Die Unterscheidung zwischen Wichtig und Unwichtig im Gehirn bei psychischen Erkrankungen

Die menschliche Fähigkeit, zwischen relevanten und irrelevanten Informationen zu unterscheiden, ist entscheidend für ein geordnetes Denken und Handeln. Bei bestimmten psychischen Erkrankungen, wie Schizophrenie und ADHS, ist diese Fähigkeit jedoch beeinträchtigt, was zu einer veränderten Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen führt. Dieser Artikel beleuchtet die Mechanismen der Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig im Gehirn und untersucht, wie diese bei Schizophrenie und ADHS gestört sein können.

Schizophrenie: Wenn die "Sortiermaschine" defekt ist

Schizophrenie, eine schwere psychische Störung, die Wahrnehmung und Denken verändert, ist weltweit verbreitet. In Deutschland erkranken jährlich etwa 19 von 100.000 Einwohnern neu. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber genetische Veranlagung spielt eine große Rolle. Die Forschung deutet auf Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion hin, insbesondere ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Dopamin.

Symptome und Subtypen der Schizophrenie

Die Symptome der Schizophrenie sind vielfältig und können in Positiv- und Negativsymptome unterteilt werden. Positivsymptome umfassen Halluzinationen (z. B. Stimmenhören, optische Halluzinationen) und Wahnvorstellungen (z. B. Verfolgungswahn, Beziehungswahn). Negativsymptome äußern sich in sozialem Rückzug, Antriebslosigkeit, Gefühlskälte und Konzentrationsstörungen.

Es gibt verschiedene Subtypen der Schizophrenie, darunter:

  • Paranoide Schizophrenie: Die häufigste Form, gekennzeichnet durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
  • Hebephrene Schizophrenie: Tritt oft im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf und äußert sich in distanzlosem, unangemessenem Verhalten und zusammenhanglosen Gedanken.
  • Katatone Schizophrenie: Eine seltene Form, die mit unkontrollierten Bewegungen, Starre und Mutismus einhergehen kann.

Die Rolle des Gehirns bei Schizophrenie

Bei Schizophrenie-Patienten erreicht eine Flut ungefilterter Informationen und Reize das Gehirn. Es wird für den Betroffenen unmöglich, Informationen korrekt zu verarbeiten und zu unterscheiden, was wichtig oder unwichtig ist. Das Gehirn eines Schizophreniepatienten befindet sich unter Dauerstress. Die unendlich vielen Sinneseindrücke, die von außen auf jeden Menschen einstürmen und unbewusst in "unwichtig" und "wichtig" eingeteilt werden, sind irgendwann zuviel für den Kranken. Seine "Sortiermaschine" ist defekt, und das Hirn schaltet eine Art Filter ein, der die Bedeutung des Wahrgenommenen verschiebt. Die Forscher stellten einen Verlust von mehr als 10 Prozent grauer Hirnsubstanz in den äusseren Hirnbereichen der Testpersonen fest. Innerhalb von fünf Jahren ist das gesamte Hirn betroffen.

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Behandlung der Schizophrenie

Die Behandlung der Schizophrenie umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten (Neuroleptika), Psychotherapie und Soziotherapie. Neuroleptika helfen, die Symptome wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen zu reduzieren, während die Psychotherapie den Betroffenen hilft, die Krankheit zu verstehen und Strategien zum Umgang mit ihr zu entwickeln. Die Soziotherapie unterstützt die soziale und berufliche Integration.

ADHS: Eine besondere Art der Informationsverarbeitung

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist keine Krankheit, sondern eine besondere Art zu sein. Das Gehirn arbeitet nicht schlechter als andere Hirne, aber eben anders. Es ist gut, die Gebrauchsanweisung dafür zu kennen, um die Genialität und Besonderheiten dieses Gehirns nutzen zu können.

Schwierigkeiten bei der Nutzung des ADHS-Gehirns

Das ADHS-Gehirn funktioniert nicht immer, wenn es soll oder man es braucht. Es arbeitet besonders gut, wenn eine Tätigkeit Spaß macht oder eine spannende Belohnung winkt. Dann kann es zu wahrer Hochform auflaufen und Berge versetzen, denn es hat die Eigenschaft zu hyperfocussieren. Alles was dann in diesem Interessen-Fernrohr erscheint, wird genau wahrgenommen, hochkonzentriert verarbeitet und die Zeit scheint dann wie im Flug zu vergehen. Einen solchen Zustand nennt man Flow und er ist die wahre Kreativität. Während dieses Flows ist eine mühelose Konzentration möglich und die Welt außerhalb dieses Focus wird vergessen.

Ganz anders sieht es nun für Tätigkeiten aus, die Ihnen keinen Spaß und keine Belohnung verheißen. Dann kann das ADHS-Gehirn sich völlig verweigern und selbst kleine Verpflichtungen werden dann zum unüberwindbaren Hindernis, weil sich Prokastination ( Aufschieberitis) und Trägheit einstellen. Dies kann sich bis zu einer Denkblockade steigern. Das ist dann die Geschichte mit dem riesigen inneren Schweinhund und der Motivationsstörung. ADHS-ler beherrschen es leider oft in Perfektion Meister der Selbstausreden zu sein und unangenehmen Pflichten und Aufgaben immer wieder heraus zu schieben und sich immer wieder vor unangenehmen Situationen zu drücken.

