Koordinationsprobleme bei Polyneuropathie: Ursachen und Behandlungsansätze

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven gleichzeitig geschädigt werden. Diese Nerven sind für die Übertragung von Informationen von Gehirn und Rückenmark zum Rest des Körpers verantwortlich. Die Erkrankung kann sich je nach Schweregrad unterschiedlich äußern. Welche Symptome auftreten, hängt zudem von den jeweils geschädigten Nerven ab. Man unterscheidet sensible von motorischen und autonomen Störungen. Da die Erkrankung oft schleichend beginnt und nicht immer sofort erkannt wird, ist es entscheidend, die ersten Warnsignale zu verstehen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Betroffene erleben nicht nur physische Einschränkungen, sondern häufig auch psychische Belastungen, da die Symptome allmählich die Lebensqualität mindern können. Das Wissen über die Frühwarnzeichen und die Verfügbarkeit von Therapien ist daher ein wichtiger Schritt, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Beschwerden zu lindern.

Frühwarnzeichen und Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome der Polyneuropathie können von Person zu Person stark variieren, abhängig von den betroffenen Nerven und dem Schweregrad der Erkrankung. Die Beschwerden können außerdem zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten, zum Beispiel schon während einer Krebsbehandlung oder erst einige Zeit danach. Auch die Art der Symptome und ihre Intensität können individuell sehr verschieden sein.

Sensible Symptome

Ein frühes Symptom ist oft ein Gefühl von Taubheit oder Kribbeln in den Händen und Füßen. Diese Empfindungen, auch als Parästhesien bezeichnet, treten meist symmetrisch auf und können sich mit der Zeit ausbreiten. Sie entstehen durch eine gestörte Signalübertragung in den sensorischen Nerven. Betroffene beschreiben oft das Gefühl, als würden sie auf Watte laufen oder ihre Haut sei von einem unsichtbaren Handschuh bedeckt. Diese Symptome sind oft ein erstes Warnsignal für eine bestehende Nervenschädigung und sollten ernst genommen werden, da sie sich unbehandelt verschlimmern können.

Brennende, stechende oder ziehende Schmerzen sind ebenfalls häufige Frühwarnzeichen. Diese neuropathischen Schmerzen entstehen, wenn geschädigte Nerven überaktiven oder fehlerhaften Signalen an das Gehirn senden. Besonders auffällig ist, dass die Schmerzen oft ohne erkennbaren äußeren Reiz auftreten und nachts schlimmer werden. Studien zeigen, dass bis zu 30 % der Menschen mit Diabetes Typ 2 im Frühstadium neuropathische Schmerzen entwickeln. Diese Schmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, da sie Schlafstörungen und chronische Erschöpfung hervorrufen können.

Nerven, die von der Haut zum Gehirn führen, werden "sensible" oder sensorische Nerven genannt. Sie leiten Informationen von Berührungsreizen, dem Druck-, Temperatur- oder Schmerzempfinden sowie von Vibrationen an das Gehirn weiter. Störungen sensibler Nerven äußern sich meist durch Missempfindungen, Kribbeln, Brennen oder stechenden Schmerz. Taubheitsgefühle sind ebenfalls mögliche Folgen. Die Zehen sind häufig als erstes betroffen. Sind die Beine betroffen, können sich Koordinationsprobleme beim Gehen entwickeln. Ist das Temperaturempfinden gestört, kann es leichter zu Verletzungen kommen - beispielsweise Verbrennungen. Menschen mit ausgeprägter Polyneuropathie nehmen meist auch Schmerzen nur vermindert wahr. Auch dies kann das Verletzungsrisiko erhöhen. Die meisten Polyneuropathien gehen mit sensiblen Störungen einher.

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Weitere sensible Symptome sind:

  • Kribbeln, Ameisenlaufen
  • Stechen
  • Pelzigkeits- und Taubheitsgefühl
  • Gefühl des Eingeschnürtseins
  • Schwellungsgefühle
  • Gefühl des unangenehmen Drucks
  • Gefühl, wie auf Watte zu gehen
  • Gangunsicherheit (v.a. im Dunkeln)
  • fehlendes Temperaturempfinden
  • schmerzlose Wunden

Motorische Symptome

Ein weiteres Anzeichen ist die Abnahme oder der Verlust von Reflexen, insbesondere in den Beinen. Dies kann darauf hinweisen, dass motorische Nerven betroffen sind. Neurologen testen häufig den Achillessehnenreflex, da ein Ausbleiben dieses Reflexes ein Hinweis auf eine Polyneuropathie sein kann. Der Verlust von Reflexen bedeutet, dass die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln gestört ist, was langfristig zu Muskelschwäche und Mobilitätsproblemen führen kann.

