Hirnfrost: Wenn eiskaltes Wasser das Gehirn kurzzeitig schmerzt

Eiscreme, Stieleis, Slush - an heißen Tagen sehnt man sich nach einer kühlen Erfrischung. Doch wer zu schnell Eis isst oder eiskalte Getränke konsumiert, kennt das unangenehme Phänomen: Hirnfrost. Dieser stechende Schmerz hinter der Stirn ist zwar harmlos, kann aber den Genussmoment trüben.

Was ist Hirnfrost?

Hirnfrost, auch als Kältekopfschmerz oder im Englischen als "brain freeze" bekannt, ist ein kurzzeitiger, stechender Schmerz im Kopf, der durch den Konsum von sehr kalten Speisen oder Getränken ausgelöst wird. Wissenschaftlich wird er als Sphenopalatine Ganglioneuralgia bezeichnet. Er zählt zu den primären Kopfschmerzen, also solchen, die keine erkennbare Ursache haben.

Wie entsteht Hirnfrost?

Die genauen Ursachen für Hirnfrost sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt zwei Haupttheorien:

Theorie 1: Reaktion der Blutgefäße

Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Kälte im Mundraum dazu führt, dass sich die Blutgefäße um den Gaumen und Rachen stark zusammenziehen. Dies ist eine Reaktion des Körpers, um Wärmeverlust zu verhindern. Anschließend weiten sich die Gefäße schnell wieder, um vermehrt Blut ins Gehirn zu leiten und die Körpertemperatur zu stabilisieren. Insbesondere eine große Blutbahn hinter den Augen und der Stirn transportiert viel Blut in den Kopf, was den Druck im Gehirn erhöht. Dieser Druckanstieg wird als Kopfschmerz wahrgenommen. Sobald sich die Blutgefäße wieder zusammenziehen, normalisiert sich der Druck, und der Schmerz verschwindet. Diese Reaktion wird als eine Art Selbstverteidigung des Gehirns gegen Kälte interpretiert.

Theorie 2: Beteiligung des Trigeminusnervs

Eine andere Theorie besagt, dass die kalte Flüssigkeit den Gaumen und Rachen stark abkühlt. Darauf reagieren die Blutgefäße, indem sie sich erst zusammenziehen und dann schnell wieder weiten. Dieses Verhalten wird von einem Nerv namens Trigeminus registriert. Der Trigeminusnerv ist für viele Bereiche im Gesicht zuständig, einschließlich Stirn, Augen und Zunge. Er interpretiert die Reaktion der Blutbahnen als ein Signal, dass etwas nicht stimmt, und sendet ein Schmerzsignal an das Gehirn. Da der Trigeminusnerv viele Bereiche versorgt und sich daher "undeutlich" ausdrückt, kann das Gehirn den genauen Ursprungsort des Schmerzes nicht lokalisieren. Es lokalisiert den Schmerz fälschlicherweise im Kopf. Dieses Phänomen wird als "übertragener Schmerz" bezeichnet, da der Schmerz an einer anderen Stelle wahrgenommen wird als dort, wo er tatsächlich entsteht.

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Wer ist betroffen?

Interessanterweise erlebt nicht jeder Mensch Hirnfrost. Studien zeigen, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte der Menschen anfällig für Kältekopfschmerzen ist. Die Ursachen für diese individuellen Unterschiede sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Es gibt Hinweise darauf, dass Hirnfrost familiär gehäuft auftritt. Entgegen früherer Annahmen scheinen Menschen mit Migräne-Neigung nicht automatisch anfälliger für Hirnfrost zu sein.

Ist Hirnfrost gefährlich?

Die gute Nachricht ist, dass Hirnfrost harmlos und nicht gefährlich ist. Er hinterlässt keine bleibenden Schäden und ist kein Anzeichen für eine Krankheit. Der Schmerz verschwindet in der Regel nach wenigen Sekunden oder Minuten von selbst.

Was tun gegen Hirnfrost?

Da Hirnfrost von selbst verschwindet, ist eine spezielle Therapie nicht erforderlich. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die helfen können, den Schmerz zu lindern oder zu vermeiden:

  • Langsames Essen und Trinken: Vermeiden Sie es, kalte Speisen und Getränke zu schnell zu konsumieren.
  • Gaumenkontakt reduzieren: Achten Sie darauf, dass kalte Speisen und Getränke nicht direkt mit dem Gaumen in Berührung kommen. Beim Eisessen kann man beispielsweise den Löffel umdrehen, sodass er als Barriere zwischen Eis und Gaumen dient.
  • Gaumen erwärmen: Wenn es doch zu Hirnfrost kommt, kann man versuchen, den Gaumen mit der Zunge aufzuwärmen oder langsam etwas warmes Wasser zu trinken.
  • Körper langsam an Kälte gewöhnen: Gerade bei Hitze ist es empfehlenswert, den Körper langsam an kalte Getränke oder Eis zu gewöhnen.

Kälte als Therapie: Hypothermie in der Medizin

Obwohl Hirnfrost unangenehm ist, hat Kälte auch positive Effekte auf das Gehirn. In der Medizin wird Hypothermie, also die gezielte Senkung der Körpertemperatur, in bestimmten Situationen alsTherapie eingesetzt.

Schutz nach Herzstillstand

Nach einem Herzstillstand kann es zu schweren Gehirnschäden kommen, da die Nervenzellen durch den Sauerstoffmangel geschädigt werden. Eine Kühlung des Körpers auf etwa 33 Grad Celsius kann die Nervenzellen schützen und die Wahrscheinlichkeit von bleibenden Schäden reduzieren. Studien haben gezeigt, dass Patienten, die nach einem Herzstillstand mit Hypothermie behandelt wurden, eine höhere Überlebenschance haben und weniger neurologische Störungen zurückbehalten.

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Weitere Anwendungsbereiche

Hypothermie könnte auch bei anderen Erkrankungen des Gehirns, wie Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma, von Nutzen sein. Die Kälte kann den Druck im Schädelinneren senken und so die Nervenzellen entlasten. Allerdings sind hierzu noch weitere Studien erforderlich.

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