Das menschliche Gehirn, ein komplexes Organ, ist von großem Interesse für Anatomen und Laien gleichermaßen. Besonders charakteristisch ist das Bild des Gehirns in der seitlichen Ansicht: ein helmförmiges Gebilde, dessen Oberfläche von Windungen und Furchen durchzogen ist. Dieser Artikel befasst sich mit der Anatomie des Gehirns in der seitlichen Ansicht und beleuchtet insbesondere die Großhirnrinde (Cortex cerebri) und den Hirnstamm (Truncus cerebri).
Die Großhirnrinde (Cortex cerebri)
Die Rinde des Großhirns - der Cortex cerebri - bedeckt fast das gesamte von außen sichtbare Gehirn. Dieser äußerste Teil des Gehirns - gut geschützt vom Schädelknochen und der darunterliegenden Hirnhaut - ist der Cortex cerebri, die Großhirnrinde. Sie ist stark gefaltet und durchzogen von zahlreichen Furchen, wodurch voneinander abgrenzbare Bereiche entstehen. Jede Großhirnhälfte (Hemisphäre) gliedert sich in vier von außen sichtbaren Lappen, die Lobi:
- Stirnlappen (Frontallappen)
- Scheitellappen (Parietallappen)
- Schläfenlappen (Temporallappen)
- Hinterhauptslappen (Okzipitallappen)
Hinzu kommt der Insellappen (Lobus insularis), der tief in der seitlichen Großhirnfurche verborgen liegt und von außen nicht sichtbar ist.
Etwa 90 Prozent des Cortex bestehen aus dem evolutionär jungen Neocortex, der durchgehend aus sechs Zellschichten aufgebaut ist. Das Großhirn mit seinen beiden Hemisphären und dem sie verbindenden Balken (Corpus callosum) ist der entwicklungsgeschichtlich jüngste und größte Teil des Gehirns. Es macht etwa 85 Prozent der gesamten Gehirnmasse aus. Zieht man das innen Großhirnmark - vor allem bestehend aus Nervenfasern und den darin eingebetteten Basalganglien (Nuclei basales) - ab, bleibt die Großhirnrinde, eine zwei bis fünf Millimeter dicke Schicht, die als graue Substanz bezeichnet wird. Sie ist reich an Nervenzellkörpern, die ihr eine rotbraune bis graue Farbe verleihen. Schätzungen gehen von etwa 17 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) in der menschlichen Großhirnrinde aus; Individuelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern hängen vor allem mit der im Durchschnitt größeren Gehirn- und Körpergröße von Männern zusammen - sie erlauben keinesfalls Rückschlüsse auf geistige Fähigkeiten.
Funktionen des Cortex cerebri
Im Cortex entsteht aus den Signalen der Sinnesorgane und vorgeschalteter Hirnregionen ein zusammenhängender Eindruck der Umwelt. Zudem kann er Informationen speichern und bildet damit die biologische Grundlage unseres Gedächtnisses. Die typische Struktur des Cortex hat sich in der Stammesgeschichte der Säugetiere langsam zu seiner heutigen Form entwickelt. Zunächst entstand der für Geruchswahrnehmung zuständige Teil - er heißt daher Paleocortex, also alter Cortex. Ebenfalls sehr früh entstand der so genannte Archicortex, der oft zum limbischen System gezählt wird. Beim Menschen umfasst er Hirnrindenteile, die für emotionale Reaktionen zuständig sind, das Verhalten für Arterhaltung und Fortpflanzung. Dazu kommt der Hippocampus, der für das Gedächtnis und räumliche Orientierung von zentraler Bedeutung ist. Diese „alten“ Areale machen jedoch nur etwa ein Zehntel der Großhirnrinde aus. Die übrigen 90 Prozent bilden den Neocortex.
