Konzert Theater Bern und die Auseinandersetzung mit Alzheimer und Demenz

Das Konzert Theater Bern hat sich in der Vergangenheit mit dem Thema Alzheimer und Demenz auseinandergesetzt, insbesondere durch die Aufführung des Musiktheaters „Alzheim“. Dieses interdisziplinäre Werk widmet sich den Erfahrungen von Menschen mit Alzheimer, ihren Angehörigen und Betreuern.

Die Produktion „Alzheim“ am Konzert Theater Bern

„Alzheim“ ist ein Musiktheater in 50 Bildern des Schweizer Komponisten Xavier Dayer. Das Libretto und der Text stammen von Jürgen Berger nach Interviews in der Demenzstation Baan Kamlangchay in Chiang Mai, Thailand. Regie führte Ludger Engels, am Pult stand Johannes Zurl.

Inhalt und Inszenierung

Das Stück entführt die Zuschauer in eine andere Welt, nämlich in das Schicksal von acht Alzheimer-Patienten und einer Pflegerin in Thailand. Es zeigt, wie Erkrankte die Welt zunehmend anders wahrnehmen und wie sich Persönlichkeiten verändern. Die Inszenierung von Ludger Engels vermeidet es, die Tragik von Alzheimer zu verleugnen, findet aber eine Erzählweise, die komische wie berührende Momente zulässt und so der Katastrophe ihren Schrecken nimmt.

Musik und Bühne

Xavier Dayers einfühlsame Klangsprache illustriert das Schwinden und Vergessen eindringlich in einer kleinen Orchesterbesetzung. Die Musik ist mit Erinnerungssprenkeln aus einem Schweizer Volkslied versetzt und verarbeitet so, wie anregend für Menschen mit Demenzerkrankungen tief im Gedächtnis verwurzelte Musik sein kann. Ric Schachtebeck konzipierte für die Deutsche Erstaufführung einen Bühnenaufbau, der zwischen den Zuschauern platziert ist, sodass diese eine eigene Perspektive auf das Bühnengeschehen einnehmen.

Hintergrund der Entstehung

Angetrieben durch die Alzheimererkrankung seiner eigenen Mutter gründete der Schweizer Martin Woodtli im thailändischen Baan Kamlangchay ein Pflegeheim für Demenzpatienten, weil das Nachlassen von geistigen und körperlichen Fähigkeiten dort als ein natürlicher Alterungsprozess betrachtet wird. Jürgen Berger schrieb, von seinen dortigen Besuchen inspiriert, das Libretto zu „Alzheim“ und der Regisseur Ludger Engels, intensiv am Entstehungsprozess von „Alzheim“ beteiligt, brachte es in Bern zur Uraufführung.

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Musik als Therapie und Aktivierung bei Demenz

Musik spielt eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. Forschungen haben gezeigt, dass musikalische Erlebnisse aus der Jugend sehr tief in den Zentren des emotionalen Gedächtnisses abgespeichert sind und durch die Abbauprozesse bei Demenz nicht so stark betroffen sind.

Konzerte für Demenzkranke

Oliver Perau und seine Band "Klang und Leben" geben Konzerte speziell für ältere Menschen in Pflegeheimen. Sie spielen alte Schlager und Evergreens, die bei den Zuhörern Erinnerungen wecken und positive Emotionen auslösen. Die Band hat während der Pandemie sogar vor den Heimen gespielt, damit die Senioren von den Fenstern und Balkonen aus zuhören konnten.

Musizieren für und mit Menschen mit Demenz

Der Bundesmusikverband Chor & Orchester e. V. (BMCO) veranstaltet in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Kongresse zum Thema „Musizieren für und mit Menschen mit Demenz“. Ziel ist es, neue Impulse für die inklusive musikalische Arbeit in Chören, Orchestern und Ensembles zu setzen. Der BMCO ist seit 2022 aktiver Partner der Nationalen Demenzstrategie und unterstützt im Rahmen des Förderprogramms „Länger fit durch Musik!“ bundesweit Projekte zur Förderung demenzsensibler Musikangebote.

Beschäftigungsideen von A-Z

Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen mit Demenz durch Musik und andere Aktivitäten zu aktivieren und zu beschäftigen. Einige Beispiele sind:

