Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute verursachen kann. Obwohl die Mehrheit der FSME-Infektionen asymptomatisch verläuft, kann es bei manchen Menschen zu schweren Komplikationen kommen, darunter Muskelkrämpfe. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Muskelkrämpfen im Zusammenhang mit FSME.
Was ist FSME und wie wird sie verursacht?
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion, die fast ausschließlich von infizierten Zecken, hauptsächlich durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), übertragen wird. Durch den Speichel der Zecken können die Viren an den Menschen weitergegeben werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nicht möglich. Das FSME-Virus gehört zu den Flaviviren und ist somit verwandt mit den Erregern des Dengue- und Gelbfiebers.
Zeckensaison ist von Anfang März bis Oktober. In diesen Monaten sind die Tiere besonders aktiv und daher die Gefahr von einer Zecke gebissen zu werden am höchsten. In Deutschland gibt es Risiko- und Hochrisikogebiete über die das Robert Koch-Institut informiert.
Symptome der FSME
Die überwiegende Mehrheit der FSME-Infektionen verläuft asymptomatisch. Kommt es zu einer klinischen Erkrankung, so tritt diese in der Regel nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen auf. Die Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen:
- Erste Krankheitsphase: Etwa ein Drittel der Patienten bekommt zuerst grippeähnliche Symptome wie Fieber (in der Regel nicht über 38°C), Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können auftreten.
- Zweite Krankheitsphase: Nach einer vorübergehenden Besserung tritt bei manchen Patienten ein bis drei Wochen später erneut Fieber auf, dann oft mit hohen Temperaturen um die 40°C. Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Nackensteifigkeit sind Begleitbeschwerden. Es besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Das zentrale Nervensystem kann befallen werden: Hirnhäute und Gehirn können sich entzünden (Meningoencephalitis). In manchen Fällen, besonders bei älteren Menschen, kann sich auch das Rückenmark entzünden. Durch die Nervenentzündungen können Lähmungen, lang andauernde Kopfschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten, Bewusstseinsstörungen, bis hin zu Atemschwierigkeiten und Anfallsleiden auftreten.
Muskelkrämpfe können als Symptom in der zweiten Krankheitsphase auftreten, insbesondere wenn das zentrale Nervensystem betroffen ist.
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Ursachen von Muskelkrämpfen nach FSME
Muskelkrämpfe nach FSME können verschiedene Ursachen haben:
- Direkte Schädigung von Nervenzellen: Das FSME-Virus kann Nervenzellen direkt schädigen, was zu einer Fehlfunktion der Nerven und unkontrollierten Muskelkontraktionen führen kann.
- Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute: Die Entzündung, die durch FSME verursacht wird, kann die normale Funktion des Gehirns und des Rückenmarks beeinträchtigen, was zu Muskelkrämpfen führen kann.
- Elektrolytstörungen: Fieber, Erbrechen und Durchfall, die häufige Symptome der FSME sind, können zu Elektrolytstörungen führen, die Muskelkrämpfe auslösen können.
- Muskelverspannungen: Schmerzen und Unbehagen, die durch FSME verursacht werden, können zu Muskelverspannungen führen, die wiederum Muskelkrämpfe verursachen können.
Diagnose von FSME und Muskelkrämpfen
Die Diagnose von FSME basiert auf den klinischen Symptomen, der Anamnese (z.B. Zeckenbiss) und den Ergebnissen von Laboruntersuchungen. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:
- Blutuntersuchung: Die Blutuntersuchung liefert meistens allgemeine Hinweise auf eine Entzündung. Ein Antikörpernachweis im Blut kann eine FSME-Infektion bestätigen.
- Nervenwasseranalyse (Lumbalpunktion): Eine Nervenwasseranalyse sollte bei jedem fieberhaften Infekt mit Zeichen der meningealen Reizung (Nackensteifigkeit) erfolgen.
- Bildgebung (Kernspintomographie): Ist das zentrale Nervensystem betroffen oder bei unklarer Diagnose kann eine Bildgebung (Kernspintomographie) helfen, Veränderungen an Rückenmark oder Gehirn zu zeigen.
Um die Ursache von Muskelkrämpfen zu bestimmen, können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu identifizieren.
- Bestimmung der Elektrolyte im Blut: Diese Untersuchung kann Elektrolytstörungen aufdecken, die Muskelkrämpfe verursachen können.
Behandlung von Muskelkrämpfen nach FSME
Gegen die Frühsommer-Meningoencephalitis ist eine medikamentöse Therapie nicht möglich. Die Therapie einer FSME besteht aus Linderung der Beschwerden wie Fiebersenkung und Gabe von Schmerzmitteln. Die Behandlung von Muskelkrämpfen im Zusammenhang mit FSME zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:
- Medikamente:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können helfen, Schmerzen und Muskelverspannungen zu lindern.
- Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können helfen, Muskelkrämpfe zu reduzieren.
- Antikonvulsiva: In schweren Fällen können Antikonvulsiva eingesetzt werden, um Muskelkrämpfe zu kontrollieren.
- Physiotherapie: Eine frühzeitige, intensivierte und gezielte Ergo- und Physiotherapie sollte bei Lähmungserscheinungen erfolgen.
- Elektrolytausgleich: Bei Elektrolytstörungen ist es wichtig, die Elektrolyte durch Infusionen oder Medikamente auszugleichen.
- Kognitionstraining: Bei Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten kann man mit einem Kognitionstraining weiterhelfen.
- Intensivmedizinische Behandlung: In schweren Fällen, zum Beispiel bei Atemmuskellähmung, ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig.
- Rehabilitation: Bei länger bestehenden Beschwerden ist ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik sinnvoll.
Prophylaxe
Bei Aufenthalt in einem Zeckengebiet sollte die richtige Kleidung getragen werden (lange Hosen und Hemden), Repellents können angewandt werden und die Haut muss gründlich nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken abgesucht werden. Nicht hilfreich ist es, Klebstoff, Nagellack oder ähnliches auf die Zecke zu geben. Damit erhöhen Sie lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass die Zecke den Speichel und damit die Viren in die Wunde gibt.
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Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt allen Reisenden in und Bewohnern von Risikogebieten diese Impfung. Die Kosten für die FSME-Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen für Bewohner von Risikogebieten übernommen. Die meisten Krankenkassen bezahlen eine FSME-Impfung auch als Reiseimpfung.
Die FSME-Impfung im Detail
Die FSME ist eine ernstzunehmende, durch Zecken übertragene Krankheit. Durch den Biss der Zecke kann das Virus in den menschlichen Blutkreislauf gelangen und eine Infektion auslösen. Gegen das Virus gibt es keine ursächliche Therapie. Patienten mit einer FSME des Nervensystems werden stationär überwacht.
Art des Impfstoffs
Der Totimpfstoff enthält inaktivierte FSME-Viren, die auf Zellkulturen aus sogenannten Hühnerfibroblasten gezüchtet wurden. Da sie kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß enthalten, vertragen auch Menschen mit einer Hühnereiweißallergie den Impfstoff in der Regel gut.
Wirksamkeit
Eine Studie aus dem Jahr 2023 (so das Robert Koch-Institut) konnte zeigen, dass nach vollständiger Impfung 97 Prozent der Geimpften einen vollständigen Schutz vor FSME haben. Selbst wenn die empfohlenen Zeitabstände zwischen den Impfungen überschritten wurden, betrug der Schutz bei den Studienteilnehmenden immer noch 91 Prozent, wenn die letzte Impfung weniger als zehn Jahre zurücklag.
Impfreaktionen und Nebenwirkungen
Nach einer FSME-Impfung kann es zu typischen Impfreaktionen kommen. Dazu zählen lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie etwa Rötung, Schwellung und Schmerzen im Arm. Innerhalb der ersten Tage nach der Impfung können grippeähnliche Symptome auftreten, zum Beispiel:
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- Abgeschlagenheit
- Kopfschmerzen
- Temperaturerhöhung
- Unwohlsein
- Magen-Darm-Beschwerden
Häufig kommt es auch zu Gelenk- und Muskelschmerzen. Seltener entwickeln sich Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen oder Erkrankungen des Nervensystems treten nur in sehr seltenen Fällen auf.
Grundimmunisierung
Für einen vollständigen FSME-Impfschutz benötigen Sie drei Impfungen: Die ersten beiden erfolgen im Abstand von zwei Wochen bis drei Monaten, die dritte nach fünf bis zwölf beziehungsweise neun bis zwölf Monaten. Auch ein Schnellschema ist möglich, wenn Sie beispielsweise eine kurzfristige Reise in ein FSME-Risikogebiet geplant haben. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, welches Impfschema für Sie infrage kommt.
Auffrischung
Die Impfung sollte immer dann aufgefrischt werden, wenn Sie sich auch weiterhin in einem FSME-Risikogebiet befinden oder beruflich zur Risikogruppe gehören. In der Regel wird eine Auffrischung nach drei bis fünf Jahren empfohlen.
Auf die Jahreszeiten kommt es an
Um einen optimalen Schutz gegen FSME-Viren zu bekommen, ist es sinnvoll, mit einer Impfung bereits in den Wintermonaten zu beginnen, damit der Schutz rechtzeitig für Frühling und Sommer (ab Mai) aufgebaut werden kann. Nach der zweiten Impfung sind die meisten Geimpften bereits für die laufende Saison geschützt. Eine dritte Impfung ist jedoch notwendig, um die Immunität langfristig aufrechtzuerhalten. Besonders Menschen, die regelmäßig einem erhöhten FMSE-Risiko ausgesetzt sind, sollten dieses Impfschema einhalten.
