Ein Taubheitsgefühl im Fuß, oft in Verbindung mit Rückenschmerzen, kann sehr unangenehm sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Diagnosemethoden und Therapieoptionen, die bei solchen Beschwerden in Frage kommen. Dabei wird sowohl auf konservative als auch auf operative Behandlungsansätze eingegangen, um ein umfassendes Bild der Thematik zu vermitteln.
Einführung
Parästhesien, wie Taubheit und Kribbeln, sind krankhafte Empfindungen ohne erkennbare Ursache. Sie können durch Schädigungen von Nerven, wie dem Nervus tibialis, entstehen und sich als Kribbeln, Taubheit oder "Ameisenlaufen" äußern. Auch Störungen der Kälte- und Wärmeempfindungen zählen dazu. Diese Symptome treten fast immer an mehreren Stellen auf und können durch verschiedene Faktoren wie Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Medikamente ausgelöst werden.
Die Wirbelsäule und ihre Bedeutung
Die Wirbelsäule wird in drei Bereiche unterteilt: Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Rückenschmerzen im mittleren oder oberen Rücken (BWS-Syndrom) sind seltener als Kreuzschmerzen (LWS-Syndrom) oder Nackenschmerzen (HWS-Syndrom), beruhen aber meist auf Verspannungen und Fehlhaltungen. Der Rückenspezialist muss entscheiden, ob Selbsthilfemaßnahmen ausreichen oder spezifische Maßnahmen erforderlich sind.
Die Lendenwirbelsäule trägt durch den aufrechten Gang ein hohes Gewicht, was oft zu Kreuzschmerzen führt. Diese sind meist unspezifischer Natur, können aber auch durch spezifische Ursachen wie einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Der Rückenspezialist kann hier entweder zur Selbsthilfe anleiten oder eine gezielte Behandlung einleiten.
Jeder Spinalnerv der Halswirbelsäule versorgt eine bestimmte Armregion. Nackenschmerzen, die zusammen mit Schulterschmerzen auftreten, werden als unteres Zervikalsyndrom bezeichnet und fallen unter den Begriff HWS-Syndrom. Bei Schulterschmerzen ist immer auch eine Untersuchung der Halswirbelsäule erforderlich.
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Ursachen für Taubheitsgefühl im Fuß
Ein Taubheitsgefühl im Fuß kann verschiedene Ursachen haben:
- Neuropathie: Eine häufige Ursache ist die Neuropathie, bei der Nerven im Körper geschädigt werden. Diabetes ist eine häufige Ursache, da der hohe Blutzuckerspiegel zu Nervenschäden führen kann. Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum.
- Kompression oder Verletzungen: Ein Bandscheibenvorfall oder zu enge Schuhe können Druck auf die Nerven ausüben und Taubheitsgefühle verursachen.
- Durchblutungsstörungen: Die periphere arterielle Verschlusskrankheit beeinträchtigt die Blutzirkulation und kann ebenfalls Taubheitsgefühle hervorrufen.
- Entzündliche Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen oder Infektionen können die Nerven beeinträchtigen.
- Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an B-Vitaminen kann die Nervenfunktion beeinträchtigen. Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Symptome von Empfindungsstörungen auslösen. Es kommt in großen Mengen in tierischen Produkten wie Weichkäse und Fisch vor und ist an der Bildung der Schutzhülle unserer Nerven beteiligt. Taubheitsgefühle und Kribbeln können die Folge sein, wenn ein Mangel des Vitamins vorliegt.
- Ansteckungskrankheiten: Virale Infektionen wie Masern, Mumps oder die von Zecken übertragenen Erkrankungen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sowie Borreliose können Entzündungen im zentralen Nervensystem auslösen, woraus möglicherweise Empfindungsstörungen resultieren.
- Multiple Sklerose: Die entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems äußert sich häufig durch viele verschiedene Symptome.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall führt unter Umständen zu Empfindungsstörungen auf einer Körperseite, da bestimmte Bereiche im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die dadurch absterbenden Nerven lösen die Symptome aus.
- Psychische Erkrankungen: Neben physischen Auslösern wie Unfällen oder körperlichen Krankheiten können auch psychische Erkrankungen eine Ursache von Taubheitsgefühl oder Kribbeln sein. Dann ist die Rede von einer sogenannten dissoziativen Empfindungsstörung.
Symptome von Taubheitsgefühl im Fuß
Ein Taubheitsgefühl im Fuß kann sich auf unterschiedliche Weise äußern:
- Verlust der Empfindlichkeit: Berührungen oder Druck werden nur noch vermindert wahrgenommen.
