Auffälligkeiten in der EEG-Aufzeichnung der linken Gehirnhälfte: Ursachen und Bedeutung

Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist ein wichtiges diagnostisches Werkzeug in der Neurologie, um die elektrische Aktivität des Gehirns zu messen und aufzuzeichnen. Abweichungen von den normalen Mustern, insbesondere in einer Gehirnhälfte wie der linken, können auf verschiedene neurologische Erkrankungen hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und die Bedeutung solcher Auffälligkeiten im EEG.

Grundlagen des EEGs

Beim EEG werden kleine Elektroden auf der Kopfhaut platziert, um die elektrischen Spannungsunterschiede zu messen, die durch die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn entstehen. Diese Spannungsunterschiede, auch Hirnströme genannt, werden als Kurven auf einem Bildschirm dargestellt. Die Frequenz (Häufigkeit) und Amplitude (Höhe) dieser Wellen geben Aufschluss über den Aktivitätszustand des Gehirns.

Jeder Mensch hat ein individuelles EEG-Muster, das von verschiedenen Faktoren wie Alter, Wachzustand und geistiger Aktivität beeinflusst wird. Ein "normales" EEG kann daher von Person zu Person variieren. Bei Kindern sind die Wellenmuster oft langsamer und unregelmäßiger als bei Erwachsenen.

EEG-Wellen und ihre Bedeutung

Je nach Wachheitsgrad und Aktivität des Gehirns lassen sich verschiedene Wellenmuster im EEG unterscheiden:

  • Alpha-Wellen (8-12 Hz): Treten bei entspannten, wachen Erwachsenen mit geschlossenen Augen auf.
  • Beta-Wellen (13-30 Hz): Dominieren bei wachen Erwachsenen mit geöffneten Augen und bei geistiger Aktivität.
  • Theta-Wellen (4-7 Hz): Sind typisch für Müdigkeit und den Übergang zum Schlaf.
  • Delta-Wellen (0,5-3 Hz): Treten im Tiefschlaf auf.

Der Wechsel von Alpha- zu Beta-Wellen bei Augenöffnung oder Konzentration wird als Berger-Effekt oder Arousal-Reaktion bezeichnet.

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Auffälligkeiten im EEG: Ursachen und Interpretation

Auffälligkeiten im EEG, insbesondere eine fokale (örtlich begrenzte) Veränderung der Hirnaktivität in der linken Gehirnhälfte, können verschiedene Ursachen haben:

  • Epilepsie: Epileptische Anfälle können durch ungewöhnlich hohe und steile Wellen, sogenannte Spikewellen, im EEG gekennzeichnet sein. Da das EEG zwischen den Anfällen oft unauffällig ist, können spezielle Provokationsmethoden eingesetzt werden, um epileptiforme Aktivität auszulösen.
  • Hirntumore: Eine fokale Verlangsamung der Hirnaktivität oder das Auftreten von langsamen Wellen in einem bestimmten Bereich der Gehirnhälfte kann auf einen Tumor hinweisen.
  • Hirnschädigungen: Verletzungen des Gehirns, beispielsweise durch ein Schädel-Hirn-Trauma oder einen Schlaganfall, können ebenfalls zu fokalen EEG-Veränderungen führen.
  • Entzündliche Hirnerkrankungen: Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) können zu einer allgemeinen oder fokalen Störung der Hirnaktivität führen.
  • Multiple Sklerose (MS): Das Provokations-EEG kann auch bei Verdacht auf MS eingesetzt werden, um die Geschwindigkeit der Signalübertragung im Gehirn zu überprüfen.
  • Stoffwechselstörungen: In seltenen Fällen können Stoffwechselstörungen wie eine Unterzuckerung oder eine Überdosis an Medikamenten zu Krampfanfällen und damit zu EEG-Auffälligkeiten führen.
  • Fieberkrämpfe: Kinder mit Fieberkrämpfen haben ein erhöhtes Risiko, später an Epilepsie zu erkranken. In einigen Fällen können im EEG abnorme Signale, wie z.B. eine Verlangsamung oder Abschwächung, festgestellt werden, die auf akute fokale Läsionen hindeuten könnten.

EEG bei Epilepsie: Diagnostik und Provokationsmethoden

Das EEG spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Behandlung von Epilepsie. Da die für Epilepsie typischen Hirnstromwellen oft nur während eines Anfalls messbar sind, wird das EEG häufig in Kombination mit Provokationsmethoden eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, epileptiforme Aktivität aufzuzeichnen:

  • Hyperventilation: Der Patient wird gebeten, für einige Minuten schneller und tiefer zu atmen. Dies kann bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen.
  • Photostimulation: Der Patient wird hellem, flackerndem Licht ausgesetzt. Dies kann ebenfalls Anfälle provozieren.
  • Schlafentzug: Der Patient bleibt für eine Nacht wach, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, während des EEGs epileptiforme Aktivität im Schlaf aufzuzeichnen.
  • Langzeit-EEG: Die Hirnströme werden über einen längeren Zeitraum (24-48 Stunden) aufgezeichnet, um auch Anfälle zu erfassen, die nur selten auftreten oder überwiegend nachts vorkommen.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein normales EEG eine Epilepsie nicht ausschließt. In vielen Fällen sind weitere diagnostische Methoden wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder die Computertomografie (CT) erforderlich, um die Ursache der Anfälle zu finden.

Differentialdiagnose: Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Nicht alle Anfälle sind gleichbedeutend mit Epilepsie. Es gibt verschiedene andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können und daher differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen:

  • Synkopen: Ohnmachtsanfälle, die durch eine vorübergehende Minderversorgung des Gehirns mit Blut verursacht werden.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörungen: Störungen, bei denen die normale Muskelentspannung während des REM-Schlafs fehlt, was zu unkontrollierten Bewegungen und Verhaltensweisen führen kann.
  • Ischämische Attacken (TIA): Vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns, die zu neurologischen Ausfällen führen können.
  • Psychogene Anfälle: Anfälle, die psychische Ursachen haben und nicht durch eine organische Erkrankung des Gehirns verursacht werden.

Eine sorgfältige Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und neurologische Untersuchung sind entscheidend, um die richtige Diagnose zu stellen.

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Bedeutung der Anamnese und Anfallsbeobachtung

Die Anamnese, d.h. das ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient (bzw. Angehörigen), spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Epilepsie. Der Arzt wird Fragen stellen, um die Vorgeschichte, die aktuellen Symptome und die Lebensgewohnheiten des Patienten zu erfassen. Bei einer Fremdanamnese werden auch Angehörige befragt, um ein möglichst umfassendes Bild des Anfallsgeschehens zu erhalten.

Die Beobachtung und Dokumentation von Anfällen durch Angehörige oder Betreuer ist ebenfalls sehr wichtig. Ein Video des Anfalls kann dem Arzt wertvolle Informationen liefern. Es ist wichtig, auf folgende Aspekte zu achten:

  • Welche Symptome traten auf?
  • War der Patient während des Anfalls ansprechbar?
  • Wie lange dauerte der Anfall?
  • Gab es bestimmte Auslöser oder Begleitumstände?

Therapie und Behandlung

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren oder zu verhindern. Dies kann in der Regel durch Medikamente, sogenannte Antikonvulsiva, erreicht werden. In einigen Fällen kann auch eine Operation oder eine spezielle Diät (ketogene Diät) in Betracht gezogen werden.

Wenn die epileptischen Anfälle durch eine andere Grunderkrankung verursacht werden, muss in erster Linie diese behandelt werden. Zum Beispiel bei einer Meningitis, einer Stoffwechselstörung oder einer Autoimmunerkrankung.

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