Der Solarplexus: Funktion, Bedeutung und Beeinflussung des Sonnengeflechts

Der Solarplexus, auch Sonnengeflecht genannt (lat. Plexus solaris), ist ein komplexes Nervengeflecht im Bauchraum, das eine zentrale Rolle im autonomen Nervensystem spielt. Dieses System steuert unbewusste Körperfunktionen und beeinflusst somit maßgeblich unser Wohlbefinden.

Was ist der Solarplexus?

Der Solarplexus ist ein autonomes Nervengeflecht sympathischer und parasympathischer Nervenfasern. Er liegt im Bauchraum auf Höhe des 1. Lendenwirbels, etwa hinter dem Magen und vor den Zwerchfellschenkeln. Topographisch liegt er hinter dem Magen und der Bursa omentalis. Er setzt sich im Wesentlichen aus zwei Nervengeflechten zusammen: dem Plexus coeliacus und dem Plexus mesentericus superior. Die parasympathischen Anteile stammen aus dem Nervus vagus (10. Hirnnerv).

Anatomische Lage und Zusammensetzung

Der Solarplexus befindet sich am Hinterrand der Bauchhöhle, am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule, etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbelkörpers hinter dem Magen. Auf die Hautoberfläche projiziert, liegt er kurz unterhalb des Brustbeins und oberhalb des Magens. Er besteht aus Nervenknoten und Nervenfasern und ist Teil des vegetativen Nervensystems. Dieses steuert innere Organe und Blutgefäße an und ist nicht willentlich beeinflussbar.

Die Nerven kommen größtenteils von den Bauchorganen und verlaufen durch die Brusthöhle hoch zum Gehirn und umgekehrt. Um dies möglichst geschützt tun zu können, begleiten sie die größeren Blutgefäße. Das größte Blutgefäß im Brust- und Bauchraum ist die Aorta, die Hauptschlagader. Diese verläuft an der Hinterwand der Bauchhöhle entlang, um dort durch eine Lücke im Zwerchfell in die Brusthöhle überzutreten. Die Nerven folgen der Aorta und bilden auf Höhe zwischen dem zwölften Brustwirbel und dem ersten Lendenwirbel den Solarplexus.

Funktion des Solarplexus

Der Solarplexus reguliert die Funktion der Bauchorgane und der Blutgefäße in der Bauchhöhle. Dies geschieht, indem Informationen von und zum Gehirn verschaltet und weitergeleitet werden. Er gehört zum vegetativen Nervensystem, eine bewusste Steuerung ist also nicht möglich. Der Solarplexus beeinflusst unter anderem die Sekretion der intestinalen Drüsen oder die Darmmotilität, also die Anspannung und Erschlaffung der Darmmuskulatur. All diese Prozesse laufen automatisch ab und unterliegen nicht der willkürlichen Steuerung.

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Das vegetative Nervensystem und seine Gegenspieler

Der Solarplexus enthält Fasern des autonomen Nervensystems. Dieses ist zuständig für die Regulation und Steuerung der Organe, welche nicht willentlich beeinflusst werden können. Dafür verantwortlich sind zwei Gegenspieler:

  • Sympathikus: Versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und macht ihn startklar. Die sympathischen Nervenfasern sind vor allem in Stressphasen oder bei starker Anstrengung aktiv. Sie erhöhen den Energieverbrauch, steigern den Herzschlag und die Atemfrequenz und erhöhen den Blutdruck.
  • Parasympathikus: Ist eher für Entspannung zuständig und meldet dem Gehirn, wie es den Organen geht. Diese Fasern sind in Ruhe aktiv und haben den gegenteiligen Effekt.

Über einen komplexen Kreislauf von Steuerung und Gegensteuerung werden so beispielsweise der Herzschlag, die Lungenfunktion, die Tätigkeit des gesamten Magen-Darm-Trakts und die Durchblutung der Organe beeinflusst. Gemeint ist jedoch eine Ungleichgewichtigkeit im Vegetativen, d. h. dem Willen nicht unterliegenden Nervensystem. Diese Ungleichgewichtigkeit der beiden Nerven wird als Vegetative Dystonie bezeichnet.

Einfluss auf Verdauung und Stressreaktion

Im Solarplexus werden Informationen verschaltet und weitergeleitet, die bestimmte Funktionen von inneren Organen (u. a. Magen und Darm) regulieren. Dazu gehört z. B. die Anspannung oder das Erschlaffen der glatten Muskulatur (Magenakkomodation) oder die Sekretion von Drüsen. Als Teil des autonomen Nervensystems ist der Solarplexus an der Reaktion auf Stress beteiligt.

Bedeutung in der traditionellen Medizin und Spiritualität

Der Solarplexus spielt nicht nur in der klassischen Schulmedizin eine wichtige Rolle. Er wurde aufgrund seiner vielfältigen Funktionen häufig auch als Unterleibsgehirn betitelt, das ebenfalls Einfluss auf viele Empfindungen haben soll.

Chakrenlehre und das Manipura Chakra

Die Chakrenlehre hat ihre Ursprünge um 1500 v. Chr. in Indien, wo sieben Chakren erstmals schriftlich erwähnt wurden. Das Manipura Chakra (Solarplexus Chakra) ist das dritte der sieben Chakren, die in ihrer Gesamtheit als sich drehendes Energierad entlang der Wirbelsäule zum Scheitel hin verstanden werden. Im Zustand des Gleichgewichts sollen dem Solarplexuschakra Selbstbewusstsein, Selbstmotivation, Macht, Dominanz, Durchsetzungsfähigkeit, das Bedürfnis nach materieller Sicherheit und allgemeine Zufriedenheit zugeschrieben werden. Ein Ungleichgewicht dieses Chakras solle zu empfundener geringer Selbstachtung, fehlender Selbstdisziplin und allgemeiner Unzufriedenheit führen.

