Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, schädigt das Gehirn, weil er dessen Blutversorgung einschränkt oder unterbricht. Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch unter anderem Lähmungen und Verkrampfungen der Muskulatur (Spastiken) sowie Sprach- und Schluckstörungen verursachen. Psychische Folgen wie Depressionen sind ebenfalls möglich. Nach einem Schlaganfall ist es oft von besonderer Bedeutung, die Mobilität und Sprache zurückzugewinnen sowie wieder möglichst selbstständig zu werden. Auch die emotionale Stabilität wiederzuerlangen, ist sehr wichtig. Körperlich fit zu bleiben, mag auf den ersten Blick vergleichsweise unwichtig erscheinen. Doch wer weniger fit ist, dem fällt es womöglich auch schwerer, Übungen zu machen, die die Genesung unterstützen und die Unabhängigkeit erhalten. Eine aktuelle Studie der Universität Göteborg zeigt, dass Menschen, die nach einem Schlaganfall vier Stunden pro Woche Sport treiben, sich innerhalb von sechs Monaten besser erholen als Menschen, die sich weniger oder gar nicht bewegen. Wenn man bis zu sechs Monate nach dem Ereignis vier Stunden oder mehr pro Woche körperlich aktiv ist, verdoppelt sich die Chance auf eine gute Genesung sogar, so die Forschenden.
Die Bedeutung von Bewegung nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall kann körperliche Aktivität die Genesung positiv beeinflussen. Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper und die Gesundheit aus, sondern auch auf das Gehirn. „Körperliche Aktivität programmiert sowohl das Gehirn als auch den Körper nach einem Schlaganfall positiv um. Bewegung verbessert die Erholung des Körpers auf zellulärer Ebene, steigert die Muskelkraft und das Wohlbefinden und verringert das Risiko von Stürzen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unabhängig davon, wie schwer der Schlaganfall war, können die Betroffenen von mehr Bewegung profitieren“, sagt Buvarp.
Regelmäßige Bewegung ist nicht nur nach einem Schlaganfall empfehlenswert. Denn regelmäßige körperliche Aktivität kann Schlaganfall-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte senken - und so einem Schlaganfall vorbeugen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Empfehlungen, wie viel man sich bewegen sollte. Für einen optimalen gesundheitlichen Effekt empfiehlt die WHO mindestens 150 Minuten ausdauerorientierte Bewegung pro Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten Bewegung pro Woche mit hoher Intensität. Dabei gilt: Die Bewegung muss nicht am Stück erfolgen, sondern sollte über die Woche verteilt werden, zum Beispiel 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen pro Woche. Mit mittlerer Intensität sind Aktivitäten gemeint, bei denen Erwachsene eine leicht erhöhte Atem- und Pulsfrequenz haben, zum Beispiel bei einem zügigen Spaziergang. Bewegung mit hoher Intensität ist Bewegung, die als anstrengend empfunden wird.
Studienergebnisse zum Krafttraining
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach aussagekräftigen Studien gesucht, die den Nutzen von Fitnesstraining nach einem Schlaganfall untersuchten. Sie fanden 58 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt knapp 2800 Frauen und Männern, die einen Schlaganfall gehabt hatten. Diese Studien umfassten:
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- Sogenannte Herz-Kreislauf-Programme für die Fitness von Herz und Lunge (28 Studien)
- Krafttraining (13 Studien)
- Programme, die Herz-Kreislauf-Training und Krafttraining kombinierten (17 Studien)
Die häufigste Form des Herz-Kreislauf-Trainings waren Walking-Programme (Gehtraining mit dem Ziel, die Gehzeit und die Gehgeschwindigkeit zu erhöhen). Außerdem gab es Programme, die selbstständiges Laufen (ohne Gehhilfen oder sonstige Unterstützung) fördern sollten. Ein Fitnessprogramm bestand beispielsweise aus etwa 20-minütigem Gehtraining dreimal pro Woche. Bei einigen Programmen kamen auch Laufbänder oder Fahrrad-Ergometer zum Einsatz. Die Akzeptanz der Fitnessprogramme war recht hoch. In den Studien nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Durchschnitt etwa 65 bis 100 % der Trainingstermine wahr. Die Herz-Kreislauf-Übungen brachten einige Vorteile: Es gab Anzeichen, dass die Fitness von Herz und Lunge zunahm. Zudem waren die Teilnehmenden nach dem Training mobiler, sie konnten schneller laufen und waren belastbarer als vorher. Dadurch nahmen die körperlichen Einschränkungen durch den Schlaganfall ab. Auch Programme, die Herz-Kreislauf- und Krafttraining kombinierten, verbesserten die Mobilität. Krafttraining allein hatte keinen Einfluss auf die Mobilität. Wie sich alleiniges Krafttraining darüber hinaus auswirken könnte, ist bisher nicht ausreichend untersucht. Es ist möglich, dass Fitnesstraining auch unerwünschte Wirkungen hat - zum Beispiel Muskelverletzungen, Stürze oder Herzprobleme. In den untersuchten Programmen wurden allerdings während des Fitnesstrainings keine Stürze, Knochenbrüche oder Verletzungen beobachtet, und es gab auch nicht mehr Herzinfarkte.
Eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse untersuchte die Auswirkungen von Krafttraining auf die Erholung nach einem Schlaganfall durch die Analyse von 42 randomisierten Studien mit insgesamt 2.204 Teilnehmern. Die Ergebnisse zeigen, dass Krafttraining die Gehfähigkeit, das Gleichgewicht, die funktionale Fähigkeit und Mobilität verbessert, obwohl die Beweissicherheit aufgrund eines hohen Verzerrungsrisikos und Inkonsistenzen sehr niedrig bis moderat ist. Prinzipiell ist jedes Krafttraining gut - die Studie legt aber nahe, dass häufige Einheiten pro Woche besonders hilfreich sind, unter anderem um das Gangbild zu verbessern. Ein Powertraining, bei dem es um Kraft und Schnelligkeit geht, half, die Gehgeschwindigkeit zu steigern. Beim funktionellen Training werden gezielt Aktivitäten des täglichen Lebens geübt - es schnitt hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität schlechter ab als konventionelles Training z. B. mit Hanteln oder an Geräten, das primär auf die Stärkung der Muskelkraft setzt, schreiben die Forschenden.
HIIT-Training im Vergleich zu moderatem Training
Eine aktuelle Studie aus Kanada hat zwei verschiedene Trainingsmethoden bei Schlaganfallpatienten verglichen und liefert überraschende Ergebnisse. An der Studie, die im Fachmagazin „Stroke“ erschienen ist, nahmen 82 Erwachsene (50 Männer, 32 Frauen) im Alter von 40 bis 80 Jahren teil. Alle hatten leichte oder minimale Einschränkungen aufgrund eines Schlaganfalls, der sich sechs Monate bis fünf Jahre zuvor ereignet hatte. Die Studienteilnehmer absolvierten über einen Zeitraum von zwölf Wochen dreimal pro Woche eine Trainingseinheit auf adaptiven Liege-Steppern durch. Die ermöglichen es Schlaganfallüberlebenden, mit hoher Intensität zu trainieren.
Die Studienteilnehmer wurden nach Zufallsprinzip in zwei Trainingsgruppen eingeteilt:
- Gruppe 1: Die Teilnehmer machten HIIT (High Intensity Intervall Training). Dieses umfasste zehn einminütige Intervalle von hoher Intensität, die sich mit einminütigen Pausen bei niedriger Intensität abwechselten. Die Trainingszeit insgesamt umfasste somit 19 Minuten.
- Gruppe 2: Die Vergleichsgruppe trainierte 20 bis 30 Minuten durchgehend mit moderater Intensität.
Die Fitness der Studienteilnehmer wurde zu drei verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt:
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- vor Beginn des Trainings (Ausgangswert)
- unmittelbar nach dem Training (12 Wochen)
- acht Wochen nach Ende der Intervention (Nachuntersuchung, d. h. 20 Wochen nach Ausgangswert)
Bei jeder Messung ermittelten die Forscher den Fitnessgrad der Herz-Kreislauf-Gesundheit, darunter Ruheblutdruck, Arteriensteifigkeit, Taille-Hüfte-Verhältnis sowie die Leistung durch Gehgeschwindigkeit und -distanz.
Hochintensives Intervalltraining zeigte in der Studie deutliche Vorteile gegenüber moderatem Training. HIIT führte den Forschern zufolge zu viel größeren Verbesserungen der Fitnesslevel im Vergleich zu traditionellem Training mit kontinuierlicher, moderater Intensität. Die Teilnehmer der HIIT-Gruppe verdoppelten ihre kardiorespiratorische Fitness (gemessen anhand der VO2peak*). Die verbesserten Niveaus der Herz-Kreislauf-Fitness in der HIIT-Gruppe sind laut Forschern mit einer verbesserten Überlebensrate und einem geringeren Risiko für schlaganfallbedingte Krankenhauseinweisungen verbunden. Sowohl HIIT als auch das moderate Training führten zu Verbesserungen der Ausdauerfähigkeit beim Gehen. Die zurückgelegte Distanz in sechs Minuten stieg in beiden Gruppen.