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Mit der zunehmenden Entwicklung und Verfeinerung der Sinne bei den Säugetieren - dazu gehören nicht nur Auge, Ohr und Geschmacksorgane, sondern auch die Sinnesrezeptoren in Haut, Schleimhaut und Muskulatur sowie die Netzhaut und das Innenohr mit Hör- und Gleichgewichtssystem - wurde auch der Neocortex immer komplexer. Er umfasst neben motorischen Feldern zur Steuerung gezielter Bewegungen vor allem große Anteile des sogenannten Assoziationscortex. Im Assoziationscortex werden Informationen aus den vielen Sinnessystemen zu einem umfassenden Bild der Welt zusammengefügt, hier werden auch unsere Aufmerksamkeit und Aktivität geregelt. Dabei verarbeitet der Assoziationscortex nicht nur Sinneseindrücke, die von außen ins Gehirn gelangen, sondern bezieht auch innere Prozesse mit ein - etwa Erinnerungen, Erwartungen oder Gedanken. Auf diese Weise entsteht ein inneres Weltmodell, das unsere Wahrnehmung lenkt und es uns ermöglicht, die Außenwelt im Licht unserer Erfahrungen und Ziele zu interpretieren.
Faltung der Großhirnrinde
Die Rinde konnte dabei nicht beliebig wachsen, denn das Schädelvolumen ist begrenzt. Stattdessen legte sie Falten: Windungen (Gyri) und Furchen (Sulci bzw. Fissurae). Ähnlich wie beim zusammengeknüllten Geschirrtuch in einem Glas entsteht so viel Oberfläche auf kleinem Raum - ein Trick der Evolution, um trotz des begrenzten Schädelvolumens genug Platz für die vielfältigen Aufgaben des Cortex zu schaffen. Das Schädelvolumen seinerseits muss minimiert werden, da aufgrund der Weite der weiblichen Geburtswege nur ein beschränkter Raum zur Verfügung steht.
Zytoarchitektonik
Unter dem Mikroskop zeigt der Neocortex einen typischen sechsschichtigen Aufbau. Je nach Region variiert die genaue Ausprägung dieser Schichten und ist charakteristisch für bestimmte Rindenfelder. Die älteren Teile des Cortex besitzen dagegen nicht sechs, sondern eine andere Anzahl von Schichten - meist drei bis fünf. Diese zelluläre Organisation bezeichnet man als Zytoarchitektonik. Für eine grobe Orientierung lassen sich die großen Furchen und Lappen heranziehen. Eine präzisere Gliederung geht jedoch auf die Arbeiten von Korbinian Brodmann sowie Cecile und Oskar Vogt zurück. Brodmann unterschied anhand der Feinheiten im zellulären Aufbau beim Menschen 52 Felder, die bis heute als Brodmann-Areale bekannt sind. Manche Darstellungen nennen andere Zahlen, da einzelne Felder anfangs nicht eindeutig abgegrenzt waren. In der modernen Forschung wurden Brodmanns Felder zudem weiter differenziert oder zusammengefasst. Obwohl Brodmann seine Areale ausschließlich nach dem zellulären Aufbau beschrieb, lassen sich vielen von ihnen bestimmte Funktionen zuordnen. Lange Zeit galt dies als Beispiel für das Prinzip „form follows function“ - die Form bestimmt die Funktion. Heute wird jedoch diskutiert, ob es nicht auch umgekehrt sein könnte: dass funktionelle Netzwerke die Struktur prägen.
Sensorische und motorische Zentren
Ob wir etwas hören, sehen oder auf andere Art bewusst wahrnehmen: Die Signale aus den verschiedenen Sinnesorganen landen im Cortex. Doch wie genau funktioniert das? Eingehende Signale werden von Nervenzellen im Thalamus umgeschaltet und an entsprechende Rindenregionen weitergeleitet. Im Falle des Sehens etwa wird die primäre Sehrinde im Okzipitallappen aktiv. Sie verarbeitet die visuellen Signale und leitet sie an Rindenregionen weiter, die komplexe Leistungen wie die Wiedererkennung von Gegenständen oder Gesichtern ermöglichen. Primäre somatosensorische Felder im Scheitellappen nehmen die Sinnesinformation über Berührung, Vibration, Druck, Dehnung oder Schmerz auf, verarbeiten sie und leiten sie an „höhere“ Rindenfelder weiter, wo dann zum Beispiel aus der Berührung eines Gegenstandes eine Vorstellung über dessen Form entsteht. Analoges gilt für das Hören: Aus der Wahrnehmung unterschiedlicher Schallfrequenzen in der primären Hörrinde im Schläfenlappen kann die Wahrnehmung einer Melodie oder Sprache in „höheren“ Rindenfeldern entstehen.