- Kribbeln oder Brennen: Oft als "Ameisenlaufen" beschrieben, kann dieses Gefühl sehr unangenehm sein.
- Schwäche in den Füßen: Das Gehen oder Stehen wird erschwert, was die Mobilität beeinträchtigen kann.
- Schmerzen: Trotz des Taubheitsgefühls können neuropathische Schmerzen vorhanden sein.
Diagnose von Taubheitsgefühl im Fuß
Die Diagnose erfordert eine gründliche Untersuchung:
- Klinische Untersuchung: Der Arzt überprüft Fußreflexe, Empfindlichkeit und Muskelkraft, um Hinweise auf Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen zu erhalten.
- Bluttests: Diese dienen dazu, Erkrankungen wie Diabetes, Vitaminmangel oder entzündliche Prozesse zu identifizieren.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT oder CT-Scans können strukturelle Ursachen wie Bandscheibenvorfälle ausschließen oder bestätigen.
- Elektrophysiologische Methoden: Hierbei werden überwiegend die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven vermessen. Begleitet wird dies durch ein EMG (Elektromyographie- elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel).
- Laborchemische Abklärung: der wichtigsten Ursachen aus dem Blut.
Therapieoptionen für Taubheitsgefühl im Fuß
Die Behandlung erfordert oft einen ganzheitlichen Ansatz:
- Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder spezielle Medikamente gegen neuropathische Schmerzen können eingesetzt werden. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Paracetamol gilt als gut verträglich und kann insbesondere für Menschen, die Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR nicht vertragen, eine Alternative sein. Opioide: Starke Schmerzmittel, die nur kurzfristig und nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden dürfen. Antikonvulsiva: Diese Mittel werden normalerweise bei Epilepsie eingesetzt, einige sind aber auch zur Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien) zugelassen. Antidepressiva: Sie werden normalerweise gegen Depressionen eingesetzt. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von Schmerzen zugelassen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Fußmuskulatur stärken und die Mobilität verbessern. Krankengymnastik ist hilfreich bei schmerzbedingt eingeschränkter Mobilität zur Korrektur von Fehlhaltung und Muskeltonus.
- Neural-Akupunktur: Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden.
- Physiotherapie: Lähmungen und Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen können mit einer spezifischen Physiotherapie behandelt werden. Diese kann gegebenenfalls um elektrische oder magneto-elektrische Stimulationverfahren ergänzt werden.
- Lebensstiländerung: Diätveränderungen, regelmäßige Bewegung und Gewichtskontrolle helfen, zugrundeliegende Bedingungen wie Diabetes besser zu managen. Neben dem Verzicht auf Nikotin sollten Sie auf ausreichende Bewegung achten. Beides ist gut für die Durchblutung und Gesundheit Ihrer Nerven. Auch eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung ist wichtig, um dem Nervensystem die richtigen Nährstoffe zu liefern.
- Chirurgischer Eingriff: Bei strukturellen Ursachen wie einem Bandscheibenvorfall kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der zähe Faserknorpel der Bandscheibe. Ihr gallertiger Kern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf einen Rückenmarksnerven, leiden Betroffene unter starken Rückenschmerzen, die teilweise bis in Arme und Beine ausstrahlen. Den Wirbelsäulen-Spezialisten der Gelenk-Klinik steht ein breites Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung, Patienten mit einem Bandscheibenvorfall wieder zu weitgehender Schmerzfreiheit und Mobilität zu verhelfen. Diese reichen von individuell angepasster Schmerzbehandlung direkt an der geschädigten Bandscheibe (Infiltration) über minimalinvasive Eingriffe bis hin zum Einsatz einer Bandscheibenprothese.
Gesunder Lebensstil für gesunde Füße
Ein gesunder Lebensstil ist entscheidend für die langfristige Gesundheit der Füße:
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- Ausgewogene Ernährung: Versorgt den Körper mit den notwendigen Nährstoffen und kann helfen, Entzündungen zu reduzieren.
- Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung und stärkt die Muskeln.
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin: Beeinträchtigen die Durchblutung.
- Blutzuckerkontrolle bei Diabetes: Ein stabiler Blutzuckerspiegel kann das Risiko von Nervenschäden verringern.
- Passende Schuhe: Verhindern Druckstellen und unterstützen eine gesunde Fußhaltung.