Praktische Tipps und Empfehlungen
Nach einem Schlaganfall kann regelmäßiger Sport dazu beitragen, schnell wieder mobil zu werden sowie langfristig Fitness, Kraft und damit auch die Lebensqualität zu erhalten. Durch den Schlaganfall verloren gegangene Fähigkeiten können durch Sport und Bewegung zum Teil wiedererlangt werden. Das Gehirn hat eine große Lernfähigkeit. Patienten können mit Sport ihre Ausdauer erhöhen sowie die Muskelkraft und die Koordinationsfähigkeit trainieren. Körpergefühl und Wahrnehmung verbessern sich. Neurologische Folgen lassen sich zum Teil abfedern. Die Kräftigung der Muskeln ermöglicht mehr Aktivität im Alltag - das erhält nicht nur die Lebensqualität, sondern verringert auch das Risiko für Stürze.
Auch die Bewegung von Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen in den Fokus rückt. Denn auch wer zum Beispiel unter den Folgen eines Schlaganfalls leidet, profitiert bei der Rehabilitation von viel Bewegung.
Die gute Nachricht: Es muss nicht gleich schweißtreibender Sport sein! Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Empfehlungen, wie viel man sich bewegen sollte. Für einen optimalen gesundheitlichen Effekt empfiehlt die WHO mindestens 150 Minuten ausdauerorientierte Bewegung pro Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten Bewegung pro Woche mit hoher Intensität. Dabei gilt: Die Bewegung muss nicht am Stück erfolgen, sondern sollte über die Woche verteilt werden, zum Beispiel 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen pro Woche. Mit mittlerer Intensität sind Aktivitäten gemeint, bei denen Erwachsene eine leicht erhöhte Atem- und Pulsfrequenz haben, zum Beispiel bei einem zügigen Spaziergang. Bewegung mit hoher Intensität ist Bewegung, die als anstrengend empfunden wird.
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Hier sind einige Beispiele für geeignete Sportarten:
- Schwimmen
- Walking
- Nordic Walking
- Radfahren
- Schnelles Spazierengehen
Beginnen Sie zunächst mit wenigen Minuten Sport und steigern Sie sich nach und nach. Bei Sport im Freien sollten Schlaganfallpatienten auch darauf achten, starke Hitze und direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden.
Zusätzlich zum Sportprogramm können Sie mehr Bewegung in Ihren Alltag integrieren:
- Gehen Sie häufiger mal ein Stück zu Fuß.
- Verzichten Sie auf den Fahrstuhl und nehmen Sie stattdessen die Treppen.
- Gehen Sie beim Telefonieren auf und ab.
- Gehen Sie mehrmals, um Geschirr und Lebensmittel zum Esstisch zu tragen, statt ein Tablett zu benutzen.
Wichtige Hinweise
Selbst nach einem leichten Schlaganfall sollten Betroffene keinesfalls in Eigenregie mit Sport beginnen, sondern den Wunsch mit ihrem Arzt besprechen. In der Regel ist Rehabilitationssport (Rehasport) ein guter Einstieg. Im Anschluss kann dann allein oder in einer Gruppe weiter gemacht werden. Rehasport wird von einem Arzt verschrieben. Dafür gibt es in jeder Region spezielle Rehasportgruppen. In der Regel umfasst der Rehasport 50 Übungseinheiten für einen Zeitraum von 18 Monaten oder 120 Einheiten in 36 Monaten bei starker Beeinträchtigung. Wie genau der Rehasport nach einem Schlaganfall abläuft, hängt von den individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen der Teilnehmenden ab. Gymnastikübungen und Bewegungsspiele können genauso dazugehören wie Schwimmen.
Plötzliche Drehbewegungen des Kopfes sowie Übungen mit nach unten geneigtem Kopf sollten Sie vermeiden. Tabu ist zudem starkes Pressen. Geräte sollten Sie also mit niedriger Intensität beziehungsweise mit wenigen Gewichten verwenden.
Vor Beginn eines Trainingsprogramms, insbesondere mit intensiven Belastungen wie HIIT, sollten Betroffene unbedingt ihre Ärztin bzw. ihren Arzt konsultieren.
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