Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die Menschen jeden Alters betreffen kann. In Bayern gibt es eine Reihe von spezialisierten Kliniken und Zentren, die eine umfassende Diagnostik und Therapie für Menschen mit Epilepsie anbieten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Epilepsie-Behandlung in Bayern, insbesondere die operativen Möglichkeiten, und stellt einige der führenden Einrichtungen vor.
Was ist Epilepsie?
Die Epilepsie, auch als Fallsucht bezeichnet, ist ein Krampfleiden, das vom Gehirn verursacht wird. Weltweit ist etwa 1 Prozent der Menschen von Epilepsie betroffen. Alle Epilepsien verbindet eine übermäßige Aktivität des Gehirns bzw. einzelnder Hirnbereiche. Die überschießende Entladung von Gehirnzellen führt dann zu epileptischen Anfällen. Ein epileptischer Anfall kann zur Einschränkung des Bewusstseins und Verkrampfungen des ganzen Körpers führen.
Die Gründe für das Auftreten von Krampfanfällen sind vielfältig und können durch zahlreiche Erkrankungen des Gehirns bedingt sein. Auch Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Schadstoffe können bei der Entstehung möglicherweise eine Rolle spielen. Unter entsprechenden Bedingungen kann jeder Mensch einen epileptischen Anfall erleiden.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können wenige Sekunden bis zu mehrere Minuten dauern. In der leichtesten Form von Epilepsien spürt die Patientin bzw. der Patient nur ein leichtes Muskelzucken, Kribbeln oder eine kleine Bewusstseinspause, Absence genannt. Bei einem so genannten großen Krampfanfall dagegen können die Patienten bewusstlos werden und leiden unter heftigen Krämpfen und unkontrollierten Zuckungen.
Ursachen von Epilepsie
Die erhöhte Neigung zu Krampfanfällen kann bei manchen Patientinnen und Patienten angeboren sein oder durch eine Schädigung des Hirngewebes hervorgerufen werden. Dabei kann es sich um Narben oder Schädigungen durch einen Unfall, Hirnhautentzündungen, Tumore oder z.B. einen Schlaganfall handeln. Aber nicht hinter jedem epileptischen Anfall steckt eine Epilepsie. Es kann sich bei einem epileptischen Anfall auch um ein einmaliges Ereignis z.B. ausgelöst durch Fieber, Vergiftung, Alkoholentzug oder Schlafmangel handeln. Plötzliche Bewusstseinsstörungen können zudem auch Kreislaufreaktionen, die sogenannten Synkopen, zur Ursache haben.
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Diagnostik von Epilepsie
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung Ihrer Epilepsie ist eine präzise Differenzialdiagnostik. Als Neurologische Klinik ist es unsere Aufgabe, bei einem abgelaufenen Krampfanfall eine umfassende ursachenforschende Abklärung des Krankheitsgeschehens vorzunehmen. Zur Diagnostik nutzen wir die Ableitung der Hirnstromkurve (EEG) und bildgebende Verfahren wie MRT.
In der Schön Klinik Vogtareuth stehen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene hochmoderne Methoden wie beispielsweise EEG-Video-Monitoring oder hochauflösende kernspintomografische Bildverfahren zur Verfügung.
Therapie von Epilepsie
Abhängig von Ihrer individuellen Epilepsie-Form wird man in der Regel mit einer medikamentösen Therapie beginnen. Eine optimale, individuelle und eng betreute medikamentöse anti-epileptische Behandlung steht neben der speziellen Diagnostik im Mittelpunkt unseres Behandlungsangebotes und unserer epileptologischen Expertise. Antiepileptika senken in 2/3 aller Fälle das Anfallsrisiko.
Wenn aber diese Chance diagnostisch entdeckt wird, kann sie das Leben mit Epilepsie entscheidend verändern, bis hin zur Anfallsfreiheit ohne antikonvulsive Medikation. Erst wenn diese sorgfältig angepasste antiepileptische Medikation nicht zur gewünschten Reduktion Ihrer epileptischen Anfälle führt, kann unter speziellen Voraussetzungen (spezifische EEG-Veränderungen, die zu lokalen Veränderungen in hochauflösenden Kernspintomografien des Gehirns passen) ein epilepsie-chirurgischer Eingriff infrage kommen.