Berufliche Impfempfehlung
Personen, die in ihrem Beruf einem erhöhten FSME-Risiko ausgesetzt sind, sollten sich nach der SI-RL des G-BA ebenfalls impfen lassen. Hierzu gehören:
- Exponiertes Laborpersonal
- Forstbeschäftigte in Risikogebieten
- Exponierte in der Landwirtschaft in Risikogebieten
Nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) ist in bestimmten Bereichen das arbeitgebende Unternehmen für die Kostenübernahme verantwortlich.
Weitere wichtige Informationen
- Zeckenstiche: Wurden Sie von einer Zecke gebissen, bewahren Sie Ruhe. Nicht jede Zecke ist infiziert und auch nicht jeder Mensch steckt sich an. Eine Impfung nach einem Biss wird nicht empfohlen, da sie eine mögliche Infektion mit FSME-Viren nicht verhindern könnte.
- FSME-Risikogebiete: Welche Regionen hierzulande zu den Risikogebieten zählen, können Sie den aktuellen Hinweisen im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie der RKI-Karte der FSME-Risikogebiete entnehmen.
- Reiseimpfung: Informieren Sie sich vor einer geplanten Reise rechtzeitig auf den Seiten des Auswärtigen Amts über die Reise- und Sicherheitshinweise und schauen Sie, ob Ihr Reiseziel möglicherweise in einem FSME-Risikogebiet liegt.
Fazit
Muskelkrämpfe können eine belastende Komplikation der FSME sein. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um die Symptome zu lindern und langfristige Komplikationen zu vermeiden. Die beste Vorbeugung gegen FSME und damit verbundene Muskelkrämpfe ist die Impfung. Darüber hinaus sollten Maßnahmen ergriffen werden, um Zeckenbisse zu vermeiden, insbesondere in Risikogebieten.
Fallbeispiel
Die 39-jährige Hanna leidet seit zwei Tagen an heftigen Kopfschmerzen und fühlt sich sehr abgeschlagen - mit Fieber bis 40°C. Sie habe seither das Bett nicht mehr verlassen können. Sie ist sonst sehr sportlich. Auch der Nacken schmerze sehr und fühle sich extrem steif an. Vor zwei Wochen habe sie auf dem Donauradweg eine Fahrradtour unternommen und sich dabei einen Zeckenstich eingefangen. Einen Impfschutz gegen Zecken habe sie nicht.
Dieser Fall verdeutlicht die typischen Symptome einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich. Die Nackensteifigkeit deutet auf eine mögliche Beteiligung der Hirnhäute hin. In diesem Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um eine FSME zu diagnostizieren und zu behandeln.
Was tun nach einem Insektenstich?
Kommt es zu einem Insektenstich, kann es als Abwehrreaktion zu einer Entzündungsreaktion des Körpers kommen. Diese kann Rötungen, Schwellungen, Überwärmung oder Schmerzen beinhalten.
Weitere Symptome, die nach einem Insektenstich auftreten können:
- Allergische Reaktion (in seltenen Fällen mit Atemnot und Kreislaufbeschwerden)
- Glieder- und Gelenkschmerzen (können Zeichen einer Infektion des betroffenen Gelenks sein)
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Bei Rötungen oder schmerzenden Gelenken nach einem Insektenstich
- Bei Schwellungen, die mit antientzündlicher Therapie nicht adäquat zurückgehen
Was kann man selbst tun?
- Kühlen der betroffenen Stelle
- Hochlegen der betroffenen Extremität
- Schonen der betroffenen Muskelpartie
- Antientzündliche, medikamentöse Schmerztherapie (z.B. mit Ibuprofen)
- Quarkwickel
Hinweis: Bei bakteriellen Infektionen in Folge von Insektenstichen sind Antibiotika therapeutisches Mittel der Wahl.
Muskel- oder Gelenkschmerzen nach Insektenstich: Wann zu Lumedis?
Wenn Sie schon länger nach einem Insektenstich Beschwerden haben, wenden Sie sich gerne an die Orthopäden von Lumedis. Die Spezialisten untersuchen und beraten Sie mit Ihrem großen Erfahrungsschatz.
Zecken und Mythen
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Zecken nur im Sommer Krankheiten übertragen. Zecken sind jedoch das ganze Jahr über eine Bedrohung - ihre höchste Aktivität wird in der Zeit zwischen März und Juni und dann im Herbst beobachtet. Schon vor den ersten Frösten des Jahres sollten wir wachsam sein, denn Zecken bleiben bei Temperaturen um 5° Celsius aktiv. Neben lauen Temperaturen fühlen sich Zecken auch in feuchter Umgebung wohl.
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