Kryokonservierung des Gehirns: Hoffnung auf ein Leben in der Zukunft oder reine Science-Fiction?

Die Kryokonservierung, das Einfrieren von Menschen in der Hoffnung auf zukünftiges Weiterleben nach dem Auftauen, mag für viele abstrus klingen. Doch dieses Verfahren, bei dem Zellen durch Einfrieren ohne Schäden haltbar gemacht werden, wird bereits regelmäßig angewendet, insbesondere bei Keimzellen. Die Kryonik, die Anwendung der Kryokonservierung auf den ganzen Körper oder das Gehirn, ist jedoch weitaus umstrittener.

Kryokonservierung: Die Grundlagen

Die Kryokonservierung ermöglicht es, Zellen durch Einfrieren haltbar zu machen, ohne dass diese ihre Vitalität verlieren. Dies wird oft bei Keimzellen angewendet, um die Fruchtbarkeit von Menschen vor einer Chemo- oder Strahlentherapie zu erhalten.

Die Herausforderungen:

  • Zellstruktur: Große Zellen mit viel Flüssigkeit und komplexem Aufbau sind schwerer einzufrieren. Eiskristalle können sich bilden und die Zellen zerstören.
  • Organe: Organe bestehen aus verschiedenen Zelltypen und haben ein dickeres Gewebe als einzelne Zellen, was das Einfrieren zusätzlich erschwert.

Die Verfahren:

  • Slow-Freezing: Zellen werden schrittweise langsam heruntergekühlt.
  • Vitrifikation: Zellen werden extrem schnell "schockgefroren", wodurch eine glasartige Struktur entsteht, die die Zellstruktur schützt.

Bei beiden Verfahren werden Kryoprotektiva eingesetzt, um die Bildung von Eiskristallen zu verhindern.

Kryokonservierung des Gehirns: Der Traum von der Unsterblichkeit

Einige Unternehmen bieten die Kryokonservierung des Gehirns an, in der Hoffnung, dass zukünftige Technologien es ermöglichen werden, das Gehirn wiederzubeleben und die darin gespeicherten Informationen wiederherzustellen.

Der Ablauf:

  1. Unmittelbar nach dem Tod wird der Kopf schnell mit Eis heruntergekühlt.
  2. Das Blut wird durch eine spezielle Kühlflüssigkeit ausgetauscht.
  3. Der Körper wird langsam auf -196°C heruntergekühlt, wodurch die Kühlflüssigkeit in einen glasähnlichen Zustand übergeht.
  4. Der Körper wird in einem Stickstoff-Dewar gelagert, wo er theoretisch über Tausende von Jahren ohne weitere Zerfallsprozesse aufbewahrt werden kann.

Die Anbieter:

Es gibt vier Hauptanbieter für Kryokonservierung im Ausland:

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  • KrioRus (Russland)
  • Yinfeng Life Science Research Institute (China)
  • Cryonics Institute (Detroit, USA)
  • Alcor Life Extension Foundation (Arizona, USA)

Die Kosten:

Die Kryokonservierung des Gehirns kostet etwa 80.000 US-Dollar, während die Kryokonservierung des gesamten Körpers etwa 200.000 US-Dollar kostet. Diese Kosten beinhalten den Transport zum Institut und eine "Wiederbelebungsgebühr".

Die ethischen und wissenschaftlichen Kontroversen

Die Kryokonservierung des Gehirns ist mit erheblichen ethischen und wissenschaftlichen Kontroversen verbunden.

Wissenschaftliche Zweifel:

  • Verfallsprozesse: Nach dem Tod starten Verfallsprozesse im Körper, die nach heutigem Stand nicht rückgängig gemacht werden können.
  • Einfrieren und Auftauen: Das Einfrieren und Wiederauftauen ohne Schäden ist eine große Herausforderung. Das toxische Frostschutzmittel müsste wieder aus allen Zellen entfernt werden.
  • Wiederbelebung des Gehirns: Es ist derzeit nicht möglich, ein Gehirn zu kryokonservieren und voll funktionstüchtig wiederzubeleben. In der Neurowissenschaft geht man davon aus, dass Identität und Persönlichkeit im Gehirn verankert sind.

Ethische Bedenken:

  • Definition des Todes: Die Kryonik wirft die Frage auf, wann jemand als "tot" gilt. Die Definition des Todes wurde im Laufe der Geschichte immer wieder neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten angepasst.
  • Umgang mit Embryonen: Die Lagerung von kryokonservierten Zellen wirft rechtliche und ethische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit nicht eingesetzten Eizellen und die Verfügungsgewalt über die Zellen im Falle des Todes eines Spenders.

Kritische Stimmen:

Viele Wissenschaftler betrachten die Kryonik als reine Science-Fiction und Fantasterei. Eckhard Nagel, Transplantationsmediziner, hält Kryonik für "reine Science-Fiction". Biophysiker Prof. Günter Fuhr bezeichnete sie als Fantasterei und "reine Zukunftsmusik".

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trotz der wissenschaftlichen und ethischen Bedenken setzen Tausende von Menschen auf die Kryonik, in der Hoffnung, in einer unbekannten Zukunft aufzuwachen und weiterzuleben. Sie sehen die Kryokonservierung als Alternative zur traditionellen Bestattung und als Chance, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.

Die Argumente der Befürworter:

  • Fortschritte in der Kryobiologie: Die Kryonik hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv weiterentwickelt und von verwandten Disziplinen wie der Kryobiologie und Medizin viel gelernt.
  • Erhaltung der Gewebestruktur: Experimente zeigen, dass die Konservierung und Vitrifizierung von komplexen Organen wie dem Gehirn grundsätzlich funktionieren und die Gewebestruktur des Gehirns in einem guten Zustand erhalten bleibt.
  • Interdisziplinäre Forschung: Fortschritte in der Gerontologie und Nanotechnologie könnten für das Gelingen der Kryonik notwendig sein.

Tomorrowbio: Ein Startup mit großen Zielen:

Das Startup Tomorrowbio bietet Kryokonservierung an - mit dem Ziel, Verstorbene für eine mögliche Wiederbelebung in der Zukunft zu erhalten. Das Unternehmen kühlt Verstorbene auf -196 Grad Celsius herunter und tauscht das Blut durch ein medizinisches Frostschutzmittel aus.

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Kryokonservierung in Deutschland

Die Kryokonservierung selbst kann problemlos in Deutschland durchgeführt werden. Eine Langzeitlagerung der kryokonservierten "Patient:innen" ist hingegen derzeit nur im Ausland möglich.

Die Deutsche Gesellschaft für Angewandte Biostase e.V. (DGAB):

Die DGAB fördert die Erforschung und Anwendung von Methoden der Biostase, insbesondere der Kryonik, zum Zwecke der Lebensverlängerung. Sie informiert die Öffentlichkeit über Forschungsgebiete und Ergebnisse, die für die Lebensverlängerung und Biostase einschließlich Kryonik von Relevanz sind.

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