Wie die sensorischen Zentren für Sinneseindrücke zuständig sind, gibt es für die Steuerung von Bewegungen die motorischen Zentren. Dort lassen sich bestimmten Körperteilen, sogar einzelnen Muskelgruppen und Bewegungen, Areale zuordnen - etwa der rechten Hand ein Bereich im linken Frontallappen.
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Folgen von Verletzungen
Aus den vielfältigen Funktionen der Großhirnrinde ergeben sich die möglichen Folgen örtlicher Verletzungen und Ausfälle. Ist das primäre Sehzentrum betroffen, besteht Blindheit trotz funktionierender Augen; fallen bestimmte „höhere“ Rindenfelder aus, sieht der Mensch zwar, erkennt aber je nach Lokalisation der Störung nicht Gesichter, Farben oder Bewegungen. Bei einer Schädigung des hinteren Drittels der unteren Windung im Frontallappen, dem Broca-Zentrum, wird die Fähigkeit zu sprechen geschädigt. Und Läsionen im vorderen Teil des Frontallappens führen zu Persönlichkeitsveränderung und Verminderung der intellektuellen Fähigkeiten. Den einzelnen Funktionen lassen sich also Areale des Cortex zuordnen - die allerdings niemals losgelöst und allein für sich aktiv werden, sondern in komplexer Weise mit anderen Arealen und anderen Teilen des Gehirns verschaltet sind. Neuere Studien zeigen etwa eine verblüffende Interaktion aus Feedforward und Feedback zwischen dem visuellen Thalamus und unterschiedlichen Schichten des primären visuellen Cortex. Diese Interaktion ist so detailliert, dass man im Grunde beide als ein System betrachten muss.
Ob es also darum geht, einen Text wie diesen zu entziffern und zu verstehen, oder um andere höhere mentale Funktionen: Zuständig ist der Cortex, die äußerste Schicht unserer zwei Großhirnhälften. Hier werden Sinneseindrücke verarbeitet, Informationen gespeichert, hier denken wir nach und entwickeln Pläne, hier steuert unser Gehirn Handlungen wie Gehen, Sprechen oder Schreiben, hier entsteht unser Bewusstsein.
Der Hirnstamm (Truncus cerebri)
Auch wenn die glanzvollen Leistungen des menschlichen Gehirns überwiegend an anderer Stelle erbracht werden: Ohne den Hirnstamm wäre kein Überleben möglich. Der Hirnstamm, der Truncus cerebri, ist zwar nur so groß wie ein Daumen, doch der Vergleich mit einem Baumstamm ist durchaus treffend: Wie dieser oft unter all dem Blattwerk kaum zu sehen ist, so wird auch der Hirnstamm von Groß- und Kleinhirn teilweise verdeckt. Und wie ein Baumstamm hat auch er tragende Funktion, denn der Hirnstamm verbindet die Teile des zentralen Nervensystems: Oben schließen sich Zwischen- und Großhirn an, nach hinten das Kleinhirn. Nach unten geht der Hirnstamm nahtlos in das Rückenmark über. Dieser unterste Bereich wird als Medulla oblongata bezeichnet, als verlängertes Rückenmark, und wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, ist eine eindeutige Grenze schwer zu ziehen. Manche Anatomen sehen sie dort, wo der erste Rückenmarksnerv abzweigt. Andere ziehen die Grenze etwas oberhalb, an der „Pyramidenkreuzung“. Dort wechseln viele von der linken Hirnhälfte kommende Nervenbahnen nach rechts und umgekehrt.
