Rückenschmerzen sind in Deutschland weit verbreitet, und Bandscheibenerkrankungen tragen einen erheblichen Teil dazu bei. Ein Bandscheibenvorfall, bei dem die Knorpelscheibe zwischen zwei Wirbeln herausgedrückt wird und ein benachbarter Nerv eingeklemmt wird, ist eine häufige Ursache für diese Schmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten eines eingeklemmten Nervs im Krankenhaus, von konservativen Ansätzen bis hin zu operativen Eingriffen, und bietet einen umfassenden Überblick für Betroffene und Interessierte.
Ursachen und Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Die Bandscheiben sind als Stoßdämpfer unseres Körpers täglich immensen Belastungen ausgesetzt. Verschleißerscheinungen, die altersbedingt oder durch zu hohe Belastung entstehen, können zu einem Bandscheibenvorfall führen. Auch eine andauernde Fehlbelastung, wie sie bei körperlicher Arbeit oder beim Heben von Sachen auftritt, gilt als Auslöser. Langes Sitzen in falschen Positionen und Übergewicht können die Lendenwirbelsäule und somit auch das Bandscheibengewebe dauerhaft schädigen.
Ein Bandscheibenvorfall kann unterschiedliche Symptome auslösen, wie etwa starke Rückenschmerzen oder eine dauerhafte Fehlhaltung, bedingt durch den Rückenschmerz. Auch Schmerzen, die in das Bein ausstrahlen, können auftreten.
Konservative Behandlungsmethoden
Die meisten Bandscheibenvorfälle werden zunächst konservativ behandelt. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:
- Schmerztherapie: Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol können in Kombination mit physikalischen Therapien eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Krankengymnastik ist ein wichtiger Bestandteil der konservativen Therapie. Unter Aufsicht des Physiotherapeuten wird die Muskulatur schrittweise wieder aufgebaut. Die Ziele und Übungen der Therapie richten sich dabei stets nach den Beschwerden des Patienten.
- Injektionen: Bei Vorwölbungen oder Verschmälerung der Bandscheibe im Anfangsstadium können regenerative Verfahren wie die Injektion von körpereigenen Blutplättchen mit Wachstumsfaktoren eingesetzt werden. Auch die Periradikuläre Therapie (PRT), bei der Medikamente über eine dünne Kanüle an die Nervenwurzel verabreicht werden, kann zur Schmerzlinderung beitragen.
- Hydrogel-Implantate: Bei Bandscheibenverschleiß können kleine Hydrogel-Implantate direkt in die Bandscheibe injiziert werden, die aussehen wie kurze Spaghetti-Stückchen. Sie saugen sich dort voll Wasser, vergrößern ihr Volumen und bauen dadurch die Bandscheibe wieder bis zu ihrer ursprünglichen Höhe auf.
- Weitere konservative Maßnahmen: Auch Akupunktur, Atlastherapie und Stammzelltherapie können bei chronischen Rückenschmerzen eingesetzt werden.
Operative Behandlungsmethoden
Wenn konservative Therapien nicht weiterhelfen oder Lähmungen auftreten, kann eine Operation erforderlich sein. Es gibt verschiedene Operationstechniken, die individuell eingesetzt werden:
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- Nukleoplastie: Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird überschüssiges Bandscheibengewebe lediglich mit einer dünnen Hochfrequenzsonde entfernt, was den eingeklemmten Nerv entlastet.
- Mikrochirurgische Dekompression: Dabei kommt ein spezielles Operationsmikroskop zum Einsatz. Die Strukturen, die zu einer Verengung des Wirbelkanals führen, werden beseitigt.
- Endoskopische Bandscheiben OP: Die benötigten, endoskopischen Instrumente werden über einen Minimalschnitt bis zur Bandscheibe eingeführt.
- Implantation eines Spreizer-Implantates: Sie kommt bei einer Verschmälerung der Bandscheibe oder einer Wirbelkanalverengung im Anfangsstadium zum Einsatz.
- Bandscheibenprothese: Die künstliche Bandscheibe ist eine Alternative zur Versteifung. Sie soll die gesunde Beweglichkeit des degenerierten Wirbelsäulensegments wiederherstellen und die negativen Auswirkungen der Versteifung reduzieren.