Bandscheibenvorfall als Ursache
Ein Bandscheibenvorfall kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen im Fuß führen. Dabei reißt der Faserknorpel der Bandscheibe, und der Gallertkern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt dieser auf einen Rückenmarksnerven, können starke Rückenschmerzen entstehen, die bis in Arme und Beine ausstrahlen. Insbesondere ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) kann zu Ischiasschmerzen führen, bei denen die Schmerzen auf der Rückseite des Beins bis in den Fuß ausstrahlen.
Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls kann konservativ oder operativ erfolgen. Konservative Maßnahmen umfassen Schmerzmittel, Physiotherapie und Entspannungsübungen. Operative Eingriffe werden in Betracht gezogen, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten.
Spinalkanalstenose als Ursache
Eine Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals, kann ebenfalls zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen im Bein und Fuß führen. Ursache dafür sind vor allem degenerative Prozesse, bei denen Knochenanbauten oder verdickte Bänder auf Rückenmark und Nervenwurzeln drücken. Die Beschwerden variieren je nach Ort der Einengung. Bei einer Spinalkanalstenose der Lendenwirbel (lumbale Spinalkanalstenose) kommt es häufig zu Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen, sowie zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen.
Die Behandlung der Spinalkanalstenose erfolgt meist konservativ mit Schmerzmitteln, Physiotherapie und Entlastungshaltungen. In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um das Nervengewebe vom Druck zu befreien.
Fußheberschwäche
Eine Fußheberschwäche kann ebenfalls zu Taubheitsgefühlen und Gangstörungen führen. Dabei können Betroffene die Fußspitze nicht mehr richtig anheben, was zu Stolpern und Unsicherheit beim Gehen führt. Ursachen können Schädigungen des Zentralnervensystems (zentrale Fußheberschwäche) oder Schädigungen eines außerhalb liegenden Nervs (periphere Fußheberschwäche) sein.
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Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann Bandagen, Schienen, Elektrostimulation und Physiotherapie umfassen. Gezieltes Muskeltraining kann helfen, die Beschwerden zu lindern.
Polyneuropathie
Der Begriff „Polyneuropathie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Erkrankung mehrerer Nerven“. Bei den meisten Menschen beginnt die Polyneuropathie mit Reizerscheinungen im Sinne von Kribbelgefühlen, brennenden Mißempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen und Taubheitsgefühlen an den Füßen. Häufig beschrieben wird ein Schwellungsgefühl, unangenehmer Druck, Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen. Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen bds. betroffen. Im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren kommt es zur Ausweitung der Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit Socken-förmiger oder Kniestrumpf-förmiger Begrenzung. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein (siehe Abbildung 1). Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Krämpfe, insbesondere nachts oder bei Belastungen, sind nicht selten. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden. Dies kann, z.B. beim Diabetes mellitus, zur Entstehung von Druckgeschwüren führen (siehe Abbildung 2). Letztlich können auch die inneren Organe im Sinne einer autonomen Polyneuropathie betroffen sein. Dies führt beispielsweise zur Blasenlähmung, Darmträgheit oder zur mangelnden Regulation des Herzschlages bei Anstrengung.
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, d.h. also nicht des Gehirns oder des Rückenmarks. Sie entsteht indem entweder der innere Strang des Nervs oder seine Umhüllung erkranken. Nerven arbeiten wie elektrische Leitungen. Vergleicht man den Nerv mit einem Kupferkabel, so können Störungen entweder durch eine Unterbrechung der Kupferleitung in der Mitte oder der umhüllenden Isolierung entstehen. Je länger ein Nerv ist umso eher erkrankt er an Polyneuropathie, weshalb die Erkrankung häufig an den Zehen und Füßen beginnt.
Die Polyneuropathie ist eine häufige neurologische Erkrankung, die sowohl Männer als auch Frauen in gleichem Maße betrifft und im Alter an Häufigkeit zunimmt. Etwa jeder 3. Diabetiker ist davon betroffen.
Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt.
Gefühlsstörungen als Begleitsymptom von Erkrankungen
Nicht selten treten Gefühlsstörungen in Verbindung mit bestimmten körperlichen oder neurologischen Erkrankungen auf. Je nach Lokalisation, Ausprägung und Verlauf der Missempfindungen - ob sie plötzlich einsetzen, sich allmählich entwickeln oder wiederholt auftreten - können sie auf bestimmte körperliche oder neurologische Erkrankungen hinweisen und ein wichtiges diagnostisches Signal darstellen. Beispiele von Erkrankungen, bei denen Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen häufig auftreten:
- Polyneuropathie
- Multiple Sklerose
- Parkinson
- Migräne
- Bandscheibenvorfall
- Psychische Störungen
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