Entwicklungsgeschichtlich ist der Hirnstamm der älteste Teil des Gehirns und so fallen die Unterschiede zwischen Mensch und Tier vergleichsweise gering aus. Seine Funktionen sind vielfältig - so unscheinbar er auch wirken mag, so zentral ist der Hirnstamm doch für das Funktionieren des Gehirns und des gesamten Organismus. Und tatsächlich: Betrachtet man den Hirnstamm genauer, passt dieses Bild einer komplexen Technikzentrale mit ihren vielen Leitungen und Schaltschränken sehr gut. Eine Ordnung ist für den unbedarften Beobachter schwer auszumachen. Doch Anatomen unterscheiden drei große Teile: das bereits genannte verlängerte Rückenmark, das Mittelhirn (Mesencephalon) und die Brücke (Pons). Sie alle bestehen aus vielfältigen Unterstrukturen mit teils poetisch anmutenden Namen wie Olivenkern, Hirnschenkel oder Haube. Oder auch das „Bochdaleksche Blumenkörbchen“, das Gehirnwasser produziert. Ähnliche Vielfalt herrscht auf mikroskopischer Ebene. Zahlreiche Nervenbahnen durchziehen den Hirnstamm, darunter viele Faserzüge, die sensorische Signale zum Zwischenhirn und motorische Signale vom Cortex zum Rückenmark leiten. An anderen Stellen gibt es Ansammlungen grauer Substanz, so genannte Kerne, die aus den Zellkörpern von Neuronen bestehen. Sie wirken teils als Umschaltstationen, teils sind sie selbst für die Steuerung vieler Körperfunktionen zuständig - einschließlich der überlebensnotwendigen.
Funktionen des Hirnstamms
Der Hirnstamm kontrolliert aber auch Blutdruck und Herzfrequenz, steuert Atmung und Schwitzen. Zudem reguliert er Wachen und Schlafen bis ins Detail, koordiniert also, wie aktiv das Gehirn gerade ist beziehungsweise in welcher Traumphase wir uns befinden. Als entscheidende Schaltzentrale erweist er sich auch bei einigen lebenswichtigen Reflexen wie Schlucken, Brechen oder Husten. Zentraler Taktgeber dieser zahlreichen Vitalfunktionen ist die Formatio reticularis, deren netzartige Struktur sich durch den gesamten Hirnstamm zieht. Besonders prominent sind hier die Raphe-Kerne, die im gesamten reticulären System verteilt sind, weitflächig ins Gehirn projizieren und deren Botenstoff das Serotonin ist.
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Hirnnerven
Im Gegensatz zu den Spinalnerven der Wirbelsäule gibt es zwölf Hirnnerven, die direkt aus dem Gehirn austreten. Sie werden mit römischen Ziffern nummeriert und versorgen primär den Kopf und Halsbereich. Der Nervus olfactorius (I.) beispielsweise ist der Riechnerv, der Nervus opticus (II.) leitet Signale aus der Netzhaut zum Metathalamus. Im Grunde ist der N. opticus ein Teil des Gehirns, wie auch die Netzhaut ein Teil des Gehirns ist. Außer diesen beiden entspringen alle anderen Hirnnerven dem Hirnstamm, versorgen die Augen (III., IV., VI.), den Schlund (IX., X.), bestimmte Halsmuskeln (XI.) und die Zunge (XII.) mit motorischen Impulsen, liefern Gleichgewichtswahrnehmungen (VIII.) und steuern die Mimik (VII.). Einzig der Nervus vagus (X.) zieht über den Hals hinaus in die inneren Organe des Körpers.
Nicht zuletzt finden sich im Truncus cerebri die Kerne von zehn der insgesamt zwölf Gehirnnerven, die beispielsweise Geschmacks- und Höreindrücke ans Gehirn übertragen, Augen- und Gesichtsmuskulatur steuern oder das Gleichgewicht regulieren.
Folgen von Schädigungen
Wo viele Funktionen zusammenlaufen, kann bei Ausfall großer Schaden entstehen. Begrenzte Schädigungen des Hirnstamms - etwa durch Schlaganfall oder Entzündungen - können zu Lähmung oder Empfindungsstörungen bestimmter Körperareale führen, zu Schwindel oder unkontrolliertem Zittern. Tödlich wird es, wenn eine Schwellung die Durchblutung zum Erliegen bringt, was schon nach einer Gehirnerschütterung passieren kann. Mit dem Hirnstamm versagen dann die von ihm gesteuerten lebensnotwendigen Körperfunktionen und es kann zu einem Herz- oder Atemstillstand kommen.
Der Thalamus
Der Thalamus oder auch Sehhügel ist ein Kerngebiet des Zwischenhirns. Er ist die Sammelstelle für alle Sinneseindrücke mit Ausnahme des Geruchssinns, die auf dem Weg zur Großhirnrinde hier umgeschaltet werden - also alle Eindrücke des Sehens, Hörens, Fühlens und der Temperatur- und Schmerzempfindung. Der Thalamus wird daher auch als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet.
