Kältebedingte Krämpfe können sehr unangenehm sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Während einige Menschen die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen, müssen andere, wie Matthias*, besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen, um sich vor Kälte zu schützen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungen und Strategien im Umgang mit kältebedingten Krämpfen, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Linderung zu ermöglichen.
Seltene Erkrankung als Ursache: Paramyotonia Congenita
Matthias*, ein 33-jähriger Berliner, leidet an Paramyotonia Congenita nach Eulenburg, einer seltenen, erblichen Natriumkanalerkrankung. Diese Krankheit betrifft etwa eine von 180.000 Personen in Deutschland und zwingt ihn, stets darauf zu achten, dass sein Körper nicht auskühlt. Temperaturen unter zehn Grad Celsius führen bei ihm innerhalb weniger Minuten zu Muskelversteifungen, die kurzzeitig oder sogar mehrere Stunden andauern können. Besonders betroffen sind seine Hände, die sich dann wie Beton verhärten.
Was passiert im Körper?
Bei dieser Störung, die zu den Ionenkanalerkrankungen gehört, ähneln die Symptome denen der Hypokaliämischen periodischen Paralyse (HypoPP). Diese zeigt sich durch Lähmungsattacken, die nicht nur durch Kälte, sondern auch durch Kohlenhydrate, Sport, Alkohol oder sogar Ängste ausgelöst werden können. Im schlimmsten Fall sind Betroffene stundenlang gelähmt.
Matthias' Erfahrungen
Schon als Kind bemerkte Matthias die Auswirkungen der Kälte. Nach dem Fußballspielen konnte er seine Schuhe nicht mehr selbst ausziehen, da seine Hände steif geworden waren. Auch beim Fahrradfahren verkrampften sich seine Hände um den Lenker. Heute ist er Experte für seinen eigenen Körper und weiß, welche Aktivitäten er vermeiden muss. Hallenbäder und Stadionbesuche bei kühlen Temperaturen sind für ihn tabu.
Berufliche Einschränkungen
Auch bei der Berufswahl musste Matthias Einschränkungen berücksichtigen. Tätigkeiten, die eine feine Motorik der Finger erfordern, waren ausgeschlossen. Glücklicherweise konnte er als naturwissenschaftlicher Doktorand an einem Forschungsinstitut in Berlin arbeiten, wo er jedoch bei der Handhabung von Pipetten, Pinzetten oder Scheren vorsichtig sein muss.
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Strategien zur Bewältigung
Matthias hat Strategien entwickelt, um mit seiner Krankheit umzugehen. Dabei hat er von seinem Vater gelernt, der ebenfalls betroffen ist. Auch Matthias' Großmutter, sein Onkel und sein Cousin leiden unter dieser seltenen Krankheit.
Forschungsergebnisse und Therapieansätze
Privatdozentin Dr. Karin Jurkat-Rott und Professor Dr. Marc-André Weber forschen intensiv an Ionenkanalerkrankungen. Sie entdeckten, dass bei der Hypokaliämischen periodischen Paralyse ein Abfall der Kaliumkonzentration im Blut zu Lähmungen führt. Durch Kernspintomographien (MRT) stellten sie bei Betroffenen Natrium- und Wassereinlagerungen fest.
Studien mit Matthias
Matthias nahm an den Studien teil, bei denen sein Bein mit Eis heruntergekühlt und gleichzeitig seine Beinmuskeln beansprucht wurden. Diese Kombination aus Muskelarbeit und Kälte diente als maximaler Trigger für die MRT-Untersuchung.
Erfolgreicher Therapieansatz
Im Rahmen eines individuellen Heilversuchs verabreichten die Forscherinnen zwei Patientinnen mit Hypokaliämischer periodischer Paralyse ein Medikament, das üblicherweise zur Behandlung von Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Dieses entwässernde Medikament führte dazu, dass die Lähmungen bei beiden Patientinnen nicht mehr auftraten. Für diesen Therapieansatz erhielten die Wissenschaftlerinnen 2010 den Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen.
Weitere Forschung
Mit dem Preisgeld untersuchten sie die Bedeutung von Kalium, Natrium und Chlorid bei Muskelerkrankungen noch genauer. Moderne Magnetresonanztomographen, die mit dem Preisgeld mitfinanziert wurden, ermöglichen es, die Verteilung von Chlorid im Blut und in den Muskelzellen zu bestimmen.
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Perspektiven für Betroffene
Matthias kann bisher auf Medikamente verzichten, sieht sie aber als Option, wenn er der Kälte nicht entfliehen kann. Er hat sich mit seiner Krankheit arrangiert und genießt weiterhin sein Eis im Frühling, auch wenn seine Zunge dadurch kurzzeitig gelähmt werden kann.