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Psychosomatische Zusammenhänge

In der Psychosomatik wird angenommen, dass der Solarplexus eng mit emotionalen Zuständen verbunden ist. Negative Emotionen wie Angst und Stress können sich im Bauchbereich manifestieren, was zu körperlichen Beschwerden führen kann. So ist z.B. die Sonnengeflechtübung eine Technik des Autogenen Trainings, die darauf abzielt, Entspannung und Ruhe zu fördern. Bei dieser Übung konzentriert sich der Übende auf seinen Solarplexus, das als Energiezentrum im Bauchraum betrachtet wird. Die Sonnengeflechtübung ist eine einfache und effektive Methode, um Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden.

Störungen und Erkrankungen des Solarplexus

Störungen oder Erkrankungen des Solarplexus können zu einer Vielzahl von Symptomen und Problemen führen. Dazu gehören:

  • Verdauungsstörungen
  • Blutdruckprobleme
  • Atembeschwerden
  • Stress und Angst
  • Neurologische Störungen wie das „Bauchhirn-Syndrom“ (unklare Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen)

Druckgefühle und Schmerzen im Bereich des Solarplexus sind eher auf die umliegenden Organe und Strukturen zurückzuführen. Dabei handelt es sich um Magen, Dickdarm, Bauchspeicheldrüse und die oberflächliche Bauch- und tiefe Rückenmuskulatur. Ein Druckgefühl kann im harmlosesten Fall von einer durcheinander gebrachten Verdauung mit viel Luft im Dickdarm herrühren oder im Sinne eines Völlegefühls vom Magen. Ist die Stelle über dem Solarplexus druckschmerzhaft, liegt möglicherweise eine Magenschleimhautentzündung vor. Begleitend würde man Übelkeit und gegebenenfalls Erbrechen erwarten. Fühlt sich der Bauch empfindlich und seltsam prall-elastisch an kann es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) handeln. Hierbei würde man erwarten, dass die Schmerzen gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen. Auch Verspannungen im Rücken können gegebenenfalls die Körpermitte reizen, z.B. langes Sitzen oder durch gekrümmte Haltung oder ungewohnten Untergrund beim Schlafen.

Auswirkungen eines Schlages auf den Solarplexus

Trifft ein kräftiger Schlag dieses Nervengeflecht, so wird dieses dadurch unsachgemäß stimuliert und reagiert auf diesen Reiz mit einer überschießenden Reaktion. Es gibt den Befehl zur Weitstellung aller Blutgefäße im Bauchraum, kurzzeitig “versackt” das Blut dort und es fließt zu wenig zurück zum Herzen. Zusätzlich bekommt das Herz den Befehl langsamer zu schlagen. Die Kombination dieser beiden Reaktionen auf den Schlag führt dementsprechend dazu, dass weniger Blut vom Herzen weitergepumpt wird, der Zufluss zum Gehirn wird kurzzeitig vermindert und dies kann in Schwindel resultieren bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Möglichkeiten zur Beeinflussung des Solarplexus

Da der Solarplexus kein Muskel ist, kann man ihn in dem Sinne auch nicht entspannen. Er besteht jedoch größtenteils aus autonomen Nervenfasern, die für die Entspannung des Bauchraums und Förderung der Verdauungstätigkeit zuständig sind. Den Solarplexus zu entspannen bedeutet also den Teil des Nervensystems anzuregen, der Entspannung bewirkt.

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  • Atemübungen: Langsames Ein- und Ausatmen, wobei die Phase des Ausatmens doppelt so lang sein sollte wie die des Einatmens, können helfen Körper und Geist zu beruhigen und den Herzschlag zu verlangsamen. Aufrechtes Sitzen wirkt dabei unterstützend und nimmt Druck vom Solarplexus.
  • Yoga: Yoga ist ebenfalls hervorragend geeignet, um Brust und Bauch zu öffnen, die Muskulatur zu stärken und zu entspannen.
  • Aroma-Therapie: Durch Verdampfen oder Räuchern von ätherischen Ölen kann Einfluss auf den Energiefluss genommen werden.
  • Massage: In verschiedenen Massagepraktiken wird der Solarplexusbereich besonders beachtet, um das Solarplexuschakra auszugleichen und zu aktivieren. Dazu gehören Edelsteinmassage, Hot Stone Massage, Reflexzonenmassage, Bauchmassage und Aromaölmassage.
  • Klangtherapie: Spezielle Klangschalen, die auf die Frequenz des Solarplexuschakras abgestimmt sind, können verwendet werden, um den Bauchbereich zu stimulieren und Energieblockaden zu lösen.

Stressmanagement und Vegetative Dystonie

Der Begriff Stress wird im breiten Verständnis häufig mit Überforderung in Verbindung gebracht. Stress ist etwas Natürliches, Lebenserhaltendes. Auch hier kommt es natürlich auf die richtige Dosis an. Gemeint ist jedoch eine Ungleichgewichtigkeit im Vegetativen, d. h. dem Willen nicht unterliegenden Nervensystem. Diese Ungleichgewichtigkeit der beiden Nerven Sympathikus (Leistungsnerv) und Parasympathikus (Ruhenerv) wird als Vegetative Dystonie bezeichnet. Unter „Vegetativer Dystonie“ werden vielfältige Symptome und Symptomenkomplexe (Syndrome) beschrieben, die mit dem Vegetativen Nervensystem zusammenhängen bzw. von diesem ausgehen. Die Beschwerden entstehen also sozusagen unterhalb der willentlich kontrollierbaren Ebene. Normalerweise oder idealerweise läuft die Steuerung aller vegetativen Funktionen lautlos und unauffällig.

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