Lage und Aufbau des Thalamus
Der Thalamus liegt tief in der Mitte des Gehirns, im sogenannten Zwischenhirn. Er besteht aus zwei Hälften, dem linken und dem rechten Thalamus. Ein Teil liegt also in der linken, der andere in der rechten Hirnhälfte. Die Thalamus-Hälften sind ungefähr so groß wie eine Walnuss und miteinander verbunden (Adhaesio interthalamica).
Zwischen der linken und der rechten Hälfte verläuft der dritte Ventrikel, ein mit Nervenwasser gefüllter Hohlraum. Die Seiten des Thalamus liegen an der Capsula interna. Diese Struktur ist eine Art Straße im Gehirn, die Signale und Informationen von einem Ort zum anderen transportiert. Die Vorderfläche ist mit dem Hypothalamus verwachsen.
Der Thalamus besteht aus grauer und weißer Substanz. Die graue Substanz wird durch dünne Blätter aus weißer Substanz in zahlreiche Kerne (Ansammlungen von Nervenzellkörpern) - die Thalamuskerne - aufgeteilt.
Der Thalamus besitzt einen vorderen Pol, in dem die vorderen Kerne des Thalamus (Nuclei anteriores thalami) liegen. Der hintere Pol zeigt nach hinten unten und bildet das Polster (Pulvinar thalami). Seitlich des Pulvinar ist eine Erhebung, das Corpus geniculatum laterale (der seitliche Kniehöcker). Unter der Vorderkante des Pulvinar wiederum liegt das der Corpus geniculatum mediale (der mittlere Kniehöcker).
Der Thalamus besitzt eine nach seitlich und vorne ausstrahlende Thalamus-Strahlung (Radiationes thalamicae). Diese wird auch Stabkranz des Thalamus genannt und besteht aus doppelläufigen Faserzügen, durch die der Thalamus mit der Großhirnrinde verbunden ist.
Funktion des Thalamus
Der Thalamus ist das Tor zum Bewusstsein. Er fungiert als Filter und Verteiler der eingehenden Informationen. Hier wird entschieden, welche Sinneseindrücke aus der Umwelt und dem Organismus ins Bewusstsein dringen sollen und welche dann auch an die entsprechenden Verarbeitungszentren weitergeleitet werden. Alle Sinneseindrücke des Fühlens, Sehen und Hörens - nicht aber des Riechens - werden über den Thalamus vermittelt.
In den mittleren und hinteren Kerngruppen der Thalamuskerne werden alle somatosensiblen und sensorischen Bahnen (mit Ausnahme der Riechbahnen), die aus der Peripherie kommen und zur Großhirnrinde ziehen, umgeschaltet.
Alle Verbindungen sind doppelläufig mit den entsprechenden Rindenfeldern verbunden. Dadurch wird es durch konzentrierte Aufmerksamkeit möglich, verschiedene Sinneseindrücke in unterschiedlichem Ausmaß wahrzunehmen: stark, gering oder auch fast gar nicht.
Seh- und Höreindrücke werden in Kernen des Metathalamus (Corpus geniculatum laterale und mediale) auf ihrem Weg zur Seh- und Hörrinde umgeschaltet.
Die Erregung der vorderen Kerngruppen der Thalamuskerne erfolgt nicht (wie die der mittleren und hinteren) über die Peripherie, sondern über das Pallidum (ein Stammganglion), das Kleinhirn und das Mittelhirn. Diese Thalamuskerne stehen dadurch mit der motorischen und prämotorischen Rinde in Verbindung und können Bewegungsabläufe beeinflussen.
Affektive und triebhafte Erregungen, emotionale Empfindungen werden in den Thalamuskernen umgeschaltet und in die zugehörigen Rindenareale weitergeleitet.
Geschmacksinformationen werden über den Geschmackskern zusammengeführt und über den Thalamus an die Geschmacksrinde weitergegeben.
Thalamussyndrom
Das sogenannte Thalamussyndrom (Déjerine-Roussy-Syndrom) entsteht dadurch, dass ein Blutgerinnsel ein wichtiges Gefäß des Thalamus (wie die Arteria thalamostriata) verstopft (Thrombose). Die Folge ist ein Ausfall des Thalamus mit Seh- und Empfindungsstörungen, Hemianopsie (Halbseitenblindheit), einer starken Erregbarkeit der Reflexe sowie einer herabgesetzten Sensibilität der Haut und einer Störung der Tiefensensibilität.