  • Aromen und Düfte erschnuppern und raten
  • Ballspiele
  • Basteln
  • Fotoalbum gemeinsam anschauen und über die Bilder und ihre Geschichten sprechen
  • Gartenarbeit
  • Gedichte (die früher in der Schule gelernt wurden)
  • Gesellschaftsspiele (ggf. vereinfacht)
  • Gespräche, Erinnerungen an früher
  • Handarbeit (stricken, Wolle aufwickeln)
  • Jahreszeiten thematisieren (mit Blumen, Getreidehalmen, Kastanien …)
  • Kirchen, Gottesdienst besuchen
  • Konzert besuchen
  • Kochen und Backen
  • Lachen, Humor
  • Malen
  • Massieren
  • Musik: hören, singen, musizieren
  • Nachrichten aus der Zeitung vorlesen und diskutieren (lokale Ereignisse, besondere Interessensgebiete)
  • Obstsalat zubereiten
  • Puzzeln
  • Rad fahren, Tandem fahren
  • Reisen, Ausflüge (z. B. mit dem Wohnmobil als „rollendes Zuhause“)
  • Restaurant oder Café besuchen
  • Rosenkranz beten, Religiöses
  • Sinne anregen (Basale Stimulation)
  • Spazieren gehen
  • Sprichwörter raten/ergänzen
  • Sport
  • Tanzen
  • Tiere ansehen, streicheln
  • Urlaubssouvenirs betrachten
  • Vorlesen (Zeitung, Märchen, …)
  • Wandern
  • Werkzeugkasten (aufräumen, sortieren)
  • Zoo besuchen

Umgang mit Demenz im Alltag

In der frühen Phase einer Demenz geht es vor allem darum, Aktivitäten zu finden, die Spaß machen und durch die Krankheit nicht oder wenig eingeschränkt sind. Dabei kann man an frühere Lieblingsbeschäftigungen anknüpfen, es können aber auch neue Hobbys ausprobiert werden wie Malen und künstlerisches Gestalten oder auch Theaterspielen bis hin zur Internetnutzung.

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Wenn die Krankheit weiter fortschreitet, geht die Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen, zunehmend verloren. In dieser Phase suchen Pflegende meist sehr dringend nach geeigneten Beschäftigungsangeboten, die einerseits die schwierigen Verhaltensweisen der Kranken positiv beeinflussen und andererseits ihre Stimmung verbessern und Lebensfreude wecken. Nicht immer sind einfache Gesellschaftsspiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ das Richtige. Körperlicher Unruhe und depressiven Verstimmungen begegnet man besser mit körperlichen Aktivitäten, Spaziergängen oder Gymnastik. Wenn die Witterung längere Spaziergänge verhindert, sind häusliche Aktivitäten angezeigt wie gemeinsames Backen oder auch ein Hausputz. Alternativ könnte wieder einmal ein Museumsbesuch geplant werden. Und natürlich ist auch Musik ein wichtiger Türöffner in die Welt Demenzkranker, wobei gemeinsames Singen oder Bewegungsspiele mit Musik effektiver sind als eine musikalische Dauerberieselung im Hintergrund. Auch beim Tanzen erlebt man oft erstaunliche Beweise für noch vorhandene und aktivierbare Kompetenzen der Betroffenen. Inzwischen gibt es neben den relativ verbreiteten Tanzcafés schon vereinzelte Angebote von Tanzkursen für Demenzkranke und ihre Angehörigen.

Auch Menschen mit Demenz wollen das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun und sich nützlich zu machen. Reine Beschäftigungsangebote und Spiele werden deshalb manchmal nicht angenommen. Stattdessen kommen einfache Tätigkeiten im Haushalt oder im Garten in Frage wie Servietten falten, Handtücher zusammenlegen, Gemüse oder Obst putzen und klein schneiden, Blumen einpflanzen oder gießen, Handarbeiten … Dabei kommt es auf das Tun an, nicht so sehr auf das Ergebnis. Auch mit Lob und Anerkennung sollte nicht gespart werden.

In der letzten Phase der Demenz, wenn die Kranken auch körperlich nur noch wenig mobil sind, muss Aktivierung immer stärker von außen erfolgen. Dabei geht es in erster Linie um eine Anregung der Sinne und Sinneswahrnehmungen, wie sie zum Beispiel durch die Basale Stimulation erfolgt. Besonders wichtig ist dabei die Berührung, die einerseits Nähe herstellt, andererseits den Kranken ein Spüren des eigenen Körpers und seiner Grenzen ermöglicht. Der Geruchssinn kann durch intensive angenehme Gerüche stimuliert werden, wie dem Duft nach frisch gebackenem Brot, frischem Kaffee, Blumen, Zitrusfrüchten, Kräutern und vielem mehr. Dabei geht es nicht um Abwechslung, es müssen nicht viele verschiedene Düfte nacheinander präsentiert werden, sondern jeweils nur ein bestimmter oder einige wenige, die dafür ganz wahrgenommen werden können. Auch das Hören ist wichtig. Selbst wenn keine sichtbare Reaktion erfolgt, nehmen Demenzkranke Sprache, Musik und besonders Rhythmen wahr. Diese Art der Anregung hilft dabei, den Kranken, die sich zunehmend verloren fühlen, ein Gefühl von Sicherheit und Kontakt mit der Außenwelt zu ermöglichen.

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