungen-Unterstützung
Für die Behandlung kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage, die sich alle daran orientieren, wie stark die Beschwerden bei einer Erkrankung ausfallen. Ruhe und Erholung sind nicht nur Balsam für die Seele, sondern in diesen Fällen auch für das Herz. Sind Viren der Auslöser für die Erkrankung, sollten sich Patienten unbedingt körperlich schonen. Nach einer erfolgreichen Diagnostik können darüber hinaus auch gewisse Medikamente, die das Herz unterstützen, eine normale Kontraktion des Herzmuskels wiederherstellen. Ist die Herzmuskelentzündung durch einen bakteriellen Infekt hervorgetreten, kommen auch Antibiotika für die Behandlung in Frage.
Rehabilitation und Vorbeugung
Eine Rehabilitation bei einer Herzmuskelentzündung wird ganz individuell auf die Beschwerden und Symptome abgestimmt und den Fortschritten angepasst. Die Therapieziele sind die Stabilisierung des Herz-Kreislaufsystems, die Verbesserung der Beweglichkeit und Körperhaltung, die Teilnahme an Familie, Gesellschaft und Beruf sowie der Aufbau von Kraft und Kondition.
Um einer Herzmuskelentzündung vorzubeugen, sollte man sich ausreichend Ruhe gönnen und dem Körper Zeit geben, sich zu erholen. Nach einem grippalen Infekt sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, den Körper zu schonen und für mindestens eine Woche auf Sport oder andere anstrengende Aktivitäten verzichten. Auch ist es ratsam, sich gegen Infektionskrankheiten, die eine Herzmuskelentzündung auslösen können, impfen zu lassen.
Entzündungen im Körper und ihre Auswirkungen auf das Herz
Entzündungen sind eine natürliche Reaktion des Körpers auf schädliche Reize wie Bakterien, Viren oder Verletzungen. Sie dienen dazu, den Körper vor Schäden zu bewahren und die Heilung zu fördern. Allerdings können chronische Entzündungen, die über einen längeren Zeitraum bestehen, negative Auswirkungen auf verschiedene Organe haben, einschließlich des Herzens.
Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen und Herzerkrankungen
Chronische Entzündungen können zur Entstehung und Verschlimmerung von Herzerkrankungen beitragen. Ein wichtiger Mechanismus dabei ist die Arteriosklerose, die Verhärtung und Verengung der Arterien. Chronische Entzündungen können die Bildung von Plaques in den Arterienwänden fördern, die aus Fetten, Cholesterin und anderen Substanzen bestehen. Diese Plaques können im Laufe der Zeit größer werden und den Blutfluss behindern, was zu Angina pectoris (Brustschmerzen) oder einem Herzinfarkt führen kann, wenn ein Blutgefäß vollständig verschlossen wird.
Lesen Sie auch: Herz und Gehirn Tattoo: Was es wirklich bedeutet
Entzündungen im Mundraum und Herzerkrankungen
Auch Entzündungen im Mundraum, wie z. B. eine entzündete Zahnwurzel (Endodontische Erkrankungen), können mit Herzerkrankungen in Verbindung stehen. Bakterielle Infektionen im Mund, insbesondere solche, die mit endodontischen Erkrankungen in Verbindung stehen, können eine chronische Entzündung im Körper auslösen. Diese chronische Entzündung kann ebenso zur Arteriosklerose beitragen und somit das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.
Die Rolle des Nervensystems bei Entzündungen und Herzerkrankungen
Das Nervensystem spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsreaktionen im Körper. Stress, der über das Nervensystem vermittelt wird, kann die Produktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortisol erhöhen, die das Immunsystem beeinflussen und entzündliche Prozesse im Körper aktivieren können. Chronischer Stress kann somit zu einer chronischen Entzündung beitragen und das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen.
Wie wirken Nerven und Blutgefäße im alternden Herzen zusammen?
Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass es im alternden Herzen an der Schnittstelle von Blutgefäßen und Nervensystem zu Veränderungen kommt: die Nerven bilden sich zurück. Ausgelöst wird diese Reaktion dadurch, dass Blutgefäße im Herzen mit zunehmendem Alter u.a. den Botenstoff Semaphorin-3A in ihre Umgebung freisetzen, der das Wachstum und die Aussprossung von Nervenzellen im Herzmuskelgewebe hemmt. Die Folge der verringerten Nerven im Herzen selbst ist, dass die Herzmuskelzellen nicht mehr von Impulsen der Nervenzellen „informiert“ werden, etwa durch einen schnelleren Herzschlag einen erhöhten Bedarf der Sauerstoffversorgung des Körpers unter Belastung zu gewährleisten.
Nervenentzündungen (Neuritis) und ihre Auswirkungen
Als Neuritis wird die Entzündung von Nerven bezeichnet. Dabei kann es sich um das periphere Nervensystem handeln, das alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark bezeichnet, aber auch um einen Gehirnnerv. Werden Nerven gereizt oder entzünden sie sich, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese sind auch abhängig davon, welcher Nerv betroffen ist. Die Symptome reichen von Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln bis hin zu Muskelschwäche und Ausfällen von Körperfunktionen.