Strategien für den Umgang mit ADHS

Wichtig ist es für Betroffene, dass sie ADHS nicht als Ausrede benutzen, sondern an den eigenen Schwierigkeiten arbeiten und wachsen. Zuerst geht es darum diesen Floweffekte zu nutzen. Dazu ist es allerdings notwendig vorher den nahestehenden Mitmenschen eine Erklärung dazu abgeben wie z.B: “ ich brauche jetzt eine ungestörte Zeit und bitte stört mich da nicht. Es kann sein, dass ich da wenig anderes mitbekomme..“, Natürlich gilt es diesen Flow zeitlich eingrenzen, denn man kann ja nicht von den anderen uneingeschränktes Verständnis dafür erwarten, dass man sich ausschließlich mit den eigenen Geistesblitzen beschäftigt.

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Wichtig ist es auch spontane Einfälle und Gedanken zu ernten, die in den unmöglichsten Situationen kommen können. Das ADHS-Gehirn kann wirklich unglaubliche Ideen haben, aber sie kommen zufällig und nebenbei und wenn man sie nicht schriftlich festhält, sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Also ganz wichtige Regel für das ADHS Gehirn: alles, was ihnen an guten Gedanken kommt, sofort aufschreiben oder aufs Handy diktieren, sonst sind sie ganz schnell vergessen. Schreiben sie auch kleine Ideen auf, die ihnen spontan kommen, wie Dinge, die sie noch einkaufen müssen, Geburtstagsgeschenke und Telefonate, die sie noch erledigen müssen.

Die Kunst ist es die Gedanken immer auf eine bestimmte Art zu sammeln, sei es mit Post-it Aufklebern oder Handyerinnerungen und diese dann z.B abends bestimmten Listen und bestimmten Projekten zuzuordnen. Das Gehirn arbeitet so nebenbei und Sie werden sich wundern, wie viel ihnen den ganzen Tag über einfällt. Es gilt bei einem ADHS-Gehirn immer: vom “ Chaos in die Struktur“ zu kommen. Das bedeutet, dass Sie all die vielen guten Gedanken, die Sie haben, festhalten, sortieren, zuordnen und dann abarbeiten. Wenn Sie sich daran gewöhnen, werden Sie erstaunt sein, wie leicht ihnen das fällt, wenn sie bestimmte Projekte wie kleine Puzzleteilen zu einem Gesamtbild zusammensetzen können.

Reizüberflutung vermeiden

ADHS-ler Reizüberflutung und Störfaktoren, wann immer es möglich ist, vermeiden sollten. Jede Ablenkung und jeder neuer Reiz verschlechtert die Konzentration, wenn die aktuelle Tätigkeit nicht gerade superspannend ist. Je mehr Ablenkung und Reize da sind, desto mehr Informationen werden von dem ADHS-Gehirn aufgenommen und müssen bearbeitet und verarbeitet werden. Und jeder neue Reiz schafft auch mehr Ablenkung. Aus diesem Grund ist es auch nicht gut mehrere Sachen gleichzeitig zu tun oder zusätzlich Musik zu hören, fernzusehen oder Computer zu spielen. Informationsüberflutung kann zu seinem Datencrash auf der Gehirnfestplatte führen und chaotisches und sprunghaftes Denken weiter verstärken. Das führt auch dazu, dass viel zu viele Infos auf ihrer Gehirnfestplatte landen und ihr Gehirn nun nicht mehr priorisieren kann, was bedeutet, dass es Schwierigkeiten damit hat zu unterscheiden, was wichtig und was unwichtig ist.

Lernen mit ADHS

Das ADHS-Gehirn hat oft auch Schwierigkeiten mit dem Lernen. Gelerntes wird nicht so gut im Arbeitsspeicher verarbeitet und festgehalten. Das kann damit zusammen hängen, dass zu viel unwichtige Informationen vorhanden ist. Es ist leider so, dass Sie dazu gezwungen sind mehr als andere zu lernen und vor allem zu wiederholen. Es ist dabei hilfreich das Sie sich das Gelernte laut vorsagen und immer wiederholen.

Strategien für den Alltag

ADHS-ler können selbst nichtige Tätigkeiten als Schwerstarbeit erleben und Endlosdiskussionen über Sinn oder Unsinn dieser Tätigkeiten führen: nutzt aber nichts und je eher man diese unsäglichen Jobs erledigt, desto eher hat man dann wieder Spaß und Zeit für etwas besseres. Je mehr Sie Energien in die Vermeidung von Pflichten stecken, desto mehr verderben Sie die Laune und es ist verschwendete Energie und Zeit. Am allerbesten ist es für Sie, sich selbst Belohnungen für die getane Arbeite in Aussicht zu stellen Hier gilt leider dieser ätzend langweilige Spruch: „erst die Arbeit und dann das Vergnügen“.