Allgemein deuten sensible Störungen mit einer herabgesetzten Sensibilität, Überempfindlichkeit gegenüber allen Sinnesreizen (mit einer allerdings erhöhten Reizschwelle), Gefühlsstörungen und heftigen zentralen Schmerzen in der der Störung gegenüber liegenden Seite auf Störungen in dieser Hirnregion hin.
Auch motorische Störungen mit einer starren Gesichtsmuskulatur und Hyperkinesien (Zwangsbewegungen der Hände und der Finger) und psychische Störungen mit Minderung der Aufmerksamkeit, Reizbarkeit, Ungeduld und Schreckhaftigkeit können durch eine Schädigung oder Erkrankung im Bereich des Thalamus hinweisen.
Das Kleinhirn (Cerebellum)
Das Kleinhirn (Cerebellum) ist ein weiterer wichtiger Teil des Gehirns, der sich hinter dem Großhirn und unterhalb des Hinterhauptslappens befindet. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Koordination von Bewegungen, dem Gleichgewicht und der Feinmotorik.
Aufbau des Kleinhirns
Das Kleinhirn besteht aus zwei Hemisphären, die durch den Kleinhirnwurm (Vermis) miteinander verbunden sind. Die Oberfläche des Kleinhirns ist ebenfalls gefaltet und weist zahlreiche Furchen (Fissuren) und Windungen (Gyri) auf. Man unterscheidet drei Hauptlappen:
- Vorderlappen (Lobus anterior)
- Hinterlappen (Lobus posterior)
- Flockenknotenlappen (Lobus flocculonodularis)
Funktionen des Kleinhirns
Die Hauptaufgabe des Kleinhirns ist die Koordination von Bewegungen. Es empfängt Informationen aus verschiedenen Bereichen des Gehirns und des Körpers, wie z.B. dem Großhirn, dem Rückenmark und den Gleichgewichtsorganen. Diese Informationen werden im Kleinhirn verarbeitet und zur Feinabstimmung von Bewegungen verwendet. Das Kleinhirn sorgt dafür, dass Bewegungen flüssig, präzise und koordiniert ablaufen.
Neben der Bewegungssteuerung ist das Kleinhirn auch für das Gleichgewicht und die Körperhaltung verantwortlich. Es hilft uns, aufrecht zu stehen und das Gleichgewicht zu halten, auch wenn wir uns bewegen.
Darüber hinaus spielt das Kleinhirn eine Rolle bei der Feinmotorik, also bei präzisen Bewegungen wie z.B. dem Schreiben, Zeichnen oder Musizieren.
Schädigungen des Kleinhirns
Schädigungen des Kleinhirns können zu verschiedenen Störungen führen, wie z.B.:
- Ataxie (Koordinationsstörungen)
- Gleichgewichtsstörungen
- Tremor (Zittern)
- Dysarthrie (Sprachstörungen)
- Dysmetrie (Fehlende Zielgenauigkeit bei Bewegungen)
MRT-basierte Anatomie des Gehirns
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist eine wichtige Methode zur Darstellung der Gehirnanatomie. Sie ermöglicht es, detaillierte Bilder des Gehirns in verschiedenen Ebenen (axial, koronal, sagittal) zu erstellen.
MRT-Bilder des Gehirns
MRT-Bilder des Gehirns werden in der Regel in drei Ebenen aufgenommen:
- Axiale Ebene: Horizontale Schnitte durch das Gehirn
- Koronale Ebene: Vertikale Schnitte von vorne nach hinten
- Sagittale Ebene: Vertikale Schnitte von der Seite zur Mitte
Diese Bilder ermöglichen es, die verschiedenen Strukturen des Gehirns, wie z.B. die Großhirnrinde, den Hirnstamm, das Kleinhirn, den Thalamus und die Ventrikel, zu identifizieren und zu beurteilen.
Klinische Anwendung der MRT
Die MRT wird in der klinischen Praxis häufig zur Diagnose von Hirnerkrankungen eingesetzt, wie z.B.:
- Schlaganfall
- Tumore
- Multiple Sklerose
- Demenz
- Entzündungen
Die MRT kann auch zur Planung von Operationen am Gehirn verwendet werden.