Epilepsie-Chirurgie in Bayern
Unter Epilepsie-Chirurgie versteht man eine spezielle, von Neurochirurgen durchgeführte Gehirnoperation, bei der Hirngewebe, von dem epileptische Anfälle ausgehen und das sonst keine sinnhafte Funktion hat, gezielt entfernt wird. Diese sogenannten epileptogenen Herde bei einer fokalen Epilepsie zu entdecken und eine Entscheidungsgrundlage zur epilepsie-chirurgischen Operation zu schaffen, ist Aufgabe unserer epileptologisch spezialisierten Neurologinnen und Neurologen sowie Neuroradiologinnen und -radiologen. Nur in schweren Fällen von Epilepsie ist ein neurochirurgischer Eingriff unumgänglich.
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Die präoperative Vorbereitung hat bei neurochirurgischen Operationen, beispielsweise bei epilepsie-assoziierten Tumoren, einen hohen Stellenwert. Die bildgebende Diagnostik muss exakt aufzeigen, wo die zu operierende Verletzung lokalisiert ist. Und auch während einer neurochirurgischen Operation kommen immer die modernsten Verfahren, wie Neuromonitoring, zum Einsatz.
Vagusnervstimulation
Mit der elektrischen Stimulation des Nervus vagus verfügen wir über ein Therapieverfahren für sehr spezielle Patienten mit Epilepsie. In einigen Fällen lassen sich epileptische Anfälle nur sehr schwer kontrollieren. Und dies obwohl eine regelmäßige Einnahme der Medikamente, auch von mehreren Antikonvulsiva, sicher gestellt ist und mehrere Substanzen ausprobiert wurden. Dies trifft vor allem für Patienten zu, die mehrere auslösende Herde für epileptische Anfälle im Gehirn aufweisen.
Für diese Patienten mit mehreren auslösenden Herden ist es leider nicht möglich durch eine einfache Entfernung von Hirngewebe den auslösenden epileptischen Herd auszuschalten. Hierbei wird ein permanenter Vagus-Nerv-Stimulator am Hals sowie ein kleiner Generator am Brustkorb implantiert. Das Gerät ist einem Herzschrittmacher ähnlich und liegt unter der Haut kurz unter dem Schlüsselbein. Dadurch können wir die Anfallshäufigkeit senken und die Lebensqualität erhöhen.
Um aber den neurochirurgischen Eingriff wirklich bei Ihnen erfolgreich zu gestalten, müssen wir im Vorfeld sorgfältig unter anderem überprüfen: ob Sie zu den Patienten gehören, für die keine Alternativen bereitstehen, worin der Grund für Ihr Anfallsleiden besteht, wie hoch wir die Erfolgsaussichten durch die Nervus-Vagus-Stimulation einschätzen.
Ketogene Diät
Die ketogene Diät ist eine anerkannte Therapieform für pharmakoresistente Epilepsien vor allem im Kindesalter. In der Schön Klinik Vogtareuth legen wir sehr viel Wert auf die Integration der Ernährungstherapie in Ihren Behandlungsplan. Unsere spezialisierten Ernährungsberaterinnen und -berater haben selbst verschiedene Kochbücher zu ketogener Diät geschrieben.
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Epilepsiezentren und Kliniken in Bayern
Bayern verfügt über mehrere hochspezialisierte Epilepsiezentren und Kliniken, die eine umfassende Versorgung von Patienten mit Epilepsie gewährleisten. Zu den führenden Einrichtungen gehören:
Schön Klinik Vogtareuth: Als international renommierte Klinik gehört die Schön Klinik Vogtareuth zu den führenden Adressen bei der Behandlung einer Epilepsie. Die erfahrenen Spezialisten versorgen jährlich eine Vielzahl an Patientinnen und Patienten aus Bayern, dem Großraum München und dem europäischen und internationalen Ausland. Die Klinik bietet umfassend alle notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen an.