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Es gilt auch zu beachten, dass Sie nicht mehrere Sachen gleichzeitig anfangen. Springen Sie nicht von einer Tätigkeit zur anderen, denn es ist immer die Gefahr, dass Sie sich verzetteln. 10 Sachen ein bisschen gemacht, bleibt ein bisschen, eine Sache richtig, macht ein gutes Gefühl! Tun Sie Dinge, die Sie anfangen konzentriert, richtig und führen Sie sie zu Ende“ Dieser Merksatz ist wichtig, denn er ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie kennen das auch, dass Sie leider dazu neigen Dinge nur bis zu 80% zu erledigen. Das schafft viel Unmut bei den anderen, die gerne Sachen vollständig abgeschlossen sehen wollen und die sich über Unvollendetes ärgern.

Schlaf: Ein Schlüsselfaktor für die Unterscheidung zwischen Wichtig und Unwichtig

Neue Forschungsergebnisse der University of Queensland in Australien bestätigen, dass Schlafmangel sich auf unsere Gehirnaktivität auswirkt. Obwohl es sich beim Schlafen so anfühlt, als hätte man „abgeschaltet“, ist das Gehirn keinesfalls inaktiv. Durch die Untersuchung der Muster von Gehirnaktivitäten konnte herausgefunden werden, dass das Gehirn während des Schlafs zwei Hauptmuster aufzeigt: Den REM-Schlaf ("rapid eye movement") und die Tiefschlafphase. Die Tiefschlafphase, die hauptsächlich zu Beginn der Nacht eintritt, ist durch geringe elektrische Hirnaktivität charakterisiert.

Die Funktionen des Schlafs

Der Schlaf hat viele verschiedene Funktionen. Eine davon ist, die Erfahrungen des Tages zu verarbeiten. REM-Schlaf soll wichtig für emotionale Erinnerungen (bspw. Angst) und prozessuale Erinnerungen (bspw. wie fahre ich Fahrrad) sein, wohingegen der Tiefschlaf die sogenannten erklärenden Erinnerungen verarbeitet, die als Aufzeichnung all unserer Erfahrungen und unseres Wissens gelten. Wir wissen, dass unsere täglichen Erfahrungen im Schlaf nochmal durchlebt werden. Diese Wiederholungen finden in den Neuronen des Hippocampus - der relevanten Gehirnregion für das Gedächtnis - statt.

Selektives Speichern von Erinnerungen

Um wichtig von unwichtig zu unterscheiden, kann das Gehirn die Erinnerungen nur selektierend speichern. Der Schlaf ermöglicht es dem Gehirn, die Erinnerungen zu überprüfen und unwichtige Erlebnisse zu vergessen. An die wichtigen Ereignisse können wir uns dann besser erinnern. Um zu vergessen werden die Verbindungen einzelner Hirnzellen geschwächt oder gänzlich getrennt.

Die Hypothese zur synaptischen Homöostase

Eine gängige Theorie zur Funktion des Schlafs liefert die Hypothese zur synaptischen Homöostase. Sie besagt, dass es während des Schlafes zu einer weiterverbreiteten Schwächung der Synapsen (also der Verbindungen im Gehirn) kommt. Man geht davon aus, dass es diesen Vorgang braucht, um das Gleichgewicht von Erinnern und Vergessen zu halten. Durch das gezielte Vergessen während des Schlafs, können wir am folgenden Tag wieder Neues lernen. Durchkreuzt oder verhindert man diesen Vorgang, so kann es zu intensiveren und unter Umständen auch ungewollten Erinnerungen kommen.

Schlaf und die "Instandhaltung" des Gehirns

Schlaf wird ausserdem benötigt um das Gehirn "instand zu halten“. Eine aktuelle Studie mit Mäusen hat bestätigt, dass Schlaf das Gehirn auch von Giftstoffen reinigt, die sich während des wachen Zustandes ansammeln. Während des Schlafs vergrößert sich der Zellabstand, sodass Giftstoffproteine abtransportiert werden können. Es ist möglich, dass durch diesen Abtransport Krankheiten wie Alzheimer abgewehrt werden können.

Die Auswirkungen von Schlafmangel

Genug Schlaf zu bekommen ist wichtig für unsere Konzentrations- und Lernfähigkeit während des Wachzustands. Es kommt zu verlangsamten Reaktionszeiten, und wir sind unkreativer und weniger leistungsstark, wenn wir zu wenig schlafen. Es kann außerdem zum sogenannten Sekundenschlaf kommen, bei dem wir wenige Sekunden lang das Bewusstsein verlieren, ohne es überhaupt zu bemerken. Kinder können bei Schlafmangel hyperaktiv werden und den Unterricht stören.

Chronische Schlafstörungen konnten allerdings mit Gehirnerkrankungen wie Schizophrenie, Autismus und Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

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