Betroffene berichten oft von einer abnehmenden Muskelkraft oder Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen. Dies tritt auf, wenn motorische Nerven geschädigt sind. Ein typisches Beispiel ist das Stolpern über Hindernisse oder das Gefühl von Unsicherheit auf unebenem Untergrund. In späteren Stadien kann es sogar zu Muskelatrophie kommen, also einem Abbau der Muskelmasse, der die Bewegungsfähigkeit weiter einschränkt. Diese Symptome können den Alltag erheblich erschweren und die Gefahr von Stürzen erhöhen.

Motorische Nerven leiten Signale vom Gehirn zu den Skelettmuskeln. Sie lösen dort Muskelkontraktionen aus, was die Grundlage für (willentliche) Bewegungen bildet. Bei einer motorischen Polyneuropathie sind ebendiese Nerven geschädigt. Das hat zur Folge, dass die betreffenden Muskeln an Kraft verlieren. Im schlimmsten Fall treten Muskellähmungen auf. Auch Muskelkrämpfe sind möglich. Betroffene Patienten sind in weit fortgeschrittenen Stadien möglicherweise auf mechanische Hilfen angewiesen (bspw. Rollator, Rollstuhl). Generell gilt: Wenn Muskelgewebe längere Zeit unzureichend oder gar nicht mehr über die Nerven angesteuert wird, degeneriert es - es schrumpft und schwindet. So kann eine motorische Polyneuropathie in schweren Fällen zu Muskelschwund führen (Muskelatrophie). Bei den Skelettmuskeln (insbesondere Arm- und Beinmuskulatur) passiert das besonders schnell.

Weitere motorische Symptome sind:

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  • Muskelzucken
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwäche
  • Muskelschwund

Autonome Symptome

Die Polyneuropathie kann auch das autonome Nervensystem betreffen und Symptome wie Blutdruckabfall beim Aufstehen, vermehrtes Schwitzen oder Verdauungsstörungen verursachen. Diese Anzeichen sind oft subtiler, sollten jedoch ernst genommen werden, da sie auf eine Beteiligung lebenswichtiger Funktionen hinweisen. Beispielsweise können Störungen der Verdauung zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen führen, während plötzlicher Blutdruckabfall Schwindel und Stürze verursacht.

Die autonomen (vegetativen) Nerven steuern die Funktion von inneren Organen wie Herz, Lunge, Magen, Darm, Geschlechtsorganen oder Blase. Sie sind nicht dem Willen unterworfen. Man kann also zum Beispiel dem Herzmuskel nicht bewusst befehlen, sich zu zusammenzuziehen - sie agieren „autonom“. Sind solche autonomen Nerven geschädigt, kann es zu Komplikationen kommen, die die Lebensqualität stark einschränken. Wenn bei einer Polyneuropathie zum Beispiel Darmnerven geschädigt sind, ist die Funktion des Magen-Darm-Trakts beeinträchtigt, was zu Durchfall oder Verstopfung führen kann. Sind etwa Nerven in Mitleidenschaft gezogen, die die Blasenfunktion regulieren, ist das Wasserlassen, also die Blasenentleerung gestört. Auch lebensbedrohliche Komplikationen können sich entwickeln. Bei fortgeschrittenen autonomen Nervenschädigungen im Bereich der Lunge kann ein Atemstillstand eintreten. Betrifft die autonome Polyneuropathie hingegen Nerven des Herzmuskels, können gefährliche Herzrhythmusstörungen daraus erwachsen.

Weitere autonome Symptome sind:

  • Pupillenstörungen
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • vermindertes Schwitzen
  • Herzrasen in Ruhe
  • Magenlähmung (Gastroparese)
  • Durchfall, Verstopfung
  • gestörte Blasenentleerung
  • Impotenz (Erektile Dysfunktion)
  • Schwindel/Ohnmacht beim Aufstehen

Ursachen der Polyneuropathie

Polyneuropathie hat zahlreiche Ursachen, die eine Schädigung der peripheren Nerven hervorrufen können. Die genaue Identifizierung der Ursache ist entscheidend für die gezielte Behandlung und das Management der Erkrankung.