Kalte Füße: Ein weit verbreitetes Problem
Viele Menschen, besonders Frauen, leiden unter kalten Füßen. Dies kann verschiedene Ursachen haben, darunter weniger Muskelmasse, ein überaktives vegetatives Nervensystem oder niedriger Blutdruck. Frauen haben möglicherweise häufiger kalte Füße als Männer, und das nicht nur im Winter. Die Gründe dafür sind allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Aber es spielt offenbar eine Rolle, dass Frauen in der Regel weniger Muskeln und weniger Körpermasse haben und damit insgesamt weniger Wärme produzieren.
Übungen gegen kalte Füße
Es gibt einfache Übungen, die helfen können, die Durchblutung in den Füßen zu verbessern:
- Zehen-Hand-Verschränkung: Finger der linken Hand mit den Zehen des rechten Fußes verschränken und sanft zur Ferse hin verschieben.
- Fersen- und Zehenwechsel: Im Wechsel Ferse und Spitze der Füße aufsetzen.
- Zehen beugen und strecken: Zehen mit den Fingern umfassen, beugen und gegen den Widerstand der Finger zurückziehen.
- Handtuchübung: Die Kante eines kleinen Handtuchs unter den großen Zeh legen und die Fußsohle hochziehen.
- Fuß- und Zehenstreckung: Beine ausstrecken und Füße und Zehen strecken, um den Spann zu dehnen.
Ursachen kalter Füße
Kalte Füße können verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Gewohnheiten bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen.
Kälte und Nässe
Wenn die Außentemperatur sinkt, versucht der Körper, die Körpermitte und die lebenswichtigen Organe warm zu halten, indem er den äußeren Gliedmaßen Wärme entzieht. Nasse Füße verstärken diesen Effekt, da die Verdunstungskälte die Blutgefäße verengt.
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Durchblutungsstörungen
Eine beeinträchtigte Durchblutung kann dazu führen, dass die Füße nicht ausreichend mit Wärme versorgt werden. Dies kann durch enge Schuhe, die auf die Blutgefäße drücken, oder durch Erkrankungen wie Arteriosklerose verursacht werden.
Niedriger Blutdruck
Ein niedriger Blutdruck kann ebenfalls zu kalten Füßen führen, da das Blut nicht mehr gleichmäßig durch den Körper fließt. Eine sogenannte essenziellen Hypotonie ist zwar oft unangenehm, aber in der Regel harmlos. Sehr schlanke junge Frauen, hochaufgeschossene junge Männer oder ältere Menschen haben häufiger damit zu tun.
Gefäßerkrankungen
Arteriosklerose, eine Verengung der Gefäße durch Ablagerungen, kann die Durchblutung der Füße beeinträchtigen und zu chronisch kalten Füßen führen. Die Hauptrisikofaktoren für eine Gefäßverkalkung, Arteriosklerose, sind Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht. Nachteilig wirken sich ebenso zu hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck und Diabetes aus.
Raynaud-Syndrom
Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die durch anfallsartige Gefäßkrämpfe in den Fingern und Zehen gekennzeichnet ist. Diese Krämpfe führen zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Blutzufuhr, was zu Blässe, Blaufärbung und Schmerzen führt.
Weitere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für kalte Füße sind:
- Schweißfüße
- Diabetes
- Herzerkrankungen
- Blutarmut
- Stress und psychische Belastungen
- Angststörungen und Depressionen
- Magersucht
- Schilddrüsenunterfunktion
- Bestimmte Medikamente
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn kalte Füße häufig auftreten und von weiteren Symptomen wie Krämpfen, Schmerzen, Hautveränderungen oder Fieber begleitet werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein plötzliches Kaltwerden eines Fußes oder Beines in Verbindung mit starken Schmerzen und blasser Haut kann auf eine Embolie hindeuten und erfordert sofortige ärztliche Hilfe.
Tipps zur Vorbeugung und Behandlung
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um kalten Füßen vorzubeugen und sie zu behandeln:
- Warme Kleidung: Tragen Sie warme Socken, Schuhe und gegebenenfalls Thermosohlen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung.
- Wechselbäder: Wechselwarme Fußbäder können die Durchblutung anregen.
- Stress vermeiden: Stress kann die Durchblutung beeinträchtigen.
- Nicht rauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und verschlechtert die Durchblutung.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann die Gefäßgesundheit unterstützen.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung eingesetzt werden.
Raynaud-Syndrom: Was tun?
Beim Raynaud-Syndrom ist es wichtig, die Auslöser zu vermeiden und die Hände warm zu halten. Handschuhe, Taschenöfen und beheizbare Gelkissen können helfen. Nikotin ist tabu, und Stress sollte vermieden werden. In schweren Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Gefäße zu erweitern.