- Dynamische Stabilisierung: Bei degenerierter Wirbelsäule oder hohem Verschleiß kann eine dynamische Stabilisierung versucht werden, d.h. es wird versucht, den natürlichen Bewegungsumfang wiederherzustellen.
- Versteifungs-OP: Zwar gilt die Versteifungs-OP heute trotzdem immer noch als der Standard in der operativen Therapie chronisch degenerativer Bandscheibenerkrankungen. Allerdings nutzen sich danach die benachbarten Wirbelsäulen-Segmente verstärkt ab.
Ablauf einer Bandscheibenoperation
Eine Bandscheiben OP wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt. Der genaue Ablauf hängt dann von der gewählten Operationsmethode ab. Bei der Implantation einer Prothese wird der Eingriff über einen vorderen Zugang zur Lenden- und Halswirbelsäule durchgeführt.
Vor einer Bandscheiben OP müssen einige Untersuchungen durchgeführt werden. In der Regel wird ein großes Blutbild, nach vorheriger Blutentnahme, angefertigt. Auch eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte erfolgt vor einer Bandscheibenvorfall Operation, um eventuelle Vorerkrankungen oder auch eine erbliche Veranlagung abklären zu können. Auch welche Narkose-Art Sie erhalten werden, besprechen wir im Vorfeld jeder Bandscheiben OP.
Risiken und Komplikationen
Jeder operative Eingriff ist mit gewissen Risiken verbunden, was auch für eine Bandscheiben Operation gilt. Bei einer Bandscheiben OP kann es beispielsweise zu Verletzungen des Bauchfells oder der Harnleiter kommen. Auch Verletzungen der Gefäße können auftreten. Diese Komplikationen kann der Chirurg aber in der Regel sofort beheben. Wie bei jeder OP besteht auch bei einer Bandscheiben Operation ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Wundheilungsstörungen oder Infektionen. Sollte eine Bandscheibenprothese implantiert worden sein, kann es in der Anfangszeit nach der OP zu einer ungewollten Verschiebung des Implantats kommen.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach einer Bandscheiben OP sollten Sie in keinem Fall in eine unnatürliche Schonhaltung verfallen. Besser ist es, sich zu bewegen. Nur extreme Drehbewegungen sollte man dabei vermeiden. Auch schwere, körperliche Belastungen, wozu auch Tragen und Heben zählt, sind natürlich ungünstig. In der Anfangszeit dürfen Sie nur geringe Lasten tragen oder heben, die ein Gesamtgewicht von fünf Kilogramm nicht überschreiten.
Zusammen mit Ihnen entwickeln wir eine für Sie individuell geeignete Nachbehandlung, beispielsweise für Ihren Physiotherapeuten. Wir stimmen die Therapie genau auf Sie und Ihre Bedürfnisse ab. Nach einem Eingriff verschreibt der Arzt, falls das ratsam erscheint, den Patienten ein Korsett (Fachausdruck: Orthese), das vorübergehend getragen wird und bereits frühzeitig mehr Bewegung erlaubt.
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Alternative Behandlungsmethoden: ISG-Denervierung
Lang andauernde und tiefsitzende Kreuzschmerzen entstehen oft nicht durch Störungen an der Lendenwirbelsäule, sondern durch Abnutzungserscheinungen und Verschleiß (Arthrose) im Kreuz-Darmbeingelenk (Iliosakralgelenk ISG). Hier kann der Arzt die beteiligten schmerzleitenden Nevenfasern durch Radiofrequenz-Energie ausschalten (Fachausdruck: RF-Neurotomie). Dies wird als ISG-Denervierung bezeichnet.
Bei der ISG-Denervierung werden mit der Radiofrequenzsonde die kleinen Nervenäste verödet, die Schmerzsignale aus dem erkrankten Iliosakralgelenk zum zentralen Nervensystem transportieren. Der Effekt hält meist ein bis zwei Jahre an.
Hydrodissektion von Nerven
Eine weitere alternative Behandlungsmethode ist die Hydrodissektion von Nerven. Der Begriff „Hydrodissektion von Nerven“ beschreibt die Trennung oder Entfernung von Gewebeschichten, die einen Nerv umgeben. Diese Gewebeschichten können verkleben und den Nerv einengen und reizen, weshalb die schonende Trennung mithilfe eines sanften Wasserstrahls erfolgt.
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