  • Diabetes mellitus: Die häufigste Ursache in den Industrienationen. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Nervenfasern durch eine Kombination aus oxidativem Stress und Durchblutungsstörungen. Bis zu 25 % der Patienten mit Diabetes können von einer diabetischen Polyneuropathie betroffen sein.
  • Alkoholkonsum: Langanhaltender Missbrauch kann zu Vitamin-B1-Mangel führen, was die Nervenfunktion beeinträchtigt. Alkohol selbst wirkt zudem neurotoxisch.
  • Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12, das für die Myelinschicht der Nerven wichtig ist, kann eine Polyneuropathie verursachen. Um einem Vitaminmangel entgegenzuwirken, solltest du auf eine ausgewogene Ernährung mit vitaminreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte für Vitamin B12 sowie Nüsse und Pflanzenöle für Vitamin E achten. Wenn ein Mangel diagnostiziert wird, können Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen gezielt helfen, besonders bei Vitamin B12.
  • Medikamente: Einige Chemotherapeutika und Antibiotika können als Nebenwirkung Nerven schädigen. Auch Antiretrovirale Therapien können das Risiko erhöhen.
  • Schwermetalle: Schwermetalle wie Blei können in Obst und Gemüse vorkommen, das in belasteten Böden oder in der Nähe von Industrieanlagen angebaut wurde. Quecksilber findet sich häufig in größeren Fischarten wie Thunfisch, Schwertfisch und Hai, die aufgrund ihrer Position in der Nahrungskette höhere Konzentrationen aufweisen. Um die Aufnahme von Quecksilber zu minimieren, solltest du auf nachhaltige und zertifizierte Fischprodukte achten, die regelmäßig auf Schadstoffe überprüft werden. Kleinere Fischarten wie Sardinen oder Makrelen enthalten in der Regel weniger Schwermetalle und sind eine gesündere Alternative.
  • Krebserkrankungen und ihre Therapien: Krebstherapien wie eine Chemotherapie oder Bestrahlung, aber auch Tumore, die auf die Nerven drücken oder in sie einwachsen, können diese schädigen. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Neuropathie („neuron“ = Nerv und „pathie“ bedeutet „krank“).
  • Infektionen: Infektionen wie Lyme-Borreliose, HIV und Hepatitis C sind weitere mögliche Auslöser.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie Guillain-Barré-Syndrom und rheumatoide Arthritis können die Nerven durch entzündliche Prozesse angreifen.
  • Genetische Faktoren: Genetische Faktoren spielen bei bestimmten Formen der Polyneuropathie eine Rolle, wie etwa bei der Charcot-Marie-Tooth-Krankheit.
  • Chronisch entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP): eine Erkrankung, bei der das Immunsystem die peripheren Nerven angreift und Muskelschwäche sowie Reflexverschlechterung verursacht.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose der Polyneuropathie umfasst verschiedene Untersuchungen, um die Ursache und das Ausmaß der Nervenschädigung zu bestimmen. Eine Diagnose zu stellen, ist nicht immer einfach, da die Bandbreite der Symptome sehr groß ist.

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  • Neurologische Untersuchung: Reflexe, Muskelkraft und Sensibilität werden getestet. Ein typisches Zeichen ist der Verlust der Vibrationsempfindung. Bei der Untersuchung durch einen Neurologen werden die Qualität der Reflexe, die Muskelkraft, die Sensibilität oder die Koordination untersucht, was Aufschluss über das Ausmaß der Nervenschädigung geben kann.
  • Elektroneurografie (ENG): Diese Methode misst die Nervenleitgeschwindigkeit und zeigt, ob die Nerven normal funktionieren. Verlangsamte Leitgeschwindigkeiten weisen auf eine Schädigung hin.
  • Blutuntersuchungen: Sie können Hinweise auf zugrunde liegende Erkrankungen wie Diabetes oder Vitaminmängel geben. Auch Entzündungsmarker oder Autoantikörper können untersucht werden. Die Blutuntersuchungen umfassen Tests auf Diabetes, Schilddrüsen- und Lebererkrankungen sowie eine Beurteilung Ihres Immunstatus.
  • Nervenbiopsie: In seltenen Fällen wird ein Stück Nervengewebe entnommen, um die Ursache der Schädigung zu identifizieren. Dies ist jedoch meist nur bei unklaren Fällen notwendig. Manchmal wird auch eine Biopsie (Probeentnahme) des Nervs durchgeführt.
  • Weitere Untersuchungen: Falls erforderlich, wird der Arzt eine MRT- oder CT-Untersuchung oder eine Elektromyographie empfehlen.