Schön Klinik Bad Aibling Harthausen: Die Schön Kliniken bieten für Kinder und Jugendliche und für Erwachsene mit Epilepsie eine hoch spezialisierte Diagnostik und umfassende Therapie an. Die Therapiekonzepte sind individuell und multimodal. Um Ihnen die bestmögliche Rehabilitation nach Ihrer Epilepsie-Behandlung zu ermöglichen, arbeiten wir mit unserer nahe gelegenen Schwesterklinik, der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen, zusammen.
Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen: Das Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen zählt neben wenigen anderen Einrichtungen in Deutschland zu den Epilepsiezentren der höchsten Versorgungsstufe (Grad-IV-Zentrum) und bietet eine umfassende Diagnostik und Therapie für Epilepsien und andere Anfallserkrankungen inklusive der präoperativen Epilepsiediagnostik sowie der Epilepsiechirurgie an. Der Behandlungsschwerpunkt liegt auf der Diagnose und Therapie schwerbehandelbarer Epilepsien.
Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen
Die meisten Epilepsien beginnen im Kindes- und Jugendalter. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bleiben mit den ersten Medikamenten anfallsfrei. Die anderen Patienten entwickeln therapieschwierige bis hin zu therapieresistente Anfälle. Um keine Zeit zu verlieren, sollten insbesondere diese Kinder gleich in einem Zentrum vorgestellt werden, in dem man notwendige Geräte, ein großes Netzwerk von verschiedenen Spezialisten und ein Team von erfahrenen Kinderepileptologen, die rund um die Uhr vor Ort sind, vorfindet.
Sollten die Patienten kritisch krank sein, werden sie auf einer der beiden Kinderintensivstationen behandelt. Zusätzlich verfügen wir über eine große überregionale Universitätsambulanz. Es arbeiten ausschließlich Fachärzte in unserem Team. Ernährungsberater, Sozialarbeiter und Psychologen helfen zudem die Situation professionell zu meistern. In der Pflege arbeiten epilepsieerfahrene Schwestern und Pfleger. Wenn die Jugendlichen ins Erwachsenenalter kommen, begleiten wir den Übergang in die Erwachsenenmedizin nach dem Berliner Transitionsprogramm.
Forschung und Innovation
Die bayerischen Epilepsiezentren engagieren sich aktiv in der Forschung, um die Diagnostik, Therapie und Prognoseeinschätzung von Epilepsien zu verbessern. Dabei liegen die Schwerpunkte auf den Themen Semiologie, EEG, Bildgebung, Biomarker, Stimulation und Epilepsiechirurgie.
- Semiologie: Semiologie bezeichnet die klinische Form und den Verlauf eines epileptischen Anfalls. Wissenschaftlich analysieren wir die Anfälle in unserem EEG-Video-Monitoring und wenden dabei moderne Videoanalysemethoden an. Unsere neueste Forschung nutzt 3D-Verfahren (Kinect) und Radar (BMBF-Förderung) und in der Analyse KI-Methoden.
Leben mit Epilepsie
Unser Ziel: selbstbestimmt leben - auch mit Epilepsie! Das klinische Erscheinungsbild einer Epilepsie ist abhängig von der Hirnregion, in der das Krankheitsgeschehen stattfindet. Als Neurologische Klinik ist es unsere Aufgabe, bei einem abgelaufenen Krampfanfall eine umfassende ursachenforschende Abklärung des Krankheitsgeschehens vorzunehmen. Nach der Diagnosestellung erfolgt eine Bewertung des Anfallsgeschehens und gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung. Nicht jeder Krampfanfall ist gleichbedeutend mit der Diagnose einer womöglich fortbestehenden Epilepsie.
Notfallmaßnahmen bei einem epileptischen Anfall
Bei einem Anfall von Epilepsie sollten Betroffene vor Gefahren wie herumliegenden, spitzen Gegenständen oder Straßenverkehr abgeschirmt werden. Körperlicher Kontakt, wie Festhalten, sollte vermieden werden. Bitte wählen Sie sofort den Notruf!