Ursachen von Nervenentzündungen
Es gibt viele Ursachen für eine Nervenentzündung. Allergien, Autoimmunkrankheiten, Viren, Bakterien, Parasiten aber auch Verletzungen wie Stichwunden oder tiefe Fleischwunden können eine Muskelentzündung auslösen. Ebenso kann eine Myositis erblich bedingt sein. Auch mechanischer Druck auf den Nerv, wie bei einem Bandscheibenvorfall, Tumoren oder dem Karpaltunnelsyndrom, kann eine Nervenentzündung verursachen.
Diagnose und Behandlung von Nervenentzündungen
Bei Verdacht auf eine Nervenentzündung ist der Allgemeinarzt eine gute erste Anlaufstelle. Er kann Sie dann - etwa bei Verdacht auf eine entzündliche Nervenschädigung - an einen Neurologen verweisen. Zunächst beginnt der behandelnde Arzt mit einer ausführlichen Befragung (Anamnese) des Patienten. Anschließend erfolgt eine neurologische Untersuchung, bei der verschiedene Überprüfungstests durchgeführt werden, um die Sinneswahrnehmungen, die Mimik und Augenbewegung, die motorischen Fähigkeiten und sonstige Körperfunktionen zu überprüfen.
Je nach Ursache der Nervenentzündung kommen verschiedene Behandlungsansätze in Frage. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, bei viralen Infektionen antivirale Medikamente (Virostatika). Bei Nervenschmerzen können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt werden. Bei schweren und akuten Schmerzen kommen rezeptpflichtige Opioide zum Einsatz. Auch alternative Schmerzmedikamente aus der Epilepsie- oder Depressions-Therapie können eingesetzt werden.
Vorbeugung von Nervenentzündungen
Natürlich lässt sich eine Nervenentzündung nicht mit Sicherheit verhindern. Es ist jedoch möglich, die Gefahr von Nervenschmerzen durch eine gesunde Lebensweise zu reduzieren. Hierzu gehört unter anderem, den täglichen Alkoholkonsum einzuschränken, sich витаминreich zu ernähren, Stress zu vermeiden und für ausreichend Erholung, Ruhe und Schlaf zu sorgen.
WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White): Eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems
Beim WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White) handelt es sich um eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems. Typisch für das WPW-Syndrom ist ein plötzliches Herzrasen, welches oft aus völliger Ruhe heraus auftritt und oft nur kurz anhält. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten.
Ursachen und Diagnose
Die Ursachen des WPW-Syndroms sind angeborene Veränderungen, bei denen eine zusätzliche Leitungsbahn für die Weiterleitung von elektrischen Impulsen von den Vorhöfen zu den Hauptkammern existiert. Manchmal bleiben diese Rhythmusstörungen lange Zeit unentdeckt, da im beschwerdefreien Intervall im EKG nichts Auffälliges zu sehen ist. Bei einem Teil der Patienten finden sich jedoch im EKG sogenannte Delta-Wellen, die zur richtigen Diagnose führen.
Behandlungsverfahren
Um einen rasenden Puls akut zu beenden, können sogenannte Valsalvamanöver versucht werden. Hierfür kann man stark in den Bauch pressen, gelegentlich hilft auch die Massage an der Halsschlagader im Kehlkopfbereich. Sollten diese Manöver nicht helfen, wird ein Medikament (Adenosin) injiziert.
Eine Behandlung des WPW-Syndroms sollte wegen der potentiellen Gefährlichkeit des Krankheitsbildes frühzeitig erfolgen. Da Medikamente in der Dauerbehandlung wirkungslos sind, ist die elektrophysiologische Untersuchung mit Verödung der zusätzlichen Leitungsbahn die Therapie der Wahl. Hierfür werden mehrere kleine Herzkatheter unter örtlicher Betäubung über die Leistenvenen eingeführt und verschiedene EKG‘s aus dem Herzen abgeleitet.
Stress und seine Auswirkungen auf das Herz
Stress ist an sich etwas Natürliches. Aber "es ist wichtig, dass auf eine stressbedingte Anspannungsphase auch eine Erholungsphase folgt. Bleibt diese länger aus, werden wir krank", so Dr. Jochen Schneider. Unter Stress produziert der Körper Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol, die das Nerven- und Immunsystem beeinflussen: das Herz schlägt schneller oder unregelmäßig, entzündliche Prozesse im Körper werden aktiviert, die Blutgefäße verengen sich.
Auswirkungen von Stress auf das Herz-Kreislauf-System
Chronischer Stress kann zu einer beschleunigten Herzfrequenz, vorzeitigen Herzschlägen, Bluthochdruck und Ablagerungen in den Arterien führen. Das Risiko für weitere Rhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern ist stressbedingt ebenfalls erhöht. In seltenen Fällen kann es zu einer Stress-Kardiomyopathie, auch Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, kommen, bei der es sich um eine akut auftretende Schädigung des Herzmuskels handelt.
#
tags: #herz #nerven #entzumdung