Therapieansätze bei Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Ursache. Während es keine Heilung für Polyneuropathie gibt, gibt es eine Reihe von Behandlungen, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

  • Ursachenbekämpfung: Bei diabetischer Polyneuropathie ist eine konsequente Blutzuckerkontrolle entscheidend. Bei alkoholbedingter Polyneuropathie ist der Verzicht auf Alkohol entscheidend. Bei Vitaminmangel werden hochdosierte Vitamine verabreicht, um die Nervenschäden zu beheben. Wenn Infektionen die Ursache sind, können entsprechende Antibiotika oder antivirale Medikamente zum Einsatz kommen. Autoimmune Polyneuropathien erfordern oft Immunsuppressiva oder Immunmodulatoren, um die Entzündungsreaktionen zu reduzieren. Die Behandlung der Polyneuropathie kann nur von Ihrem Arzt unter Berücksichtigung Ihres allgemeinen Gesundheitszustands festgelegt werden. Bei der Behandlung werden Medikamente entsprechend der spezifischen Ursache der Erkrankung eingesetzt - zum Beispiel Medikamente gegen Diabetes oder Schilddrüsenhormone bei Schilddrüsenerkrankungen.
  • Schmerztherapie: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin können neuropathische Schmerzen lindern. Auch Antidepressiva wie Amitriptylin oder Duloxetin haben sich bewährt. Schmerzmedikamente, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Linderung neuropathischer Schmerzen beitragen. Auch Over-the-Counter Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Sie können helfen, die Muskelkraft zu erhalten und die Mobilität zu verbessern. Diese Therapieformen tragen dazu bei, den Alltag trotz Einschränkungen selbstständig zu bewältigen. Im Rahmen einer Physiotherapie erlernen Sie unter fachlicher Anleitung Übungen, um wieder sicherer zu gehen und zu stehen, das Gleichgewicht besser zu halten und das Risiko für Stürze zu senken. Sie sollten diese Übungen kontinuierlich zuhause weiter durchführen. Bei einer Ergotherapie trainieren Sie Ihre Alltagsfähigkeiten. Fachpersonen arbeiten oft mit Hilfsmitteln wie Fußrollen, Bürsten oder Igelbällen. Außerdem üben Sie das Laufen auf verschiedenen Untergründen, zum Beispiel auf Erbsen oder Körnern, um Ihre Beweglichkeit und Standfestigkeit zu fördern. Teil der Ergotherapie ist meist auch ein Schreibtraining, um die Handschrift zu verbessern.
  • Elektrische Nervenstimulation (TENS): ist eine weitere Option zur Schmerzlinderung.
  • Bewegungstherapie: Bei Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen können zum Beispiel ein Bewegungstraining, die Physiotherapie und Ergotherapie unterstützend sein. Eine Bewegungstherapie umfasst zum Beispiel:
    • Balanceübungen, z.B. auf einem Kippbrett - für mehr Gang- und Standsicherheit
    • Sensomotorisches Training, um das Gefühl und Empfinden zu verbessern
    • Koordinationstraining, um die Geschicklichkeit im Alltag zu trainieren
    • Vibrationstraining - ein Muskeltraining, das auf einer vibrierenden Platte durchgeführt wird. Es soll die Muskeln trainieren und kräftigen und so zu einem indirekten Muskelaufbau beitragen.
    • Training der Feinmotorik, um Alltagsaktivitäten besser ausführen zu können
  • Topische Cremes und Pflaster: Topische Schmerzmittel können eine effektive Möglichkeit sein, lokale Schmerzen zu lindern.
  • Immuntherapien: Bei einigen Arten werden Medikamente eingesetzt, die auf das Immunsystem wirken.
  • Kortikosteroide: Sie können auch vom Arzt kortikosteroidhaltige Medikamente verschrieben bekommen, die Juckreiz, Schwellungen und Entzündungen lindern.
  • Physikalische Therapie: Die Verbesserung der körperlichen Kraft und Flexibilität kann dazu beitragen, die Symptome der Polyneuropathie zu lindern.
  • Elekrotherapie: Dabei werden zum Beispiel die Nerven und Muskeln an Händen und Armen elektrisch stimuliert.
  • Rehabilitation: Die Rehabilitation verbessert die Beweglichkeit, die Stabilität und die Fähigkeit, normalen täglichen Aktivitäten nachzugehen.
  • Kurbehandlung: Die Möglichkeiten der Kurbehandlung sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Dieser stellt auch einen Vorschlag für eine Kurbehandlung zu den von der Krankenkasse festgelegten Bedingungen aus. Das genaue Kurprogramm hängt vom Zustand des Patienten ab und kann zum Beispiel neben Übungen, Physiotherapie oder Massagen auch Hydrotherapie umfassen. Die Hydrotherapie lindert Schmerzen, entspannt die Muskeln und verbessert die Durchblutung.

Ergänzende Maßnahmen

Ergänzend zu den genannten Therapien können folgende Maßnahmen zur Linderung der Symptome beitragen:

  • Ernährung: Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung unterstützt die Nervenfunktion. Besonders wichtig sind Vitamine der B-Gruppe und Antioxidantien. Es ist wichtig, ausreichend Vitamin B und Vitamin E zu sich zu nehmen, da diese für den guten Zustand der Nerven entscheidend sind. Nahrungsergänzungsmittel können den Körper mit fehlenden Vitaminen oder Mineralien versorgen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Vitaminen B1, B12 und Vitamin E. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B12 sind besonders wichtig für Veganer und Vegetarier.
  • Bewegung: Regelmäßiger Sport verbessert die Durchblutung und kann helfen, Symptome zu lindern. Studien zeigen, dass moderate Bewegung Entzündungsprozesse reduziert und die Regeneration der Nerven unterstützt. Patienten mit Polyneuropathie müssen Sportarten und Übungen wählen, die ihre Sicherheit nicht gefährden oder das Risiko von Stürzen oder Verletzungen erhöhen. Die körperliche Aktivität sollte die aktuelle Kondition und Bewegungsfähigkeit berücksichtigen. Richtig ausgewählte Übungen und Krankengymnastik fördern die Beweglichkeit, Motorik oder Stabilität.
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin: Beide Substanzen können die Nervenschädigung verschlimmern und sollten gemieden werden.
  • Stressbewältigung: Chronischer Stress kann Entzündungen im Körper verschlimmern und das Fortschreiten der Polyneuropathie begünstigen. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können hilfreich sein.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Lass deine Nervenfunktion und Vitalwerte regelmäßig überprüfen, insbesondere wenn du zu den Risikogruppen gehörst.
  • Barfußtraining: Gezielte Reize durch Barfußlaufen auf unterschiedlichen Untergründen können die Nervenstimulation verbessern und zur Erhaltung der Sensibilität beitragen.
  • Beobachtung der Symptome: Notiere Kribbeln, Schmerzen oder Muskelschwächen und suche frühzeitig einen Arzt auf.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Besonders Diabetiker sollten routinemäßig auf Anzeichen einer Polyneuropathie untersucht werden.
  • Vitaminstatus prüfen lassen: Bei vegetativer oder sensorischer Symptomatik kann ein einfacher Bluttest Klarheit schaffen. Eine frühe Therapie bei Vitaminmangel kann das Fortschreiten der Krankheit oft verhindern.
  • Praktische Tipps für den richtigen Umgang mit Orthesen.

Was man vermeiden sollte

  • Koffein: Obwohl das in Kaffee enthaltene Koffein anregende Wirkungen hat, kann übermäßiger Konsum einen negativen Einfluss auf das Nervensystem haben. Koffein selbst verursacht keine Nervenschädigung, aber es kann das Nervensystem belasten und neuropathische Schmerzen verstärken.

Falsche Vorstellungen über Polyneuropathie

  • „Nur ältere Menschen sind betroffen“: Tatsächlich kann Polyneuropathie in jedem Alter auftreten, insbesondere bei genetischen Ursachen oder toxischen Einflüssen. Auch junge Erwachsene sind nicht immun.
  • „Man kann nichts tun“: Frühzeitige Diagnostik und gezielte Therapie können die Beschwerden erheblich lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf einer Neuropathie ist individuell verschieden und lässt sich meist nicht vorhersagen. Die Symptome können sich teilweise oder ganz zurückbilden, aber auch dauerhaft bestehen bleiben. Unterschiedlich kann es auch sein, wie intensiv die Symptome sind oder bleiben. Bei einigen Arten der Nervenschädigung kann sich der Zustand jedoch im Laufe der Zeit verschlechtern. Die Lebenserwartung dürfte sich nicht von der Lebenserwartung gesunder Menschen unterscheiden, vorausgesetzt, dass alle Empfehlungen des Arztes befolgt werden.

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